Aber bei dem würde ich das immer am wenigsten denken. Und wenn sie einen Mann lieb. Als sich im März 2017 der Vorhang endgültig senkte, war es still in München. Die Stadt trug ihre schönste Tochter zu Grabe, doch es gab keinen Aufschrei, keine hysterischen Massen, wie sie einst die Straßen säumten.
Nur eine tiefe, fast ehrfürchtige Stille lag über dem weißen Sag, der mit Rosen bedeckt war. Es war ein leiser Abschied für eine Frau, deren Leben alles andere als leise begann. Christine Kaufmann. Ein Name, der einst wie ein Zauberspruch wirkte, verblasste in den letzten Jahren zu einer Erinnerung an eine längst vergangene Era.
Aber um diese Stille am Ende wirklich zu verstehen, müssen wir zurückblicken. Wir müssen zurück in eine Zeit, als dieser Name nicht nur für eine Schauspielerin stand, sondern für die Hoffnung einer ganzen Nation. Stellen Sie sich ein Deutschland vor, das noch immer in den Trümmern des Krieges lag.
ein Land, das verzweifelt nach Unschuld suchte, nachdem es so viel Schuld auf sich geladen hatte. Und dann im Jahr 1954 erschien sie auf der Leinwand. Ein Kind mit Augen so groß und tief wie Ozeane, mit einem Lächeln, das versprach, dass alles wieder gut werden könnte. Als Rosenrli weinte sie sich in die Herzen von Millionen.
Man sagte damals, ihre Tränen hätten die Seele eines verwundeten Landes gewaschen. Sie war mehr als nur ein Kinderstar. Sie war das kollektive Wunschkind der Nachkriegszeit, ein Symbol für den reinen Neuanfang. Doch wie wurde aus diesem strahlenden Symbol der Hoffnung eine Frau, die am Ende ihres Lebens von Überlebenskampf sprach? Wie konnte das Mädchen, das als erste Deutsche einen Golden Globe gewann und in Hollywood eine märchenhafte Hochzeit mit dem Wstar Tony Curtis feierte, alles verlieren, was ihr wirklich wichtig war? Wir sahen die glänzenden Magazincover, die strahlenden Auftritte auf den roten Teppichen dieser Welt. Was wir nicht sahen, war der lange Schatten, den dieses grelle Rampenlicht warf. Hinter der perfekten Fassade der schönsten Großmutter Deutschlands, wie man sie später liebevoll nannte, verbarg sich eine Tragödie, die sie jahrzehntelang hinter einem tapferen Lächeln versteckte. Es ist eine Geschichte, die nicht von Ruhm erzählt,
sondern von Verrat. Ein Verrat, der nicht von Fremden kam. sondern von den Menschen, die sie am meisten hätten schützen sollen. Wir sprechen heute nicht nur über verblassten Glanz, wir sprechen über ein Kind, dessen Jugend verkauft wurde, um eine Familie zu ernähren. Wir sprechen über eine junge Mutter, die in den goldenen Käfigen von Hollywood gefangen war und der man das kostbarste Namen, was sie besaß, ihre eigenen Kinder.
Ein Vorgang, den sie erst viele Jahre später, als die Wunden vernabbt aber nicht geheilt waren, als eine legale Entführung bezeichnen würde. Heute in dieser Stunde wollen wir den samten Vorhang beiseite ziehen, den Christine Kaufmann Zeit ihres Lebens so fest um sich gezogen hatte. Wir hören nicht nur auf das, was sie sagte, als die Kameras liefen.
Wir hören auf die leisen, brüchigen Töne zwischen den Zeilen ihrer späten Bekenntnisse. Wir fragen uns, was kostet es wirklich eine Ikone zu sein? Und wenn der Preis die eigene Seele ist, kann man sie jemals wieder zurückkaufen? Begleiten Sie mich auf eine Reise hinter die Kulissen eines Lebens, das so öffentlich war und doch so voller dunkler Geheimnisse steckte.
Um das wahre Ausmaß der späteren Tragödien zu begreifen, müssen wir an den Anfang zurückkehren in eine Zeit, die für die kleine Christine alles andere als ein Märchen war. Geboren 1945, buchstäblich in den letzten Atemzügen des Zweiten Weltkriegs, war ihr Staat ins Leben gezeichnet von Flucht und Entbehrung.
Ihr Vater, ein ehemaliger Offizier der Luftwaffe, fand sich in der neuen zivilen Welt nicht zurecht. Die Familie hungerte. Und genau hier beginnt die erste große Ungerechtigkeit in Christine Kaufmanns Leben. Es war ihre Mutter Geneviev, eine Frau von großer Schönheit und noch größerem Ehrgeiz, die das Potenzial ihrer Tochter erkannte.
Nicht als Kind, das behütet werden muss, sondern als Rettungsanker für die ganze Familie. Christin war gerade einmal 7 Jahre alt, als sie zum ersten Mal vor einer Kamera stand. Doch der wirkliche Wendepunkt, der Moment der ihr Schicksal besiegelte, kam 1954 mit dem Film Rosenräsli. Über Nacht wurde das neunjährige Mädchen zum größten Kinderstar Deutschlands.
Die Menschen sahen in ihr das personifizierte Gute, ein blondes Engelchen, das in einer harten Welt sein Herz am rechten Fleck behielt. Die Kinoseele waren überfüllt, die Kassen klingelten. Doch während Deutschland sein neues Idol feierte, begann für Christine eine Zeit der unvorstellbaren Härte. Stellen Sie sich ein neunjähriges Mädchen vor, das nicht draußen mit Freunden spielen darf, weil es am nächsten Tag perfekt aussehen muss.
Ein Kind, das bis spät in die Nacht Texte auswendig lernt, die es kaum versteht, wohlwissend, dass das Wohl der gesamten Familie auf seinen schmalen Schultern lastet. “Ich hatte keine Kindheit”, sagte sie später einmal mit einer erschütternden Nüchternheit. “Ich war ein kleiner Erwachsener, der zufällig aussah wie ein Kind.
” Sie war die Hauptverdienerin. Von ihrer Gage wurden die Miete bezahlt, das Essen gekauft, die Schulden des Vaters getilkt. Sie war ein Goldesel und Goldesel dürfen nicht müde werden. Sie dürfen nicht bocken, sie müssen funktionieren. Ihre Mutter managete sie mit eiserner Hand, trieb sie von einem Filmset zum nächsten.
“Einmal keine Sorgen haben”, hieß einer ihrer Filme damals. Welch bittere Ironie, denn Sorgen waren ihr ständiger Begleiter. Sorge nicht gut genug zu sein, die Sorge die Erwartungen nicht zu erfüllen, die Sorge, dass wenn sie aufhört zu lächeln die ganze fragile Existenz ihrer Familie zusammenbricht. Diese frühen Jahre prägten ein Muster, das sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen sollte.
Sie wurde definiert durch das, was andere von ihr wollten, nicht durch das, was sie selbst war. Sie lernte früh, dass Liebe an Bedingungen geknüpft war, an Leistung, an Erfolg, an das perfekte Bild. Das kleine Mädchen, das Millionen zu Tränen rührte, weinte selbst oft heimlich in ihr Kissen, erschöpft von einer Last, die kein Kind jemals tragen sollte.
Es war eine Kindheit im goldenen Käfig, dessen Gitterstäbe aus den Erwartungen einer ganzen Nation und den finanziellen Nöten ihrer eigenen Eltern geschmiedet waren. Und genau dieses verletzliche nach echter Liebe hungernde Mädchen war es, das nur wenige Jahre später einem Mann begegnen sollte, der ihr die Welt versprach, ihr aber letztendlich fast alles nehmen würde.
Mit 16 Jahren hatte Christine Kaufmann bereits ein Leben gelebt, von dem andere nur träumen konnten. Doch Europa wurde ihr zu klein. Der Ruf von Hollywood, diesem glitzernden Versprechen von ewigem Ruhm, war unwiderstehlich und tatsächlich schien Amerika nur auf sie gewartet zu haben. Als sie 1961 als erste Deutsche überhaupt einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin gewann, lag ihr die Welt zu Füßen.
Sie war nicht mehr nur das süße Rosenresli, sie war eine internationale Schönheit, eine ernstzunehmende Schauspielerin. Wann kam das Jahr 1962? Argentinien, das Filmset des Epos Taras Bulba. Dort traf sie ihn Tony Curtis. Er war einer der größten Stars seiner Zeit. Ein Mann mit einem Lächeln, das Gletscher zum Schmelzen bringen konnte und blauen Augen, in denen man sich verlieren wollte.
Er war 37 auf dem Höhepunkt seiner Karriere verheiratet mit der Hollywood Legende Janet Lee. Christin war gerade 17 unschuldig, bildschön und völlig überwältigt. Für die Presse war es die Liebesgeschichte des Jahrhunderts. Der amerikanische Superstar verlässt seine Frau für das deutsche Fräuleinwunder. Es war ein Skandal, aber ein romantischer.
Als sie ein Jahr später heirateten, wirkte alles wie im Märchen. Christine trug ein weißes Kleid. Sie strahlte. Sie glaubte endlich angekommen zu sein. Endlich jemand, der sie liebte. Nicht weil sie die Familie ernährte, sondern einfach nur um ihrer Selbstwillen. Doch was wie ein Traum begann, trug bereits die Keime des Albtraums in sich.
Tony Curtis war kein Märchenprinz. Er war ein Mann mit tiefen Unsicherheiten, geplagt von Drogensucht und einem unstillbaren Bedürfnis nach Bestätigung. Für ihn war Christine die ultimative Trophäe. Jung, europäisch, intellektuell, ein perfektes Accessoire für sein Ego. Die junge Christine ahnte nicht, dass sie mit dem Ja Wort ihre Freiheit nicht gewann, sondern endgültig aufgab.
Sie tauschte die kontrollierende Hand ihrer Mutter gegen den goldenen Käfig eines eifersüchtigen Ehemannes. Hollywood, das sie mit offenen Armen empfangen hatte, wurde bald zu einem Ort der Einsamkeit. Sie war umgeben von Luxus, lebte in Willen mit Swimmingpools, aber sie war isoliert.
Sie sprach die Sprache noch nicht perfekt, verstand die brutalen Spielregeln der Traumfabrik nicht. Während Tony Curtis von Party zu Party eilte, von einem Filmset zum nächsten jettete, saß Christine oft allein zu Hause. Sie war schwanger, erst mit Alexandra, dann mit Allegra. Die Mutterrolle erfüllte sie mit einer Liebe, die sie selbst nie erfahren hatte.
Doch gleichzeitig spürte sie, wie ihre eigene Identität, ihre Karriere, ihre Träume langsam verblassten, erdrückt von der übermächtigen Präsenz ihres Mannes. Der amerikanische Traum begann Risse zu bekommen. Feine Haarrisse, die bald zu tiefen Schluchten werden sollten, groß genug, um ihr ganzes Glück darin zu verschlingen. Sie war auf dem Gipfel der Welt angekommen, nur um festzustellen, dass die Luft dort oben so dünn war, dass man kaum atmen konnte.
Hollywood in den 60er Jahren war ein Ort des Exzesses, eine glitzernde Blase, die weit entfernt von der Realität schwebte und mittendrin saß Christine Kaufmann gefangen in einer Rolle, für die es kein Drehbuch gab. Nach außen hin war sie Miss Tony Curtis, die strahlende Gastgeberin, die perfekte Mutter, die beneidenswerte Ehefrau eines Superstars.
Doch wenn die Gäste gegangen waren und die Lichter in der Villa am Benedikt Canyon erloschen, blieb nur eine erdrückende Stille. Tony Curtis liebte sie zweifellos, aber es war eine besitzergreifende, erstickende Liebe. Er wollte sie ganz für sich allein haben. Er war krankhaft eifersüchtig.
Jede Filmrolle, die ihr angeboten wurde, musste erst durch seine Zensur. Oft lehnte er für sie ab, ohne dass sie es überhaupt wusste. Er wollte keine Schauspielerin als Frau. Er wollte eine Bewunderin, die immer verfügbar war, wenn er von seinen Dreharbeiten nach Hause kam. Stellen Sie sich diese junge Frau vor, kaum 20 Jahre alt, weit weg von ihrer Heimat, Ihrer Sprache, ihrer Kultur.
Sie saß in einem riesigen Haus, umgeben von Dienstboten, aber ohne wirkliche Freunde. Ihre Vertrauten waren ihre kleinen Töchter Alexandra und Allegra. In ihnen fand sie den Trost und die bedingungslose Liebe, die ihr Mann nicht geben konnte. Sie verbrachte Stunden damit, mit ihnen zu spielen, ihnen deutsche Lieder vorzusingen, ihnen eine Welt zu erschaffen, die sicher und geborgen war.
Doch Tony Curtis lebte in einer anderen Welt. Seine Drogensucht wurde schlimmer, seine Stimmungswechsel unberechenbarer. Es gab Tage, da war er der charmanteste Mann der Welt. Und dann wieder verwandelte er sich in einen Tyrannen, der tobte und schrie. Christine lernte auf Eierschalen zu gehen.
Sie lernte ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu unterdrücken, um den Frieden zu wahren. Sie begann zu schreiben, nicht für die Öffentlichkeit, sondern um nicht verrückt zu werden. Ihre Tagebücher aus dieser Zeit sind Zeugnisse einer tiefen Verzweiflung versteckt hinter der Fassade des Glücks. Sie spürte, wie sie langsam verschwand.
Das strahlende Mädchen, das einst einen Golden Globe gewonnen hatte, war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Sie war zur Statistin im Film ihres eigenen Lebens geworden und während sie versuchte die perfekte Ehefrau zu spielen, ahnte sie nicht, dass das Drehbuch für den nächsten grausamsten Akt ihres Lebens bereits geschrieben wurde.
Ein Akt, in dem sie nicht nur ihre Rolle als Ehefrau verlieren würde, sondern auch das einzige, was ihr noch Kraft gab, ihre Kinder. Das Jahr 1965 markierte nicht nur das Ende einer Ehe, es war der Beginn einer Tragödie, die Christine Kaufmanns Herz für immer brechen sollte. Sie verließ Tony Curis. Es war ein Akt der Befreiung, ein Versuch, ihre verlorene Identität wiederzufinden.
Sie kehrte nach Deutschland zurück, im Gepäck kaum mehr als ihre Kleider und ihre beiden geliebten Töchter Alexandra und Allegra. Sie war naiv, vielleicht sie glaubte an das Gute, glaubte, dass sie und Tony vernünftige Erwachsene sein könnten, die sich die Erziehung ihrer Kinder friedlich teilen.
Doch sie hatte die Rechnung ohne den verletzten Stolz eines Hollywood Giganten gemacht. Was dann geschah, klingt wie das Drehbuch eines düsteren Thrillers, war aber bittere Realität. Es begann harmlos. Tony Curtis bat darum, die Kinder für einen Urlaub zu sich in die USA zu holen. Christine im Glauben an eine faire Elternschaft stimmte zu.
Sie setzte ihre kleinen Mädchen in das Flugzeug, winkte ihnen zum Abschied im festen Glauben, sie in wenigen Wochen wieder in die Arme schließen zu können. Sie ahnte nicht, dass dieser Abschied für fast ein Jahrzehnt sein würde. Kaum waren die Kinder auf amerikanischem Boden, schnappte die Falle zu.
Tony Curtis, der Mann, den die Welt als charmanten Komödianten liebte, zeigte sein rücksichtslosestes Gesicht. Er behielt die Kinder einfach dort. Er nutzte seine immense finanzielle Macht, seinen Einfluss und die besten Anwälte, die man für Geld kaufen konnte, um das Sorgerecht zu beantragen. Christine saß in Deutschland und war wie gelehmt.
Stellen Sie sich ihre Verzweiflung vor. Sie war eine junge Frau, Anfang 20, allein ohne großes Vermögen, die plötzlich gegen eine Übermacht kämpfen musste. Es war ein Kampf von David gegen Goliat, nur dass David dieses Mal keine Steinschleuder hatte. Die amerikanischen Gerichte entschieden zugunsten des reichen etablierten Vaters.
Man argumentierte, er könne den Kindern ein besseres, stabileres Leben bieten, ein Leben im Luxus, das ihre arbeitende Mutter in Deutschland ihnen angeblich nicht geben konnte. Jahre später, als die Wunden vernbt, aber noch immer spürbar waren, nannte Christine Kaufmann diesen Vorgang eine legale Entführung.
Es war ein Begriff, der die ganze Ohnmacht ausdrückte, die sie empfunden haben mus. Sie hatte nicht die Mittel für einen jahrelangen Rechtsstreit über zwei Kontinente hinweg. Sie wurde gezwungen, sich zu fügen, um ihre Kinder nicht noch mehr zu traumatisieren. 10 Jahre. Lassen Sie diese Zahl einen Moment auf sich wirken.
10 Jahre, das ist eine halbe Ewigkeit im Leben eines Kindes. Christine verpasste die Einschulung, die ersten Teenagerlieben, die kleinen und großen Dramen des Erwachsenwerdens. Sie sah ihre Töchter nur selten oft unter den wachsamen Augen von Kindermädchen oder Anwälten. Sie wurde zur Besucherin im Leben ihrer eigenen Kinder eine Tante aus dem fernen Deutschland, die ab und zu Geschenke brachte.
Die Entfremdung war grausam. Tony Curtis tat wenig, um das Bild der Mutter bei den Kindern lebendig zu halten. Christin musste miterleben, wie ihre Töchter in einer Welt aufwuchsen, die ihr fremd war, wie sie ihre Muttersprache verlernten, wie sie amerikanisiert wurden.
Jedes Telefonat war ein Stich ins Herz, jedes Foto, das sie erhielt, eine schmerzhafte Erinnerung an das, was sie verlor. Sie arbeitete wie besessen in dieser Zeit, nahm jede Rolle an, egal wie klein, nur um genug Geld zu verdienen, für die teuren Flüge nach Los Angeles, für die kurzen kostbaren Stunden mit ihren Mädchen.
Sie lächelte für die Kameras, spielte die glückliche Rückkehrerin, doch innerlich verblutete sie. Diese 10 Jahre rissen eine Lücke in ihr Leben, die nie wieder ganz geschlossen werden konnte. Es war der höchste Preis, den eine Mutter für ihre Freiheit zahlen konnte. Und obwohl sie ihre Töchter später, als diese erwachsen waren, wiederfand und eine tiefe Freundschaft zu ihnen aufbaute, blieben die Narben dieser verlorenen Jahre für immer.
Sie waren das unsichtbare Gepäck, das Christine Kaufmann bis zu ihrem letzten Atemzug mit sich trug. Man sagt, Zeit heilt alle Wunden. Doch für Christine Kaufmann war es nicht die Zeit allein, sondern der Mut, sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Mit 40 Jahren stand sie vor den Trümmern ihres amerikanischen Traums.

Sie war zurück in Deutschland, geschieden, ohne festes Einkommen und weit weg von ihren Kindern. Viele wären an diesem Punkt zerbrochen, doch Christine Kaufmann tat etwas Unerwartetes. Sie erfand sich neu. Sie erkannte, dass ihre Schönheit, die ihr einst Fluch und Segen zugleich war, ihr mächtigstes Kapital blieb.
Aber dieses Mal würde sie die Regeln selbst bestimmen. Sie wurde zur Geschäftsfrau, zur Pionierin der Natural Beauty Bewegung, lange bevor es ein Trend war. Mit ihrer eigenen Kosmetiklinie CHK schuf sie sich nicht nur eine finanzielle Unabhängigkeit, sondern auch eine Plattform. Sie verkaufte nicht nur Cremes, sie verkaufte eine Philosophie, die Philosophie der Selbstliebe und der inneren Stärke.
Doch der wahre Akt der Befreiung geschah nicht im Geschäftsleben, sondern auf dem Papier. Christine begann zu schreiben Buch für Buch, Bestzeller für Bestseller. In Werken wie Christine Kaufmann und ich, oder Verführung zur Lebenslust öffnete sie sich auf eine Weise, die entwaffnend ehrlich war.
Sie schrieb nicht mit Groll, sondern mit einer tiefen, reflektierten Weisheit. Sie klagte nicht laut an, sie erzählte einfach ihre Geschichte. In diesen Büchern brach sie ihr Schweigen über die verlorenen Jahre. Sie schrieb über den Schmerz der Mutter, die ihre Kinder nicht aufwachsen sah. Sie schrieb über die Einsamkeit in Hollywood, über den Druck, immer perfekt sein zu müssen.
Es war eine therapeutische Aufarbeitung, eine öffentliche Beichte, die Millionen von Frauen berührte. Sie zeigte sich verletzlich, gab Fehler zu, sprach über ihre Naivität in jungen Jahren und darüber, wie sie lernte, sich selbst zu vergeben. Und das Wunder geschah. Ihre Töchter, inzwischen erwachsene Frauen, begannen zu verstehen.
Sie lasen die Worte ihrer Mutter und sahen hinter die Kulissen des Dramas, dass ihre Kindheit überschattet hatte. Es begann ein langsamer, vorsichtiger Prozess der Annäherung. Christine kämpfte nicht mehr um das Sorgerecht, sie kämpfte um ihre Herzen und sie gewann. Die Beziehung zu Alexandra und Allegra wandelte sich von einer distanzierten Verwandtschaft zu einer tiefen, innigen Frauenfreundschaft.
Sie wurden vertraute, Verbündete. Diese späten Jahre waren vielleicht die erfülltesten in Christine Kaufmanns Leben. Sie war nicht mehr das Opfer der Umstände, sie war die Autorin ihrer eigenen Geschichte. Sie stand wieder im Rampenlicht, aber dieses Mal zu ihren eigenen Bedingungen. Sie sprach in Talkshows nicht über ihren berühmten Ex-Mann, sondern über das Älter werden in Würde, über Gesundheit, über die Kunst, glücklich zu sein trotz allem.
Sie hatte den goldenen Käfig endgültig verlassen und sich ein eigenes Haus gebaut, nicht aus Stein, sondern aus Worten und Taten. Sie zeigte der Welt, dass man auch nach den tiefsten Abstürzen wieder fliegen kann. Vielleicht nicht mehr so hoch wie ein junger Adler, aber mit der ruhigen Kraft eines Phönix, der weiß, wie heiß das Feuer brennt.
Ihre Auferstehung war leise, aber sie war nachhaltig. Sie hatte ihre Stimme wiedergefunden und dieses Mal hörte die Welt ihr nicht nur zu, weil sie schön war, sondern weil sie etwas zu sagen hatte. Wenn wir heute auf das Leben von Christine Kaufmann zurückblicken, bleibt eine Frage, die wie ein Echo nachhalt. War ihre außergewöhnliche Schönheit ein Geschenk des Himmels oder doch ein gut getarnter Fluch? Sie öffnete ihr Türen, die anderen für immer verschlossen blieben.
Sie brachte ihr Ruhm, Reichtum und die Liebe von Millionen. Doch derselbe Schlüssel, der diese Türen öffnete, sperrte sie auch ein. Eingesperrt in die Erwartungen anderer, reduziert auf ein hübsches Gesicht, eine Trophäe, ein Objekt der Begierde. Am Ende ihres Lebens besaß Christine Kaufmann keine großen Reichtümer mehr. Das Geld, das sie als Kind verdiente, war längst ausgegeben.
Die Millionen aus ihrer Hollywoodzeit waren im Sand der kalifornischen Wüste verronnen. Sie lebte bescheiden, arbeitete bis zuletzt, schrie Bücher, trat im Fernsehen auf. Manche nannten es einen sozialen Abstieg, doch vielleicht war es ihr größter Sieg, denn sie war frei. Sie starb, wie sie gelebt hatte, kämpferisch, aber mit einer großen inneren Ruhe, Leukämie.
Die Diagnose kam schnell, der Abschied noch schneller. Sie hatte keine Zeit mehr für lange Abschiedsbriefe, aber ihr ganzes Leben war bereits einziger langer Brief an die Welt gewesen. Ein Brief, der uns lehrt, dass der Glanz des Ruhs oft nur eine optische Täuschung ist. Was bleibt also von der schönsten Großmutter Deutschlands? Es sind nicht die Filme, so bezaubernd sie auch waren.

Es sind nicht die Schlagzeilen, so skandalös sie auch klangen. Es ist die Geschichte einer Frau, die sich weigerte, ein Opfer zu bleiben. Eine Frau, die alles verlor, ihre Kindheit, ihre Ehe, ihre Kinder und doch die Kraft fand, sich wieder und wieder neu zu erfinden. Ihr wahres Vermächtnis liegt nicht auf Zelluloid, sondern in den Herzen ihrer Töchter und Enkelkinder, die an ihrem Sterbebett saßen und ihre Hand hielten.
Es liegt in den Büchern, die vielen Frauen Mut machten, ihren eigenen Weg zu gehen. Christine Kaufmann hat uns gezeigt, dass Schönheit vergänglich ist, aber würde und innere Stärke bleiben. Vielleicht hat sie am Ende doch noch ihren Frieden gefunden. Nicht im grellen Scheinwerferlicht, sondern in der Stille des Verstehens.
Und wenn wir heute Abend an sie denken, dann lassen sie uns nicht das traurige Rosenrestli sehen oder die verlassene Hollywood Diva. Sehen wir die Frau, die sie am Ende war. klug, verletzlich und endlich endlich bei sich selbst angekommen. Ein gefallener Engel, der lernte mit gebrochenen Flügeln zu gehen und dabei mehr Würde ausstrahlte, als sie es im Flug je gekonnt hätte. M.
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