Mark Knopfler, ein Name, der für viele Musikliebhaber untrennbar mit den sanften, aber zugleich eindringlichen Riffs von Saltance of Swing verbunden ist. Schon bei den ersten Takten erkennt man seine Handschrift. Keine wilden Effekte, kein unnötiger Lärm, sondern pure, eherliche Musik. Doch wer Mark kennt, weiß, daß er nie der Typ war, der im Rampenlicht badete.
Vom ersten Tag an war er jemand, der lieber im Hintergrund die Fäden zog und seiner Gitarre die Geschichten erzählen ließ, die er selbst nur selten mit Worten aussprach. Die Reise begann in den verrauchten Pupps von Newcastle, weit weg von Glammer und Showbsiness, und führte ihn bis zu den größten Stadien der Welt.
Dort hielt er zehntausende Menschen in Atem und doch schien es, als habe er den Jubel nie gebraucht, um sich bestätigt zu fühlen. Als Di Straights auf dem absoluten Höhepunkt ihres Erfolgs standen, als sie mühelos Millionen begeisterten und die Charts dominierten, traf Mark eine Entscheidung, die viele nicht verstehen konnten.
Er trat zurück, nicht aus Trotz, nicht aus Erschöpfung allein, sondern weil er die Wahrheit in der Musik höher stellte als die Maschine, die sie umgab. In seiner Welt zählte der Klang mehr als der Applaus, die Kunst mehr als das Geschäft. Genau diese Haltung sollte später der Schlüssel dazu sein, warum er auch Jahrzehnte später nicht den Wunsch verspürte, die Di Straits wiederzubeleben.
Für ihn war Musik nie ein Mittel zum Zweck, sondern ein eigenständiges, lebendiges Wesen. Und wenn es seine Zeit erfüllt hatte, dann ließ er es ziehen. Geboren am 12. August 1949 in Glasgow Schottland wuchs Mark Freuder Knopfler in einem Umfeld auf, das von Geschichten, Ideen und einer Mischung aus Kulturen geprägt war.
Sein Vater, Erwin Knopfler war 1939 vor den Schrecken des Krieges aus Ungarn geflohen. Ein Mann mit einem scharfen Verstand, geformt durch Schach, Architektur und die Erfahrung, alles hinter sich lassen zu müssen, um neu zu beginnen. Seine Mutter Louisa Mary, war Lehrerin, warmherzig. klug und mit einem tiefen Glauben an Bildung und kritisches Denken.
Im Hause Knopfler wurde nicht nur gegessen und geschlafen. Es wurde diskutiert, philosophiert, gelacht. Als Mark Jahre alt war, zog die Familie nach Newcastle Aponin und dieser Schritt sollte sein Leben musikalisch prägen. Newcastle war eine Arbeiterstadt mit einer rauen, aber ehrlichen Kultur, in der Musik kein Luxus war, sondern Teil des Alltags.
Dort begegnete der junge Mark zum ersten Mal dem Boogie Wogie Klavier und der Mundharmonika seines Onkels. Diese Klänge, roh, unverfälscht, voller Leben, gruben sich tief in seine Vorstellungskraft ein. Sie waren weit entfernt vom Mainstream, aber genau das machte sie besonders. Schon in diesen Jahren begann sich ein musikalisches Fundament zu formen, das später die DNA von Di Straights ausmachen würde.
Eine Mischung aus erdiger Authentizität und erzählerischer Tiefe. Inmitten der Arbeiterstraßen und Kneipen von Newcastle wuchs ein Junge heran, der nicht wusste, dass er einmal Millionen berühren würde. Er wusste nur, dass Musik in ihm etwas entfachte, das nicht mehr erlöschen konnte. Als Teenager war Mark Knopfler wie elektrisiert von den Gitarrenhelden seiner Zeit.
Besonders Hank Marvin von den Shadows faszinierte ihn diese scheinbar mühelose Eleganz, mit der er jede Note spielte. Er träumte von einer Fender Stratocaster, dem heiligen Gral für jeden jungen Gitarristen. Doch an seinem Geburtstag überreichte ihm sein Vater etwas anderes. Eine Hoffner super solid, bescheiden, unspektakulär, weit entfernt vom glänzenden Ideal.
Für viele wäre das eine Enttäuschung gewesen, doch für Mark wurde es der Beginn seiner unverwechselbaren Handschrift. Die alte Akustikgitarre, die er zuvor besaß, hatte einen verzogenen Hals, was das Spielen mit Plektrum fast unmöglich machte. Also begann er, die Seiten direkt mit den Fingern zu zupfen. Zunächst aus Notwendigkeit, dann aus Überzeugung.
Diese zufällige Technik wurde sein Markenzeichen, ein warmer fließender Ton, der jede Geschichte zu tragen schien. Damals ahnte er noch nicht, daß dieser Stil ihn weltberühmt machen würde. Doch trotz seiner Leidenschaft erschien Musik in den späten 60ern für einen Jungen aus Newcastle kein sicherer Karriereweg.
Also entschied er sich für etwas vernünftiges, Journalismus. Er schrieb sich am Harlow College ein, absolvierte eine Ausbildung bei der Yorkshire Evening Post in Leads und führte ein Leben zwischen Deadlines und Zeitungsdruck, doch immer mit der Gitarre an seiner Seite. Jedes freie Wochenende verbrachte er in Paps und kleinen Clubs, wo er mit Freunden spielte und seinen Stil weiterentwickelte.
Die Bühne war klein, das Publikum überschaubar, aber hier legte er den Grundstein für das, was bald folgen sollte. Der Drang, aus dem Alltag auszubrechen, wurde immer stärker. Die Routine des Journalismus erdrückte ihn und so packte er eines Tages einfach seine Gitarre und machte sich auf den Weg per Anhalter quer durch England und Europa.
Er lebte von wenig, spielte in Caféses, Bars und auf kleinen Bühnen, wo man oft mehr mit Blicken als mit Geld bezahlte. Doch in diesen Jahren sogzählige Einflüsse auf, vom swingenden Gitarrenspiel eines Scotty Moore bis zu den sanften melodischen Linien von Chad Atkins. Er lernte, wie Musik Kulturen verbindet, egal ob in einer verrauchten Pariser Kneipe oder auf einem improvisierten Open Air in Spanien.
Nach seinem Abschluß an der University of Leeds gründete er mit Freunden die kurzlebige Band Silver Heills. Sie brachte keinen Durchbruch, aber half ihm sein Songwriting zu verfeinern und ein Gespür für Arrangement und Dynamik zu entwickeln. Bald darauf übernahm er eine Lehrstelle am lauten College.
Doch auch hier blieb Musik sein Lebensmittelpunkt. Er spielte in einer weiteren Pubband namens Cafe Racers, als das Schicksal eingriff. Sein jüngerer Bruder David, der bereits in London lebte, lud ihn ein, gemeinsam an Songs zu arbeiten. Die Chemie zwischen den Brüdern war sofort spürbar und als sie mit Bassist John Ilsley und Schlagzeuger Pick Withers zusammenspielten, war klar, dass hier etwas Besonderes entstanden war.
Aus dieser Energie heraus wurden die Diastraits geboren. Die Gründung der Diastraits hatte nichts mit dem Glamor zu tun, den man heute oft mit Rockbands verbindet. Kein glitzernder Proberaum, keine teuren Studios, nur eine kleine Küche in einem unscheinbaren Haus in Deppt Südlondon. Dort saßen Mark und David Knopfler zusammen mit John Ilsley am Bass und Pick Withers am Schlagzeug, rauchten, tranken Tee und spielten stundenlang.
In dieser Enge inmitten des Geruchs von altem Holz und angebranntem Toast entstanden die ersten Songs. Sie wollten Musik machen, die sich gegen die grellen Strömungen der damaligen Zeit stellte. Punk war laut und roh, Glamrock überladen und theatralisch. Die Di Straights hingegen setzten auf Zurückhaltung, Präzision und Geschichten, die direkt aus dem Leben kamen.
Das Demo, das sie 1900 Siege Geb aufnahmen, bestand aus fünf Songs, aber einer stag heraus: Saltons of Swing. Mark hatte den Song nach einem Erlebnis in einer fast leeren Kneipe geschrieben, in der eine Jazzband spielte, völlig unbeindruckt davon, dass kaum jemand zuhörte. Für ihn war es ein Bild pur Leidenschaft für Musik, ohne Ego, ohne Show.
Als BBC DJ Charlie Gillet den Song im Radio spielte, löste er eine Welle aus. Die Telefonleitungen liefen heiß, Plattenfirmen riefen an und nur wenige Monate später hatten sie einen Vertrag bei Vertigo Records. Ihr 1978 erschienes Debütalbum war ein stiller, aber mächtiger Gegenpol zu den Charts. Songs wie Down to the Waterline oder Water of Love klangen wie aus einer anderen Welt.
Geerdet, ehrlich, zeitlos. Besonders in den USA schlug der Funke über. Innerhalb eines Jahres landete Saltens of Swing auf Platz 4 der Billboard Hot 100 und brachte die Band auf den Weg in eine internationale Karriere. Der komenhafte Aufstieg brachte nicht nur Ruhm, sondern auch Spannungen.
Nach dem zweiten Album Communic wurde klar, dass Mark und sein Bruder David musikalisch in unterschiedliche Richtungen dachten. Mark war der akribische Perfektionist, der jede Note und jeden Ton genau im Blick hatte, während David mehr Raum für Spontanität wollte. Die Differenzen wurden während der Arbeit am dritten Album Making Movies so groß, dass David schließlich ausstieg.
Es war ein schmerzlicher Einschnitt, aber auch ein Moment der Neuorientierung. Mit Hilfe von Gastmusikern wie Roy Bitton von der Eastreet Band entstanden Songs, die bis heute als Höhepunkte gelten. Romeo and Juliet mit seiner bittersüßen Liebesgeschichte oder Tunnel of Love, das den Hörer wie ein kleiner Film durch eine Achterbahn der Emotionen führt.

Doch Mark strebte nach noch mehr erzählerischer Tiefe. 1982 folgte Love Over Gold. Nur fünf Songs, aber jeder ein Monument. Telegraph Road war ein fasthminütiges E-Pos über Industrialisierung und Verfall. Private Investigations ein düsteres Meisterwerk der Andeutung. Doch der größere, komplexere Sound hatte auch Schattenseiten.
Schlagzeuger Pick Withers, das ruhige Herz der Band, fühlte sich zunehmend entfremdet und verließ die Gruppe nach der Tour 198. Es war als ob die Di Straights immer weiter wuchsen, ohne daß jemand genau wußte, wohin die Reise ging. 1984 beschloss Mark, den nächsten Schritt zu wagen und dieser führte ihn auf die karibische Insel Monrat, in die legendären George Martin Air Studios.
Dort nahm die Band Brothers in Arms auf, ein Album, das zum Meilenstein der Musikgeschichte werden sollte. Doch der Weg dahin war steinig. Schlagzeuger Terry Williams kämpfte damit, den präzisen kontrollierten Sound zu liefern, den Mark im Kopf hatte. Schließlich wurde der Jazz Schlagzeuger Omar Hakim eingeflogen, der in nur drei Tagen fast alle Drumspuren neu einspielte.
Auch neue Gesichter kamen hinzu, wie Keyboarder Guy Fletcher, der den Sound dauerhaft bereichern sollte. Als Brothers in Arms im Mai 1985 erschien, explodierte die Resonanz. Platz 1 in Großbritannien, 9 Millionen Verkäufe allein in den USA. Das erste Album der Welt mit über einer Million verkauften CDs und damit ein Katalysator für das neue Format.
Money for Nothing mit Stings unverwechselbarem Gastgesang wurde zur Hymne einer Era, ebenso wie das epische Titelstück Brothers in Arms. Die dazugehörige Tour war gigantisch. 14 Monate, hunderte Konzerte, Rekorde in Australien und Neuseeland, ein legendärer Auftritt bei Lifeid. Doch hinter den Kulissen war es anstrengend.
Mark fühlte sich zunehmend wie der CEO einer globalen Firma mit Personal, Technik und Logistik, die nichts mehr mit der intimen Freude des Musizierens in einer kleinen Kneipe zu tun hatten. Nach der Brothers in Arms Tour zog sich Mark zurück, arbeitete an Filmmusik und nahm Projekte mit Freunden an, die ihm kreative Luft gaben.
1988 standen die Di Straights beim Nelson Mandela Tribute Konzert in Wembley auf der Bühne. Ein Moment, der sich wie ein Abschiedsgruß anfühlte. 1991 wagten sie mit On Every Street ein letztes Studioalbum. Musikalisch vielseitig und handwerklich perfekt konnte es jedoch nicht an die kolossale Wirkung seines Vorgängers anknüpfen.
Die anschließende Tour war trotzdem ein logistisches Monster. 300 Shows, 7 Millionen Zuschauer. Für viele Bands wäre das der Höhepunkt gewesen. Für Mark war es der Moment der Erkenntnis. In Saragotza, Spanien, im Oktober 199 wußte er, es war vorbei. Keine Pressemitteilung, kein medienwirksames Ende. Die Band hörte einfach auf.
Später erklärte er, dass er sich in einer anonymen Maschinerie wiederfand, in der er oft nicht wusste, in welcher Stadt er aufwachte und die Crew so groß war, dass er ihren Namen nicht kannte. Für einen Künstler, der einsten Musik aus purer Freude machte, war das der Beweis, daß eine Rückkehr unmöglich war.
Angebote für astronomische Gagen lehnte er in den kommenden Jahren konsequent ab. Das Ende von Di Straights bedeutete keinen Rückzug aus der Musik, sondern einen Neuanfang. Mark Knopfler startete seine Solokarriere mit Golden Heart 199, einem Werk, das Volk und Countryeinflüsse in den Vordergrund stellte und seine Erzählkunst neu definierte.
Kritiker lobten die Wärme und Ehrlichkeit. Fans schätzten die Intimität. 2000 folgte Sailing to Philadelphia, eine Sammlung von Songs, die Geschichten aus der amerikanischen und britischen Historie mit persönlichen Reflexionen verbanden. Mit The Rack Picker Dream, Shangrill und Kill to Get Crimson erforschte er musikalische Landschaften, die zwischen keltischem Volk und Amerikaner wechselten.
Anders als früher spielte er nun in Theatern und kleineren Hallen, Orte, an denen er jedes Gesicht im Publikum sehen konnte. Er genoß die Freiheit ohne Stadionlogistik zu Touren und ohne den Druck immer größer werden zu müssen. Auch mit über 70 blieb er produktiv. 2025 veröffentlichte er One Deep River, dessen poetische Texte und unverwechselbare Gitarrenlinien zeigten, dass er nichts von seiner Magie verloren hatte.
Er war kein Rockstar mehr im klassischen Sinn. Er war wieder der Geschichtenerzähler, der er immer sein wollte. Das Vermächtnis der Di Straights lebt weiter, nicht trotz, sondern wegen ihres Endes. Mit weltweit geschätzten hundert bis Millionen verkauften Tonträgern zählen sie zu den erfolgreichsten Rockbands der Geschichte.
Alben wie Brothers in Arms oder Love Over Gold bleiben Meilensteine, weil sie zeitlose Musik enthalten, die nie von einer halbherzigen Reunion verwässert wurde. 2018 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. blieb der Zeremonie fern, nicht aus Bitterkeit, sondern weil für ihn das Kapitel abgeschlossen war.

In Interviews brachte er es auf den Punkt. Es wurde einfach zu groß. Wenn mir jemand eine gute Sache über Ruhm sagen kann, würde ich das gerne hören. Für ihn war es wichtiger, die Erinnerung reinzuhalten, als sie durch ein erzwungenes Comeback zu entwerten. Und so lebt die Magie weiter in jedem Jugendlichen, der versucht, das Intro von Saltance of Swing zu lernen, in jedem nächtlichen Radiomoment, wenn Romeo and Juliet läuft.
Di Straits ist ein abgeschlossenes Buch mit einer perfekten letzten Seite und Mark Knopfler der Autor, der wußte, wann er den Stift weglegen mußte.
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