Er wachte vom Geräusch von Metall auf, das über Beton schabte. [musik] Sein Herz machte einen Sprung, noch bevor er die Augen öffnete, denn er wusste bereits, was es war. Der Hund war wieder dabei, schleppte etwas Schweres quer über den Hof, direkt zur Haustür. Genau wie jede Nacht. Als Markus die Tür aufzog, strömte kalte Luft herein, zusammen mit dem Geruch von Rost und feuchtem Plastik.

 Und da lag es auf der Veranda, ein aufgerissener Müllsack, alte Flaschen und Abfälle verstreut wie eine Opfergabe, sorgfältig zu seinen Füßen gelegt. Der Hund setzte  sich auf die Hinterläufe, der Schwanz tief, die Augen fest auf Markus Gesicht gerichtet, nicht wedelnd, [musik] nicht bettelnd, nur wartend, als wäre diese seltsame Lieferung wichtiger als Futter oder Lob.

 Markus hatte alles versucht. Er fütterte den Hund gut, ging länger mit ihm spazieren, baute sogar einen Zaun. Aber jede Nacht ohne Ausnahme fand der Hund Müll und schleppte ihn nach Hause. Immer an dieselbe Stelle vor der Tür, immer mit derselben stillen Dringlichkeit. Nachbarn beschwerten sich, Freunde lachten es weg, doch etwas in der Haltung des Hundes machte Markus unruhig, denn das fühlte sich nicht zufällig an und es fühlte sich nicht spielerisch an.

 Es fühlte sich eingeübt an. Es fühlte sich erinnert an. In dieser Nacht, statt zu schreien oder aufzuräumen, folgte Markus ihm. [musik] Der Hund bewegte sich schnell, aber vorsichtig, schlängelte sich durch Gassen und hinter Geschäften vorbei. [musik] Hielt nur an, wenn er etwas bestimmtes fand. Niemals frisches Essen, niemals etwas Nützliches,  nur weggeworfenes, kaputtes, Dinge, die niemand wollte.

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 Als der Hund schließlich stehen blieb, [musik] stellte er sich neben eine verbeulte Mülltonne hinter einem verlassenen Apartmenthaus und [musik] er starrte die Ohren angelegt, der Körper angespannt, die Augen auf den dunklen Eingang in der Nähe gerichtet. Markus spürte es in diesem [musik] Moment, das Gewicht in seiner Brust, das Gefühl, dass dieser Ort eine Bedeutung hatte.

 Drinnen roch das Gebäude nach Schimmel und Altem [musik] Regen. In der hintersten Ecke des Erdgeschosses sah Markuses eine schwache Kontur an der Wand, schief angeklebte [musik] Fotos, im Dunkeln kaum sichtbar. Ein Mann, eine Frau und der Hund, [musik] jünger, dünner, stolz zwischen ihnen stehend, darunter ein Kerzenstummel, bis auf nichts heruntergeschmolzen.

Das hier war einmal ein Zuhause [musik] gewesen, ein echtes. Die Wahrheit fügte sich langsam und schmerzhaft zusammen. Der frühere Besitzer des Hundes hatte hier gelebt, jede Nacht Müll zusammengesammelt, um zu überleben, ihn immer nach Hause gebracht, immer geteilt, Reste in Routine verwandelt. Routine in Sicherheit.

 Als der Mann verschwand, machte der Hund weiter, schleppte Müll nach Hause. Nicht weil er hungrig war, sondern weil dies die Art war, jemanden am Leben [musik] zu halten. So wartete man. Als Markus den Hund nach Hause brachte, [musik] war die Veranda zum ersten Mal seit Wochen sauber. Kein Müll, kein Lärm. [musik] Der Hund legte sich neben der Tür hin und schlief tief und fest.

 Endlich, als wäre eine längst überfällige Aufgabe erledigt worden und dort in der Stille stehend verstand Markus etwas, das er nie vergessen würde. Liebe sieht [musik] nicht immer sanft aus. Manchmal sieht sie aus wie sture Loyalität, Nacht für Nacht wiederholt, lange nachdem der Grund verschwunden ist und weigert sich zu akzeptieren, dass Warten sinnlos ist.

M.