[musik]   Es gab eine Zeit, da war ihr Name ein   Synonym für das Glück. Albano und Romina   Power, für das deutsche Publikum waren   sie nicht nur Sänger, sie waren ein   Versprechen. Das Traumpaar, das den   Sonnenschein Italiens direkt in die   Wohnzimmer einer Nation brachte, die   sich nach Harmonie sehnte.

 

 Ihre Lieder   allen voran Felicita waren mehr als nur   Hits. Sie waren der Soundtrack eines   unbeschwerten Traums, eine Garantie   dafür, dass die heile Welt existiert.   Auf jeder Bühne, in jeder Sendung   verkörperten sie eine Liebe, die so   öffentlich und perfekt schien, dass sie   fast irreal wirkte.   Doch hinter der glänzenden Fassade   dieses Italomärchens lauerte ein   Schweigen, das tiefer und dunkler war   als jeder Schatten im Rampenlicht.

 

  Dieser Traum zerbrach nicht leise. Er   zersprang in 1000 Stücke in einer   Januarnacht 1994 in New Orleans. Ienia   Carisi, die älteste Tochter, die   strahlende Erbin Glücks, verschwand   spurlos. Was geschah in dieser Nacht am   Ufer des Mississippi?   Das Verschwinden von Ülenia war nicht   nur eine Familientragödie, es war der   Beginn eines öffentlichen Krieges, ein   Krieg der Worte, der Anschuldigungen und   der unversöhnlichen Standpunkte.

 

 Albano,   der Patriarch, der seine Tochter 20   Jahre später im Jahr 2014 offiziell für   Tod erklären ließ, um Frieden zu finden.   Und Romina, die Mutter, die bis heute   glaubt, Ylenia sei am Leben und die 2011   sogar im deutschen Fernsehen bei   Aktenzeichen XY verzweifelt nach ihr   suchte.

 

 In ihrem Schmerz nannten sie die   Schuldigen. Er nannte die Drogen, die   seine Familie zerstört hatten. Sie   nannte ihn einen Diktator.   Aber war dies der wahre Grund? Oder war   die Tragödie nur der Funke, der ein   Pulverfass zur Explosion brachte, das   seit Jahrzehnten verborgen lag? Dies ist   nicht nur die Geschichte eines   verschwundenen Kindes, es ist die   Geschichte einer Kollision, die   Kollision zweier Welten, zweier   unvereinbarer Biographien, die beide in   ihrer eigenen Tragödie verwurzelt sind.

 

  Auf der einen Seite der Sohn eines armen   Bauern aus Apolien, der sich aus dem   Nichts an die Spitze kämpfte und   Disziplin als seine einzige Rettung   ansah. Auf der anderen Seite die   Prinzessin Hollywoods, die Tochter des   legendären Tyrone Power, die ihren Vater   früh verlor und in einer Welt aus   Reichtum und Chaos nach Freiheit suchte.

 

  Wie konnte das Symbol der Felicitar zum   Inbegriff einer so tiefen Spaltung   werden? Welche Wunden aus ihrer Kindheit   rissen wieder auf, als sie mit dem   Unerträglichen konfrontiert wurden? Und   wem von beiden wurde am Ende nie   verziehen?   Um die Tiefe des Sturzes zu verstehen,   muss man die Höhe des Aufstiegs gesehen   haben.

 

 Und dieser Aufstieg war   schillernd, denn er basierte auf dem   Zusammenprall zweier völlig   gegensätzlicher Welten, zweier   unvereinbarer Polle, die sich magisch   anzogen. Auf der einen Seite war Albano   Carissi, geboren 1943 in einem   bitterarmen Dorf in Apolien. Seine   Kindheit war kein Märchen. Es war der   harte, unerbittliche Kampf ums Überleben   im Italien der Nachkriegszeit.

 

 Er wuchs   auf in einer Welt, in der Disziplin,   Arbeit und die traditionelle Familie die   einzigen Anker waren. Um dem Elen zu   entkommen, wanderte er als Jugendlicher   nach Mailand aus, schlief berichten   zufolge am Bahnhof, schlug sich als   Kellner, Fabrikarbeiter und Hilfskraft   durch, getrieben von einem eisernen   Willen und einer außergewöhnlichen   Stimme.

 

 Diese Jahre des Hungers und der   Entbehrung brannten sich tief in seinen   Charakter ein. Sie schmiedeten einen   Mann, der Kontrolle, Stabilität und   patriarchalische Werte als das höchste   Gut ansah.   Auf der anderen Seite war Romina Power   geboren 1951 in Los Angeles. Sie war   das, was man eine Hollywood Prinzessin   nennt.

 

 Als Tochter des legendären   amerikanischen Schauspielkönigs Tyron   Power und der Schauspielerin Linda   Christian, wuchs sie im goldenen Käfig   von Beverly Hills auf. Doch auch ihre   Kindheit war von einer tiefen Tragödie   geprägt. Im Alter von nur 7 Jahren   erlebte sie den plötzlichen Tod ihres   vergötterten Vaters durch einen   Herzinfarkt.

 

 Was folgte, war ein   unstehtes Jets Leben. Ihre Mutter zog   mit ihr und ihrer Schwester durch die   Welt von Mexiko nach Europa. Romina   wuchs in einer Welt des Reichtums auf,   aber auch des emotionalen Chaos, der   Partys und der künstlerischen Freiheit.   Sie entwickelte einen rebellischen   freigeistigen Charakter, der sich nach   Unabhängigkeit sehnte und traditionelle   Strukturen ablehnte.

 

  Im Jahr 1967 trafen diese beiden Welten   am Set italienischen Musikfilms Nels   Sohle in der Sonne aufeinander. Er der   23-jährige aufstrebende Sänger aus armen   Verhältnissen. Sie die 15-jährige   weltgewandte amerikanische   Schauspielerin. Es war eine Romanze wie   aus dem Drehbuch. Doch im echten Leben   war es ein Skandal.

 

 Als sie 1970   heirateten, stellten sich beide Familien   wehement dagegen. Albanos bäuerliche   Familie in Apolien war entsetzt über   diese unkonventionelle amerikanische   Schwiegertochter. Rominas glamuröse   Mutter war schockiert, dass ihre Tochter   einen provinziellen italienischen Sänger   heiratete.

 

 Ihre Ehe war von der ersten   Minute an ein Akt der Rebellion.   Genau diese Geschichte war es, die das   deutsche Publikum in den 1970er und   frühen 1980er Jahren so liebte. Es war   das ultimative Märchen. In einer Zeit,   in der sich Deutschland nach der heilen   Welt sehnte, waren Albano und Romina   Power die perfekte Projektionsfläche.

 

  Sie waren der Sehnsuchtsort Italien. Mit   Sharasan im Jahr 1981   lieferten sie den Traum von einer fernen   Oase. Doch der wahre Durchbruch, der   Urknall ihrer deutschen Karriere kam   1982.   Felicita, Glück. Es war nicht nur ein   Lied, das beim Sanremo Festival den   zweiten Platz belegte. Es wurde ihr   Markenzeichen, ihr Versprechen an   Millionen.

 

 Albano mit seiner   kraftvollen, fast opnhaften Stimme und   Romina mit ihrem sanften ätherischen   Gesang.   Sie wurden zu Ikonen Hitz wie Sempre   Sempre im Jahr 1986 oder Liberta   Freiheit im Jahr 1987 wurden zu Hymnen   in deutschen Haushalten. Sie verkauften   Millionen von Platten und waren das   unangefochtene Traumpaar des Italopop.

 

  Sie waren das Balsam für eine deutsche   Seele. Auf ihrem Anwesen in Apolen   bauten sie ein Imperium auf,   präsentierten ihre vier Kinder Ylenia,   Yari, Christel und Romina Junior in   unzähligen Home Stories. Sie verkauften   das Bild der perfekten Symbiose. Seine   Stärke, ihre Sanftmut vereint im Glück.   Doch niemand ahnte, dass sie hinter den   Kulissen bereits den Kampf ihrer   Kindheit weiterführten.

 

 Der Kampf   zwischen Kontrolle und Freiheit, der   Druck, diese markelose Illusion aufrecht   zuerhalten, war unermesslich.   Doch der goldene Käfig des Ruhs, den sie   sich in Apolien gebaut hatten, hatte   einen unvorstellbar hohen Preis. Während   Deutschland Albano und Romina Power als   das Traumpaar feierte, war die Realität   hinter den Kulissen weit entfernt von   der unbeschwerten Felicitar, die sie   verkauften.

 

 Es war ein Leben unter   ständiger Beobachtung ein unaufhörlicher   Druck, das markellose Bild einer   perfekten sonnigen Familie aufrecht   zuerhalten. Jede öffentliche Geste,   jedes Lächeln wurde analysiert. Sie   waren keine Individuen mehr, sondern ein   Produkt. Ein Produkt, das Glückseligkeit   garantieren musste.

 

 Dieser Mangel an   einem normalen Leben, dieser Zwang zur   Perfektion begann das Fundament ihrer   Beziehung zu zersetzen.   Was wie eine Romanze begonnen hatte, die   Vereinigung zweier Welten, wurde im   Privaten zu ihrem größten Fluch. Die   Dämonen ihrer Kindheit, die sie   gegenseitig im anderen zu finden   glaubten, erwachten.

 

 Albano, der Mann,   der sich aus bitterster Armut   hochgearbeitet hatte, der am Bahnhof   geschlafen und in Fabriken geschuftet   hatte, sah in Disziplin und Kontrolle   den einzigen Weg zum Überleben. Er hatte   sein Imperium aus dem Nichts erschaffen   und duldete kein Chaos. Für ihn war die   traditionelle patriarchale Familie der   Fels in der Brandung.

 

  Romina hingegen, die im Reichtum, aber   auch im emotionalen Chaos einer Jets   Kindheit aufgewachsen war, die ihren   Vater früh verloren hatte, empfand genau   diese Kontrolle als erstickend. Sie war   eine Freidenkerin, eine Rebellin, die   sich nach der Unabhängigkeit sehnte, die   ihr als Tochter eines Hollywood Königs,   versprochen, aber nie wirklich gegeben   worden war.

 

 Was er Struktur nannte, war   für sie ein Gefängnis. was sie Freiheit   nannte, war für ihn der Anfang vom Ende.   Diese unvereinbaren Lebensphilosophien   explodierten, als das Schweigen   gebrochen wurde. Es war Romina, die das   Bild des harmonischen Patriarchen Albano   als erste öffentlich zerstörte. In einem   schockierenden Fernsehinterview, das   durch die europäische Presse ging,   nannte sie den Mann, den sie einst   liebte, einen Diktator.

 

 Es war ein Wort,   das einschlug wie eine Bombe. Sie warf   ihm vor, sie geschlagen und getreten zu   haben. Dies war keine wage   Anschuldigung. Sie zeichnete das Bild   eines Kontrollsystems eines Mannes, der   die Familie mit eiserner Hand regierte.   Um der Anklage noch mehr Gewicht zu   verleihen, zog sie die eigene Tochter   Ülenia in den Konflikt hinein.

 

 Romina   behauptete, Ülenia habe vor genau diesem   Leben fliehen wollen und zu ihr gesagt:   “Mama, du musst von ihm weg. Eines Tages   werde ich auch gehen.” Es war die   schmerzhafteste Form des Verrats, die   Behauptung, dass der vermeintliche   Beschützer der Familie der Grund für   ihre Flucht war.   Albano wies diese Vorwürfe wehement als   Lügen zurück, doch er hatte seine eigene   Version der Schuld, seine eigene ebenso   verheerende Anklage.

 

 Jahre später in   einem aufsehenregenden Interview nannte   er den wahren Feind, der seine Familie   zerstört hatte, Marihuana. Er   behauptete, Romina habe dieses Zeug   viermal am Tag geraucht. Er beschrieb,   wie die Drogen sie in eine andere Frau   verwandelt hätten. Eine Frau, die er   nicht wiedererkerkannte, die traurig   war, weinte und die Leidenschaft für das   Leben, das er für sie aufgebaut hatte,   verloren hatte.

 Für den Mann, dessen   einzige Droge die Arbeit war, war dies   der ultimative Verrat an den Werten, für   die er stand.   Und dann war da die Industrie, die   Medien, die diesen privaten Krieg   genüsslich ausschlachteten. Es gab   Berichte, die behaupteten, das Paar habe   aus seiner eigenen Tragödie Profit   geschlagen.

 

 Von Gagen in Höhe von   150.000 Franken war die Rede, die sie   für Fernsehauftritte erhalten haben   sollen, bei denen sie sich öffentlich   gegenseitig die Schuld am Verschwinden   ihrer Tochter gaben. Das Bild der   trauernden Eltern bekam Risse und wurde   durch das hässliche Bild einer   öffentlichen monetarisierten   Schlammschlacht ersetzt.

 

 Das Publikum   sah das Lächeln auf der Bühne, doch   hinter dem Vorhang herrschte ein Krieg.   Ein Krieg, der Egos, der Sucht und der   Kontrolle, dessen Wurzeln tief in zwei   tragischen Kindheiten lagen. Die   Illusion der Felicita war zerbrochen,   lange bevor Ylenia verschwand.   Alle Risse, die sich bis dahin gebildet   hatten, alle verborgenen Kriege der   Kindheit, wurden unbedeutend im   Angesicht der Katastrophe, die am 6.

 

  Januar 1994   hereinbrach. Ilenia Karissi mit 23   Jahren, die Erstgeborene, die   Intellektuelle, die Erbin zweier   Dynastie, war auf einer Rucksackreise   durch die USA. Es war eine Flucht vor   dem goldenen Käfig, den ihre Eltern   aufgebaut hatten, eine Suche nach sich   selbst. Ihr letzter bekannter   Aufenthaltsort: New Orleans.

 

 Eine Stadt,   die für ihre Musik und ihre Lebensfreude   bekannt ist, aber auch für ihre dunklen,   gefährlichen Seiten für Drogen,   Kriminalität und eine rauhe   Straßenkultur. Ylenia verschwand spurlos   aus ihrem Hotel im French Quarter.   Die Nachricht traf das Paar und die   Öffentlichkeit mit brutaler Wucht.   Sofort verwandelte sich die   Familientragödie in ein globales   Medienspektakel.

 

 Die Presse, die das   Paar einst in den Himmel gehoben hatte,   stürzte sich nun auf die Details ihres   Schmerzes. Die Suche nach Ülenia wurde   zu einer öffentlichen Angelegenheit und   mit der Suche begannen die   Spekulationen. Es gab Theorien über eine   Entführung, über ein freiwilliges   Untertauchen in der Drogenszene, über   einen Kult.

 

  Doch eine Spur war besonders verheerend   und sollte zum Angelpunkt des gesamten   Familienkonflikts   werden. Ein Nachtwächter in New Orleans   meldete, er habe in der Nacht von   Ülenias Verschwinden eine junge Frau   gesehen, die ihren Beschreibungen exakt   entsprach. Sie habe am Ufer des   Mississippi gesessen.

 

 Er habe sie   gewarnt, nicht so nah am Wasser zu sein.   Sie habe nur geantwortet: “Ich gehöre   ins Wasser und sei dann in den Fluss   gesprungen. Ihre Leiche wurde nie   gefunden.”   Diese eine Zeugenaussage wurde zum Keil,   der das Paar endgültig auseinander   trieb. Für Albano, den Mann der Fakten   und der Kontrolle der Disziplin.

 

 Als   sein Lebensmotto hatte, wurde sie zur   bitteren, unumstößlichen Wahrheit. Er   klammerte sich an die Überzeugung, seine   Tochter sei tot, ein tragisches Opfer   der Drogen, die sie im Künstlermilieu   von New Orleans konsumiert hatte. Es war   für ihn die einzig logische, wenn auch   unerträgliche Erklärung.   Romina jedoch, die Freigeistige, die an   das Mystische glaubte, weigerte sich   dies zu akzeptieren.

 

 Für sie war diese   Version unmöglich. Sie glaubte, ihre   Tochter sei entführt worden oder lebe   noch irgendwo unter einem anderen Namen.   Diese Hoffnung wurde durch eine andere   noch schrecklichere Spur genährt, die   Jahre später auftauchte. Die   Ermittlungen gerieten in den Strudel   eines der berüchtigtsten Kriminalfälle   Amerikas.

 

 Es gab den Verdacht, Ylenia   könnte ein Opfer des Happy Face Killers   geworden sein, eines Serienmörders, der   als LKW-Fahrer quer durch die USA   mordete. Der Mörder selbst behauptete   zeitweise, eine Frau getötet zu haben,   die Ylenia ähnte. DNA Tests wurden   angeordnet, um eine anonyme Leiche zu   identifizieren, die mit dem Fall in   Verbindung gebracht wurde.

 

 Die Tests   waren negativ, doch allein die Tatsache,   dass der Name ihrer Tochter mit einem   Serienmörder in Verbindung gebracht   wurde, zeigt die albtraumhafte Dimension   dieser jahrzehntelangen Suche. Die Ehe   überlebte diese Zerreißprobe nicht. 1999   ließen sie sich scheiden.   Die Jahre vergingen, aber die Wunde   heilte nie.

 

 Sie Schwerte, Albano und   Romina Power gingen getrennte Wege,   bauten sich neue Leben auf. Doch die   Tragödie von Ülinia blieb der dunkle   Fixpunkt, zu dem sie immer wieder   zurückkehren mussten. Im Alter, als der   Glanz des Ruhums verblasst war, begann   der wahre Moment der Abrechnung. Es war   kein stilles Trauern mehr.

 

 Es war ein   lautes öffentliches Brechen des   Schweigens, bei dem die Schuldigen und   die unumstößlichen Wahrheiten klar   benannt wurden, und die Ankläger waren   sie selbst.   Für Albano, den Mann der Kontrolle, der   seinen Charakter in der Armut Apolens   geschmiedet hatte, war die offene Wunde   der Ungewissheit unerträglich.

 

 Sein   Moment kam im Jahr 2014. Nach 20 Jahren   unerträglicher Spekulationen traf er   eine endgültige, unumkehrbare   Entscheidung. Er beantragte bei einem   Gericht in Brindisi seine Tochter Elenia   Karisi offiziell für Tod erklären zu   lassen. Für ihn war dies ein   notwendiger, wenn auch herzzerreißender   Akt.

 

 Er erklärte öffentlich, er wolle   einer 20 Jahre andauernden Qual ein Ende   setzen. Es war seine Art, die Kontrolle   über die Geschichte zurückzugewinnen. Er   akzeptierte die Version des Mississippi,   die Version der Drogen. Es war sein   öffentliches Statement, dass die Suche   beendet ist. Diese Tat war nicht nur ein   juristischer Akt, es war eine direkte   Konfrontation mit Rominas Hoffnung.

 

 Es   war das ultimative Nein zu ihrem   Glauben.   Romina Power schlug öffentlich zurück   und zwar auf eine Weise, die das   deutsche Publikum direkt ins Herz traf.   Ihr Moment des Schweigenbrechens war   ebenso kraftvoll und zielte genau auf   die Menschen, die sie einst als Ikone   verehrt hatten.

 

 Im Jahr 2011, unfähig,   den Glauben an das Überleben ihrer   Tochter aufzugeben, trat sie im   deutschen Fernsehen auf. Es war keine   glamuröse Gala. Sie war zu Gast in der   nüchternen Kriminalsendung Aktenzeichen   XIsen   ungelöst. Die Zuschauer trauten ihren   Augen kaum. Dort saß Rumina Power, die   Hälfte des Traumpaares, nicht um   Felicitar.

 

 zu singen, sondern um mit   Tränen in den Augen, um Hinweise auf   ihre verschwundene Tochter zu bitten. Es   war der verzweifelte Appell einer   Mutter, die sich weigerte, die Version   ihres Ex-Mannes zu akzeptieren.   Das Publikum war gezwungen, Partei zu   ergreifen. Es gab nicht mehr das eine   Traumpaar. Es gab zwei gebrochene   Menschen, die im Alter ihre tiefsten   Wunden öffentlich zur Schau stellten.

 

  Die Anklage war erhoben. Er klagte die   Sucht an, die er in Romina und Ilenia   sah und erklärte den Fall für   geschlossen. Sie klagte die   Hoffnungslosigkeit und die, wie sie es   nannte, diktatorische Art ihres Mannes   an und hielt den Fall gewaltsam offen.   Die Illusion der Felicita war endgültig   begraben unter den Trümmern dieser   beiden unvereinbaren Wahrheiten.

 

  Die Geschichte von Albano und Romina   Power ist am Ende nicht nur die   Geschichte einer verlorenen Tochter. Es   ist nicht nur die Geschichte einer   zerbrochenen Ehe, die in gegenseitigen   Beschuldigungen endet. Es ist die   universelle Parabel über den Preis des   öffentlichen Glücks. Es ist die Mahnung,   dass hinter jeder Ikone, die wir   erschaffen, ein Mensch steht.

 

 Ein   Mensch, der geprägt ist von seiner   eigenen, oft tragischen Kindheit.   Ihre Tragödie wirft grundlegende Fragen   an uns als Publikum und an die   Unterhaltungsindustrie auf. Was wäre   geschehen, wenn die Industrie sie als   Menschen und nicht nur als das Produkt   Felicita behandelt hätte? Wäre Ilenia   ein anderes Schicksal erspart geblieben,   wenn sie nicht unter dem unerträglichen   Druck aufgewachsen wäre, die Tochter des   perfekten Traumpaares sein zu müssen?   Und sind wir bereit zuzuhören, wenn die   Wahrheit kompliziert und schmerzhaft   ist? Oder bevorzugen wir die einfache   sonnige Lüge?   Die Geschichte von Albano und Romina   steht stellvertretend für so viele   andere. Für Künstler, die gezwungen   sind, eine Fassade aufrecht zuerhalten,   bis sie darunter zerbrechen. Sie   erinnert uns daran, dass die Industrie,   die von der Illusion der Perfektion   lebt, eine Verantwortung für die Seelen   trägt, die sie vermarktet. Heute im   Alter haben Albano und Romina Powe

 

  aufgehört, das Lied vom Glück zu singen.   Stattdessen kämpfen sie um das Letzte,   was ihnen geblieben ist, das Recht, ihre   eigene ungeschönte Geschichte zu   erzählen. Sie suchen keine Vergebung   mehr voneinander, vielleicht nicht   einmal mehr vom Publikum. Sie wollen   nur, dass ihre Geschichte mit ihrer   eigenen gebrochenen Stimme endlich   gehört wird.