Es gibt Momente im Leben, in denen das   Schweigen schwerer wiegt als jedes Wort.   Momente, in denen die Wahrheit so lange   verborgen wurde, dass sie zu einer Last   wird, die man nicht mehr tragen kann.   Für Susi Quadro kam dieser Moment mit 74   Jahren. Die Frau im schwarzen   Lederoverall, die in den 70er Jahren die   Rockwelt im Sturm eroberte und als erste   weibliche Bassistin zum Welstar wurde,   hatte Jahrzehntelang geschwiegen über   die Verbindung, die Fans seit fast einem   halben Jahrhundert beschäftigte, über   die Einsamkeit hinter dem Glammer, über   die Opfer, die niemand sah. Doch in   einem aktuellen Interview brach sie ihr   Schweigen und sprach über Dinge, die sie   fast ihr ganzes Leben lang vergraben   hatte. Was sie enthühlte, überraschte   selbst ihre treuesten Anhänger und warf   ein völlig neues Licht auf eine der   faszinierendsten Karrieren der   Rockgeschichte. Die Treud in den 50er   Jahren war eine Stadt der Gegensätze,   eine Stadt aus Stahl und Musik aus Härte   und Träumen. Hier zwischen rauchenden   Fabrikschloten und den frühen Klängen   des Motown wurde am 3. Juni 1950 Susan   K. Quatrochio geboren. Sie war das

 

  vierte von fünf Kindern in einer   Familie, die Musik nicht nur liebte,   sondern lebte. Ihr Vater Art Quattro war   Jazzmusiker und arbeitete tagsüber bei   General Motors, während er nachts in   verrauchten Clubs seine Leidenschaft   auslebte. Ihre Mutter Helen führte den   Haushalt mit eiserner Hand, forderte   Disziplin und Respekt.

 

 Doch sie erfüllte   das Zuhause auch mit einer tiefen   Wertschätzung für Kunst und Kultur. Die   Quadrok Kinder wuchsen in einem Haus   auf, in dem ständig Instrumente gespielt   wurden, in dem Jazz, klassische Musik   und die wilden neuen Klänge des Rockn   Roll durch die Räume halten. Es war   laut, chaotisch, überfordernd und   zugleich magisch.

 

 Susi selbst beschrieb   ihre Kindheit später als eine Zeit der   Widersprüche. Nach außen war sie   extrovertiert, lebhaft, immer bereit im   Rampenlicht zu stehen. Doch innerlich   war sie zurückgezogen, eine   Beobachterin, die ihre wahren Gefühle   selbst vor den Menschen verbar, die sie   am besten kannten. Diese Dualität, diese   Fähigkeit, eine Maske zu tragen, sollte   sie ihr ganzes Leben lang begleiten.

 

 Mit   sechs Jahren sah sie Elvis Presley im   Fernsehen und etwas in ihrwachte. Ein   Hunger, eine Bestimmung, die sie selbst   nicht vollständig verstand. Sie wollte   nicht das Mädchen sein, das auf die   Bühne schaute. Sie wollte die Kraft   sein, die auf ihr stand. Ihre   musikalische Ausbildung begann klassisch   mit Klavierunterricht und Perkaschen.

 

  Ihr erstes Instrument waren Bongos, die   sie mit 8 Jahren in der Band ihres   Vaters spielte. Doch als ihre ältere   Schwester sie bat, Bess für ihre erste   Band zu lernen, zögerte Susi keine   Sekunde. Der Bass war fast so groß wie   sie selbst. Schwer, unhandlich, ein   Instrument, das eigentlich für Männer   reserviert war.

 

 Aber genau das reizte   sie. Ihr Vater schenkte ihr einen Fender   Precision Bass von 1957.   Ein Geschenk, das sie bis heute besitzt   und im Studio benutzt. Es ist mehr als   nur ein Instrument. Es ist ein Symbol   für den Anfang, für die Entscheidung,   einen Weg zu gehen, den vor ihr keine   Frau in dieser Form gegangen war. Die   Tre formte Susi Quatro, aber er es   hinterließ auch Naren.

 

 Sie sprach später   davon, dass sie ihrer Mutter erst näher   kam, nachdem sie die USA verlassen   hatte. ein Hinweis auf eine Kindheit   voller unausgesprochener Spannungen,   voller Erwartungen und Druck. Sie wuchs   in Liebe auf, ja, aber auch unter dem   Gewicht, sich ständig beweisen zu müssen   in einer Welt, die nie erwartete, dass   ein kleines Mädchen aus Detroit die   Rockszene revolutionieren würde.

 

 Dieser   Druck, diese Einsamkeit, die sich hinter   all der Musik versteckte, sollte sie   niemals wirklich loslassen. Als Susi in   ihre Teenagerjare kam, war Musik nicht   mehr nur eine Leidenschaft. Es war die   einzige Realität, die für sie zählte.   Mit 14 Jahren gründete sie zusammen mit   ihren Schwestern Patty und Al sowie   einigen Freundinnen eine Band namens The   Pleasure Seekers.

 

 Es war eine der ersten   rein weiblichen Rockbands in Amerika.   Ein Konzept, das in den mittleren 60er   Jahren nicht nur mutig, sondern gerade   zu unvorstellbar war. Sie waren   Teenager, die in verrauchte Clubs in   Detroit gingen. Voller Männer, die nicht   glaubten, dass Frauen überhaupt   Instrumente spielen könnten, geschweige   denn eine Rockband anführen.

 

 Doch Susi   zögerte nicht. Sie griff zum Bass,   stellte sich an die Vorderkante der   Bühne und lieferte eine rohe   ungeschliffene Energie, die sie sofort   von allen anderen abhob. Der Pleasure   Seekers namen Songs wie Never Thought   You’d Leave Me und What a Way to Die   auf. Titel, die bereits den rebellischen   Geist trugen, für den Susi später   weltberühmt werden sollte.

 

 Ihre   Auftritte waren chaotisch, laut,   emotional und echt. Genau die Art von   Ausdruck, die das harte Publikum in   Detroit respektierte. Doch schon früh   zeichnete sich eine Realität ab, die   niemand laut aussprach. Susi begann der   Band zu entwachsen. Ihre Bühnenpräsenz   war anders, intensiver, zwingender.   Produzenten, die sie beobachteten,   erkannten, dass sie nicht eine von   vielen bleiben sollte.

 

 Sie sollte allein   im Rampenlicht stehen. Der Wendepunkt   kam 1971.   Der britische Produzent Mickey Most,   bekannt dafür bahnbrechende Talente zu   entdecken, sah in Susi etwas, das kein   amerikanisches Label erkannt hatte. Für   ihn war sie nicht nur eine ehrgeizige   Teenagerin aus Detroit, sie war ein   Funke, der nur darauf wartete, zum Feuer   zu werden.

 

 Und er bot ihr etwas an,   wovon die meisten Künstler nur träumen   konnten. Die Chance nach England zu   gehen und neu anzufangen. Nicht als Teil   einer Gruppe, sondern als eigenständige   Rockmusikerin. Für Susi bedeutete das   Verlassen von Detroit die einzige Welt   hinter sich zu lassen, die sie jemals   gekannt hatte.

 

 Ihre Eltern, ihre   Geschwister, das überfüllte chaotische   Zuhause, die Stadt, die sie geprägt und   verletzt hatte. Sie war 21, jung genug,   um Angst zu haben, aber entschlossen   genug, diese Angst zu ignorieren. Mickey   Moost glaubte, dass das vereinigte   Königreich bereit war für ihre Energie   und er sollte recht behalten.

 

 Die   Glamrock Bewegung explodierte gerade in   England. Eine Zeit kühner Mode,   aggressiver Sounds und Künstler, die   keine Grenzen fürchteten. Es war die   perfekte Umgebung für jemanden wie Susi,   jemanden, der sich in keine Schublade   stecken ließ. Als sie in das Flugzeug   nach London stieg, gab sie später zu,   daß sie etwas in sich zerbrechen fühlte,   eine Mischung aus Aufregung und tiefer   Trauer.

 

 Sie wusste damals nicht, dass   sie auch die Version ihrer selbst   zurückließ, die immer auf Sicherheit   bedacht gewesen war. Und diesem Moment   an war sie nicht mehr das schüchterne   Mädchen aus Detroit, das um Gehör   kämpfte. Sie wurde Susi Quadro, die   Frau, die in eine männerdominierte   Industrie eintreten und sie zwingen   würde, sie anzuerkennen.

 

 Als Susi Quatro   in London ankam, trat sie direkt in eine   musikalische Revolution. Ein Glamrock   war im ganzen Vereinigten Königreich   ausgebrochen und das Publikum war   hungrig nach etwas lautem, frischem,   furchtlosem. Unter der Anleitung von   Mickey Most unterschrieb sie bei Rake   Records und begann ihre eigene Identität   zu formen.

 

 Ihre erste Single Rolling   Stone im Jahr 1972   erreichte nur mäßig Erfolg, doch sie   zeigte bereits, dass hier etwas   Bedeutendes im Entstehen war. Dann 1973   änderte sich alles. Ihre nächste Single   Can the Can erreichte Platz 1 im   Vereinigten Königreich und in mehreren   europäischen Ländern und verkaufte sich   über 2 Millionen Mal.

 

 Über Nacht wurde   Susi Quadro zu einem globalen Namen. Von   da an rissen die Hits nicht mehr ab. 48   Crash Deon und ein domarten   Daytona Demon Devil Gate Drive the Wild   One. Sie erschuf ein unverwechselbares   Image. Der schwarze Leder overall, die   elektrische Ausstrahlung, die treibenden   Basslinien.

 

 Sie brach jede Regel, die   die Branche für Frauen aufgestellt   hatte. Sie stand nicht vor der Band, sie   war die Band. Sie wartete nicht auf   Zustimmung. Sie verlangte Respekt. Zum   ersten Mal mussten die Zuschauer   akzeptieren, dass eine Frau pure   Rockenergie verkörpern konnte, ohne   sexualisiert zu werden. SI sagte später,   sie sei stolz darauf, dass sie sich nie   ausziehen musste, um Aufmerksamkeit zu   bekommen. Sie brauchte es nicht.

 

 Ihre   Kraft kam allein aus Talent und Stärke.   Doch 1978 sollte das dauerhafteste   Kapitel ihrer Karriere hervorbringen und   gleichzeitig die Gerüchte entfachen,   über die Fans jahrzehntelang flüsteren.   In diesem Jahr nahm Susi Stumblin in   auf, ein Duett mit Chris Norman von der   Band Smokey.

 

 Der Song war nie als   Phänomen gedacht. Beide Künstler   dachten, er sei einfacher, süßer Titel,   etwas, das die Leute mögen würden, aber   nichts, das ihr Leben verändern würde.   Stattdessen erreichte er Platz 4 der US   Billboard Hot und wurde zu einem der   prägenden Songs der späten 70er Jahre.   Fans verliebten sich in die Chemie   zwischen den beiden Stimmen, die   Zärtlichkeit zwischen den Zeilen, die   emotionale Ehrlichkeit der Aufnahme und   beinahe sofort nahm die Welt an, dass es   zwischen Susi und Chris mehr geben   musste als nur Musik. Die   Entstehungsgeschichte des Songs war   eigentlich simpel. Mike Chapman und   Nicki Jin, das Songwriter und   Produzententeam hinter vielen von Susys   Hits, waren bei einer Party in   Deutschland, bei der auch Sy und die   Band Smokey anwesend waren. Chapman sah   Susi und Chris Norman zusammen auf der   Bühne und erkannte sofort, dass sie ein   natürliches Paar abgaben. Er sprach sie   auf ein Duett an und beide stimmten zu.   Am nächsten Tag während einer Pause im   Studio kam Chapman die Textzeile “Our

 

  Love is alive”. und der Song nahm   Gestalt an. Die Aufnahme selbst war   seltsam friedlich. Kein Wettbewerb, kein   Ego, kein Druck. Einfach zwei Stimmen,   die Harmonie fanden, als wäre es das   Natürlichste der Welt. Doch genau diese   Natürlichkeit, diese mühelos wirkende   Chemie ließ die Fans glauben, dass mehr   dahinter stecken musste.

 

 Jahrzehntelang   schwieg Susi über die Spekulationen. Sie   bestand darauf, dass die beiden gute   Freunde waren, dass ihre musikalische   Harmonie ganz natürlich kam, dass sie   einander zutiefst respektierten. Doch   sie sprach nie über die emotionale   Spannung, die die Fans so deutlich   spürten. Unterdessen befeuerte Chris   Norman, der bereits für Smokys sanften   Softdrock geliebt wurde, die Gerüchte,   indem er zugab, wie mühelos die   Zusammenarbeit mit ihr gewesen war.

 

 Und   für Susi wurde Stumblin In zu dem Song,   dem sie nie entkommen konnte. Sie war   für ihre wilde Rockpersona bekannt, doch   Millionen von Zuhörern verbanden sie mit   diesem einen verletzlichen sanften   Moment. Es wurde zum unerwartetesten   Spiegel ihres verborgenen Selbst, eines   Selbst, über das sie damals nicht   sprechen wollte.

 

 Als die Jahrzehnte   vergingen, wurde die Frage immer lauter.   Was geschah wirklich zwischen Susi   Quattro und Chris Norman? Mit 74   entschied sie sich endlich die Wahrheit   zu sagen, aber nicht so, wie es   irgendjemand erwartet hatte. Fast ein   halbes Jahrhundert lang trugen Fans eine   hartnäckige Frage mit sich herum. War   Stumblin nur ein Lied oder war es ein   Blick in etwas, das Susi Quatro nie   zuzugeben wagte? Die Chemie war   unbestreitbar.

 

 So natürlich, so mühelos,   daß Zuhörer auf der ganzen Welt sicher   waren, daß sich unter der Melodie eine   tiefere Geschichte verstecken mußte. SI   Wich der Frage jahrzehntelang aus,   überspielte sie mit Witzen, lenkte durch   Professionalität ab. Doch mit 74 Jahren   in einem seltenen Moment der Offenheit   enthüllte sie endlich, was sie die   meiste Zeit ihres Lebens für sich   behalten hatte.

 

 Sie begann mit einem   einfachen Satz, einem der den   Interviewer augenblicklich verstummen   ließ. Chris Norman war eine der wärmsten   Seelen, mit denen ich je gearbeitet   habe. Dann erklärte sie, dass sie und   Chris damals beide verheiratet waren.   Beide belastet von Karrieren, Tourneen   und öffentlichen Erwartungen. Die   Aufnahme Session von 1978 war seltsam   friedlich gewesen.

 

 Kein Wettbewerb, kein   Ego, kein Druck. Einfach zwei Stimmen,   die Harmonie fanden, als wäre es das   Natürlichste der Welt. Susi gab zu, dass   das, was die Fans fühlten, real war,   aber nicht auf die Weise, wie sie es   sich vorstellten. Sie beschrieb ihre   Verbindung als rein, instinktiv und   unmöglich zu reproduzieren. Es gab   Bewunderung, Respekt, eine emotionale   Nähe, die sie nie erwartet hatte, aber   nie etwas, das eine Grenze überschritten   hätte.

 

 “Die Leute wollen eine   romantische Geschichte”, sagte sie.   “aber die Wahrheit ist einfacher. Wir   hatten eine Verbindung, eine seltene.   Man hörte es in der Musik. Sie gestand,   dass Stumblin In für sie im Laufe der   Jahre bitter süß wurde. Nicht wegen   eines Skandals, sondern weil das Lied   eine Seite von ihr einfing, die sie der   Welt selten zeigte.

 

 Sanfter,   verletzlicher, weniger gepanzert. Sie   war die Frau im Leder Overall, die   Pionierin des Rock, das Gesicht einer   Bewegung, die sie nie selbst gewählt   hatte. Doch für Millionen war sie auch   die Stimme, die sich perfekt mit Chris   Normans Stimme verband und eine   Zärtlichkeit andeutete, die unter ihrer   Stärke verborgen lag.

 

 Susi gab zu, sie   sei überrascht gewesen, wie sehr ihr   dieses Lied folgte. Sie hatte ihre   Identität auf Stärke, Rebellion und   Unabhängigkeit aufgebaut. Sie hatte   Geschlechterbarrieren durchbrochen,   indem sie sich nicht sexualisieren ließ,   sich auf niemanden verließ und nie die   Kontrolle abgab. Doch Stumblin in stand   für das genaue Gegenteil.

 

 Es war   zärtlich, emotional, fast zerbrechlich.   All das, was Susi glaubte, verstecken zu   müssen, um in einer männominierten   Branche zu überleben. Mit 74 erlaubte   sie sich endlich anzuerkennen, wie viel   ihr das Lied bedeutete und wie sehr sie   Chris für seine Art, sie zu behandeln   respektierte.

 

 Sie sagte, ihre   Freundschaft habe Jahrzehnte überdauert,   weil sie auf Aufrichtigkeit und   gegenseitiger Bewunderung basierte. Wann   immer sie sich bei Interviews oder   Wohltätigkeitsveranstaltungen   trafen, kehrte die Wärme zurück,   unberührt von der Zeit. Vielleicht   glauben die Leute deshalb immer noch,   dass mehr an der Geschichte dran ist”,   sagte sie, weil manche Verbindungen   nicht verblassen.

 

 Doch unter diesem   Geständnis lag eine andere Wahrheit,   eine weitaus schmerzlichere, die nicht   mit Chris Norman zu tun hatte, sondern   mit den Kämpfen, die Susi hinter dem   Vorhang des Rums aus. Während die Welt   Susi Quatro als furchtlose Wegbereiterin   sah, eine Frau, die Bühnen beherrschte,   Geschlechterregeln brach und mit einer   Kraft auftrat, die eine ganze Generation   erschütterte, war ihr Privatleben   weitaus zerbrechlicher.

 

 Hinter den   Lederoveralls und den Welten trug sie   Wunden mit sich, die nur wenige Menschen   jemals wahrnahmen. Und mit 74 Jahren   erkannte sie endlich an, wie sehr diese   Wunden ihr Leben geprägt hatten. Ihre   erste Ehe mit ihrem langjährigen   Gitarristen Lan Tucky begann 1976.   Nach außen wirkten sie wie ein Rock and   Roll Powerpar.

 

 Sieen zusammen, machten   gemeinsam Musik und bauten Fernab des   Glanzes ein Leben auf. 1980 kauften sie   ein Herrenhaus in Essen Ort, von dem sie   hofften, er würde ein Zufluchtsort   werden. Sie bekamen zwei Kinder, Laura   und Richard, und versuchten Familie und   die unerbittlichen Anforderungen der   Musikindustrie in Einklang zu bringen.

 

  Doch Rum hat eine Art, alles   auszulaugen, was die Liebe verzweifelt   zu schützen versucht. Nach 16 Jahren   1992   zerbrach ihre Ehe. Susi sprach   öffentlich nur selten über die   emotionalen Folgen, doch sie gab zu,   dass die Scheidung zu den dunkelsten   Zeiten ihres Lebens gehörte. Eine Ehe zu   verlieren war schmerzhaft genug, doch   einen musikalischen Partner zu   verlieren, einen Mann, der Jahre ihrer   Karriere geprägt hatte, war verheerend.

 

  Sie musste lernen, alleine   weiterzumachen, auf der Bühne, im   Geschäft, im Leben. Nur ein Jahr später,   1993,   heiratete sie Reiner Has, einen   deutschen Konzertveranstalter, der den   Druck ihrer Welt verstand. Ihre   Beziehung brachte Stabilität und   Kameradschaft und sie sind bis heute   verheiratet.

 

 Doch Susi enthüllte, dass   auch diese Jahre nicht ohne   Herausforderungen waren. 2006 zogen ihre   Tochter und ihr Enkel vorübergehend in   das Herrenhaus in Ess zurück und   erfüllten es wieder mit Leben. Doch als   sie 2008 auszogen und Susi in einem   leeren Haus zurückblieb, gab sie zu,   dass sie in ein tiefes Emptest Syndrom   fiel.

 

 Für jemanden, der sein Leben auf   Tour verbracht hatte, umgeben von Lärm,   Publikum und Terminen, war die Stille   unerträglich. Sie stellte das geliebte   Haus sogar zum Verkauf, weil es zu   schmerzhaft geworden war, allein durch   seine Räume zu gehen. Doch Susi machte   weiter. Sie lebte zwischen Essex,   Hamburg und manchmal Detroit und   versuchte jedem Abschnitt ihres Lebens   Sinn zu verleihen.

 

 Doch bald folgten   gesundheitliche Probleme. 2012 erlitt   sie einen schweren Unfall in Kiev. Sie   stürzte beim Einsteigen in ein Flugzeug   und brach sich das rechte Knie und das   linke Handgelenk. Die Verletzungen   zwangen sie dazu, ihren ersten Auftritt   in den USA seit über 30 Jahren   abzusagen.

 

 Weitere Absagen folgten und   2017 erlebte sie einen weiteren schweren   Sturz, der eine Operation und eine lange   Genesung erforderte. Dies waren nicht   nur körperliche Verletzungen, sie waren   emotionale Erinnerungen an Zeit, Alter   und Verletzlichkeit. Für eine Frau, die   immer so diszipliniert gewesen war,   fühlten sich diese Rückschläge wie ein   Verrat ihres eigenen Körpers an.

 

 Und   trotzdem hörte Susi nie auf. Trotz   Herzschmerz, Einsamkeit und Schmerz   arbeitete sie weiter, trat weiter auf,   trug weiter das Gewicht ihres   Vermächtnisses. Während eines Großteils   ihrer Karriere trat Susi Quadro mit   einer eisernen Disziplin auf, die nur   wenige Künstler erreichten. Sie war die   Rehearsal Queen, die Perfektionistin,   die Frau, die jede Bühne ob vor 10 oder   10000 Menschen mit der gleichen   unerschütterlichen Hingabe behandelte.

 

  Doch mit dem Ruhm kamen Gerüchte und mit   den Gerüchten Missverständnisse, die   tiefer schnitten als die Öffentlichkeit   je ahnte. Und mit 74 Jahren entschied   sich Susi endlich der Wahrheit hinter   jenen Geschichten zu begegnen, die sie   jahrzehntelang verfolgten. Einer der   hartnäckigsten Mythen war, dass Susi den   rücksichtslosen Lebensstil geführt habe,   der oft mit Rockstars in Verbindung   gebracht wird.

 

 Sex, Drogen, Chaos,   Exzesse. Die Welt erwartete, dass ihre   Rocky hell brennen und hart abstürzen.   Doch Susi passte nie in dieses Klischee.   Aufgewachsen in einem disziplinierten   Musikerhaushalt nahm sie ihre Karriere   ernst, seit ihr Vater ihr mit 15 sagte:   “Das ist ein Beruf. Du schuldest dem   Publikum alles.

 

 Diese Botschaft prägte   ihr ganzes Leben. Sie feierte   gelegentlich, gab sie zu und zerstörte   ein Hotelzimmer ein oder zweimal. Aber   sie lebte nie die zerstörerische Seite   der Rockkultur aus. Die Gerüchte, die   sie als wilde Rebellin darstellten,   waren das Gegenteil dessen, was sie   wirklich war. Stattdessen war sie die   Frau, die früh erschien, härter   arbeitete als jeder andere und sich   strickt von Drogen ferelt.

 Sie war die   Frau, die zwischen Tourneen ins   Fitnessstudio ging und stundenlang an   ihrer Technik feilte. Doch am meisten   verletzten sie die Vorwürfe. Sie hätte   nur Erfolg gehabt, weil sie Sex verkauft   habe. Jahrzehntelang hörte sie   Kommentare über ihren Lederoverall und   die Annahme, sie nutzte ihren Körper, um   Aufmerksamkeit zu erregen.

 

 Mit 74   stellte sie die Dinge endlich klar. Ich   habe einen Overall getragen. Ja, aber   ich habe nie Haut gezeigt. Ich habe mich   nie ausgezogen. Man muss sich nicht   ausziehen, um sexy zu sein. Susi war   immer stolz darauf gewesen, die erste   weibliche Rockmusikerin gewesen zu sein,   die weltweiten Erfolg allein durch   Talent erang, nicht indem sie sich einer   männlichen Vorstellung von Sexappel   unterwarf.

 

 Sie spielte das Spiel der   Männer besser als sie. Sie bat nicht um   Erlaubnis und sie wich nie zurück. Doch   diese Missverständnisse folgten ihr   jahrelang, untergruben ihre Leistungen   und überschatteten ihre Opfer. Nun   sprach sie offen aus, was sie lange   verborgen hielt. Die Gerüchte hatten sie   weitaus mehr verletzt, als die Fans je   erkannten.

 

 Es gab auch andere Gerüchte,   Feindschaften mit anderen   Rockmusikerinnen, Rivalitäten,   Konflikte, Geschichten, die von der   Presse erfunden wurden, oft mit der   Absicht, Frauen gegeneinander   auszuspielen. Besonders in einer Zeit,   in der weibliche Rockmusiker selten   waren. Ein Gerücht behauptete, sie habe   eine Rivalität mit Johlohl Joan oft   sagte, Susi sei ihre größte Inspiration   gewesen.

 

 Ein anderes unterstellte ihr   eine romantische Vergangenheit mit Alice   Cooper, obwohl beide immer wieder   erklärten, sie seien nur enge Freunde   und Kollegen gewesen. Sie bestritt nicht   die Faszination der Öffentlichkeit, aber   sie gab schließlich zu, dass diese   Gerüchte sie isolierten und ein falsches   Bild ihrer persönlichen Beziehungen   zeichneten.

 

 Dann kam der letzte Schlag   erfundene Berichte über einen tragischen   Autounfall, die online kursierten und   unter ihren Fans Angst und Verwirrung   auslösten. Mit 74 sprach Susi die   falsche Geschichte an. nicht wütend,   sondern erschöpft. Für jemanden, der   sein ganzes Leben damit verbracht hatte,   sich zu beweisen, traf sie der Gedanke,   dass Fremde sie für verletzt, sterbend   oder tot erklären konnten, härter als   sie erwartet hatte.

 

 Und dann sagte sie   mit schwerem Atem jene Worte, die   niemand kommen sah. Nach all diesen   Jahren wird mir klar, dass die Welt nie   wirklich wusste, wer ich war. Es war   keine Beschwerde, keine Bitterkeit. Es   war das stille Eingeständnis einer Frau,   deren Leben zu groß, zu intensiv und zu   missverstanden war, um es je vollständig   erklären zu können.

 

 Heute mit 74 Jahren   und über 60 Jahren in der Musikindustrie   steht Susi Quadro immer noch auf der   Bühne. Sie tut immer noch, nimmt immer   noch auf, lebt immer noch für die Musik.   Ihr aktuelles Album No Control, das sie   zusammen mit ihrem Sohn Richard   aufgenommen hat, zeigt, dass sie nichts   von ihrer Kraft verloren hat.

 

 Die   Dokumentation Sus aus dem Jahr 2019   brachte endlich die Anerkennung, die sie   verdiente. Legendäre Musikerinnen wie   Deby Harry, Chissy Hind, Joint Jet und   viele andere sagten vor der Kamera, wir   hätten nicht tun können, was wir getan   haben, wenn Susi es nicht zuerst getan   hätte.

 

 Als Susi diese Worte hörte, brach   sie in Tränen aus. Mit 69 Jahren hatte   sie zum ersten Mal wirklich verstanden,   was sie erreicht hatte. Sie war nicht   nur eine Rockmusikerin, sie war eine   Revolution. Sie öffnete Türen für   Generationen von Frauen, die nach ihr   kamen. Sie bewies, dass Frauen nicht nur   singen, sondern auch Basspielen, Bands   anführen und die Rockwelt dominieren   können, ohne sich dafür entschuldigen zu   müssen.

 Ihre Geschichte ist eine   Geschichte von Stärke, aber auch von   Einsamkeit, von Triumph, aber auch von   Opfern, von Ruhm, aber auch von   Missverständnissen. Sie lebte ein Leben,   das die Welt sah, aber nie wirklich   verstand. Sie trug eine Maske aus Leder   und Rebellion, doch darunter war sie ein   Mensch, der liebte, litt und kämpfte wie   jeder andere.

 

 Mit 74 Jahren hat Susi   Quadro endlich begonnen, diese Maske   abzunehmen. Sie spricht über die Dinge,   die sie jahrzehntelang verborgen hielt,   über Chris Norman und die Verbindung,   die nie romantisch war, aber immer echt,   über die Ehen, die zerbrachen. Über die   Einsamkeit in einem leeren Haus. über   die Gerüchte, die sie verletzten, über   die Missverständnisse, die ihr   Vermächtnis überschatteten und über die   Wahrheit, dass selbst die stärksten   Menschen manchmal einfach nur gesehen   werden wollen für das, was sie wirklich   sind. Susi Quadro wird weitermachen. Sie   wird weiter tun, weiter aufnehmen,   weiterleben, denn das ist wer sie ist.   Eine Kämpferin, eine Pionierin, eine   Legende. Aber jetzt zum ersten Mal tut   sie es mit der Freiheit, die Wahrheit zu   sagen. Und diese Wahrheit ist vielleicht   das mutigste, was sie je getan hat. M.