Es sollte der glamouröse Auftakt zum großen “3-Millionen-Euro-Marathon” bei RTL werden, doch der Abend endete beinahe in einer Revolte des Moderators.

Wer dachte, die erste Woche des neuen Jahres würde bei “Wer wird Millionär?” (WWM) mit sanfter Unterhaltung und leichten Gewinnen starten, sah sich getäuscht. Was als “Klugscheißer-Special” angekündigt war – eine Sendung, in der jene Besserwisser, die auf dem heimischen Sofa immer schon vor der Frage die Antwort wissen, auf den heißen Stuhl gebeten wurden –, entwickelte sich zu einem Abend der Frustration. Die Fragenredaktion schien sich verschworen zu haben, sowohl Kandidaten als auch den Moderator an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Der Höhepunkt: Ein sichtlich konsternierter Günther Jauch, der offen damit drohte, die Sendung abzubrechen und das Geld einfach so zu verteilen.

Der verhexte Start ins neue Jahr

Der Modus der aktuellen “3-Millionen-Euro-Woche” ist verlockend: Wer sich in den ersten vier Ausgaben der Woche mindestens 16.000 Euro sichert, qualifiziert sich für das große Finale am Freitag und darf noch einmal um den gigantischen Jackpot von drei Millionen Euro spielen. Die Nervosität ist greifbar, die Einsätze sind hoch. Doch am Mittwochabend schien nicht nur der Druck auf den Kandidaten zu lasten, sondern auch eine ungewöhnliche Härte in den Fragen zu liegen.

Besonders bitter traf es Konstantin Wurch. Als selbsternannter “Klugscheißer” angetreten, musste er beweisen, dass er auch unter Scheinwerferlicht die Ruhe bewahren kann. Doch bereits bei der 2.000-Euro-Marke – einer Stufe, die in der Geschichte der Show meist als sichere Bank gilt – wartete ein Stolperstein, der es in sich hatte.

Die Frage klang zunächst harmlos: “Was kann laut Duden so viel wie ‘sehr groß’ oder ‘absolut’ bedeuten?” Die Antwortmöglichkeiten: A) hell B) dunkel C) laut D) leise

Wurch, sichtlich am Grübeln, versuchte Logik anzuwenden, doch die Tücke der deutschen Sprache schlug gnadenlos zu. Während viele Zuschauer zu Hause vielleicht an “dunkle Machenschaften” oder “laute Proteste” dachten, lag die Lösung in einer Redewendung, die wir oft benutzen, ohne über ihre wörtliche Bedeutung nachzudenken. Wurch entschied sich falsch und stürzte brutal auf 500 Euro ab.

Die richtige Antwort war A) hell. Die Erklärung? Ausdrücke wie “heller Wahnsinn” oder “helle Aufregung” nutzen das Adjektiv “hell” im Sinne von “absolut” oder “völlig”. Ein sprachliches Detail, das man wissen kann, aber unter Druck kaum herleiten mag. Selbst Günther Jauch zeigte Mitleid. “Ich finde das hart”, urteilte der Moderator, lehnte sich zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf – eine Geste der Ratlosigkeit, die den weiteren Verlauf des Abends vorwegnahm.

Das Kollektivversagen und Jauchs Wutrede

Nachdem Konstantin Wurch den Stuhl räumen musste, hätte man erwarten können, dass RTL die Zügel etwas lockert. Doch das Gegenteil war der Fall. Die darauffolgende Auswahlfrage, die eigentlich dazu dient, den schnellsten Denker aus der Runde der verbliebenen Kandidaten zu ermitteln, wurde zum Fiasko.

Die Aufgabe: In vier vorgegebenen Begriffen waren Tierpartner versteckt (z.B. “Rüde” in “Blutsbrüder”). Die Kandidaten sollten diese Begriffe in die richtige Reihenfolge bringen oder zuordnen. Die Begriffe lauteten unter anderem Blutsbrüder, Leberkäse, Winterpelz und Meerestiere.

Was auf dem Papier wie ein nettes Wortspiel aussieht, entpuppte sich in der Praxis als kognitive Überforderung für das Zeitlimit von 20 Sekunden. Vier Wörter scannen, die versteckten Tiernamen finden (wie “Eber” in Leberkäse?) und dann noch sortieren – das war zu viel.

Das Ergebnis war dröhnendes Schweigen. Kein einziger Kandidat loggte die richtige Lösung ein. Null Treffer.

In diesem Moment kippte die Stimmung im Studio von Anspannung zu ungläubigem Staunen, und Günther Jauch übernahm das Ruder mit der ihm eigenen Mischung aus Sarkasmus und Beschützerinstinkt für seine Gäste. “Leute, was ist denn hier los?”, fragte er ratlos in die Runde. Schnell analysierte er die Situation: “Diese Denkleistung in 20 Sekunden viermal abzuliefern, ist ein wenig viel verlangt.”

Doch Jauch wäre nicht Jauch, wenn er nicht auch in der Krise seinen Humor behalten würde. In Anspielung auf die vorangegangene “hell”-Frage witzelte er: “Ich befinde mich in dunkelster Aufregung.” Eine Spitze gegen die Redaktion, die saß.

Die Drohung: “Wir brechen die Sendung ab!”

Die Situation spitzte sich zu. Nach zwei derart frustrierenden Runden – einem Kandidatenabsturz und einer unlösbaren Auswahlfrage – platzte dem Quizmaster der Kragen. Es war einer dieser Momente, die “Wer wird Millionär?” so einzigartig machen: Wenn der Moderator sich auf die Seite des Volkes schlägt und gegen die “Sadisten” in der Redaktion aufbegehrt.

Jauch schlug vor, den Titel der Sendung der Realität anzupassen. Statt “Wer wird Millionär?” sollte es vielleicht besser heißen: “Wer gewinnt hier im Ausnahmefall 100 Euro?” Ein Lachen ging durchs Publikum, doch der Unterton war ernst. Die Show lebt vom Traum des großen Geldes, nicht von der öffentlichen Demütigung durch unfaire Fragen.

Dann folgte die Drohung, die wohl in den Ohren der Regie geschrillt haben muss: “Wenn jetzt noch mal so etwas kommt, brechen wir die Sendung ab.”

Es war keine aggressive Drohung, sondern eher die resignierte Feststellung eines Mannes, der Fairness liebt. Jauch spann die Idee sofort weiter: Er würde die Menschen dann einfach direkt aus den Geldkoffern auszahlen, die dekorativ in der Mitte des Studios platziert waren. Eine Robin-Hood-Fantasie im RTL-Studio: Jauch verteilt die Millionen ohne Fragen, einfach als Schmerzensgeld für den psychischen Stress. Das Publikum im Studio tuschelte eifrig – würden sie Zeugen eines historischen Abbruchs werden?

Die Wende: Caroline rettet den Abend

Zum Glück für RTL und die Nerven der Zuschauer bewahrheitete sich das Sprichwort “Aller guten Dinge sind drei”. Die Redaktion schien ein Einsehen zu haben – oder hatte schlicht Glück mit der Reihenfolge der Fragen. Die zweite Auswahlfrage, die eingeschoben werden musste, weil die erste niemand gelöst hatte, war endlich wieder machbar.

Die Erlösung kam in Form von Caroline Schönknecht-Albinus. Sie meisterte die Hürde der Auswahlfrage und schaffte es auf den heißen Stuhl. Und sie bewies, dass die “Klugscheißer”-Ausgabe doch noch ihren Zweck erfüllen konnte. Mit Wissen, Intuition und vielleicht auch dem nötigen Quäntchen Glück, das ihren Vorgängern fehlte, spielte sie sich durch die Fragenleiter.

Während der Schock über den fast gescheiterten Abend noch in den Knochen steckte, lieferte Caroline eine Performance ab, die versöhnlich stimmte. Sie ließ sich nicht beirren, umschiffte die Fallen und sicherte sich am Ende sensationelle 125.000 Euro. Ein Gewinn, der nicht nur ihr Konto füllte, sondern auch die Ehre der Sendung rettete. Damit hat sie ihr Ticket für das große Finale am Freitag sicher und darf weiter vom 3-Millionen-Jackpot träumen.

Fazit: Ein Abend der Extreme

Diese Ausgabe von “Wer wird Millionär?” wird in Erinnerung bleiben. Nicht wegen eines Konfettiregens, sondern wegen der spürbaren Reibung zwischen Anspruch und Machbarkeit. Es zeigte sich einmal mehr, dass die Sendung nicht nur von den Kandidaten lebt, sondern vor allem von Günther Jauch. Er ist der Anwalt der Kandidaten, der Filter zwischen der unbarmherzigen Logik der Fragensteller und der menschlichen Nervosität auf dem Stuhl.

Jauchs Reaktion auf die “unlösbaren” Fragen war authentisch. Er litt mit. Sein Vorschlag, die Sendung abzubrechen, war zwar rhetorischer Natur, zeigte aber deutlich, wo seine Loyalität liegt: Beim Publikum und den Kandidaten. Wenn die Aufgaben so abstrus werden, dass selbst der “Übervater” des deutschen Fernsehens “ein Brett vorm Kopf” hat (wie er selbst zugab), dann läuft etwas schief.

Für Konstantin Wurch bleibt der bittere Nachgeschmack der “hellen Aufregung”, die ihn 1.500 Euro kostete. Doch für die Zuschauer war es großes Fernsehen – inklusive eines Moderators, der bereit war, für die Fairness den Stecker zu ziehen. Am Ende blieb der Abbruch aus, die Koffer blieben verschlossen, aber die Warnung an die Redaktion war unmissverständlich: Treibt es nicht zu bunt, sonst macht Jauch ernst.

Man darf gespannt sein, ob die Redaktion für den Rest der 3-Millionen-Woche die Daumenschrauben wieder etwas lockert – oder ob Jauch am Freitag tatsächlich eigenhändig die Geldkoffer öffnet.