Bei Norbert Bolz gab es erst vor kurzem eine Hausdurchsuchung. Das Bild habe ich nachgestellt, um zu zeigen, wie schnell so etwas jeden von uns treffen könnte. Auf dem Originalfoto war übrigens Herr Elsesser zu sehen. “Wenn du willst, kann ich ein separates Video dazu machen, weshalb die Polizei bei Professor Bolz vor der Tür stand.
Umso erstaunlicher ist es, dass der ÖRR Norbert Bolz weiterhin zu Gesprächen einlädt und er nach wie vor beim öffentlichrechtlichen Rundfunk präsent ist. Die Frage ist nur, wie lange noch? Denn dieser Mann nimmt sich das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Er ist regierungskritisch und scheut sich nicht, auch die öffentlichrechtlichen Medien klar zu kritisieren.
Her BZ, wenn wir das hören, Orientierungslosigkeit, Verunsicherung, überhaupt Unsicherheit, würden Sie sagen, es gibt sowas wie eine Hierarchie von Gefühlen? Ich glaube schon, dass es das gibt. Ähm äh vor allen Dingen lassen sich, glaube ich, die Spitzengefühle relativ leicht benennen.
Ich denke, Nummer eins ist auf jeden Fall Angst und äh dafür gibt es ja auch immer wieder Anlässe, dafür gibt’s auch immer wieder reale Gründe. Äh der Streit ist dann immer nur der, ist es ein realer Grund für Angst oder ist es ein imaginärer Grund für Angst? Aber wenn wir nur zurückdenken an Corona, natürlich auch an immer wieder die Kriegsgefahren, die vielleicht drohen, äh dann äh oder natürlich auch der wirtschaftliche Niedergang, der offenbar nicht von niemandem mehr so recht bezweifelt wird, dann sind das alles Anlässe für Angst und oder Massenmigration. Es kommt dran drauf an, es gibt, wenn man so will, die linken Ängste und die rechten Ängste und äh ja, wie gesagt, die haben auch einen realen Kern, aber sie sind vielfach natürlich auch durch imaginäre Szenarien aufgeblasen, weil äh ich hoffe, sie nehmen mir das nicht übel, wenn ich das sage, weil die Medien davon sehr gut leben. Also, dass äh die Inszenierung von Szenen, die Angst bereiten, äh faszinieren die Leute auch. Also, sie
erschrecken sie und faszinieren sie. Und das es gibt auch so etwas Psychologen, das wissen Sie besser wel als ich, sprechen sogar von Angstlust. Also, es gibt auch eine gewisse äh Lust an der Angst und äh das bedienen die Medien natürlich auch sehr sehr gern. Selbstverständlich auch die Politiker. Es gibt auch eine Art Politik der Angst.
Also insofern wäre das für mich das Spitzenäh Gefühl äh nicht im positiven Sinne, aber im realen Sinne. Die ständige Kriegsrethorik, die inzwischen in fast jeder zweiten Talkshow präsentiert wird, ist kaum noch zu überhören. Das gefährliche daran, Angst lämt die Menschen und ein gelähmtes Land lässt sich leicht steuern.
An diesem Satz steckt viel Wahrheit, ohne Angst kein Mut. Oder anders gesagt, lass dich nicht von deiner Angst treiben. Ähm ist die Angst des Menschen eine Waffe im gesellschaftlichen Prozess, aber auch in der Politik, kann man das sozu sagen? Das glaube ich auf jeden Fall. Äh und ich denke sogar eine der wichtigsten, denn man muss sich ja klar machen, dass moderne Politik, Gott sei Dank, im wesentlichen Wortpolitik ist, also dass äh Kommunikation eine dominierende Rolle äh spielt und das ist äh die Frage ja ist äh wie kann man äh Menschen beeinflussen? Das ist ja die vollkommen berechtigte Absicht von Politikern Menschen zu beeinflussen und sie letztlich zu wählern der auch der eigenen Partei und das des eigenen Programms zu machen. Und da sind wir natürlich bei den Gefühlen, denn leider Gottes muss müssen wir als Wissenschaftler wohl doch sagen, leider Gottes kann man mit Gefühlen sehr viel mehr erreichen als mit Sachargumenten. Also das ist, glaube ich, etwas, was für aufgeklärte Menschen oder Menschen, die
sie aus der Tradition der Aufklärung verstehen, außerordentlich bitter ist, das einzusehen, weil man natürlich, was sollen wir anderes tun, versucht sachliche Argumente für alle möglichen politischen Fragen beizuen, äh um dann aber immer wieder zu erleben, dass sie ausgehebelt werden, dass sie neutralisiert werden durch starke Gefühle.
Und um bei dem Beispiel Angst zu bleiben, wenn Ihnen jemand in irgendeiner politischen Diskussion entgegenhält, äh ich habe Angst, was wollen Sie dann machen? Sie können dem nicht widersprechen. Sie können nicht sagen: “Nein, das stimmt nicht. Du hast keine Angst od. Es gibt keine Gründe.” Nein, ich habe Angst und damit ist die Diskussion beendet.
Und ich glaube, das ist eins der Hauptprobleme unserer sogenannten Debattenkultur, nach der wir jetzt wieder verlangen. Äh, dass nämlich äh diese Debatten nicht mehr stattfinden, weil es immer zu dieser Stoppregel der großen Gefühle kommt. Wie Helmut Schmidt beispielsweise, ich glaube, das war Leidenschaft, was er in der Politik in die Politik gebracht hat und nicht einfach Gefühle.
Später kamen dann die Leute mit Gefühlen. Denken Sie auch etwa an die Flüchtlings große Flüchtlingskrise 2015? Da waren äh Gefühle entscheidende und dominant nicht zuletzt durch die berühmten Bilder, ja, die ja, wenn Sie so wollen, weltweit bewegt haben. Also, da haben wir ein Kernproblem der Politik, glaube ich, dass äh wir immer weiter wegrücken von Leidenschaft und Sachlichkeit auf der einen Seite äh hin zu äh reiner Emotionalisierung von politischen Themen.
Aber ich wollte noch mal auf diese, wie soll ich sagen, diese Unterscheidung zwischen Leidenschaft und Gefühlen. Ich glaube, dass die wirklich wichtig ist. Mm. Und ähm ich glaube auch, dass diese dieser Eindruck, komme ich wieder darauf zurück, sozusagen des nicht mehr verstehens, was macht eigentlich die politische Klasse, ja auch damit zu tun hat, dass nicht mehr genau identifizierbar ist, wofür eigentlich jemand dort steht.
Ja, also wenn wir jetzt eine Situation haben, wo die Koalition alles umsetzt, was Robert Habeck vorgeschlagen hat, wofür er aber die Wahl verloren hat, weil er auch gedisst worden ist, dann ist das natürlich was Absurdes, weil das merken die Leute ja auch. Da denkt man, Moment mal, mit dem Deutschlandfond, da war doch mal was und mit vielen anderen Dingen auch und es ist ja nicht mehr identifizierbar.
Also ich persönlich würde sagen, ich kann würde schwer definieren können, wofür eine Sozialdemokratie heute steht. Zuur Helmut Schnitzzeiten hätte man das sagen können, auch obwohl es da auch viele parteiinne Konflikte auseinandersetzung, aber man wusste, was ist eine Sozialdemokratie, man wusste auch mal, was sind eigentlich Grüne, man wusste auch mal, was sind eigentlich Konservative, aber das weiß keiner mehr, weil das die die das, was als politisches Handeln dann rauskommt nach irgendwelchen unklaren Prozessen ist nicht mehr identifizierbar mit solchen Leidenschaften. Die spannende Frage lautet: Was bewirken diese emotionalisierten politischen Debatten eigentlich und wohin soll uns das am Ende führen? Ich glaube, der Effekt ist der, dass Leute, die von der Sache keine Ahnung haben, trotzdem mitreden können. Also in dem Augenblick, indem sie ein politisches Problem auf eine äh emotionale Ebene äh bringen, kann jeder sich beteiligen. Das ist, glaube ich, auch der Sexappel der Emotionalisierung,
nicht? Also man, der Populismus liegt, wenn man so will, auch schon in der reinen Emotionalisierung eines Themas im Sinne von alle. Der ganze Populus kann teilnehmen an der Diskussion, was bei sachlicher Diskussion überhaupt nicht die äh überhaupt nicht möglich wäre, wenn wir irgendein Thema nehmen, das bewegt hat, wie Tauruslieferungen an die Ukraine als mittlerweile eingeschlafenes Beispiel.
Äh ja, äh da hätte man richtig Ahnung haben müssen davon, was bedeut was ist das äh wer kann so etwas oder welche Bedienungsanleitungen bräuchte man, um sowas zu machen, welche Folgen hätte es und und also es gäbe ein extrem komplexes sachliches Thema, aber stattdessen wurde es sehr schnell zu dem Thema steigen wir in den Krieg ein oder nicht.
Also äh ja und äh das das sind sie dann wieder bei einem Maximum an Angst. Kriegsangst ist sicher die kaum mehr zu toppende auch fast vielleicht so wie mit Pandemienangst oder sowas noch, aber äh ja, insofern der Populismus schwimmt auf der Welle der Emotionalisierung. Ja, und deshalb tue ich mich noch schwer ihrer äh Einladung ganz zufolgen und zu sagen, es gibt auch die guten, die positiven äh äh Emotionen.
Und wenn ich dazu noch eine winzige Bemerkung zu der Frage vorhin tun darf, nach der der, wie haben Sie gesagt, eine Art äh äh Bewirtschaftung der guten Gefühle, äh das wäre toll, wenn das möglich wäre, glaube ich auch. Aber die Frage ist, ist es möglich? Ich erinnere mich dran, dass ich glaube vor allen Dingen Schweizer immer mal versucht haben, eine Zeitung rauszubringen mit guten Nachrichten, aber nur Bad news sind News.
Das meinte ich vorhin auch mit der Medien Fokussiertheit all dieser Debatten und von Mädchengeleitetheit. Also äh es ist leider Gott, das sind gute Nachrichten, viel uninteressanter als schlechte Nachrichten. Und wenn eine gute Nachricht wirklich mal gebracht wird, dann nur deshalb, weil es sich abhebt von der schlechten Nachricht gestern.
Also etwa der Börsenkurs steigt und fällt nicht oder so irgendetwas. Ja, ist nur deshalb interessant, weil er gestern noch gefallen ist. Und solche Dinge äh machen, glaube ich, das prinzipiell äh schwierig. Und äh ich wüsste beispielsweise nicht jetzt mal außer Phönix, das die einzige Ausnahme, aber wo wirklich Debatten in den Medien noch stattfinden.
Also ich wüsste es wirklich nicht, dass vi äh und zwar deshalb, weil eben man auch schon bei der Einladungspolitik äh äh diese Emotionalisierung fördert, nicht? Man nimmt beispielsweise in Talkshows regelmäßig irgendwelche Sänger oder Schauspieler oder so. Warum eigentlich? Also, wer kommt denn auf den Gedanken, dass Herr Grumbiegel irgendetwas sachliches zu irgendeinem Thema zu sagen hätte da? Also könnte man auch jeden meiner Nachbarn dahinchicken, der hätte mindestens so viel dazu zu sagen und aber das man will es, weil man weiß, ah, das Publikum, ja, also die Zuschauer, die kennen den Krumbiegel oder wen auch immer äh von diesen lustigen Leuten und äh egal, was die sagen, es ist der dadurch interessant, aber es hat eben mit der sachlichen Auseinandersetzung, mit dem Thema überhaupt nichts zu tun. Sebastian Krumbiegel ist mir besonders kurz vor den Thüringenwahlen aufgefallen und seitdem kaum noch aus der öffentlichen Debatte wegzudenken. Vor allem sticht hervor, wie deutlich er sich gegen die AfD positioniert. Was jedoch kaum jemand
erwähnt, seine enge Beziehung zu Bodo Ramelo. Dass er sich mit dem linken Ministerpräsidenten gut versteht und dadurch vielleicht nicht ganz unbefangen ist, wird erstaunlich stillschweigend übergangen. Und wie immer verkaufen sich Bad News am besten. Das war schon immer so.
Schau nur an der Supermarktkasse auf die Klatschmagazine. Königspaare, die sich angeblich ständig trennen, obwohl sie weiterhin zusammen sind. Und trotzdem halten sich diese Magazine bis heute, selbst im Zeitalter von Instagram und Co. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Wie können wir denn zwischen emotionaler Meinungsbildung und faktenbasierter Entscheidungsfindung am Ende tatsächlich unterscheiden? Und sollte Politik versuchen, da die Emotionen zu steuern oder na ja, vielleicht noch mal vermeiden auch noch mal zu der Frage, kann man positive Emotionen politisch kommunizieren? Ich würde denken, ja, und zwar ist ja unser Land in der glücklichen Situation eine weitgehend vernünftige Mehrheitsbevölkerung zu haben. Ja, also denken wir an die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen. 85% der Menschen machen ihr Kreuzchen bei stattstragenden Parteien, worüber medial vorher, währenddessen und hinterher geredet wurde, war die AfD. Ja, die 85% kamen
nicht vor. Und die Situation haben wir ja ganz ganz häufig, dass diejenigen, die jetzt keine Shitstorms machen, die sich nicht aufregen, die nicht rumpöbeln, die freundlich miteinander sind, die existieren, im einer bestimmten Diskursebene kommt die nicht mehr vor. Wenn man z.B. sagt, wir haben in der Bundesrepublik die irre Situation, wir haben mehr als 40% der Menschen, die ehrenamtlich engagiert sind.
Okay, da kann man doch positiv drüber kommunizieren, indem z.B. verantwortende Politikerinnen, Politiker sagen, dieses Land funktioniert ohne die Leute gar nicht. Wir sind total happy, dass es euch gibt. Das ist super. Ihr müsst eine höhere Repräsentanz bekommen. Die haben den Repräsentanz, dass einmal im Jahr der Bundespräsident im Schloss BW irgendjemand die Hand schüttelt und sag super, dass sie ihrenamt machen.
Das war’s. Und so haben wir es an sehr vielen Stellen. Ich würde z.B. gerne von von dem ähm aus der politischen Klasse mal hören, dass unheimlich vieles in diesem Land funktioniert, weil Leute sich engagieren. Die engagieren sich ja auch in ihren Jobs. Ich meine, ich habe vor ein paar Jahren mal auf einer Intensivstation gelegen, seitdem würde ich jedem widersprochen, der sagt widersprechen, der sagt, in diesem Land funktioniert nichts.
Da funktioniert unheimlich viel und zwar, weil die Menschen das machen und wir haben überhaupt keine positive emotionale Verstärkung. dieses was da alles gemacht wird und man hätte schwups eine andere Situation, wenn man das mal stark machen würde, also die Bürgerinnen und Bürger eines Landes als Ressource für die Gesellschaft, den Staat und die Demokratie zu verstehen.
Aber kommen wir da nicht zu dem Punkt Good News known News? Das befürchte ich eben auch, also ich stimme Ihnen ja hundertprozentig zu, äh dass äh wir in einem Land leben, in dem die überwiegende Zahl der äh Leute völlig vernünftig ist, gesunden Menschenverstand hat und toll arbeitet. äh sonst werden wir auch längst schön untergegangen.
Äh deshalb äh bin ich auch immer versucht, ich gebe das gerne zu, äh diese Bevölkerung, die und ihren gesunden Menschenverstand nicht in einem Atemzug zu nennen mit der politischmiedialen Elite. Und äh ich habe äh das Gefühl, es müsste erst einmal, wenn Sie so wollen, dieser Graben zugeschüttet werden, ohne dass ich weiß, wie man es machen kann.
Aber der Graben, der sich auftut, zwischen der politischmialen Elite auf der einen Seite und den ganz normalen tollbeitenden Leuten, was weiß ich, 80% oder sowas, ähm das ist für mich das eigentliche Problem. Und deshalb kommt’s auch zu allen Kommunikationsproblemen innerhalb der Politik. Siepolitiker haben sich das ja mittlerweile angewöhnt, wenn sie irgendwie eine Niederlage erleiden, Wahlniederlage oder so zu sagen, ja, wir haben ja, wir machen alles richtig, aber wir haben es falsch kommuniziert oder schlecht kommuniziert. Nein, es ist eine Kluft, die es da, die sich da aufgetan hat seit langer, langer Zeit schon. Und das hängt wahrscheinlich auch ein bisschen damit zusammen, aber das ist dann schon zu viel Soziologie. Das hängt wahrscheinlich auch ein bisschen damit zusammen, dass es einen Werdegang gibt des Politikers, der ganz anders ist als noch vor 30 40 Jahren. Also Leute, die praktisch aus den Bildungsanstalten gar nicht mehr rauskommen in die wirkliche Welt, würde ich fast sagen, sondern dann direkt in die Politik äh übergehen und äh deshalb bei hoher Intelligenz oft und auch hoher
Ausbildung äh absolut weltfremd sein können. Also das ist eine Möglichkeit. Der der Finanzmathematiker Nass Nicholas Taleb hat mal die schöne Formel geprägt. Intellectual yet idiot. Also intellektueller, aber trotzdem ein Idiot. Ich habe erst ein bisschen nachdenken müssen über Lukas mein weil ich mich persönlich erst angesprochen fühlte, aber natürlich, das gibt’s wirklich. Ja, und zwar massenhaft.
Also Leute, die hervorragend ausgebildet sind, äh äh jahrelang Uni Studium und so weiter, aber komplette Idioten im Sinne von Realitätsfernen. Und diese Realitätsferne äh führender Politiker, das scheint mir eins der Grundprobleme zu sein, mit dem wir zu tun, aber also das Volk ist völlig in Ordnung oder wie man es nennen will, Bevölkerung, das ist völlig in Ordnung.
Ähm und wir haben auch nicht primär das Problem mit Randgruppen, die alles kaputt machen, sondern äh unser primäres Problem für meine Begriffe jedenfalls äh ist die politischmiediale Elite. Wie siehst du das? Ist unsere politische und mediale Elite das Problem? Es gibt Momente, da denke ich, ja, zum Teil ein Friedrich Merz mag intelligent sein, aber er hat kaum wirkliche Macht.
Ohne die USA und die EU ist sein Handlungsspielraum sehr begrenzt. Genau deshalb entstehen oft Gerüchte, dass unsere Politiker nur Marionetten sind und im Hintergrund jemand ganz anderes die Fäden zieht. Dieses Bild von Olaf Scholz aus dem Magazin “The Pioneer” werde ich nie vergessen. Immer wenn ich an unsere Politiker denke, taucht dieses Bild automatisch in meinem Kopf auf.
Teile mir gern in den Kommentaren mit, wie du das siehst. Das interessiert mich wirklich sehr. Es gibt ja junge Abgeordnete äh, die mit großem Engagement in den Bundestag gehen und denken, sie können jetzt was bewegen und nach relativ kurzer Zeit feststellen, dass das Parteirison das maßgebliche ist und das, wenn sie in Ausschüsse wollen, dann müssen sie dies und das und jenes.

und die vorherigen Verläufe innerhalb der Partei, damit man aufgestellt wird und sowas, sind ja auch nicht geeignet dafür nun besonders, wie soll man sagen, tatkräftig eigenständig urteilsfähige Menschen zu fördern. So. Und ähm ich glaube, man greift ein bisschen zu kurz, wenn man jetzt das, also das glaube ich bei uns beiden ja kein Politikbashing.
Es ist eher eine Verfahrensfrage, wenn man das z.B. ähm nicht mehr möglich machen würde, dass man mehr als zwei Legislaturperioden abgeordneter wird oder auch die politischen Ämter begrenzt nur begleiten kann, dann ist dieser Form von Karriere und von Rekrutierung von Nachwuchs der der einfach die Spitze abgebrochen, weil dann können Menschen tatsächlich, die da hoch engagiert reingehen, sagen, ich habe da nichts zu verlieren, weil mehr als zwei Perioden darf ich hier sowieso nicht sein. Das heißt, mein Souverän ist nicht der Parteivorsitzende, sondern mein Souverän ist die Bevölkerung. Demokratie ja auch gedacht ist. Dieser Vorschlag ist grundsätzlich gut, aber er funktioniert nur, wenn sich alle beteiligen. Die ganze Welt von Amerika über Asien bis nach Afrika ist von Systemen geprägt, die meiner Meinung nach oft korrupt sind und seit Jahren nicht mehr richtig funktionieren. Strukturelle Verbesserungen nur in Deutschland bringen daher wenig, solange andere Länder ihre problematischen
Strukturen beibehalten. Am Ende führt das alles nur zu Überforderung auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene. Herr Bolz, wenn wir uns anschauen in welchen Zeiten wir leben, das ist ein bisschen schon in ihren Antworten auch angeklungen. Ist eine Zeit der Transformation, der Veränderung.
Sie sprachen von Verunsicherung auch an vielen Stellen. Würden Sie sagen, wir leben auch in einer Zeit der Überforderung? Ich habe mal gehört äh ich glaube von einem Nobelpreisträger Herbert Simon sogar, dass es so etwas wie Überforderung gar nicht gäbe und dass Stress auch so etwas wie eine Modekrankheit ist.
Äh einfach deshalb, weil die Leute eh nicht mehr verarbeiten und aufleben, als sie können. Also, man hat einen wie soll man sagen, nur ein begrenzten Aufmerksamkeitsäh Horizont und was darüber hinausgeht, perlt oder verliert sich einfach. Aber äh bleiben wir mal auf der Ebene von äh Politik und Medien. Äh da gibt es dann sowas ähnliches schon einfach deshalb, weil es eine Zumutung der äh des Kennons gibt.
Also, man erwartet einfach von jedem Menschen heutzutage in einer modernen Gesellschaft, dass er über eine Fülle von Themen informiert ist. Und auch wenn es ihn nicht interessiert, also dass äh wenn Sie dann die Leute fragen, ist es sehr sehr selten so, dass jemand antwortet, das weiß ich nicht oder da bin ich nicht kompetent oder ich habe keine Ahnung.
Äh bei Politikern ist es fast ausgeschlossen, jedenfalls, wenn sie noch im Amt sind mit wenn ich das anekdotisch kurz zuspitzen darf, gerade Helmut Schmidt hat da mal eine fantastische Ausnahme gemacht. Als er nicht mehr Bundeskanzler war, wurde er interviewt über den Bosnien Konflikt und hat da wurde er so gefragt äh äh was halten Sie davon von wie ist die Situation und dann sagte Schmidt dazu kann ich nicht sagen, das ist mir zu komplex.
Das ist die ehrlichste Antwort, die man überhaupt geben konnte und ihm eigentlich jeder geben müsste. Aber das geht bei Politikern, die im Amt sind logischerweise nicht, dass sie ihre Ignoranz zugeben. Aber auch die normalen Menschen, die man interviewt oder sowas oder mit denen man über Themen spricht, bei denen wird unterstellt, dass sie informiert sind.
Es wird unterstellt, dass sie eine Meinung äh haben und da sind die dann meistens mehr oder minder gezwungen, ihnen vorgegebene Meinungen zu reproduzieren. Und das tun sie dann ja auch. Ja, also sie produzieren in Sendungen Meinungen, die Politiker entwickeln Formeln und Slogans zu bestimmten Themen und was sollen die armen Leute, die man dann interviewt, anderes machen, als genau das dann ähäh wiederzugeben, denn die Alternative wäre ja Sachorientiertheit, also Kompetenz.
Ja, und äh wenn ich jetzt gerade gelästert habe über die Kompetenz von Politikern, das ist eine reale Überforderung, also eine Kompetenzüberforderung, wenn man sagt, alle großen Themen dieser Welt und sie sorgen ja dafür durch die Massenmedien sorgen sie ja dafür, dass die ganze Welt Thema wird.
Alles passiert überall, Überschwemmungen da, äh äh Revolutionen da, alles das wird gesendet. Alles das sollte eigentlich irgendwie bekannt sein und letztlich äh haben die Leute den Eindruck, dazu müsste ich auch was sagen können. Aber das natürlich illusorisch. Ja, das ist völlig illusorisch und ja, wenn eine Überforderung dann auf der Ebene.
Ich bin dankbar, dass ich am Ende des Tages in Deutschland leben darf. Auch wenn unser Staat hier und da zweifelhaft ist, zeigt mir diese Sendung, dass Herr Bolz dennoch beim Staatsfernsehen eingeladen wurde. Genau diese kleinen Hoffnungsschimmer und Aufklärungsarbeiten sind wichtig, damit wir vorankommen und uns durch Überforderung nicht handlungsunfähig machen.
Mein Kanal hat leider nicht mehr die Aufrufzahlen wie früher. Dennoch werde ich weitermachen, weil mir viele von euch immer wieder tolle Kommentare senden und dankbar sind, dass ich gute Videos im Netz zusammenstelle und für euch zusammenfasse. Bis dahin macht es gut. M.
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