In der luxuriösen Kulisse von Mar-a-Lago hat sich am vergangenen Wochenende eine Szene abgespielt, die das Ende einer Ära und den Beginn einer völlig neuen geopolitischen Ordnung markieren könnte. Das lang erwartete Treffen zwischen dem designierten US-Präsidenten Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj war mehr als nur eine diplomatische Formsache – es war ein Schicksalsgipfel, der die Weichen für einen möglichen Frieden in Osteuropa gestellt hat. Während die Welt gebannt zusieht, sickern Details durch, die sowohl Hoffnung als auch bittere Realität vermitteln.

Donald Trump, bekannt für seine unkonventionelle Diplomatie, gab sich nach dem Treffen ungewohnt euphorisch. Er sprach von einem „fantastischen Treffen“ und deutete an, dass man sich zu 95 Prozent einig sei. Das Ziel: Den Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Doch hinter diesen glänzenden Zahlen verbirgt sich ein Geflecht aus harten Verhandlungen, strategischem Druck und der unbequemen Wahrheit über territoriale Zugeständnisse.

A YouTube thumbnail with maxres quality

Der massive Druck der USA und die Rolle der Europäer

Es ist kein Geheimnis, dass Donald Trump eine klare Linie fährt: Ohne die massive Unterstützung der USA wäre die Ukraine in ihrer jetzigen Form kaum verteidigungsfähig. Diese Machtposition nutzt Trump konsequent aus. Berichten zufolge wurde auf Selenskyj erheblicher Druck ausgeübt, sich auf Verhandlungen einzulassen, die weit über das hinausgehen, was Kiew bisher öffentlich als akzeptabel deklariert hatte. Selenskyj wiederum suchte im Vorfeld und während des Gipfels verstärkt Rücksprache mit europäischen Staatschefs aus Frankreich, England und Deutschland.

Die Sorge in Europa wächst, denn Trump macht keinen Hehl daraus, dass er die finanzielle Last des Krieges umverteilen will. Während Deutschland bereits weitere Milliardenhilfen in Aussicht gestellt hat, mehren sich die Stimmen, die vor einer „ewigen Schuldenfalle“ warnen. Die Realität ist ernüchternd: Von den bereitgestellten Milliardenkrediten wird unter realistischen Szenarien wohl kaum ein Cent zurückgezahlt werden. Deutschland und die EU könnten am Ende die „Zeche zahlen“, während die USA den diplomatischen Takt vorgeben.

Nach Putin-Treffen – Trump sprach mit Selenskyj und europäischen  Staatschefs | Heute.at

Die ungelöste Donbass-Frage und das Schweigen der Waffen

Trotz der proklamierten 95-prozentigen Einigung bleibt der schwierigste Teil der Gleichung ungelöst: Der Status des Donbass. Der Kreml hat unmissverständlich klargemacht, dass die vollständige Abtretung dieser Region eine Grundvoraussetzung für jegliche Verhandlungen ist. Selenskyj steht hier vor einem Dilemma. Er spricht von einem notwendigen Referendum und betont, dass der Wille des ukrainischen Volkes – auch der im Ausland lebenden Flüchtlinge – respektiert werden muss. Eine Freihandelszone im Donbass steht als Diskussionspunkt im Raum, doch eine endgültige Entscheidung wurde vertagt.

Ein weiterer Wermutstropfen für alle Hoffnungen auf ein sofortiges Ende des Leids: Es gibt bisher keinen Waffenstillstand. Putin scheint nicht bereit, seine militärische Position aufzugeben, bevor die politischen Rahmenbedingungen zu seinem Vorteil geklärt sind. Trump erklärte dazu, er verstehe Putins Position, da dieser nicht aus einer Schwäche heraus verhandeln wolle. Diese diplomatische Annäherung Trumps an den Kreml wird von Kritikern, insbesondere in der deutschen Presse, scharf beäugt, ist aber Teil seines Kalküls, als „Dealmaker“ in die Geschichte einzugehen.

Ein hochkarätiges Team für den Frieden

Dass Trump es ernst meint, zeigt die Besetzung seiner Arbeitsgruppe. Mit Namen wie dem Chefunterhändler Steve Witkoff, seinem Schwiegersohn Jared Kushner sowie den künftigen Ministern Marco Rubio und Pete Hegseth hat er ein Team zusammengestellt, das sowohl Loyalität als auch Durchsetzungskraft verspricht. Diese Gruppe soll in den kommenden Wochen intensiv mit der russischen Seite kommunizieren, um die verbleibenden fünf Prozent der Unstimmigkeiten auszuräumen.

Trump spart auch nicht mit Kritik an seinem Vorgänger Joe Biden. Er vertritt die feste Überzeugung, dass es diesen Krieg nie gegeben hätte, wäre ihm der Wahlsieg 2020 nicht „gestohlen“ worden. Seine gute Beziehung zu Putin sieht er als Schlüssel zur Lösung. Ob dies historische Weitsicht oder gefährliche Selbstüberschätzung ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Immer mehr Zwischenfälle – Selenskyj warnt vor Putin-Drohnen "überall" in  Europa | Heute.at

Was bedeutet das für uns?

Für Deutschland und Europa ist die Situation hochgradig ambivalent. Ein Ende des Krieges wäre ein Segen für die Stabilität und die Menschen vor Ort. Doch die Bedingungen, unter denen dieser Frieden zustande kommen könnte, werfen Schatten voraus. Sicherheitsgarantien sind im Gespräch, doch die Sorge bleibt, ob am Ende europäische Soldaten zur Absicherung einer Pufferzone in die Ukraine entsandt werden müssen – ein Szenario, das viele Bürger hierzulande zutiefst beunruhigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Gipfel in Mar-a-Lago war ein Meilenstein. Wir erleben den Übergang von der militärischen Konfrontation zur harten diplomatischen Realpolitik. Es wird schmerzhafte Kompromisse geben müssen, und die Ukraine wird vermutlich nicht mehr dieselbe sein wie vor dem Februar 2022. Aber das Ziel, das Sterben zu beenden, scheint unter Trump in greifbare Nähe gerückt zu sein – wenn auch zu einem Preis, den vor allem Europa und die Ukraine bezahlen werden. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die restlichen fünf Prozent zur Einigung führen oder ob die „dicken Steine“, von denen Trump warnend sprach, den Weg zum Frieden doch noch blockieren.