[musik] Sie sind vielleicht das berühmteste Augenpaar des europäischen Kinos. Strahlen blau, immer ein Lächeln in den Winkeln, blitzschnell und voller unbezwingbarem Optimismus. Für Millionen Deutsche in den 70er und 80er Jahren waren diese Augen nicht nur ein Markenzeichen, sie waren ein Versprechen.
Sie waren ein Symbol für eine unbeschwerte Freude, eine Flucht aus einem Alltag, der oft noch den grauen Schatten der Vergangenheit atmete. Diese Augen gehörten Terence Hill, dem Mann, der schneller schlug als sein Schatten und dessen Lächeln jede Leinwand erhälte. Er war die eine Hälfte des unbesiegbaren Duos, der charmante, fast engelsgleiche Held, dem scheinbar alles gelang.
Deutschland liebte ihn, als wäre er einer von ihnen. Ein strahlender Ritter in einer Zeit, die sich nach einfachen, unkomplizierten Helden sehnte. Er war der blonde Engel mit den frechen Sprüchen, ein Phänomen, das tief in der Westdeutschen Seele Resonanz fand. Er war der Beweis, dass das Leben leicht sein konnte.
Doch hinter diesem Lächeln verborgen vor den Kameras und der millionenfachen Bewunderung der Öffentlichkeit lag ein Schatten, ein Schweigen, das so tief und so lang war, dass es fast ein ganzes Jahrzehnt andauern sollte. Mitten auf dem absoluten Höhepunkt seines Ruhms in einem Moment, als die Welt ihm sprichwörtlich zu Füßen lag, verschwand Terence Hill fast vollständig von der Bildfläche.
Es war kein langsames Ausblenden, es war ein abrupter Schnitt. Die strahlend blauen Augen, die einst so viel Fröhlichkeit und Zuversicht verbreitet hatten, schienen sich vor der Welt zu verschließen. Es gab keine Skandale, keine Interviews über Burnout, keine lauten Zusammenbrüche, die die Titelseiten füllen konnten.
Es gab nur eine plötzliche, unerklärliche, fast ohrenbetäubende Stille. Der Mann, der das Lachen verkörperte, war verstummt. Was geschah mit dem Mann, der als Mario Girotti geboren wurde, einem stillen Italiener und der als Terence Hill zu einer globalen Legende wurde? Wie konnte der größte und beliebteste Star des Kontinents einfach verschwinden? Und welche unvorstellbare Tragödie, welche private Wahrheit, die so schrecklich war, dass sie nie öffentlich ausgesprochen wurde, zwang ihn dazu, alles aufzugeben, was er liebte und wofür er lebte. Die Welt kannte den Helden auf der Leinwand. Sie feierte den unbesiegbaren Haudegen. Aber sie kannte nicht den Mann dahinter, den Vater, der einen Schmerz ertrug, der so tief und so persönlich war, dass er seine Karriere, seine Identität und sein Leben für immer zu zerbrechen drohte. Dies ist nicht die Geschichte der lustigen Schlägereien und der Flottensprüche, die wir alle kennen und lieben. Dies ist die Geschichte dessen,
was danach kam. Es ist die Geschichte einer persönlichen Katastrophe, einer Wahrheit, die paradoxerweise tief in Deutschland verwurzelt ist und eines Vaters, der mit einem Verlust konfrontiert wurde, den kein Ruhm, kein Applaus und kein Geld der Welt jemals lindern konnte. Es ist die Geschichte, wie Terence Hill sein Lächeln verlor und wie er viele Jahre später allein in der Stille einen Weg finden musste, um weiterz leben.
Um den Mann zu verstehen, den Deutschland liebte, muss man verstehen, wen genau sie sahen. Sie sahen nicht Mario Giotti, den höflichen, zurückhaltenden in Venedig geborenen Italiener, der klassisches Schauspiel studiert hatte. Sie sahen Terence Hill, eine Figur, die fast mehr Deutsch als italienisch war.
ein Held, der durch eine kulturelle Alchemie erschaffen wurde, die es so nur einmal geben konnte. Sein Aufstieg in den späten 60ern und 70ern war kein Zufall. Es war eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Das Nachkriegsdeutschland, insbesondere Westdeutschland, erlebte sein Wirtschaftswunder. Man wollte nach vorne blicken.
Man sehnte sich nach einer neuen Art von Held, einem, der nicht die Last der komplizierten Geschichte trug, sondern sie einfach mit einem frechen Grinsen weglächelte. Und Terence Hill, fast immer an der Seite seines unzertrennlichen Partners Bud Spencer lieferte genau das. Ihre Filme waren ein nationales Ritual. Sie waren laut, absurd, herrlich albern und dabei wunderbar gewaltfrei in ihrer exzessiven Gewalt.
Es waren keine Schüsse, die fielen, sondern Fäuste, die flogen, begleitet von einem fast musikalischen Klatschen und Klatschen. Alles explodierte förmlich mit die linke und die rechte Hand des Teufels im Jahr 1979, dicht gefolgt von vier Fäuste für ein Halleluja im Jahr 1971. Diese Filme waren keine einfachen Italowestern mehr, sie waren ein kulturelles Phänomen.
Sie erschufen ein Genre, das man in Deutschland liebevoll Prügelkomödie nannte. Aber der wahre, der entscheidende Zauber für das deutsche Publikum geschah in der Synchronisation. Die deutsche Fassung war keine Übersetzung, sie war eine Neuerfindung. Die legendäre Schnodderdeutsch Synchro, oft brilliant geschrieben von Reiner Brand, gab Terence Hill eine Stimme und eine Persönlichkeit, die er im italienischen Original nie hatte.
Wo der Italiener vielleicht nur lächelte, warf der Deutsche Terence Hill mit absurden Wortspielen und respektlosen Sprüchen um sich. Er war nicht nur charmant, er war blitzgescheit, unverschämt frech und hatte immer wirklich immer den letzten absurdesten Spruch auf den Lippen. Diese Stimme machte ihn unbesiegbar, nicht nur körperlich, sondern vor allem intellektuell.
Er war der Mann, der jede brenzlige Situation mit einem Augenzwinkern und einem dummen Spruch meisterte. Während das deutsche Autorenkino schwere intellektuelle Fragen stellte, bot Terence Hill die pure, unbeschwerte Leichtigkeit. Er war das popkulturelle Gegengift. Die Öffentlichkeit sah in ihm alles: Den idealen Sohn, den Schwiegermutterliebling, aber gleichzeitig auch den besten Kumpel, den man sich wünschen konnte.
Er war der Mann mit den stahlblauen Augen, der das Böse besiegte, ohne jemals wirklich böse oder gar zynisch zu sein. Er war ein Engel mit verdammt frechen Sprüchen. Seine Popularität war grenzenlos und wurde fast erdrückend. Filme wie zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle oder zwei Asse trumpfen auf, waren Garanten für volle Kinoseele.
Jede Vorführung war ein Balsam für ein Land, das einfach nur lachen wollte und sein Ruhm war nicht nur Deutsch. Mit “Mein Name ist Nobody”. Im Jahr 1973 trat er direkt neben die unantastbare Hollywood Legende Henry Vonder und bewies, dass sein Charisma universell war. Er war auf dem absoluten Gipfel, ein internationaler Superstar, der von Rom bis Berlin verehrt wurde.
Er hatte alles erreicht. Er war nicht mehr nur ein Schauspieler, er war ein Symbol für eine sorgenfreie Zeit, ein Gesicht, das eine ganze Generation auf Postern, in Schulranzen und in Poesiealben begleitete. Doch dieser Gipfel, dieses unzerbrechliche Image, hatte einen immensen Preis. Der Druck dieses markellose Bild des ewig lächelnden, schlagfertigen Helden aufrecht zuerhalten, war unmenschlich.
Das Publikum wollte Terence Hill, den unbesiegbaren Halbgott, nicht Mario Giirotti, den verletzlichen, nachdenklichen Menschen. Und während der Applaus immer lauter wurde, wuchs im Verborgenen der Druck, diesem Idealbild gerecht zu werden. Ein Druck, der unweigerlich die Grundlage für die kommende tiefe Dunkelheit legte.
Während Deutschland in den Kinoseelen lachte und über die genialen Sprüche applaudierte, kämpfte Mario Giotti hinter den Kulissen einen stillen, zermürbenden Kampf. Es war der Kampf um seine eigene Identität. Die Figur des Terence Hill, dieses strahlenden, sorglosen, unbesiegbaren Helden, war zu einer Maske geworden, die er kaum noch ablegen konnte.
Mehr noch sie drohte sein wahres Gesicht zu verschlingen. Die Öffentlichkeit und die unersättliche Industrie verlangten nicht nach dem nachdenklichen, sensiblen, fast schüchterndnen Italiener, der er war, sondern ausschließlich nach dem Produkt, das sie geschaffen hatten. Der Mann, der privat die absolute Ruhe suchte, ein hingebungsvoller Familienvater war, Bücher las und die Natur liebte, stand in brutalem Kontrast zu dem lauten draufgängerischen Haudegen auf der Leinwand.
Dieser Druck war eine Form der Ausbeutung, die viel subtiler war als schlechte Verträge, aber nicht weniger zermürbend. Es war die unaufhörliche Ausbeutung seines Lächeln. Jede einzelne öffentliche Erscheinung, jedes Interview, jede Talkshow verlangte nach den blauen Augen, dem schnellen Spruch, der unerschütterlichen, fast künstlichen Fröhlichkeit.
Er war gefangen in dem Image, das ihn reich und berühmt gemacht hatte. Die Maschine des Erfolgs, die er und Bad Spencer in Gang gesetzt hatten, war unersättlich. Sie verlangte ständig nach mehr. Ein Film jagte den Nächsten oft mit kaum variierender Handlung, um den Appetit des Publikums zu stillen. Zwei beärenstarke Typen, vier Fäuste gegen Rio, das Krokodil und sein Niilpferd.
Die Titel waren austauschbar, der Erfolg war es nicht. Die Produzenten wussten, was das Publikum wollte und sie forderten es unerbittlich ein. Terence Hill war keine Person mehr. Er war ein Garant für Einnahmen. Um diesem unaufhörlichen Wahnsinn zu entkommen, baute sich Giotti systematisch eine Festung der Normalität.
Er war nie ein Mann für die glamurösen Partys in Rom oder die roten Teppiche Hollywoods. Er heiratete Laor Hill, eine Amerikanerin bayerischer Abstammung, die er bei Dreharbeiten kennengelernt hatte. Sie wurde sein Anker. Zusammen gründeten sie eine Familie. Er zog sich auf ein abgelegenes Landgut in Italien zurück.
und kaufte später, als der Ruhm erdrückend wurde, eine Farm in Massachusetts in den Vereinigten Staaten. Dies war seine Flucht. Es war eine verzweifelte, fast fieberhafte Suche nach einem Ort, an dem er nicht Terence Hill sein musste, sondern einfach nur Mario sein konnte. Ein Ort, an dem er nicht der Held war, sondern einfach nur Ehemann und Vater.
Doch die Industrie schützte diesen privaten Raum nicht. Sie respektierte ihn nicht einmal. Sie ignorierte ihn. Für die Maschine war seine Familie bestenfalls eine Randnotiz, solange die Kasse stimmte. Es gab keinen spezifischen Manager oder Regisseur, der als der eine große Bösewicht auftrat. Das System selbst war der Antagonist, ein System, das ihn gnadenlos auf ein einziges Image reduzierte und ihm jegliche Autonomie über seine eigene künstlerische Entwicklung nahm.
Er versuchte sich mit ernsthaften Filmen wie “Keine Haut wie Don Camillo neu zu erfinden, aber selbst dort erwartete das Publikum die alten vertrauten Prügelszenen. Er war gefangen im goldenen Käfig seines eigenen Erfolgs. Die vielleicht größte, fast schon tragische Ironie war seine intime Beziehung zu Deutschland.
Das Land, das ihn am meisten feierte und vereinnahmte, war auch der Ort, an dem er eine seiner privatesten und wichtigsten Entscheidungen traf. 1973 während Dreharbeiten in München adoptierten er und seine Frau einen wenige wochen alten Jungen Ross. Dieses Kind, dieser deutsche Säugling, wurde zum wichtigsten Baustein seiner privaten Festung.
Ein Symbol für das normale Leben, dass er so verzweifelt zu schützen versuchte. Es war ein stilles privates Glück, dass er fast eifersüchtig vor der Welt und dem grellen Licht der Kameras verbarg. Niemand in den jubelnden Kinoseelen ahnte damals, dass dieser Akt der Liebe, vollzogen auf dem absoluten Höhepunkt seines Ruhms, Jahrzehnte später der Ursprung der größten und dunkelsten Tragödie seines Lebens sein würde.
Anfang 1990 schien die Welt von Terence Hill, zumindest von außen betrachtet, noch vollkommen in Ordnung. Er war 50 Jahre alt, immer noch ein unangefochtener Superstar und er bereitete sein bis dahin ehrgeizigstes und persönlichstes Projekt vor. Er wollte nicht nur die Hauptrolle spielen, sondern auch Regie führen bei Lucky Luke, einer liebevollen Verfilmung des Comics, den er selbst so sehr schätzte und er würde nicht allein sein.
Sein Sohn Ross, der einst in München adoptierte Junge, war nun 16 Jahre alt. Er war ein charismatischer, talentierter junger Mann, der offensichtlich in die Fußstapfen seines berühmten Vaters treten wollte. Ross war offiziell für die prominente Rolle des Billy the Kid gecastet worden. Es sollte ihr gemeinsamer Film werden.
Ein stolzer, triumphaler Moment für einen Vater, der seinem Sohn das Handwerk beibringen wollte. Doch dieser Moment sollte niemals kommen. Im tiefsten Winter im Januar 1990 in einer kalten Nacht in Massachusetts geschah das Unfassbare. Es war keine komplexe Tragödie, es war die banale, brutale Realität.
Ross Hill war mit dem Auto unterwegs und geriet auf einer vereisten Straße ins Schleudern. Der Unfall war verheerend. Ross starb noch am Unfallort, nur 16 Jahre alt. Für Mario Girotti war dies kein Skandal, den man managen konnte. Es war eine Auslöschung. Es war der Albtraum eines jeden Vaters eine fundamentale Tragödie, die tief in sein innerstes Schnitt und alles, was er je geglaubt, geliebt oder aufgebaut hatte, in Frage stellte.
Die wahre, fast unerträgliche Ironie dieser Tragödie liegt in ihrem Timing. Der Unfall passierte nicht irgendwann. Er passierte nur wenige Tage, bevor Ross und sein Vater gemeinsam zu den Dreharbeiten für Lucky Luke aufbrechen sollten. Die Koffer waren methorisch gepackt, die Drehbücher waren gelernt, die Rolle des Billy the Kid wartete.
Terence Hill stand nun vor einer unmöglichen, einer unmenschlichen Wahl. Er konnte aufgeben, alles absagen, sich in seiner undurchdringlichen Trauer vergraben und niemand auf der Welt hätte es ihm übel genommen oder er konnte weitermachen. Er traf die unvorstellbare Entscheidung weiterzumachen.
Ob es ein letzter Akt des Professionalismus war oder ein Zustand tiefen betäubenden Schocks, wissen wir nicht. Er flog zum Set. Er stellte sich hinter die Kamera. Er zog das Kostüm des fröhlichen Helden an und er begann Regie zu führen in genau dem Film, in dem sein verstorbener Sohn hätte mitspielen sollen. Man kann sich den Schmerz, die surreale tägliche Hölle dieses Drehs, kaum vorstellen.
Jeden einzelnen Tag musste Mario Giotti aufstehen, um den fröhlichen pfeifenden Lucky Luke zu spielen, während er innerlich zerbrach. Er musste Regieanweisungen geben, Kamerapositionen festlegen und Action rufen für Szenen, in denen sein Sohn hätte stehen sollen. Jede Szene, in der Billy the Kid hätte auftreten sollen, jede Zeile im Drehbuch, die nun einem anderen Schauspieler gegeben wurde, war nicht nur ein leerer Platz.
Sie war eine stille Anklage, eine schreiende Erinnerung an den leeren Stuhl neben ihm. Er inszenierte die Abwesenheit seines eigenen Kindes, die Öffentlichkeit, die Medien, sie berichteten über den tragischen Unfall, aber sie konnten nicht ermessen, was es bedeutete. Für sie war Lucky Luke 1921 nur ein weiterer Film, vielleicht sogar eine kommerzielle Enttäuschung.
Für Terence Hill war es wochenlange ununterbrochene Folter. Als der Film abgedreht war, als die Kameras endlich still standen, erlosch das Licht in den berühmten blauen Augen. Die Industrie ließ ihn fallen, nicht aus Bosheit, sondern aus ratloser Gleichgültigkeit. Der ewig lächelnde Held passte nicht mehr in ihre Welt.
Ein Held, der so tief und echt gelitten hatte, war keine leichte Unterhaltung mehr. Und Mario Girotti zog sich zurück. Er verschwand. Das große Schweigen hatte begonnen. Das Schweigen von Terence Hill war kein lautes, anklagendes Schweigen. Es war kein politisches Statement oder ein kalkulierter Rückzug, um den eigenen Marktwert zu steigern.
Es war ein stilles, fast hermetisches Verschwinden, ein langsames, schmerzhaftes Verblassen aus dem grellen Rampenlicht, das ihm so viel gegeben und so unvorstellbar grausam genommen hatte. Nach dem Albtraum der Lucky Luke Produktion im Jahr 1991 schloss sich der Vorhang. Die 90er Jahre vergingen und Deutschlands größter beliebtester Importheld war einfach weg.
Es gab keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte, keine Erklärungen. Für das Publikum, das mit ihm aufgewachsen war, war es ein unlösbares Rätsel. Ein Star von solchem Ausmaß, eine Ikone, die so tief in der Popkultur verwurzelt war, verschwindet nicht einfach. War er krank? Hatte er sich finanziell ruiniert? Die Gerüchteküche brodelte leise, fand aber nie wirklich Nahrung.
Die Stille war absolut. Doch dies war kein strategischer Rückzug. Es war ein selbst auferlegtes Exil. Es war die endgültige Flucht des Mario Girotti vor der lauten anstrengenden Maske des Terence Hill. Er zog sich auf seine Farm in Massachusetts zurück, jenen Ort, der so gefährlich nah an der Tragödie lag, jene Festung der Normalität, die er einst zum Schutz seiner Familie gebaut hatte.
Er war nun nur noch Mario. Er widmete sich seiner Frau Lori, seinem verbliebenen Sohn. Er suchte Trost in der Natur, in der körperlichen Arbeit, in der absoluten Stille, im Lesen. Berichten zufolge vertiefte er sich intensiv in Philosophie und Religion auf der verzweifelten Suche nach einem Sinn in dem, was vollkommen sinnlos schien.

Während die Welt da draußen langsam auf eine Rückkehr des Haudigens wartete auf das nächste vier Fäustespektakel, kämpfte der Mann einen stillen, unsichtbaren inneren Kampf gegen die Trauer. Es war ein Kampf, der Jahre dauerte. Er musste nicht nur den unnatürlichen, brutalen Verlust seines Sohnes verarbeiten.
Er musste auch den Verlust des Lebens verarbeiten, das er gekannt hatte und den Verlust des Glaubens an die Leichtigkeit des Seins, die er jahrzehntelang so erfolgreich verkauft hatte. Wie kann man den Mann spielen, dem alles gelingt, wenn einem selbst das Allerwichtigste auf so grausame Weise genommen wurde? Sein Moment, das Schweigen zu brechen, fand nicht vor einer Fernsehkamera statt, nicht in einer Enthüllungsschow.
Es gab keine Pressekonferenz, keine wütende Autobiografie, in der er Produzenten, Manager oder das System anklagte. Es gab niemanden anzuklagen. Die Industrie hatte ihm nichts gestohlen. Das Schicksal hatte es getan. Sein Schweigen zu brechen war eine innere, stille Entscheidung, die fast ein ganzes Jahrzehnt reifen musste.
Es war die Entscheidung, den Schmerz nicht länger sein Leben definieren zu lassen, sondern ihn zu akzeptieren und in etwas Neues zu verwandeln. Und dann im Jahr 2000, als die meisten ihn bereits abgeschrieben oder vergessen hatten, trat er wieder vor die Kamera. Aber es war nicht der Terence Hill, an den sich die Welt erinnerte.
Es war nicht einmal ein Schatten davon. Er kehrte nicht mit einem lauten Knall zurück. Er kehrte nicht in einem Hollywood Blockbuster oder einem nostalgischen Western zurück. Er kehrte in Italien zurück, im Fernsehen in einer Rolle, die das absolute radikale Gegenteil von allem war, was er je getan hatte.
Er spielte Don Matteo, einen sanftmütigen weisen katholischen Priester in einer italienischen Kleinstadt, der auf einem Fahrrad Verbrechen aufklärt. Die Reaktion war zunächst Verwirrung, dann ungläubiges Erstaunen. Wo war der Mann mit den Fäusten? Wo war das freche laute Lächeln? An seiner Stelle stand ein älterer, nachdenklicher Mann, dessen Augen nicht mehr blitzten, sondern eine tiefe, ruhige, fast schmerzhafte Weisheit ausstrahlten.
Dies war seine Antwort. Dies war sein Weg, die Kontrolle über seine Geschichte zurückzugewinnen. Er klagte kein System an. Er schrieb seine eigene Geschichte neu. Don Matteo wurde ein phänomenaler generationsübergreifender Erfolg. lief über 20 Jahre und gab ihm eine zweite, vielleicht sogar wahrhaftigere und bedeutungsvollere Karriere.
Er hatte sein Schweigen gebrochen, nicht mit Worten des Zorns, sondern mit einer stillen, beharrlichen Tat der Wiedergeburt. Die Geschichte von Terence Hill ist nicht die Geschichte eines Rachefeldzugs. Sie endet nicht mit einem Knall. Es ist keine laute öffentliche Anklage gegen eine Industrie, die ihn ausgebeutet hat, denn sein größter Feind war kein gieriger Produzent oder ein manipulativer Manager.
Sein größter Feind war das Schicksal selbst in seiner banalsten und brutalsten Form. Seine Geschichte ist komplexer, weil es keinen klaren Bösewicht gibt, dem man die Schuld geben kann. Seine Reise erinnert uns daran, dass der Preis des Ruhms nicht immer in verlorenen Tantemen, gestohlenen Rechten oder unfairen Verträgen gemessen wird.
Manchmal wird der höchste Preis in der absoluten Stille bezahlt in dem unmenschlichen Zwang ein öffentliches Lächeln aufrecht zuerhalten, während die private innere Welt unwiderbringlich in Trümmern liegt. Es ist die Tyrannei der Maske, die man selbst erschaffen hat. Terence Hill steht stellvertretend für eine Art von Schmerz, über die im grellen Licht des Showgeschäfts nur selten gesprochen wird.
Nicht der laute, saftige Skandal, sondern die stille, private, unheilbare Tragödie. Was schulden wir den Ikonen, die uns jahrzehntelang so viel Freude bereitet haben? Verlangen wir von ihnen ewig die Maske zu tragen, die wir für sie geschaffen haben, selbst wenn sie daran zerbrechen? Und was passiert, wenn der Mensch hinter dieser Maske bricht? Sind wir als Publikum bereit, ihre Stille und ihre Trauer zu akzeptieren, so wie wir ihren Applaus und ihr Lachen genossen haben? Oder verwähren wir ihnen das Recht menschlich zu sein? Die Geschichte von Mario Girotti ist ein leiser, aber eindringlicher Appell an das Mitgefühl, eine Mahnung, dass hinter jedem Markenzeichen, hinter jedem strahlenden blauen Auge ein verletzlicher Mensch steckt. Er hat uns eine universelle Lektion über Widerstandsfähigkeit gelehrt, die vielleicht wichtiger ist als jede Rachegeschichte. Er hat gezeigt, dass wahre Stärke nicht immer im öffentlichen Kampf liegt, nicht im lauten Benennen

von Schuldigen. Manchmal liegt die größte fast übermenschliche Kraft in der stillen quälenden Entscheidung einfach weiterzumachen. Terence Hill suchte keine öffentliche Absolution oder Genugtung. Er suchte den Frieden. Er fand ihn nicht, indem er die Vergangenheit anklagte, sondern indem er der Zukunft eine neue, leisere und wahrhaftigere Rolle gab.
Er hat uns bewiesen, dass selbst nach der dunkelsten, unvorstellbarsten Tragödie ein zweites Leben möglich ist. Vielleicht ein leiseres, ein nachdenklicheres, aber ein Leben, das endlich mit der eigenen authentischen Stimme gelebt wird.
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