Die Bilder, die nach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen an die Öffentlichkeit gelangten, wirken wie aus einem Hollywood-Blockbuster. Ein präzise gebohrtes Loch in einer massiven Wand, ordentlich gestapelte Steine in einem Aktenraum und ein geplünderter Tresorraum. Doch für die betroffenen Kunden ist dies kein Film, sondern ein existenzbedrohender Realitätscheck. Über 3.000 Schließfächer wurden bei diesem Raubzug angegangen. Die Täter gingen dabei mit einer Professionalität vor, die Ermittler aufhorchen lässt. Während die Polizei nach einem Audi RS6 fahndet, der als Fluchtfahrzeug gesichtet wurde, stehen die Kunden vor den Trümmern ihrer finanziellen Sicherheit. „Mein ganzes Leben war da drin“, zitiert ein betroffener Kunde die schiere Verzweiflung, die derzeit in Gelsenkirchen herrscht.

Dieser Fall rüttelt an dem Grundvertrauen vieler Sparer in die Sicherheit deutscher Bankinstitute. Es stellt sich die dringende Frage: Wie sicher ist ein Bankschließfach wirklich? Viele Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit und glauben, dass der Inhalt eines Schließfaches automatisch in unbegrenzter Höhe versichert sei. Das ist jedoch ein fataler Irrtum. Im Fall der Sparkasse Gelsenkirchen liegt die Standard-Versicherungssumme oft bei lediglich 10.300 Euro pro Schließfach. Wer Goldbarren, teuren Schmuck oder hohe Bargeldbeträge eingelagert hat, deren Wert diese Summe übersteigt, schaut im Schadensfall in die Röhre – es sei denn, es wurde explizit eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Eine solche Mehrversicherung ist zwar für relativ geringe Jahresbeiträge zu haben, doch viele Kunden verzichten aus Unwissenheit oder falscher Sparsamkeit darauf.
Doch selbst wer eine ausreichende Versicherung besitzt, steht nun vor einer gewaltigen Hürde: der Nachweispflicht. Die Versicherung zahlt nicht einfach auf Zuruf. Wer behauptet, Gold im Wert von 100.000 Euro im Schließfach gehabt zu haben, muss dies lückenlos belegen können. Hier beginnt für viele das nächste Drama. Kaufbelege, Fotodokumentationen oder Zeugenaussagen sind zwingend erforderlich. Wer sein Gold über Jahre hinweg anonym bei verschiedenen Händlern erworben oder Familienerbstücke ohne Dokumentation eingelagert hat, steht vor einem fast unlösbaren Problem. Ohne handfeste Beweise über den Inhalt des Schließfaches wird die Erstattung zur Herkulesaufgabe. Experten raten daher dringend dazu, den Inhalt eines Schließfaches regelmäßig zu dokumentieren und Rechnungen sicher (aber nicht im selben Schließfach!) aufzubewahren.

Ein besonders brisantes Thema, das bei solchen Vorfällen oft nur hinter vorgehaltener Hand besprochen wird, ist das sogenannte Schwarzgeld. Es ist kein Geheimnis, dass Tresore und Schließfächer oft genutzt werden, um Vermögenswerte am Finanzamt vorbeizuschleusen. Für diese Personen wird der Raub zum doppelten Albtraum. Wer den Diebstahl von Bargeld oder Gold meldet, für das es keine legale Herkunft gibt, liefert sich quasi selbst der Steuerfahndung aus. Eine Entschädigung durch die Versicherung ist in solchen Fällen nahezu ausgeschlossen, da die Herkunft der Werte nicht nachgewiesen werden kann. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass viele Geschädigte den Verlust ihrer Werte womöglich gar nicht in vollem Umfang melden können, um keine steuerrechtlichen Konsequenzen zu riskieren.
Die Flucht der Täter erinnert stark an die Methoden bekannter Geldautomatensprenger-Banden, die oft mit hochmotorisierten Fahrzeugen wie dem Audi RS6 agieren. Diese Fahrzeuge ermöglichen Geschwindigkeiten von über 300 km/h, was eine Verfolgung für die Polizei extrem schwierig macht. Die Nähe Gelsenkirchens zu den Niederlanden spielt den Tätern dabei zusätzlich in die Karten. Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, bleibt bei den Bürgern ein Gefühl der Ohnmacht zurück. Die Sparkasse Gelsenkirchen und der gesamte Sparkassenverband reagieren bisher eher distanziert und verweisen auf die geschäftspolitische Selbstständigkeit der einzelnen Institute. Dies bedeutet für die Kunden, dass sie sich nicht auf eine pauschale Hilfe verlassen können, sondern jedes Schicksal individuell geprüft wird. Dieser Fall sollte für jeden Schließfachbesitzer eine dringende Warnung sein, die eigene Absicherung und Dokumentation sofort auf den Prüfstand zu stellen.

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