George Michael war mehr als nur ein Popstar; er war ein Phänomen, dessen Stimme die Welt verzauberte. Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern und einer Karriere, die vom Teenie-Idol bei Wham! bis zum ernstzunehmenden Solokünstler reichte, schien er alles erreicht zu haben. Doch die Geschichte von Georgios Kyriakos Panayiotou, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, ist eine Geschichte voller unerträglicher Widersprüche. Während er in Stadien weltweit gefeiert wurde, kämpfte er abseits der Bühne gegen Dämonen, die ihn schließlich im Alter von nur 53 Jahren das Leben kosteten. Sein Tod am ersten Weihnachtstag 2016 markierte das Ende eines Lebens, das von strahlendem Erfolg, aber auch von tiefer Einsamkeit und unterdrückter Identität geprägt war.

Geboren 1963 im Norden Londons als Sohn eines griechisch-zypriotischen Einwanderers und einer englischen Tänzerin, wuchs George in einem Spannungsfeld zwischen traditionellen Werten und dem Drang nach kreativer Freiheit auf. Sein Vater legte Wert auf Disziplin und Erfolg, was oft auf Kosten emotionaler Nähe ging. Seine Mutter hingegen war sein emotionaler Anker. Diese frühe Suche nach Anerkennung trieb ihn in die Arme der Musik. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley gründete er Wham!. Die Band war ein perfekt kalkuliertes Produkt: enge Jeans, blondiertes Haar und unbeschwerter Pop. Doch schon damals lebte George eine Lüge. Er wusste, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte, doch die Industrie und die Sorge um seine Familie zwangen ihn, das Image des heterosexuellen Herzensbrechers aufrechtzuerhalten.

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Der Erfolg von Wham! war gigantisch, doch George wollte mehr. Er wollte als ernsthafter Künstler wahrgenommen werden. Sein Solo-Debütalbum „Faith“ katapultierte ihn in den Olymp der Superstars. Hits wie „Father Figure“ und „One More Try“ zeigten eine neue, verletzliche Seite. Doch der Preis für diesen Ruhm war hoch. George lebte weiterhin im Verborgenen, insbesondere während der Aidskrise der 1990er Jahre, in der Homosexualität oft stigmatisiert wurde. Als er 1991 endlich die große Liebe in dem Brasilianer Anselmo Feleppa fand, schlug das Schicksal grausam zu. Nur wenige Monate später erhielt Feleppa die Diagnose HIV. George verbrachte Jahre in ständiger Angst um seinen Partner, während er nach außen hin den strahlenden Weltstar mimen musste. Der Tod von Feleppa im Jahr 1993 stürzte ihn in eine tiefe Depression, die durch den Krebstod seiner geliebten Mutter im Jahr 1997 noch verstärkt wurde.

Die späten 1990er Jahre markierten einen Wendepunkt, der sein öffentliches Image für immer verändern sollte. Die Verhaftung in einer öffentlichen Toilette in Beverly Hills im Jahr 1998 wegen „unsittlichen Verhaltens“ war eine öffentliche Demütigung sondergleichen. George Michael wurde von den Boulevardmedien verspottet und unfreiwillig geoutet. Doch anstatt sich zu entschuldigen, reagierte er mit Trotz und der Single „Outside“, in der er die gesellschaftliche Heuchelei anprangerte. Dennoch hinterließ dieser Vorfall tiefe Wunden. In den Folgejahren zog er sich zunehmend zurück. Sein Kampf gegen Depressionen und seine wachsende Abhängigkeit von Substanzen wie Cannabis wurden immer offensichtlicher. Mehrere Autounfälle unter Drogeneinfluss und gesundheitliche Krisen, wie eine lebensbedrohliche Lungenentzündung im Jahr 2011, zeugten von seinem körperlichen und seelischen Verfall.

George Michael: A Look Back at His Pop Culture Milestones

Was die Welt während all dieser Jahre nicht wusste, war das Ausmaß seiner privaten Großzügigkeit. George Michael unterstützte im Stillen unzählige Menschen und Organisationen. Er finanzierte medizinische Behandlungen für Fremde, spendete anonym Millionen an Kinderhilfswerke und hinterließ Kellnern oft Trinkgelder in vierstelliger Höhe. Er tat dies ohne das Bedürfnis nach Anerkennung, vielleicht um die Leere und die Schuldgefühle zu füllen, die ihn plagten. Diese Dualität – der öffentliche Zusammenbruch und die private Mitmenschlichkeit – machte ihn zu einem der komplexesten Charaktere der Popgeschichte.

Am Morgen des 25. Dezembers 2016 wurde George Michael tot in seinem Haus in Goring-on-Thames aufgefunden. Die offizielle Todesursache war Herzversagen infolge einer Kardiomyopathie und einer Fettleber. Sein Körper hatte dem jahrzehntelangen Druck aus Stress, Abhängigkeit und emotionalem Trauma schließlich nachgegeben. Erst nach seinem Tod begann die Welt, den Menschen hinter der Musik wirklich zu verstehen. Die Enthüllungen über seine Philanthropie und die Tiefe seiner musikalischen Reflexionen führten zu einer Neubewertung seines Erbes. George Michael war nicht nur ein Pop-Phänomen; er war ein mutiger Mann, der es wagte, in einer unversöhnlichen Welt seine eigene Wahrheit zu suchen, auch wenn ihn das am Ende alles kostete. Sein Leben war erfüllt von Brillanz und unerträglichen Widersprüchen, doch am Ende blieb vor allem seine Menschlichkeit.

Streit um George Michaels Gedenkstätte