Jetzt ist ein bisschen Fahrt. Ich spiel   ja an ein Personenstück und da ist immer   das Problem. Mit wem trinkst Bier? Dann   fahren wir einen kleinen Bus. Ah ja, da   gehen für acht Personen. Den fahre ich   selber und genieße das, dass ich jetzt   schon seit vielen, vielen Jahren fahren   kann, ohne dass eine Kanone hinten dran   hängt.

 

 Er war nicht einfach ein   Moderator, er war ein Ereignis, ein   Versprechen auf einen Abend voller Stil,   Geist und leiser Wärme. Wenn seine   Stimme erklang, legte sich etwas   Beruhigendes über das Wohnzimmer, wie   ein weicher Vorhang, der für eine Stunde   die Welt draußen hielt. Hans Joachim   Kulenkampf, den alle nur Kuli nannten,   war mehr als nur ein Fernsehmensch.

 

 Er   war ein Gefühl, ein fester Bestandteil   der deutschen Wohnzimmerkultur, der über   Jahrzehnte hinweg das Lebensgefühl einer   ganzen Generation prägte und das nicht   durch Lautstärke, nicht durch   Provokation, sondern durch Haltung,   durch Anstand und durch eine   unverwechselbare Mischung aus   Intelligenz, Scharm und Diskretion.

 

  Er war ein Mann, der niemals   aufdringlich war und sich doch tief in   das kollektive Gedächtnis eingebrannt   hat. Sein Lächeln war zurückhaltend,   seine Poanten nie unter der Gürtellinie.   Er war präsent, ohne sich aufzudrängen.   Er war unterhaltsam, ohne je die Würde   seiner Gäste oder seines Publikums Preis   zu geben.

 

 Wenn er im Fernsehen erschien,   bedeutete das für viele: “Jetzt beginnt   der sichere Teil des Abends. Jetzt darf   man loslassen. Jetzt darf man sich einen   Moment lang vorstellen, dass die Welt   doch in Ordnung ist. Denn Kulli war   jemand, der Vertrauen ausstrahlte.   Verlässlichkeit, ein Mann, der sein   Publikum ernst nahm.

 

 und gerade deshalb   so sehr geschätzt wurde. Er hatte diesen   seltenen, fast altmodisch wirkenden   Respekt vor dem Zuschauer. Nie wurde er   laut, nie billig, nie   effektarscherisch. Und genau das machte   ihn so außergewöhnlich, was viele   vergaßen oder vielleicht nie wussten.   Hinter dieser äußeren Ruhe und   Souveränität verbarg sich ein Mensch,   der selbst selten wirklich zur Ruhe kam.

 

  Ein Mann, der ein Leben lang mit   Zweifeln rang, mit innerer Unruhe, mit   einer Schwere, die er nie öffentlich   machte. Er war ein Gentleman alter   Schule und als solcher sprach man nicht   über das, was einen belastete. Man trug   es mit Würde und mit sich allein. Was   also machte Hans Joachim Kulen Kampf so   besonders? Was unterschied ihn von all   den anderen Entertainern, die kamen und   gingen? War es seine Eleganz, die nie   gekünstelt wirkte? War es sein Witz, der   nie verletzte, sondern verband? Oder war   es gerade dieser Widerspruch zwischen   äußerem Glanz und innerem Schweigen, der   ihn so faszinierend machte? Coolen Kampf   war ein Mann der Balance. Er balancierte   zwischen Öffentlichkeit und Rückzug,   zwischen Show und Stille. Und gerade in   dieser Spannung lag seine Größe. Denn   wer genau hinsah, erkannte, dieser Mann,   der so viele zum Lachen brachte, war   selbst oft seltsam leise, nachdenklich,   abwesend. Vielleicht spürte man

 

  unterbewusst, da ist mehr. Da ist ein   Leben, das nicht nur aus Applaus   besteht, ein Leben, das Brüche kennt,   Verletzungen und einen tiefen Willen,   diese nie zur Schau zu stellen. In einer   Zeit, in der vieles grell und laut war,   war Coolen Kampf das Gegenteil. Leise,   kontrolliert, würdevoll und vielleicht   gerade deshalb so   unvergesslich.

 

 Wenn du also glaubst,   Kuli gekannt zu haben, dann bleib dran,   denn hinter der Bühne, jenseits der   Kameras, spielte sich ein anderes Stück   ab. ein leiseres, ein ernsteres und doch   eines, das mehr über ihn erzählt, als   jeder Applaus es je könnte.   Geboren wurde Hans Joachim Kulenkampf im   Jahr 1921 in Bremen.

 

 Eine Stadt, die   damals schon im Wandel war, zwischen   hansiatischer Tradition und den dunklen   Vorzeichen einer politischen   Zeitenwende. Deutschland stand unter   Spannung, die Weimarer Republik wankte   und ein junger Kohlenkampf wuchs in   einer Welt auf, in der die Zukunft alles   andere als gewiss war.   Schon früh zeigte sich, daß er nicht   einfach in die Welt hineinzupassen   schien wie andere.

 

 Er war klug,   sensibel, feinsinnig und doch nie laut   mit seinen Talenten. Er beobachtete   lieber als im Mittelpunkt zu stehen und   vielleicht war genau das die Grundlage   für das, was ihn später ausmachen   sollte. Ein Gespür für Stimmungen, ein   feines Gehör für Zwischentöne, ein   Taktgefühl, das sich nicht lernen lässt.

 

  Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs   änderte sich alles. Coolen Kampf. gerade   einmal 18 Jahre alt, wurde Soldat, wie   so viele seiner Generation. Die   Schrecken des Krieges, das Chaos, das   Leid, die Ungewissheit, all das prägte   ihn, auch wenn er später kaum je darüber   sprach.

 Er geriet in amerikanische   Kriegsgefangenschaft und was genau er in   dieser Zeit erlebte, blieb im   Verborgenen. War es Schweigen aus   Selbstschutz oder aus dem Wunsch heraus,   das neue Leben nicht mit dem Alten zu   beschweren, was man weiß, er kehrte   verändert zurück. Er wollte neu anfangen   mit Haltung, mit Würde und mit einem   Blick, der stets ein wenig müde, ein   wenig melancholisch blieb.

 

 Nach dem   Krieg war Deutschland ein Trümmerfeld.   im wörtlichen wie im seelischen Sinne.   Doch inmitten der Ruinen formierte sich   eine neue Kulturlandschaft. Coolen Kampf   fand seinen Weg zunächst auf die   Theaterbühne. Dort lernte er das   Handwerk, das er später im Fernsehen so   meisterlich beherrschen sollte.

 

 Präsenz,   Timing, Stimme, Ausdruck. Doch Theater   war nur der Anfang. Bald entdeckte man   ihn für ein Medium, das noch in den   Kinderschuhen steckte, das Fernsehen.   Deutschland brauchte Gesichter, denen   man vertrauen konnte. Stimmen, die nicht   schrien, sondern erklärten. Menschen,   die Verlässlichkeit ausstrahlten in   einer unsicheren Zeit.

 

 Und Kuli war   genau das.   1957 bekam er seine eigene Sendung.   Einer wird gewinnen. Kurz EWG. Ein Quiz,   ja, aber auch ein Fenster in eine andere   europäische Welt. Teilnehmer aus   verschiedenen Ländern, Fragen mit   Anspruch, Unterhaltung mit Niveau. In   einer Zeit, in der die Wunden des   Krieges noch nicht verheilt waren, war   EWG auch ein politisches Signal, ein   Bekenntnis zur Bildung, zur   Verständigung, zur gemeinsamen Zukunft.

 

  Coolen Kampf führte durch diese Sendung   mit einer Leichtigkeit, die täuschte.   Denn was spielerisch wirkte, war in   Wahrheit minut vorbereitet. Er schrieb   viele seiner Texte selbst.   feilte an Übergängen, übte   Formulierungen. Er wollte kein Moderator   sein, der einfach durchs Programm führt.   Er wollte Gastgeber sein und Gastgeber   auf hohem Niveau.

 

 Er stellte nie sich   selbst in den Mittelpunkt, sondern seine   Gäste. Nie spöttisch, nie bloßstellend.   Wer bei coolen Kampf verlor, verlor mit   Würde. Und wer gewann, gewann nicht nur   ein Spiel, sondern auch Respekt. Mit der   Zeit wurde Kooli zur Institution.   Ein Mann, dem man vertraute, weil er nie   enttäuschte, weil er nicht ausrastete,   nicht polterte, nicht   inszenierte.

 

 Er blieb sich treu, auch   dann, als sich die Welt um ihn   veränderte. Die 1980er brachten einen   anderen Ton ins Fernsehen. Bunter,   lauter, schriller. Coolen Kampf, der   immer auf Haltung gesetzt hatte, wirkte   plötzlich wie ein Relikt aus einer   anderen Zeit. Und doch gab es viele, die   sich ins Geheim genau nach diesem Stil   zurücksehnten, nach einem Moderator, der   nicht mit dem Publikum kokettierte,   sondern es ernst nahm, nach Sendungen,   die nicht auf Quotenjagd gingen, sondern   auf inhaltliche Tiefe setzten.

 

 Kuli   versuchte sich anzupassen.   Professionell, diszipliniert, aber nicht   ohne inneren Widerstand. Denn er spürte,   dass die Zeit der leisen Töne vorbei   war, dass ein anderer Typ gefragt war   und dieser Typ war er nicht. Der Mann,   der so viele Jahre das Licht in die   Wohnzimmer gebracht hatte, wurde   stiller.

 

 Nicht aus Kränkung, sondern aus   Einsicht.   Er wußte, wann es Zeit war,   zurückzutreten, ohne großes Drama, ohne   öffentliche Klagen.   1997, dann die Diagnose: Krebs.   Coolenkampf zog sich sofort aus der   Öffentlichkeit zurück. Keine   Abschiedssendung, kein mediales   Rührstück, nur Stille, wie ein leiser   Vorhang der Feld. Er starb am 14.

 August   1998 im Alter von7 Jahren. Die Nachricht   verbreitete sich schnell. Und doch kam   sie vielen vor wie ein Schock, denn man   hatte fast vergessen, wie sehr man ihn   vermisst, bis er endgültig verschwunden   war.   So, meine Damen und Herren, das war’s.   Ich habe nur noch einen großen Dank   auszusprechen, zunächst einmal an ein   Publikum, das 34Hb Jahre sich von mir   diese Hallenspiele hat gefallen lassen.

 

  Dafür herzlichen Dank und dann all den   vielen Männ, die 34 Jahre lang am   Regiepult bei der Requisite in der   Redaktion überall für unsere Sendung   gearbeitet haben. Ob jetzt Annel Lise   Rotenberg oder die Halstein, Hermann   Brei, Alexander Udo   Jürgens, Rudolf   Schock, Domingo, alle so nett und haben   gesagt, jawohl, auf die Platte gut bei G   kommen wir mit drauf.

 

  Wiedersehen. Danke   [Applaus]   schön.   Danke. Länger genug. Ihr klatzt ja nur   noch für die Kamera.   [Musik]   [Applaus]