Die deutsche Hip-Hop-Welt steht unter Schock: Givar Hajabi, besser bekannt als Xatar, ist am 8. Mai 2025 im Alter von nur 43 Jahren verstorben. Der Rapper und Unternehmer, der wie kaum ein anderer den Aufstieg vom Straßenjungen zum millionenschweren Geschäftsmann verkörperte, wurde leblos in seiner Kölner Wohnung aufgefunden. Berichten zufolge lag der Eintritt des Todes zum Zeitpunkt des Fundes bereits mehrere Stunden zurück. Sein plötzliches Ablehen hinterlässt nicht nur eine riesige Lücke in der Musikindustrie, sondern wirft auch drängende Fragen nach den Ursachen auf. Eine Obduktion soll nun klären, inwieweit seine schwere Schlaganfall-Erkrankung aus dem Jahr 2021 eine Rolle bei diesem tragischen Ende spielte.
Xatars Lebensgeschichte liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch, geprägt von extremen Kontrasten und einer beispiellosen Resilienz. Geboren 1981 in den Bergen Kurdistans, floh seine Familie vor politischer Verfolgung und Krieg, verbrachte Zeit in irakischen Gefängnissen und landete schließlich im Bonner Problemviertel Brüserberg. Diese frühen Erfahrungen von Entbehrung und Gewalt formten einen Kämpfer, der sich später im deutschen Rap eine Stimme verschaffte. Weltweite Berühmtheit erlangte er jedoch nicht nur durch seine Musik, sondern durch einen der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte: den Goldtransporter-Überfall von 2009. Nach seiner Flucht in den Irak und der anschließenden Auslieferung verbrachte er Jahre hinter Gittern – eine Zeit, die er nutzte, um sein Imperium strategisch vorzubereiten.

Nach seiner Haftentlassung im Jahr 2014 startete Xatar eine beispiellose Erfolgsserie. Er gründete Labels wie „Alles oder Nix Records“ und „Groove Attack Tracks“, entdeckte Superstars wie Mero und SSIO und dominierte über Jahre die deutschen Charts. Doch Xatar war mehr als nur ein Rapper; er war ein Visionär, der in Gastronomie, Mode und Schmuck investierte. Sein Restaurant „Haval Grill“ und seine Shisha-Tabak-Marke wurden zu festen Größen. Er baute ein Ökosystem auf, das weit über die Musik hinausreichte. Sein Leben wurde durch den Bestseller „Alles oder Nix“ und den preisgekrönten Film „Rheingold“ von Fatih Akin unsterblich gemacht.

Trotz des immensen materiellen Reichtums und des öffentlichen Ruhms blieb Xatar privat ein Suchender. In seinen letzten Interviews betonte er immer wieder, dass wahrer Erfolg nicht in Chart-Platzierungen oder Bankkonten liege, sondern in echten, ehrlichen Beziehungen. Die Isolation durch den Erfolg und das Misstrauen gegenüber falschen Freunden waren Themen, die ihn bis zuletzt beschäftigten. Sein einziger wahrer Anker war seine Familie. Über 15 Jahre war er mit seiner Frau Farva verheiratet, mit der er fünf Kinder hatte. Die Geburt seines jüngsten Kindes und sein gesundheitlicher Rückschlag im Jahr 2021 führten zu einer radikalen Umkehr seines Lebensstils. Er verlor über 50 Kilogramm und versuchte, seine Prioritäten weg vom Business hin zur Gesundheit und zur Zeit mit seinen Liebsten zu verschieben.

Doch das Schicksal schlug unbarmherzig zu. Während sein geschäftliches Imperium zuletzt durch Insolvenzen und Neustrukturierungen erschüttert wurde, schien er persönlich einen Weg zur inneren Ruhe gefunden zu haben. Sein plötzlicher Tod in der Einsamkeit seiner Wohnung steht im krassen Gegensatz zu seinem turbulenten Leben im Rampenlicht. Am 15. Mai 2025 wurde er auf dem Nordfriedhof in Bonn unter großer Anteilnahme beigesetzt. Die Straßen Bonns weinten um einen ihrer bekanntesten Söhne. Xatar hinterlässt ein Erbe der Widerstandsfähigkeit und den Beweis, dass man aus jeder Asche aufsteigen kann – aber auch die bittere Mahnung, dass am Ende des Tages nur die Liebe und die Familie zählen, wenn der Glanz der Welt verblasst.
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