Die Neujahrsnacht 2026 sollte für hunderte junge Menschen im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana der Beginn eines glücklichen neuen Kapitels sein. Doch was als ausgelassene Feier im Kanton Wallis begann, entwickelte sich kurz nach Mitternacht zu einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Schweiz. In der populären Bar „Le Constellation“ brach ein verheerendes Feuer aus, das nach aktuellem Stand mindestens 40 Menschen das Leben kostete und über 115 weitere teils lebensgefährlich verletzte. Die Bilder und Berichte, die aus dem Katastrophengebiet dringen, zeichnen das Bild eines apokalyptischen Szenarios, das eine ganze Nation unter Schockzustand setzt.

Es war etwa 1:30 Uhr morgens, als die ausgelassene Stimmung in pure Todesangst umschlug. Zu diesem Zeitpunkt war die Innenstadt von Crans-Montana eine einzige Partymeile, bevölkert von tausenden jungen Touristen aus aller Welt. In der Bar „Le Constellation“, die besonders bei der Altersgruppe zwischen 16 und 26 Jahren beliebt ist, drängten sich die Gäste, als das Unglück seinen Lauf nahm. Augenzeugenberichte und erste Ermittlungshypothesen deuten auf einen fatalen Fehler hin: Offenbar betraten Bedienungen den Raum mit Champagnerflaschen, an denen brennende Wunderkerzen befestigt waren. Diese sollen der Zimmerdecke zu nahe gekommen sein, woraufhin sich das Feuer mit einer erschreckenden Geschwindigkeit ausbreitete.

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Ein junger Mann, der anonym bleiben möchte, schilderte die dramatischen Sekunden: Er habe gesehen, wie eine „geschmolzene metallische Masse“ von der Decke herabregnete. Die Panik war augenblicklich. Videos in sozialen Netzwerken dokumentieren das Chaos und die Schreie der Menschen, die versuchten, den Flammen zu entkommen. Für viele kam jede Hilfe zu spät, da sich das Feuer und eine anschließende Explosion unbekannter Ursache im Innenraum so schnell entwickelten, dass Fluchtwege kaum noch erreichbar waren. Die Polizei prüft derzeit mehrere Hypothesen, doch die Spur der unsachgemäß verwendeten Pyrotechnik im Innenraum scheint sich zu erhärten.

Die medizinische Versorgung der Opfer gestaltete sich als logistische Herkulesaufgabe. Über Stunden hinweg wurden Verletzte abtransportiert und mit Hubschraubern in Spezialkliniken geflogen. Da die Kapazitäten in der unmittelbaren Umgebung schnell erschöpft waren, mussten viele Schwerstverletzte – etwa 80 Personen befinden sich laut Behörden noch in einem kritischen Zustand – sogar in das benachbarte Ausland verlegt werden. Die meisten Opfer sind kaum dem Jugendalter entwachsen, was die emotionale Belastung für die Rettungskräfte und die Bevölkerung vor Ort zusätzlich verstärkt.

Brandkatastrophe in Crans-Montana: Dutzende Tote – DW – 01.01.2026

Vor Ort in Crans-Montana herrscht eine Atmosphäre der tiefen Betroffenheit und Fassungslosigkeit. Die Korrespondentin Stefanie Dott berichtete von herzzerreißenden Szenen am Unglücksort. Gruppen junger Menschen irrten durch die Straßen, verzweifelt auf der Suche nach ihren Freunden, die sie telefonisch nicht erreichen konnten. Familien warten quälend lange auf Gewissheit, während die Identifizierung der Toten unter Hochdruck andauert. Besonders bewegend war die Begegnung mit Feuerwehrleuten, die nach ihrem Einsatz aus den Ruinen der Bar kamen; oft reichte eine einfache Frage nach ihrem Befinden aus, um erfahrene Retter in Tränen ausbrechen zu lassen. Das Grauen, das sie im Inneren sahen – Menschen, die keine Chance gegen die Flammen hatten – lässt sich kaum in Worte fassen.

Während die Schweiz trauert, verlief die Silvesternacht in Deutschland zwar friedlicher als in den Vorjahren, aber dennoch nicht ohne Zwischenfälle. Am Brandenburger Tor feierten zwar Millionen Menschen sicher ins neue Jahr, doch die Schattenseiten der Knallerei zeigten sich auch hier deutlich. In Berlin wurden 35 Polizisten bei Angriffen verletzt, und das Unfallkrankenhaus meldete zahlreiche schwere Verletzungen durch Pyrotechnik. Besonders tragisch sind die Fälle aus Bielefeld, wo zwei junge Männer im Alter von 18 Jahren durch selbstgebaute Sprengkörper ihr Leben verloren. Ein 14-Jähriger in Berlin verlor drei Finger, ein Schicksal, das laut Medizinern oft erst in einer „zweiten Welle“ auftritt, wenn Kinder am Neujahrstag Blindgänger aufheben.

Inferno in der Schweiz mit rund 40 Toten: Gedenken am Unglücksort –  Bar-Besucher schildert „Chaos“

Die Katastrophe von Crans-Montana führt uns jedoch in einer neuen, grausamen Dimension vor Augen, wie fragil das Leben ist. Was als Moment der Freude gedacht war, endete durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und mutmaßlichen Leichtsinn in einer beispiellosen Tragödie. Die kommenden Tage werden im Zeichen der Identifizierung und der Trauer stehen, während die Behörden versuchen, die Verantwortlichkeiten lückenlos aufzuklären. Es ist eine Mahnung an die Welt, dass Sicherheit und Vorsicht niemals der Show zum Opfer fallen dürfen. Crans-Montana wird diese Nacht nie vergessen – eine Nacht, in der das Licht der Wunderkerzen zur Dunkelheit einer ganzen Region wurde.