Bei Norbert Bolz gab es erst vor kurzem   eine Hausdurchsuchung. Das Bild habe ich   nachgestellt, um zu zeigen, wie schnell   so etwas jeden von uns treffen könnte.   Auf dem Originalfoto war übrigens Herr   Elsesser zu sehen. “Wenn du willst, kann   ich ein separates Video dazu machen,   weshalb die Polizei bei Professor Bolz   vor der Tür stand.

 

 Umso erstaunlicher   ist es, dass der ÖRR Norbert Bolz   weiterhin zu Gesprächen einlädt und er   nach wie vor beim öffentlichrechtlichen   Rundfunk präsent ist. Die Frage ist nur,   wie lange noch? Denn dieser Mann nimmt   sich das Recht, seine Meinung frei zu   äußern. Er ist regierungskritisch und   scheut sich nicht, auch die   öffentlichrechtlichen Medien klar zu   kritisieren.

 

  Her BZ, wenn wir das hören,   Orientierungslosigkeit,   Verunsicherung, überhaupt Unsicherheit,   würden Sie sagen, es gibt sowas wie eine   Hierarchie von Gefühlen? Ich glaube   schon, dass es das gibt. Ähm äh vor   allen Dingen lassen sich, glaube ich,   die Spitzengefühle relativ leicht   benennen.

 

 Ich denke, Nummer eins ist auf   jeden Fall Angst und äh dafür gibt es ja   auch immer wieder Anlässe, dafür gibt’s   auch immer wieder reale Gründe. Äh der   Streit ist dann immer nur der, ist es   ein realer Grund für Angst oder ist es   ein imaginärer Grund für Angst? Aber   wenn wir nur zurückdenken an Corona,   natürlich auch an immer wieder die   Kriegsgefahren, die vielleicht drohen,   äh dann äh oder natürlich auch der   wirtschaftliche Niedergang, der offenbar   nicht von niemandem mehr so recht   bezweifelt wird, dann sind das alles   Anlässe für Angst und oder   Massenmigration. Es kommt dran drauf an,   es gibt, wenn man so will, die linken   Ängste und die rechten Ängste und äh ja,   wie gesagt, die haben auch einen realen   Kern, aber sie sind vielfach natürlich   auch durch imaginäre Szenarien   aufgeblasen, weil äh ich hoffe, sie   nehmen mir das nicht übel, wenn ich das   sage, weil die Medien davon sehr gut   leben. Also, dass äh die Inszenierung   von Szenen, die Angst bereiten, äh   faszinieren die Leute auch. Also, sie

 

  erschrecken sie und faszinieren sie. Und   das es gibt auch so etwas Psychologen,   das wissen Sie besser wel als ich,   sprechen sogar von Angstlust. Also, es   gibt auch eine gewisse äh Lust an der   Angst und äh das bedienen die Medien   natürlich auch sehr sehr gern.   Selbstverständlich auch die Politiker.   Es gibt auch eine Art Politik der Angst.

 

  Also insofern wäre das für mich das   Spitzenäh Gefühl äh nicht im positiven   Sinne, aber im realen Sinne.   Die ständige Kriegsrethorik, die   inzwischen in fast jeder zweiten   Talkshow präsentiert wird, ist kaum noch   zu überhören. Das gefährliche daran,   Angst lämt die Menschen und ein   gelähmtes Land lässt sich leicht   steuern.

 

 An diesem Satz steckt viel   Wahrheit, ohne Angst kein Mut. Oder   anders gesagt, lass dich nicht von   deiner Angst treiben. Ähm ist die Angst   des Menschen eine Waffe im   gesellschaftlichen Prozess, aber auch in   der Politik, kann man das sozu sagen?   Das glaube ich auf jeden Fall. Äh und   ich denke sogar eine der wichtigsten,   denn man muss sich ja klar machen, dass   moderne Politik, Gott sei Dank, im   wesentlichen Wortpolitik ist, also dass   äh Kommunikation eine dominierende Rolle   äh spielt und das ist äh die Frage ja   ist äh wie kann man äh Menschen   beeinflussen? Das ist ja die vollkommen   berechtigte Absicht von Politikern   Menschen zu beeinflussen und sie   letztlich zu wählern der auch der   eigenen Partei und das des eigenen   Programms zu machen. Und da sind wir   natürlich bei den Gefühlen, denn leider   Gottes muss müssen wir als   Wissenschaftler wohl doch sagen, leider   Gottes kann man mit Gefühlen sehr viel   mehr erreichen als mit Sachargumenten.   Also das ist, glaube ich, etwas, was für   aufgeklärte Menschen oder Menschen, die

 

  sie aus der Tradition der Aufklärung   verstehen, außerordentlich bitter ist,   das einzusehen, weil man natürlich, was   sollen wir anderes tun, versucht   sachliche Argumente für alle möglichen   politischen Fragen beizuen,   äh um dann aber immer wieder zu erleben,   dass sie ausgehebelt werden, dass sie   neutralisiert werden durch starke   Gefühle.

 

 Und um bei dem Beispiel Angst   zu bleiben, wenn Ihnen jemand in   irgendeiner politischen Diskussion   entgegenhält, äh ich habe Angst, was   wollen Sie dann machen? Sie können dem   nicht widersprechen. Sie können nicht   sagen: “Nein, das stimmt nicht. Du hast   keine Angst od. Es gibt keine Gründe.”   Nein, ich habe Angst und damit ist die   Diskussion beendet.

 

 Und ich glaube, das   ist eins der Hauptprobleme unserer   sogenannten Debattenkultur, nach der wir   jetzt wieder verlangen. Äh, dass nämlich   äh diese Debatten nicht mehr   stattfinden, weil es immer zu dieser   Stoppregel der großen Gefühle kommt. Wie   Helmut Schmidt beispielsweise, ich   glaube, das war Leidenschaft, was er in   der Politik in die Politik gebracht hat   und nicht einfach Gefühle.

 

 Später kamen   dann die Leute mit Gefühlen. Denken Sie   auch etwa an die Flüchtlings große   Flüchtlingskrise 2015? Da waren äh   Gefühle entscheidende und dominant nicht   zuletzt durch die berühmten Bilder, ja,   die ja, wenn Sie so wollen, weltweit   bewegt haben. Also, da haben wir ein   Kernproblem der Politik, glaube ich,   dass äh wir immer weiter wegrücken von   Leidenschaft und Sachlichkeit auf der   einen Seite äh hin zu äh reiner   Emotionalisierung von politischen   Themen.

 

  Aber ich wollte noch mal auf diese, wie   soll ich sagen, diese Unterscheidung   zwischen Leidenschaft und Gefühlen. Ich   glaube, dass die wirklich wichtig ist.   Mm.   Und ähm ich glaube auch, dass diese   dieser Eindruck, komme ich wieder darauf   zurück, sozusagen des nicht mehr   verstehens, was macht eigentlich die   politische Klasse, ja auch damit zu tun   hat, dass nicht mehr genau   identifizierbar ist, wofür eigentlich   jemand dort steht.

 

 Ja, also wenn wir   jetzt eine Situation haben, wo die   Koalition alles umsetzt, was Robert   Habeck vorgeschlagen hat, wofür er aber   die Wahl verloren hat, weil er auch   gedisst worden ist, dann ist das   natürlich was Absurdes, weil das merken   die Leute ja auch. Da denkt man, Moment   mal, mit dem Deutschlandfond, da war   doch mal was und mit vielen anderen   Dingen auch und es ist ja nicht mehr   identifizierbar.

 

 Also ich persönlich   würde sagen, ich kann würde schwer   definieren können, wofür eine   Sozialdemokratie heute steht. Zuur   Helmut Schnitzzeiten hätte man das sagen   können, auch obwohl es da auch viele   parteiinne Konflikte auseinandersetzung,   aber man wusste, was ist eine   Sozialdemokratie, man wusste auch mal,   was sind eigentlich Grüne, man wusste   auch mal, was sind eigentlich   Konservative, aber das weiß keiner mehr,   weil das die die das, was als   politisches Handeln dann rauskommt nach   irgendwelchen unklaren Prozessen ist   nicht mehr identifizierbar mit solchen   Leidenschaften. Die spannende Frage   lautet: Was bewirken diese   emotionalisierten politischen Debatten   eigentlich und wohin soll uns das am   Ende führen?   Ich glaube, der Effekt ist der, dass   Leute, die von der Sache keine Ahnung   haben, trotzdem mitreden können. Also in   dem Augenblick, indem sie ein   politisches Problem auf eine äh   emotionale Ebene äh bringen, kann jeder   sich beteiligen. Das ist, glaube ich,   auch der Sexappel der Emotionalisierung,

 

  nicht? Also man, der Populismus liegt,   wenn man so will, auch schon in der   reinen Emotionalisierung eines Themas im   Sinne von alle. Der ganze Populus kann   teilnehmen an der Diskussion, was bei   sachlicher Diskussion überhaupt nicht   die äh überhaupt nicht möglich wäre,   wenn wir irgendein Thema nehmen, das   bewegt hat, wie Tauruslieferungen an die   Ukraine als mittlerweile eingeschlafenes   Beispiel.

 

 Äh ja, äh da hätte man richtig   Ahnung haben müssen davon, was bedeut   was ist das äh wer kann so etwas oder   welche Bedienungsanleitungen bräuchte   man, um sowas zu machen, welche Folgen   hätte es und und also es gäbe ein extrem   komplexes sachliches Thema, aber   stattdessen wurde es sehr schnell zu dem   Thema steigen wir in den Krieg ein oder   nicht.

 

 Also äh ja und äh das das sind   sie dann wieder bei einem Maximum an   Angst. Kriegsangst ist sicher die kaum   mehr zu toppende auch fast vielleicht so   wie mit Pandemienangst oder sowas noch,   aber äh ja, insofern der Populismus   schwimmt auf der Welle der   Emotionalisierung. Ja, und deshalb tue   ich mich noch schwer ihrer äh Einladung   ganz zufolgen und zu sagen, es gibt auch   die guten, die positiven äh äh   Emotionen.

 

 Und wenn ich dazu noch eine   winzige Bemerkung zu der Frage vorhin   tun darf, nach der der, wie haben Sie   gesagt, eine Art äh äh Bewirtschaftung   der guten Gefühle, äh das wäre toll,   wenn das möglich wäre, glaube ich auch.   Aber die Frage ist, ist es möglich? Ich   erinnere mich dran, dass ich glaube vor   allen Dingen Schweizer immer mal   versucht haben, eine Zeitung   rauszubringen mit guten Nachrichten,   aber nur Bad news sind News.

 

 Das meinte   ich vorhin auch mit der Medien   Fokussiertheit all dieser Debatten und   von Mädchengeleitetheit. Also äh es ist   leider Gott, das sind gute Nachrichten,   viel uninteressanter als schlechte   Nachrichten. Und wenn eine gute   Nachricht wirklich mal gebracht wird,   dann nur deshalb, weil es sich abhebt   von der schlechten Nachricht gestern.

 

  Also etwa der Börsenkurs steigt und   fällt nicht oder so irgendetwas. Ja, ist   nur deshalb interessant, weil er gestern   noch gefallen ist. Und solche Dinge äh   machen, glaube ich, das prinzipiell äh   schwierig. Und äh ich wüsste   beispielsweise nicht jetzt mal außer   Phönix, das die einzige Ausnahme, aber   wo wirklich Debatten in den Medien noch   stattfinden.

 

 Also ich wüsste es wirklich   nicht, dass vi äh und zwar deshalb, weil   eben man auch schon bei der   Einladungspolitik   äh äh diese Emotionalisierung fördert,   nicht? Man nimmt beispielsweise in   Talkshows regelmäßig irgendwelche Sänger   oder Schauspieler oder so. Warum   eigentlich? Also, wer kommt denn auf den   Gedanken, dass Herr Grumbiegel   irgendetwas sachliches zu irgendeinem   Thema zu sagen hätte da? Also könnte man   auch jeden meiner Nachbarn dahinchicken,   der hätte mindestens so viel dazu zu   sagen und aber das man will es, weil man   weiß, ah, das Publikum, ja, also die   Zuschauer, die kennen den Krumbiegel   oder wen auch immer äh von diesen   lustigen Leuten und äh egal, was die   sagen, es ist der dadurch interessant,   aber es hat eben mit der sachlichen   Auseinandersetzung, mit dem Thema   überhaupt nichts zu tun. Sebastian   Krumbiegel ist mir besonders kurz vor   den Thüringenwahlen aufgefallen und   seitdem kaum noch aus der öffentlichen   Debatte wegzudenken. Vor allem sticht   hervor, wie deutlich er sich gegen die   AfD positioniert. Was jedoch kaum jemand

 

  erwähnt, seine enge Beziehung zu Bodo   Ramelo. Dass er sich mit dem linken   Ministerpräsidenten gut versteht und   dadurch vielleicht nicht ganz unbefangen   ist, wird erstaunlich stillschweigend   übergangen. Und wie immer verkaufen sich   Bad News am besten. Das war schon immer   so.

 

 Schau nur an der Supermarktkasse auf   die Klatschmagazine. Königspaare, die   sich angeblich ständig trennen, obwohl   sie weiterhin zusammen sind. Und   trotzdem halten sich diese Magazine bis   heute, selbst im Zeitalter von Instagram   und Co. Das hätte ich wirklich nicht   gedacht.   Wie können wir denn zwischen emotionaler   Meinungsbildung und faktenbasierter   Entscheidungsfindung am Ende tatsächlich   unterscheiden? Und sollte Politik   versuchen, da die Emotionen zu steuern   oder   na ja, vielleicht noch mal vermeiden   auch   noch mal zu der Frage, kann man positive   Emotionen politisch kommunizieren? Ich   würde denken, ja, und zwar ist ja unser   Land in der glücklichen Situation eine   weitgehend vernünftige   Mehrheitsbevölkerung zu haben. Ja, also   denken wir an die Kommunalwahl in   Nordrhein-Westfalen. 85% der Menschen   machen ihr Kreuzchen bei stattstragenden   Parteien, worüber medial vorher,   währenddessen und hinterher geredet   wurde, war die AfD. Ja, die 85% kamen

 

  nicht vor. Und die Situation haben wir   ja ganz ganz häufig, dass diejenigen,   die jetzt keine Shitstorms machen, die   sich nicht aufregen, die nicht   rumpöbeln, die freundlich miteinander   sind, die existieren, im einer   bestimmten Diskursebene kommt die nicht   mehr vor. Wenn man z.B. sagt, wir haben   in der Bundesrepublik die irre   Situation, wir haben mehr als 40% der   Menschen, die ehrenamtlich engagiert   sind.

 

 Okay, da kann man doch positiv   drüber kommunizieren, indem z.B.   verantwortende Politikerinnen, Politiker   sagen, dieses Land funktioniert ohne die   Leute gar nicht. Wir sind total happy,   dass es euch gibt. Das ist super. Ihr   müsst eine höhere Repräsentanz bekommen.   Die haben den Repräsentanz, dass einmal   im Jahr der Bundespräsident im Schloss   BW irgendjemand die Hand schüttelt und   sag super, dass sie ihrenamt machen.

 

 Das   war’s. Und so haben wir es an sehr   vielen Stellen. Ich würde z.B. gerne von   von dem ähm aus der politischen Klasse   mal hören, dass unheimlich vieles in   diesem Land funktioniert, weil Leute   sich engagieren. Die engagieren sich ja   auch in ihren Jobs. Ich meine, ich habe   vor ein paar Jahren mal auf einer   Intensivstation gelegen, seitdem würde   ich jedem widersprochen, der sagt   widersprechen, der sagt, in diesem Land   funktioniert nichts.

 

 Da funktioniert   unheimlich viel und zwar, weil die   Menschen das machen und wir haben   überhaupt keine positive emotionale   Verstärkung. dieses was da alles gemacht   wird und man hätte schwups eine andere   Situation, wenn man das mal stark machen   würde, also die Bürgerinnen und Bürger   eines Landes als Ressource für die   Gesellschaft, den Staat und die   Demokratie zu verstehen.

 

  Aber kommen wir da nicht zu dem Punkt   Good News known News?   Das befürchte ich eben auch, also ich   stimme Ihnen ja hundertprozentig zu, äh   dass äh wir in einem Land leben, in dem   die überwiegende Zahl der äh Leute   völlig vernünftig ist, gesunden   Menschenverstand hat und toll arbeitet.   äh sonst werden wir auch längst schön   untergegangen.

 

 Äh deshalb äh bin ich   auch immer versucht, ich gebe das gerne   zu, äh diese Bevölkerung, die und ihren   gesunden Menschenverstand nicht in einem   Atemzug zu nennen mit der   politischmiedialen Elite. Und äh ich   habe äh das Gefühl, es müsste erst   einmal, wenn Sie so wollen, dieser   Graben zugeschüttet werden, ohne dass   ich weiß, wie man es machen kann.

 

 Aber   der Graben, der sich auftut, zwischen   der politischmialen Elite auf der einen   Seite und den ganz normalen   tollbeitenden Leuten, was weiß ich, 80%   oder sowas, ähm das ist für mich das   eigentliche Problem. Und deshalb kommt’s   auch zu allen Kommunikationsproblemen   innerhalb der Politik. Siepolitiker   haben sich das ja mittlerweile   angewöhnt, wenn sie irgendwie eine   Niederlage erleiden, Wahlniederlage oder   so zu sagen, ja, wir haben ja, wir   machen alles richtig, aber wir haben es   falsch kommuniziert oder schlecht   kommuniziert.   Nein, es ist eine Kluft, die es da, die   sich da aufgetan hat seit langer, langer   Zeit schon. Und das hängt wahrscheinlich   auch ein bisschen damit zusammen, aber   das ist dann schon zu viel Soziologie.   Das hängt wahrscheinlich auch ein   bisschen damit zusammen, dass es einen   Werdegang gibt des Politikers, der ganz   anders ist als noch vor 30 40 Jahren.   Also Leute, die praktisch aus den   Bildungsanstalten gar nicht mehr   rauskommen in die wirkliche Welt, würde   ich fast sagen, sondern dann direkt in   die Politik äh übergehen und äh deshalb   bei hoher Intelligenz oft und auch hoher

 

  Ausbildung äh absolut weltfremd sein   können. Also das ist eine Möglichkeit.   Der der Finanzmathematiker   Nass Nicholas Taleb hat mal die schöne   Formel geprägt. Intellectual yet idiot.   Also intellektueller, aber trotzdem ein   Idiot. Ich habe erst ein bisschen   nachdenken müssen über Lukas mein weil   ich mich persönlich erst angesprochen   fühlte, aber natürlich, das gibt’s   wirklich. Ja, und zwar massenhaft.

 

 Also   Leute, die hervorragend ausgebildet   sind, äh äh jahrelang Uni Studium und so   weiter, aber komplette Idioten im Sinne   von Realitätsfernen. Und diese   Realitätsferne   äh führender Politiker, das scheint mir   eins der Grundprobleme zu sein, mit dem   wir zu tun, aber also das Volk ist   völlig in Ordnung oder wie man es nennen   will, Bevölkerung, das ist völlig in   Ordnung.

 

 Ähm und wir haben auch nicht   primär das Problem mit Randgruppen, die   alles kaputt machen, sondern äh unser   primäres Problem für meine Begriffe   jedenfalls äh ist die politischmiediale   Elite.   Wie siehst du das? Ist unsere politische   und mediale Elite das Problem? Es gibt   Momente, da denke ich, ja, zum Teil ein   Friedrich Merz mag intelligent sein,   aber er hat kaum wirkliche Macht.

 

 Ohne   die USA und die EU ist sein   Handlungsspielraum sehr begrenzt. Genau   deshalb entstehen oft Gerüchte, dass   unsere Politiker nur Marionetten sind   und im Hintergrund jemand ganz anderes   die Fäden zieht. Dieses Bild von Olaf   Scholz aus dem Magazin “The Pioneer”   werde ich nie vergessen. Immer wenn ich   an unsere Politiker denke, taucht dieses   Bild automatisch in meinem Kopf auf.

 

  Teile mir gern in den Kommentaren mit,   wie du das siehst. Das interessiert mich   wirklich sehr.   Es gibt ja junge Abgeordnete äh, die mit   großem Engagement in den Bundestag gehen   und denken, sie können jetzt was bewegen   und nach relativ kurzer Zeit   feststellen, dass das Parteirison das   maßgebliche ist und das, wenn sie in   Ausschüsse wollen, dann müssen sie dies   und das und jenes.

 und die vorherigen   Verläufe innerhalb der Partei, damit man   aufgestellt wird und sowas, sind ja auch   nicht geeignet dafür nun besonders, wie   soll man sagen, tatkräftig eigenständig   urteilsfähige Menschen zu fördern. So.   Und ähm ich glaube, man greift ein   bisschen zu kurz, wenn man jetzt das,   also das glaube ich bei uns beiden ja   kein Politikbashing.

 

 Es ist eher eine   Verfahrensfrage, wenn man das z.B. ähm   nicht mehr möglich machen würde, dass   man mehr als zwei Legislaturperioden   abgeordneter wird oder auch die   politischen Ämter begrenzt nur begleiten   kann, dann ist dieser Form von Karriere   und von Rekrutierung von Nachwuchs der   der einfach die Spitze abgebrochen, weil   dann können Menschen tatsächlich, die da   hoch engagiert reingehen, sagen, ich   habe da nichts zu verlieren, weil mehr   als zwei Perioden darf ich hier sowieso   nicht sein. Das heißt, mein Souverän ist   nicht der Parteivorsitzende, sondern   mein Souverän ist die Bevölkerung.   Demokratie ja auch gedacht ist.   Dieser Vorschlag ist grundsätzlich gut,   aber er funktioniert nur, wenn sich alle   beteiligen. Die ganze Welt von Amerika   über Asien bis nach Afrika ist von   Systemen geprägt, die meiner Meinung   nach oft korrupt sind und seit Jahren   nicht mehr richtig funktionieren.   Strukturelle Verbesserungen nur in   Deutschland bringen daher wenig, solange   andere Länder ihre problematischen

 

  Strukturen beibehalten. Am Ende führt   das alles nur zu Überforderung auf   individueller wie auf gesellschaftlicher   Ebene.   Herr Bolz, wenn wir uns anschauen in   welchen Zeiten wir leben, das ist ein   bisschen schon in ihren Antworten auch   angeklungen. Ist eine Zeit der   Transformation, der Veränderung.

 

 Sie   sprachen von Verunsicherung auch an   vielen Stellen. Würden Sie sagen, wir   leben auch in einer Zeit der   Überforderung?   Ich   habe mal gehört äh ich glaube von einem   Nobelpreisträger Herbert Simon sogar,   dass es so etwas wie Überforderung gar   nicht gäbe und dass Stress auch so etwas   wie eine Modekrankheit ist.

 

 Äh einfach   deshalb, weil die Leute eh nicht mehr   verarbeiten und aufleben, als sie   können. Also, man hat einen wie soll man   sagen, nur ein begrenzten   Aufmerksamkeitsäh Horizont und was   darüber hinausgeht, perlt oder verliert   sich einfach. Aber äh bleiben wir mal   auf der Ebene von äh Politik und Medien.   Äh da gibt es dann sowas ähnliches schon   einfach deshalb, weil es eine Zumutung   der äh des Kennons gibt.

 

 Also, man   erwartet einfach von jedem Menschen   heutzutage in einer modernen   Gesellschaft, dass er über eine Fülle   von Themen informiert ist. Und auch wenn   es ihn nicht interessiert, also dass äh   wenn Sie dann die Leute fragen, ist es   sehr sehr selten so, dass jemand   antwortet, das weiß ich nicht oder da   bin ich nicht kompetent oder ich habe   keine Ahnung.

 

 Äh bei Politikern ist es   fast ausgeschlossen, jedenfalls, wenn   sie noch im Amt sind mit   wenn ich das anekdotisch kurz zuspitzen   darf, gerade Helmut Schmidt hat da mal   eine fantastische Ausnahme gemacht. Als   er nicht mehr Bundeskanzler war, wurde   er interviewt über den Bosnien Konflikt   und hat da wurde er so gefragt äh äh was   halten Sie davon von wie ist die   Situation und dann sagte Schmidt dazu   kann ich nicht sagen, das ist mir zu   komplex.

 

 Das ist die ehrlichste Antwort,   die man überhaupt geben konnte und ihm   eigentlich jeder geben müsste. Aber das   geht bei Politikern, die im Amt sind   logischerweise nicht, dass sie ihre   Ignoranz zugeben. Aber auch die normalen   Menschen, die man interviewt oder sowas   oder mit denen man über Themen spricht,   bei denen wird unterstellt, dass sie   informiert sind.

 

 Es wird unterstellt,   dass sie eine Meinung äh haben und da   sind die dann meistens mehr oder minder   gezwungen, ihnen vorgegebene Meinungen   zu reproduzieren. Und das tun sie dann   ja auch. Ja, also sie produzieren in   Sendungen Meinungen, die Politiker   entwickeln Formeln und Slogans zu   bestimmten Themen und was sollen die   armen Leute, die man dann interviewt,   anderes machen, als genau das dann ähäh   wiederzugeben, denn die Alternative wäre   ja Sachorientiertheit, also Kompetenz.

 

  Ja, und äh wenn ich jetzt gerade   gelästert habe über die Kompetenz von   Politikern, das ist eine reale   Überforderung, also eine   Kompetenzüberforderung, wenn man sagt,   alle großen Themen dieser Welt und sie   sorgen ja dafür durch die Massenmedien   sorgen sie ja dafür, dass die ganze Welt   Thema wird.

 

 Alles passiert überall,   Überschwemmungen da, äh äh Revolutionen   da, alles das wird gesendet. Alles das   sollte eigentlich irgendwie bekannt sein   und letztlich äh haben die Leute den   Eindruck, dazu müsste ich auch was sagen   können. Aber das natürlich illusorisch.   Ja, das ist völlig illusorisch und ja,   wenn eine Überforderung dann auf der   Ebene.

 

  Ich bin dankbar, dass ich am Ende des   Tages in Deutschland leben darf. Auch   wenn unser Staat hier und da zweifelhaft   ist, zeigt mir diese Sendung, dass Herr   Bolz dennoch beim Staatsfernsehen   eingeladen wurde. Genau diese kleinen   Hoffnungsschimmer und   Aufklärungsarbeiten sind wichtig, damit   wir vorankommen und uns durch   Überforderung nicht handlungsunfähig   machen.

 

 Mein Kanal hat leider nicht mehr   die Aufrufzahlen wie früher. Dennoch   werde ich weitermachen, weil mir viele   von euch immer wieder tolle Kommentare   senden und dankbar sind, dass ich gute   Videos im Netz zusammenstelle und für   euch zusammenfasse. Bis dahin macht es   gut. M.