Es ist ein Auftritt, der in der deutschen Medienlandschaft noch lange nachhallen wird. Wenn Harald Schmidt, der Altmeister des deutschen Zynismus und ehemalige Late-Night-König, das Wort ergreift, bleibt selten ein Stein auf dem anderen. Doch dieses Mal traf seine scharfe Zunge nicht nur die üblichen Verdächtigen der Politik, sondern die Ikone der deutschen Klimabewegung: Luisa Neubauer. In einer Zeit, in der politische Korrektheit oft jedes offene Wort im Keim erstickt, wagt Schmidt eine Analyse, die so brutal wie ehrlich wirkt – und die genau deshalb viral geht.

Es geht nicht mehr nur um CO2, Klimaziele oder die Rettung des Planeten. Es geht um Inszenierung, Macht und die Frage, wer in Deutschland eigentlich die Deutungshoheit besitzt. Schmidt zerlegt in gewohnter Manier das Phänomen Neubauer und wirft dabei Fragen auf, die sich viele nur hinter vorgehaltener Hand zu flüstern trauen.

Der „Beauty-Faktor“: Kompetenz oder bloße Optik?

Der wohl kontroverseste Punkt in Schmidts Ausführungen ist die These, dass Luisa Neubauers mediale Omnipräsenz weniger mit ihren Argumenten als vielmehr mit ihrer Erscheinung zu tun habe. „Luisa Neubauer – da darf außer mir niemand was sagen, weil es sofort als sexistisch, Macho und alter weißer Mann gilt“, leitet Schmidt ein, nur um dann den Finger tief in die Wunde zu legen: Sie profitiere enorm von ihrer Attraktivität.

Schmidt zeichnet ein bildhaftes Szenario: Wäre Neubauer eine „durchschnittlich engagierte Ökotante mit runden Schuhen“, wäre sie längst nicht so präsent in den Talkshows der Republik. Dieser Satz sitzt. Er bricht mit dem Tabu, dass Erfolg in der politischen Arena rein meritokratisch sei. Psychologische Studien stützen Schmidts Zynismus sogar – der sogenannte „Halo-Effekt“ besagt, dass attraktiven Menschen automatisch mehr Kompetenz und Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird.

Die Kritik geht jedoch tiefer als eine reine Oberflächlichkeit. Sie entlarvt einen Medienmechanismus, der Gesichter sucht, die sich gut verkaufen lassen. Inhalte treten in den Hintergrund, solange die Verpackung stimmt. Neubauer, so der Vorwurf, sei das perfekt designte Produkt einer Bewegung, die genau weiß, wie man Kameras auf sich zieht, während die inhaltliche Debatte oft auf der Strecke bleibt.

Die Generälin und ihre Fußsoldaten

Doch Schmidt bleibt nicht bei Äußerlichkeiten stehen. Er analysiert die strategische Rolle Neubauers innerhalb der Klimabewegung mit einer fast schon bewundernden Kälte. Er attestiert ihr „Professionalität“. Doch was meint er damit?

Während sich die Aktivisten der „Letzten Generation“ auf Straßen festkleben, den Zorn der Pendler auf sich ziehen, Rettungswagen blockieren und sich strafbar machen, bleibt Neubauer sauber. Sie sitzt in den warmen Sesseln von „Hart aber fair“ oder „Anne Will“, während ihre Anhänger im kalten Regen von der Polizei weggetragen werden.

„Im großen revolutionären Bereich hat man Leute, die für einen auf die Barrikaden gehen, weil man selber ja strategisch in die Zukunft denken muss“, so Schmidt. Es ist die klassische Aufteilung zwischen der Führungselite, die ihre Hände in Unschuld wäscht, und dem Fußvolk, das die „Drecksarbeit“ erledigt. Diese Diskrepanz sorgt zunehmend für Unmut. Kritiker werfen der Bewegung eine Doppelmoral vor: Während die einen ihre bürgerliche Existenz für den Protest riskieren, bauen andere darauf ihre Karriere auf, schreiben Bücher und werden zu Medienlieblingen.

Politisches Theater: Wenn Inszenierung die Realität ersetzt

Die Analyse weitet sich aus zu einer Generalabrechnung mit dem aktuellen politischen Betrieb in Berlin. Die Wut vieler Bürger speist sich nicht nur aus den Aktionen der Klimakleber, sondern aus dem Gefühl, von einer politischen Klasse regiert zu werden, die mehr Wert auf PR als auf Problemlösung legt.

Erwähnt werden die zahlreichen Fehltritte der Ampel-Regierung: Ein Olaf Scholz, der Katastrophengebiete besucht, aber – so der Vorwurf – eher für das perfekte Pressefoto posiert, als echte Empathie zu zeigen. Oder eine Außenministerin Annalena Baerbock, deren regelmäßige sprachliche Aussetzer und diplomatische Fettnäpfchen mittlerweile legendär sind.

Es entsteht das Bild einer politischen Blase, die sich fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. In dieser Welt werden Talkshow-Gäste nicht nach Vielfalt der Meinungen ausgewählt, sondern danach, ob sie ins gängige Narrativ passen. Immer wieder dieselben Gesichter, immer wieder dieselben Bestätigungsrituale. Kritische Stimmen, die auf reale Probleme wie Armut, Integrationsschwierigkeiten oder die wirtschaftliche Rezession hinweisen, finden kaum Gehör, wenn sie nicht ins „grün-linke“ Weltbild passen.

Die monetäre Seite des Idealismus

Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte oft untergeht, ist die Kommerzialisierung des Protests. Aktivismus ist längst zu einem Geschäftsmodell geworden. Wenn Greta Thunberg als mehrfache Millionärin gehandelt wird und Aktivisten der „Letzten Generation“ Berichten zufolge Gehälter aus Spendengeldern beziehen, die teilweise über dem Lohn harter körperlicher Arbeit liegen, bröckelt der Mythos vom selbstlosen Kampf für die gute Sache.

Für den normalen Arbeitnehmer, der jeden Morgen im Stau steht und um seine wirtschaftliche Existenz fürchtet, wirkt dies wie ein Hohn. Die Diskrepanz zwischen den moralischen Ansprüchen der Klima-Elite und der Lebensrealität der breiten Bevölkerung könnte kaum größer sein. Es ist genau dieser Riss in der Gesellschaft, in den Harald Schmidt mit seiner Kritik stößt.

Fazit: Ein Weckruf zur rechten Zeit?

Harald Schmidts Einlassungen mögen für manche wie das Nörgeln eines „alten weißen Mannes“ klingen. Doch sie sind mehr als das. Sie sind ein notwendiges Korrektiv in einer Debatte, die oft zu einseitig geführt wird. Sie zwingen uns, hinter die Fassade zu blicken: Ist die moderne Klimabewegung wirklich so basisdemokratisch, wie sie tut, oder folgt sie knallharten hierarchischen Strukturen? Dienen Talkshows der Aufklärung oder nur der Bestätigung bereits gefestigter Meinungen? Und vor allem: Lassen wir uns zu sehr von schönen Bildern und charismatischen Gesichtern blenden, anstatt auf die nackten Fakten zu schauen?

Wenn Schmidt sagt „Gute Nacht, Mädchen!“, dann ist das nicht nur ein Abschiedsgruß. Es ist die zynische Erkenntnis, dass das Spiel durchschaut ist. Die Frage ist nur, ob das Publikum bereit ist, aufzuwachen.