Uschi Glas ist zweifellos eine der beständigsten und beliebtesten Persönlichkeiten der deutschen Film- und Fernsehgeschichte. Seit Jahrzehnten verkörpert sie die starke, unabhängige Frau, die scheinbar nichts aus der Bahn werfen kann. Doch wer am 2. März 1944 in Landau an der Isar als Kind einfacher Verhältnisse geboren wurde und sich bis ganz nach oben arbeitete, trägt oft Narben, die für das Publikum unsichtbar bleiben. Heute, mit fast 82 Jahren, blickt die Schauspielerin auf ein Leben zurück, das zwar von glanzvollen Erfolgen gekrönt, aber im Inneren oft von tiefer Traurigkeit und Zerrissenheit geprägt war.
Der Schein trügt: Die Last der ewigen Stärke
In den 60er und 70er Jahren wurde sie durch Kultfilme wie „Zur Sache, Schätzchen“ oder ihre Rolle als Apanatschi in den Winnetou-Verfilmungen zum Superstar. Sie war die Frau, mit der sich Millionen identifizieren konnten: natürlich, klar in der Sprache und emotional tiefgründig. Doch hinter den Kulissen kämpfte Uschi Glas einen ganz anderen Kampf. Wie sie heute offen zugibt, war ihr Leben ein ständiger Balanceakt zwischen den Erwartungen der Öffentlichkeit, ihrer Karriere und ihrer Rolle als Mutter.
Lange Zeit versuchte sie, nach außen hin das Bild der perfekten, unerschütterlichen Frau zu wahren. Innerlich jedoch kämpfte sie mit massiven Unsicherheiten und Ängsten. Sie verbarg ihre Zweifel bewusst, vor allem um ihren Kindern Halt zu geben. „Man muss das eben auch ein bisschen aushalten“, sagte sie einmal über das Prominentensein. Doch das „Aushalten“ hatte seinen Preis. Diese jahrelange Unterdrückung der eigenen Verletzlichkeit wurde zu einer schweren emotionalen Last, die sie fast zerbrach.
Der größte Schmerz: Das Scheitern der Familie

Der wohl tiefste Einschnitt in ihrem Leben war kein plötzlicher Schicksalsschlag, sondern das schleichende Scheitern ihrer ersten Ehe mit Bernd Tewaag. Uschi Glas hatte immer an die Vision einer stabilen Familie geglaubt und setzte alles daran, diese für ihre Kinder Ben, Julia und Alex aufrechtzuerhalten. Als die Ehe 2003 schließlich nach vielen Jahren der Spannung und Erschöpfung geschieden wurde, brach für sie eine Welt zusammen.
Die Trennung löste bei ihr tiefe Schuldgefühle aus. In schlaflosen Nächten quälte sie sich mit der Frage, ob sie als Partnerin und Mutter versagt habe. Ihr heutiger Ehemann, Dieter Hermann, beschreibt sie rückblickend als eine Frau, die unglaublich viel trägt, ohne sich zu beklagen. Er erinnert sich an Momente, in denen die Traurigkeit sie so sehr überwältigte, dass sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte – Tränen, die die Öffentlichkeit nie zu sehen bekam. Ihr eigener Schmerz war für sie immer zweitrangig; an erster Stelle stand das Wohl ihrer Kinder, was sie innerlich auszehrte.
Ein leiser Wendepunkt: Die Rückkehr zu sich selbst
Der entscheidende Wendepunkt kam nicht mit einem Paukenschlag, sondern in einem Moment der stillen Erkenntnis. Uschi Glas spürte eine innere Leere, die sie nicht mehr ignorieren konnte. Sie fühlte sich, als würde sie selbst im Alltag nur noch eine Rolle spielen. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren und nicht mehr zu genügen, war allgegenwärtig. Doch genau diese Krise zwang sie zur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.
Sie lernte, dass wahre Stärke nicht bedeutet, alles allein zu schultern, sondern Hilfe anzunehmen. Dieser Weg der Heilung war lang und steinig, doch er führte sie zu einer neuen Form der Freiheit. Sie begann, Prioritäten neu zu setzen und alte Rollenbilder abzustreifen. Ein wichtiger Anker war dabei Dieter Hermann, der ihr seit 2005 zur Seite steht. Bei ihm fand sie den Raum, Gefühle zeigen zu dürfen, ohne bewertet zu werden.
Das Alter: Achtsamkeit statt Leistung
Heute, mit 81 Jahren, hat sich ihr Fokus verschoben. Der Körper sendet Signale, die sie früher vielleicht ignoriert hätte. Nachlassende Kraft und ein höheres Ruhebedürfnis gehören nun zu ihrem Alltag. Es fiel der disziplinierten Schauspielerin anfangs schwer, Ratschläge von Ärzten anzunehmen und kürzerzutreten, da Leistungsbereitschaft tief in ihrer DNA verwurzelt ist. Doch sie hat gelernt, „Nein“ zu sagen und Pausen ohne schlechtes Gewissen zu genießen.

Die Gesundheit ist für sie heute kein Mittel zum Funktionieren mehr, sondern ein Gut, das Achtsamkeit verlangt. Auch wenn sie gelegentlich von Melancholie übermannt wird, wenn sie an vergangene Verluste denkt, überwiegt heute die Dankbarkeit. Sie hat ihren Frieden mit der eigenen Endlichkeit und den Fehlern der Vergangenheit gemacht.
Ein Vermächtnis aus Mut und Menschlichkeit
Uschi Glas hinterlässt weit mehr als nur eine beeindruckende Filmografie. Ihr soziales Engagement, insbesondere für benachteiligte Kinder, zeigt ihren tiefen Sinn für gesellschaftliche Verantwortung. Erfolg war für sie immer eine Verpflichtung, etwas zurückzugeben. Ihr Lebenswerk ist geprägt von Resilienz – der Fähigkeit, nach schweren Krisen immer wieder aufzustehen.
Ihr Weg zeigt uns, dass ein erfülltes Leben nicht perfekt sein muss. Es darf Brüche haben, es darf Tränen geben und es darf Momente des Scheiterns geben. Heute führt sie ein Leben, das langsamer, aber wahrhaftiger ist. In der Liebe zu Dieter Hermann hat sie eine stille, stabile Verbindung gefunden, die auf Reife und Respekt basiert. Uschi Glas ist heute eine Frau, die sich nicht mehr verbiegen muss – und genau das macht sie zu einer wahren Ikone, die zeigt, dass echte Reichtum im inneren Frieden liegt.
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