Es war der 24. Dezember, Heiligabend, und Katharina Weber saß allein auf einer Bank im Englischen Garten in München, während der Schnee leise auf ihre Schultern fiel und die Weihnachtslichter um sie herum funkelten. Sie war 38 Jahre alt, CEO eines der größten Technologieunternehmen Deutschlands. Und sie weinte.

 Sie weinte, weil sie gerade erfahren hatte, daß ihr Verlobter sie betrogen hatte, weil sie niemanden hatte, den sie anrufen konnte, weil sie in diesem Moment begriff, daß sie trotz all ihrer Millionen völlig allein auf der Welt war. Die Tränen liefen über ihre Wangen und gefroren fast in der eisigen Dezemberluft, als sie eine kleine Hand auf ihrem Knie spürte, ein Mädchen, vielleicht vier Jahre alt, in einem rosa Wintermantel und einer weißen Mütze mit Bommel, stand vor ihr und sah sie mit großen blauen Augen an.

 Das Kind sagte, sie solle nicht weinen. Es sagte, wenn sie keinen Papa hätte, könnte sie ihren Ausleihen. Er wäre sehr nett und würde sie bestimmt trösten. Katharina sah auf und sah einen Mann, der eilig auf sie zukam, ein entschuldigender Ausdruck auf seinem Gesicht und sie ahnte nicht, dass dieser Moment ihr ganzes Leben verändern würde.

 Wenn du bereit bist für diese Geschichte, schreib in die Kommentare, von woaus du dieses Video schaust. Katharina Weber hatte ihr ganzes Leben damit verbracht, Mauern zu errichten. Mauern um ihr Herz, Mauern um ihre Gefühle, Mauern zwischen sich und allem, was sie verletzen könnte. Sie hatte gelernt, dass Verletzlichkeit Schwäche war, dass Emotionen im Geschäftsleben keinen Platz hatten, dass Erfolg die einzige Währung war, die zählte.

 und sie hatte diese Lektionen so gut gelernt, daß sie irgendwann vergessen hatte, dass es einmal eine andere Katharina gegeben hatte, eine, die träumen konnte und lieben wollte. Sie war in einer kleinen Stadt in Bayern aufgewachsen, Tochter eines Fabrikarbeiters und einer Krankenschwester, die ihr beigebracht hatten, dass harte Arbeit der einzige Weg nach oben war.

 Ihre Kindheit war einfach gewesen, aber glücklich, mit einem kleinen Haus, einem Garten voller Blumen und Eltern, die sie liebten. Und Katharina hatte gearbeitet, um sie stolz zu machen. Sie hatte in der Schule die Beste sein müssen, hatte ein Stipendium für die TU München bekommen, hatte während des Studiums drei Jobs gleichzeitig gehabt, um niemandem zur Last zu fallen.

 Mit 25 hatte sie ihr erstes Unternehmen gegründet, mit 30 ihr zweites verkauft, mit 35 war sie CEO von Weber Technologies geworden, einem Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro. Aber der Erfolg hatte seinen Preis gefordert. Ihre Eltern waren vor 5 Jahren bei einem Autounfall gestorben, auf dem Weg zu ihrem 50 Geburtstag, den sie für sie organisiert hatte, und sie hatte nicht einmal Zeit gehabt, richtig zu trauern.

 Sie hatte die Beerdigung zwischen zwei Vorstandssitzungen gequetscht und war am nächsten Tag wieder im Büro gewesen. Ihre wenigen Freundschaften waren zerbrochen unter dem Gewicht ihrer Abwesenheit, ihrer ständigen Absagen, ihrer Unfähigkeit, einfach mal da zu sein. Ihre beste Freundin aus der Studienzeit hatte irgendwann aufgehört anzurufen und Katharina hatte es nicht einmal bemerkt und ihre Beziehungen waren gescheitert, eine nach der anderen, weil die Männer irgendwann begriffen, dass sie immer an zweiter Stelle nach dem Unternehmen

kommen würden. Dann hatte sie Maximilian getroffen. Maximilian von Hohenfels, ein Investmentbanker aus einer alten Münchnerfilie, charmant und selbstsicher und scheinbar nicht eingeschüchtert von ihrem Erfolg. Er hatte sie auf einer Benefizgala angesprochen, sie mit seinem Witz und seiner Bildung beeindruckt, ihr das Gefühl gegeben, dass sie für einmal nicht die klügste Person im Raum sein musste.

 Er hatte sie umworben mit Geduld und Beharrlichkeit, hatte ihre Ausreden akzeptiert, ihre Verspätungen verziehen, ihre Arbeitswut toleriert. Nach zwei Jahren hatte er ihr einen Ring gegeben, einen Diamanten, der so groß war, dass er fast lächerlich wirkte. und sie hatte ja gesagt, weil sie dachte, daß sie ihn liebte, oder zumindest, daß dies Art von Liebe war, die sie verdiente.

 Heute morgen am Heiligabend hatte sie in seinem Telefon eine Nachricht gesehen, die nicht für sie bestimmt war. Sie hatte nicht spioniert, hatte nie spioniert, aber das Telefon hatte auf dem Frühstückstisch gelegen und aufgeleuchtet und ihre Augen waren auf die Worte gefallen, bevor sie wegschauen konnte.

 Eine Nachricht von einer Frau namens Sophie, die ihn fragte, wann er endlich seine langweilige Verlobte verlassen würde, damit sie zusammen sein könnten. Langweilige Verlobte. Diese Worte hatten sich in ihr Gehirn gebrannt wie ein Brandzeichen. Katharina hatte das Telefon hingelegt, den Ring vom Finger gezogen und war aus dem Penthaus gegangen, dass sie mit ihm teilte.

 Sie hatte nichts gesagt, keine Konfrontation gesucht, keine Erklärung verlangt. Was hätte sie auch sagen sollen? Sie war stundenlang durch die Stadt gelaufen, durch den Schnee und die Kälte, vorbei am Mariplatz und der Frauenkirche und all den Menschen, die glücklich Weihnachtseinkäufe machten, bis sie im englischen Garten gelandet war, auf dieser Bank unter den Weihnachtslichtern und die Tränen endlich gekommen waren.

Sie hatte niemanden anzurufen, niemanden, der sie trösten könnte, niemanden, der sie im Arm halten und ihr sagen würde, dass alles gut werden würde. Sie hatte tausende von Kontakten in ihrem Telefon. aber keinen einzigen Freund. Sie war 38 Jahre alt, unglaublich erfolgreich und vollkommen allein.

 Dann war das kleine Mädchen erschienen. Emma Berger war 4 Jahre und 7 Monate alt und sie war fest davon überzeugt, dass ihr Papa der beste Papa der ganzen Welt war. Er konnte alles reparieren vom kaputten Spielzeug bis zum gebrochenen Herzen. Er machte die besten Pfannkuchen am Sonntagmgen, erzählte die spannendsten Gute Nachtgeschichten und wenn sie Albträume hatte, war er immer da, um sie zu trösten.

 Ihr Papa, Sebastian Berger, war Kinderarzt am Klinikum Schwabing. Er war 35 Jahre alt, allein erziehen, seit Emmas Mutter bei ihrer Geburt an Komplikationen gestorben war und er hatte sein ganzes Leben darauf ausgerichtet, für seine Tochter da zu sein. Er arbeitete Teilzeit, um sie jeden Tag von der Kita abholen zu können.

 Er kochte jeden Abend frisch, weil er wollte, dass sie gesund aß. Er las ihr jeden Abend vor, weil er wollte, dass sie die Bücher liebte, die ihre Mutter geliebt hatte. Heute war Heiligabend und sie waren im englischen Garten spazieren gegangen, um die Weihnachtslichter zu sehen, bevor sie nach Hause gehen und die Bescherung machen würden.

 Emma liebte die Lichter, die Art, wie sie den Schnee zum Glitzern brachten, die Wärme, die sie ausstrahlten in der kalten Dezembernacht. Sie war ein paar Schritte vorausgelaufen, weil sie einen besonders schönen Baum entdeckt hatte, als sie die Frau auf der Bank sah. Die Frau weinte. Emma kannte weinen. Sie weinte manchmal selbst, wenn sie traurig war oder wenn sie sich weh getan hatte.

 Und sie wußte, was man tun musste, wenn jemand weinte. Man musste ihn trösten. Man musste nett zu ihm sein, man musste ihm helfen. Also ging sie zu der Frau und legte ihre kleine Hand auf deren Knie. Die Frau sah erschrocken auf, ihre Augen rot vom Weinen, ihre Wangen nass von Tränen. Emma sagte ihr, sie solle nicht weinen.

Sie fragte, ob die Frau keinen Papa hätte, der sie trösten könnte. Und als die Frau den Kopf schüttelte, machte Emma ihr das großzügigste Angebot, das ein Kind machen konnte. Sie sagte, die Frau könnte ihren Papa ausleihen. Er wäre sehr gut im Trösten. Er würde ihr bestimmt helfen. Sebastian hatte erst nach ein paar Sekunden bemerkt, dass Emma weggelaufen war.

 Er hatte sich umgesehen, sie auf der Bank bei einer fremden Frau entdeckt und war sofort losgelaufen. Sein Herz klopfte vor Sorge, aber als er näher kam und sah, dass Emma die Frau tröstete, verlangsamte er seine Schritte. Die Frau auf der Bank war wunderschön, selbst mit verweintem Gesicht und zerzaustem Haar. Sie trug einen eleganten, beigfarbenen Mantel, der mehr kostete als Sebastians Monatsgehalt, und sie sah aus wie jemand, der es nicht gewohnt war, von kleinen Mädchen getröstet zu werden.

 Er entschuldigte sich, sagte: “Emma wäre manchmal etwas zu freundlich, zu fremden und wollte seine Tochter mitnehmen. Aber Emma weigerte sich. Sie sagte, die Frau wäre traurig und bräuchte Hilfe. Und sie dürften sie nicht allein lassen. Nicht an Heiligabend, nicht, wenn sie weinte. Sebastian sah seine Tochter an, dann die Frau und traf eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte.

 Sebastian setzte sich neben Katharina auf die Bank, während Emma zwischen ihnen Platz nahm, als wäre es das Natürlichste der Welt. Der Schnee fiel weiter, die Weihnachtslichter funkelten und für einen langen Moment sagte niemand etwas. Dann begann Emma zu reden. Sie erzählte von den Lichtern und wie schön sie waren.

 Sie erzählte von ihrem Weihnachtsbaum zu Hause und den Geschenken, die darunter lagen. Sie erzählte von den Plätzchen, die sie mit Papa gebacken hatte und wie sie die Hälfte davon aufgegessen hatten, bevor sie auf das Blech kamen. Sie redete und redete, wie nur Kinder reden können, ohne Pause und ohne Punkt und Komma. Und irgendwann merkte Katharina, dass sie nicht mehr weinte.

 Sebastian entschuldigte sich noch einmal für Emma. Aber Katharina winkte ab. Sie sagte, das Kind hätte genau das Richtige getan. Manchmal brauchte man jemanden, der einem sagte, dass alles gut werden würde, selbst wenn es nicht stimmte. Er fragte, was passiert war, nicht aus Neugier, sondern weil er Arzt war und es in seiner Natur lag, sich um Menschen zu kümmern, die Schmerzen hatten.

 Katharina zögerte. Sie war es nicht gewohnt, mit Fremden über ihre Probleme zu sprechen. Sie war es nicht gewohnt, überhaupt mit jemandem über ihre Probleme zu sprechen. Aber es war Heiligabend und sie war allein, und dieser fremde Mann mit seiner kleinen Tochter hatte sie nicht einfach ignoriert wie alle anderen, die an ihrer Bank vorbeigegangen waren.

 Also erzählte sie. Sie erzählte von Maximilian von der Nachricht, von dem Ring, den sie auf den Küchentisch gelegt hatte. Sie erzählte nicht von ihrem Unternehmen oder ihrem Geld oder ihrem Erfolg, weil das plötzlich alles so unwichtig erschien. Sebastian hörte zu, ohne zu unterbrechen. Als sie fertig war, sagte er einfach, dass es ihr leid tun musste und dass sie niemand verdiente, so behandelt zu werden.

 Keine großen Worte, keine Ratschläge, keine Versuche, das Problem zu lösen, nur Mitgefühl. Emma, die inzwischen unruhig geworden war, fragte, ob die Frau nicht mit ihnen nach Hause kommen wollte. Sie hätten genug Essen für drei und der Weihnachtsbaum wäre sehr schön und es wäre doch traurig, wenn jemand an Heiligabend allein wäre.

 Sebastian wollte protestieren, wollte sagen, dass man fremde Menschen nicht einfach zum Weihnachtsessen einlut, aber dann sah er Katharinas Gesicht. Er sah die Einsamkeit darin, die tiefe, alte Einsamkeit, die er selbst kannte, die er in sich selbst bekämpfte seit dem Tag, an dem Emmas Mutter gestorben war. Er sagte, Emma hätte recht.

 Wenn Katharina keine anderen Pläne hätte, wäre sie herzlich willkommen. Katharina hätte nein sagen sollen. Sie hätte aufstehen und gehen und zu ihrem teuren leeren Leben zurückkehren sollen. Aber sie war müde. Müde vom Weinen, müde vom Alleinsein, müde davon, immer stark sein zu müssen. Sie sagte: “Ja.” Sebastians Wohnung war klein, viel kleiner als Katharinas Penthaus.

 drei Zimmer in einem Altbau in Schwabing mit hohen Decken und alten Parkettböden und einem Weihnachtsbaum, der eindeutig von einem Kind dekoriert worden war. Die Kugeln hingen alle unten, wo kleine Hände sie erreichen konnten, und die Spitze war ein selbstgebastelter Stern aus Goldpapier, der ein bisschen schief war. Überall lagen Spielsachen und Bücher und die kleinen Spuren eines Lebens, das wirklich gelebt wurde.

 Es war das schönste Zuhause, das Katharina je gesehen hatte. Ihr Penthaus mit Blick auf die Frauenkirche war in einer Designzeitschrift erschienen, perfekt eingerichtet von einem teuren Innenarchitekten, aber es hatte nie ausgesehen, als würde jemand darin leben. Sebastian kochte, während Emma Katharina ihre Spielsachen zeigte.

 Jede Puppe hatte einen Namen und eine Geschichte. Jedes Stofftier eine besondere Bedeutung. Da war der Teddy namens Bruno, den Papa ihr gekauft hatte, als sie ihren ersten Zahn verloren hatte. Gefällt dir diese Geschichte? Gib einen Like und abonniere den Kanal. Jetzt geht’s weiter mit dem Video. Da war das Einhorn Stella von Oma aus Frankfurt, das magische Kräfte hatte.

 Da war die Babypuppe, die einmal ihrer Mama gehört hatte und die Emma nur an besonderen Tagen hervorholte. Katharina hörte zu und stellte Fragen und war erstaunt, wie natürlich es sich anfühlte, mit diesem kleinen Mädchen zu sprechen. Sie hatte nie Zeit für Kinder gehabt, hatte nie gewusst, was man mit ihnen anfangen sollte.

 In Vorstandssitzungen fühlte sie sich wohl, in Verhandlungen war sie brillant, aber Kinder waren ihr immer fremd gewesen. Aber Emma machte es ihr leicht. Emma war offen und fröhlich und akzeptierte sie ohne Fragen, ohne Urteile, ohne Erwartungen. Das Abendessen war einfach. Würstchen mit Kartoffelsalat, wie es Tradition war, in vielen deutschen Familien an Heiligabend.

 Katharina konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt Würstchen gegessen hatte. In ihrer Welt gab es fünf Sterne Restaurants und Degustationsmenüs und Champagner, der mehr kostete als dieses ganze Abendessen. Sie hatte in Restaurants gegessen, die man Monate im Voraus buchen musste, hatte Gerichte probiert, die aussahen wie Kunstwerke, aber nichts davon hatte je so gut geschmeckt wie dieser Kartoffelsalat, selbst gemacht nach dem Rezept von Sebastians Mutter, an einem Tisch mit einer wacklig Kerze und einem Kind, das

ununterbrochen plapperte. Nach dem Essen war Bescherung. Emma öffnete ihre Geschenke mit der Begeisterung, die nur Kinder aufbringen können, riss das Papier auf mit einer Freude, die ansteckend war. Katharina fand sich lächelnd dabei, wie sie jedes einzelne Spielzeug bewunderte und jedes Buch durchblätterte.

 Sebastian hatte sogar ein kleines Geschenk für Katharina besorgt. ein paar warme Socken, die er auf dem Weg nach Hause noch schnell in einem kleinen Laden gekauft hatte, weil er bemerkt hatte, dass ihre Füße in den dünnen Strumpfhosen gefroren hatten. Es war ein absurdes Geschenk, Socken für eine Frau, die sich alles kaufen konnte.

Maximilian hatte ihr zum letzten Geburtstag eine Uhr für 10.000 € geschenkt. Aber Katharina musste die Tränen zurückhalten, als sie die Socken auspackte. Es war das erste Mal seit Jahren, dass jemand an sie gedacht hatte. wirklich an sie, nicht an die CEO oder die Millionärin, sondern an die Frau mit den kalten Füßen, die allein auf einer Bank im Park gesessen hatte.

Nach der Bescherung las Sebastian Emma eine Geschichte vor und Katharina saß im Wohnzimmer und betrachtete die Fotos an der Wand. Es gab viele Bilder von Emma, von ihrer Geburt bis heute in allen Phasen ihres kleinen Lebens und es gab einige Bilder von einer Frau mit dunklen Haaren und einem sanften Lächeln, die Sebastians Frau sein mußte.

 Auf einem Foto hielt sie einen kleinen Babybauch und strahlte in die Kamera, ohne zu wissen, was kommen würde. Als Sebastian zurückkam, erzählte er ihr von Maria, wie sie sich in der medizinischen Fakultät kennengelernt hatten, beide im ersten Semester, beide mit zu viel Koffein und zu wenig Schlaf. wie sie sich verliebt hatten langsam und dann plötzlich, wie sie geheiratet hatten in einer kleinen Kirche auf dem Land mit nur ihren engsten Freunden und Familien, wie sie schwanger geworden war und wie glücklich sie gewesen waren, all die

Pläne, die sie gemacht hatten und wie sie bei der Geburt an einer Komplikation gestorben war, die niemand hatte vorhersehen können. Er erzählte es ohne Bitterkeit, ohne Selbstmitleid. Er erzählte es wie jemand, der gelernt hatte, mit dem Schmerz zu leben, ihn zu einem Teil seiner Geschichte zu machen, anstatt sich von ihm definieren zu lassen.

 Katharina hörte zu und dachte an ihre eigene Einsamkeit, die so viel kleiner war als seine und doch so viel schwerer wog, weil sie niemanden hatte, für den sie weitermachen musste. Katharina ging in dieser Nacht nicht zurück in ihr Penthaus. Sie schlief auf Sebastians Sofa, eingewickelt in eine Decke, die nach Weichspüler und nach zu Hause roch.

 Und zum ersten Mal seit Monaten schlief sie durch ohne Albträume. Am nächsten Morgen machte Sebastian Pfannkuchen und Emma bestand darauf, dass Katharina beim Rühren helfen musste. Sie waren ein wenig verbrannt und ein bisschen zu dick. Aber Katharina aß sie alle auf und sagte, es wären die besten Pfannkuchen ihres Lebens. Sie hätte gehen sollen.

 Sie hätte sich bedanken und ihre Socken einpacken und in ihr normales Leben zurückkehren sollen zu den E-Mails und den Telefonkonferenzen und dem leeren Penthaus. Aber sie tat es nicht. Sie blieb zum Mittagessen, dann zum Spaziergang im Park, dann zum Abendessen. Und als es Zeit war zu gehen, fragte Emma, ob sie nicht morgen wiederkommen wollte.

 Also kam sie wieder und wieder und wieder. In den Wochen, die folgten, lernte Katharina ein Leben kennen, das sie nie gelebt hatte. Sie lernte Gute Nachtgeschichten vorzulesen und dabei die Stimmen zu verändern, vom brummenden Bären bis zur piepsenden Maus. Sie lernte Sandburgen zu bauen und so zu tun, als wären sie echte Schlösser und Teepys mit Stofftieren zu veranstalten.

 Sie lernte einfach da zu sein, ohne Agenda, ohne Ziel, ohne den ständigen Druck etwas erreichen zu müssen. Sie ging noch zur Arbeit. Natürlich Weber Technologies brauchte sie, ihre Mitarbeiter brauchten sie, aber sie arbeitete weniger. Sie delegierte mehr. Sie verließ das Büro um 6 statt um 10 Uhr und war erstaunt, dass die Welt nicht unterging, daß die Geschäfte weiterliefen, daß ihre Mitarbeiter auch ohne ihre ständige Überwachung gute Arbeit leisteten.

Sebastian wurde zu ihrem Freund oder vielleicht war er von Anfang an mehr als das gewesen. Sie redeten stundenlang über alles und nichts, über Träume und Ängste, über Vergangenheit und Zukunft. Er erzählte ihr von seiner Arbeit als Kinderarzt, von den kleinen Patienten, die ihm ans Herz wuchsen, von den schweren Fällen, die ihn nachts wach hielten, von der Freude, wenn ein krankes Kind wieder lachte.

 Sie erzählte ihm von ihrem Unternehmen, von ihren Anfängen in einem kleinen Zimmer, von den Kämpfen, die sie hatte, kämpfen müssen, um als Frau in der Technologiebranche ernst genommen zu werden. Er war nicht beeindruckt von ihrem Geld. Er war nicht eingeschüchtert von ihrem Erfolg. Er war beeindruckt von ihr, von der Frau, die sie war.

 wenn sie die CEO Maske ablete und einfach nur Katharina war. Die Frau, die über Emmas Witze lachte und sich beim Kochen bekleckerte. Eines Abends, als Emma schlief und sie zusammen auf dem Sofa saßen, fragte er sie, was sie sich für die Zukunft wünschte. Sie dachte lange nach, bevor sie antwortete. Früher hätte sie von Expansion gesprochen, von Wachstum, von neuen Märkten, aber jetzt sagte sie etwas anderes.

 Sie sagte, sie wünschte sich jemanden, der sie wirklich kannte, jemanden, bei dem sie nicht perfekt sein musste, jemanden, der sie an Heiligabend nicht allein weinen ließ. Sebastian nahm ihre Hand. Er sagte, er wäre gern dieser jemand, wenn sie ihn ließe. Sie ließ ihn. Ein Jahr später, am 24.

 Dezember saß Katharina wieder auf derselben Bank im englischen Garten. Aber diesmal weinte sie nicht. Diesmal lachte sie, weil Emma neben ihr saß und ihr eine Geschichte erzählte, die keinen Sinn ergab, aber trotzdem urkomisch war. Sebastian stand einige Schritte entfernt und machte Fotos von ihnen, von seinen beiden Mädchen im Schnee, vor den Weihnachtslichtern, an dem Ort, wo alles begonnen hatte.

 Vieles hatte sich verändert in diesem Jahr. Katharina hatte ihre Position als CEO abgegeben und war in den Aufsichtsrat von Weber Technologies gewechselt. Es war ein Schock für die Geschäftswelt gewesen, diese Entscheidung, aber Katharina hatte begriffen, dass es Dinge gab, die wichtiger waren als Quartalsberichte und Marktanteile.

 Sie arbeitete immer noch, beriet immer noch, hatte immer noch Einfluss. Aber sie hatte auch Zeit. Zeit für Emma, Zeit für Sebastian, Zeit für sich selbst. Sie war aus ihrem Penthaus ausgezogen und in Sebastians kleine Wohnung in Schwabing eingezogen. Es war eng, viel enger, als sie es gewohnt war, aber es war warm und lebendig und voller Lachen, und das war mehr wert als alle Quadratmeter der Welt.

 Emma hatte sie adoptiert auf ihre eigene kindliche Art. Sie nannte sie nicht Mama, das wäre nicht richtig gewesen, aber sie nannte sie Rina und behandelte sie wie eine beste Freundin, die zufällig auch eine Erwachsene war. Katharina half ihr bei den Hausaufgaben, kämte ihr die Haare zu unmöglichen Frisuren und las ihr jeden Abend vor, weil sie entdeckt hatte, dass Gute Nachtgeschichten zu den schönsten Momenten des Tages gehörten.

 Sebastian und Sie hatten im Herbst geheiratet, eine kleine Zeremonie im Standesamt mit nur Emmas Großeltern und einigen wenigen Freunden als Zeugen. Katharina hatte ein einfaches weißes Kleid getragen, keine Designerrobe und Sebastian hatte sie angesehen, als wäre sie das schönste Wesen auf der Welt. Emma war Blumenmädchen gewesen und hatte ihre Aufgabe so ernst genommen, dass alle lachen mussten.

 Manchmal dachte Katharina noch an jenen Heiligabend vor einem Jahr, an die Einsamkeit, die sie empfunden hatte, an die Tränen, die sie geweint hatte. Sie dachte an die Frau, die sie gewesen war, die Frau, die vor Erfolg strahlte und innerlich so leer war. Sie dachte daran, wie nah sie daran gewesen war, aufzugeben, sich in ihrer Einsamkeit zu verlieren, für immer die Frau zu bleiben, die alles hatte außer dem wichtigsten.

 Und dann dachte sie an das kleine Mädchen im Rosa Mantel, das zu ihr gekommen war und ihr seinen Papa angeboten hatte, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Kinder verstanden Dinge, die Erwachsene vergessen hatten. Sie verstanden, daß Traurigkeit geteilt werden mußte, dass niemand allein sein sollte, dass manchmal die größten Geschenke die kleinsten Gesten waren.

 Sie verstanden, dass Liebe keine Bedingungen hatte, keine Voraussetzungen, keine Erwartungen. Weinen Sie nicht, Fräulein. Sie können meinen Papa ausleihen. Diese Worte hatten ihr Leben gerettet. nicht dramatisch, nicht auf eine Hollywood Art, aber auf die echte leise Art auf die Leben gerettet werden. Durch Freundlichkeit, durch Mitgefühl, durch ein Kind, das nicht wusste, was es tat und es trotzdem tat.

 Durch einen Vater, der eine weinende Fremde nicht ignoriert hatte, durch eine Einladung zum Abendessen, die alles verändert hatte. Sebastian rief, daß er genug Fotos hätte und Emma sprang auf und rannte zu ihm, schlitterte fast auf dem vereisten Weg aus, wurde aber von seinen starken Armen aufgefangen.

 Katharina stand langsamer auf, strich den Schnee von ihrem Mantel und ging zu ihrer Familie. Ihr Familie. Sie hatte nie gedacht, dass sie diese Worte einmal sagen würde. Sie hatte nie gedacht, dass sie einmal eine Familie haben würde, nach allem, was sie aufgegeben hatte, nach allen Mauern, die sie gebaut hatte. Sie hatte geglaubt, daß sie dafür nicht gemacht war, daß Liebe und Karriere sich ausschlossen, daß sie den Preis für ihren Erfolg zahlen mußte, aber das Leben überraschte einen manchmal.

 Es brachte einen zum Weinen auf einer Bank im Park und dann schickte es ein kleines Mädchen, das einem seinen Papa anbot und plötzlich war nichts mehr so, wie es gewesen war. Plötzlich gab es Pfannkuchen am Sonntagmgen und Gute Nachtgeschichten und jemanden, der auf einen wartete, wenn man nach Hause kam. Plötzlich war alles besser.

 Sie nahm Sebastians Hand, hob Emma auf ihre Hüfte, obwohl das Mädchen eigentlich schon zu groß dafür war. Und zusammen gingen sie nach Hause durch den Schnee und die Lichter an diesem Heiligabend, der der Beste ihres Lebens war, weil es nicht der Erste war und weil es nicht der Letzte sein würde, weil sie endlich angekommen war, weil sie endlich verstanden hatte, dass das Wichtigste im Leben nicht in Bilanzen gemessen wird, sondern in den Momenten, die man mit den Menschen teilt, die man liebt, in den kleinen Händen, die sich in die eigenen legen, in den Abendessen

an wackeligen Tischen, in den Worten eines Kindes, das einem seinen Papa anbietet in der Liebe, die man findet, wenn man aufhört, sie zu suchen. Wenn diese Geschichte dich daran glauben lässt, dass manchmal die kleinsten Gesten die größten Veränderungen bewirken können, dann hinterlasse ein kleines Herz, um mir das zu zeigen.

 Und wenn du bis zum Ende geblieben bist, dann berühren Geschichten wie diese etwas echtes in dir. Für alle, die diese Geschichten unterstützen möchten, gibt es unten die Möglichkeit, einen super Danke zu hinterlassen. Jede Geste zählt, genau wie die Geste von Emma an jenem Heiligabend mehr zählte, als irgendjemand hätte ahnen können, denn du hast dich entschieden, bis zum letzten Wort zu bleiben, und das macht dich zu einem Teil dieser Geschichte.