Es gibt Stimmen, die eine Generation prägen, und es gibt Stimmen, die Generationen miteinander verbinden. Nena, mit bürgerlichem Namen Gabriele Susanne Kerner, ist zweifellos Letzteres. Seit ihrem kometenhaften Aufstieg in den 1980er Jahren mit dem Welthit „99 Luftballons“ ist sie das Gesicht der deutschen Popkultur geblieben – die ewige Rebellin mit der kindlichen Stimme und der unerschöpflichen Energie. Doch hinter der bunten Fassade der Pop-Ikone verbirgt sich eine Frau, deren Leben von tiefen Abgründen, schmerzhaften Verlusten und einer fast übermenschlichen Widerstandskraft geprägt ist. Mit 65 Jahren hat Nena nun ihr Schweigen gebrochen und offenbart, was sie jahrzehntelang im Stillen trug.

Der tiefste Schmerz in Nenas Leben trägt einen Namen: Christopher Daniel. Ihr erstgeborener Sohn kam 1988 zur Welt, starb jedoch mit nur elf Monaten an den Folgen eines Sauerstoffmangels bei der Geburt. Dieser Verlust war eine Zäsur, die alles infrage stellte. Während die Welt sie bejubelte, zog sich Nena in eine monatelange Stille zurück. Sie beschreibt diese Zeit heute als eine Phase, in der sie „durchsichtig“ geworden war. Doch aus dieser bodenlosen Trauer erwuchs ihre größte Hymne: „Wunder geschehen“. Das Lied war kein einfacher Popsong, sondern ein vertonter Heilungsprozess, ein Gebet an ihren verlorenen Sohn und ein Trostpflaster für ein ganzes Land, das sich während der Wendezeit ebenfalls neu finden musste. Nena lernte, dass Liebe nicht endet, wenn ein Mensch geht; sie verändert nur ihre Form.
Ein weiteres Ereignis, das Nenas Weltbild grundlegend erschütterte, war eine Nahtoderfahrung während eines Fluges nach Südamerika. Extreme Turbulenzen brachten die Sängerin an die Schwelle des Todes. Doch statt Angst verspürte sie in diesem Moment einen tiefen, unerschütterlichen Frieden. Diese Erfahrung öffnete ihr die Tür zur Spiritualität und zu einem Verständnis des Lebens, das weit über das Materielle hinausgeht. Sie begann, sich intensiv mit Meditation, Bewusstsein und alternativen Lebensformen zu beschäftigen. Viele hielten sie deshalb für exzentrisch oder gar naiv, doch für Nena war es der Weg zu ihrer inneren Freiheit. Heute ist sie eine Frau, die barfuß auf der Bühne steht und an die Unvergänglichkeit der Energie glaubt.
In der Liebe fand Nena nach vielen Turbulenzen ihren Anker in Philip Palm. Seit über 25 Jahren führen die beiden eine Beziehung, die sich jeder Konvention entzieht. Ohne Trauschein, aber mit einem Versprechen, das tiefer geht als jedes Gelübde, haben sie Krisen überstanden, Kinder großgezogen und sich immer wieder neu erfunden. Philip beschreibt das Leben mit Nena als eine Reise, auf der man „die Wahrheit aushalten muss“. Ihre Liebe ist kein kitschiges Märchen, sondern ein tägliches Ringen um Wahrhaftigkeit und Freiheit. Sie leben zwischen der pulsierenden Energie Hamburgs und der meditativen Ruhe Mallorcas, umgeben von Zitronenbäumen und der Stille des Meeres.
Trotz eines geschätzten Vermögens von rund zehn Millionen Euro und mehreren Immobilien weltweit, ist Nenas Lebensstil von einer überraschenden Einfachheit geprägt. Sie investiert nicht in Statussymbole oder Luxusgüter, sondern in Projekte, die ihr am Herzen liegen – oft anonym und fernab der Kameras. Für sie bedeutet Reichtum nicht Besitz, sondern die Freiheit, nichts festhalten zu müssen. Ihr Haus in Hamburg ist schlicht, hell und ein Ort der Reflexion. Ihr Luxus ist der freie Blick in den Himmel, ohne Vorhänge, die die Sicht versperren.

Mit 65 Jahren spürt auch eine Nena die körperlichen Folgen eines Lebens auf der Überholspur. Rückenprobleme und chronische Verspannungen sind die stillen Begleiter ihrer Karriere. Doch statt auf klassische Medizin setzt sie auf Yoga, vegane Ernährung und die Heilkraft der Musik. „Musik ist meine Medizin“, sagt sie, und wer sie auf der Bühne erlebt, glaubt ihr jedes Wort. Sie ist keine Maschine, sondern ein Mensch mit Fehlern und Narben, die sie mit Stolz trägt. Nena ist das lebende Beispiel dafür, dass man im Alter nicht schwächer werden muss, sondern klarer, bewusster und mutiger. Ihr wahres Vermächtnis ist nicht nur die Zahl der verkauften Platten, sondern das Gefühl, dass Liebe am Ende immer stärker ist als die Angst.
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