Es ist der 16. November 1960.   In Los Angeles ist es eine ungewöhnlich   kühle Nacht. Im vierten Stock des   Hollywood Prbyterian Hospital herrscht   jene besondere Art von Stille, die man   nur an Orten findet, an denen Leben und   Tod sich die Hand geben. Das   gleichmäßige Piepen der Monitore ist das   einzige Geräusch, dass die Dunkelheit   durchschneidet.

 

 Draußen vor den Toren   der Klinik warten die Reporter. Die   Scheinwerfer der Kameras sind auf die   Fenster gerichtet, wie Raubtiere, die   auf Beute lauern. Sie warten auf eine   Nachricht, ein Wort, ein Zeichen.   Aber hier drin, in diesem sterilen, weiß   getünschten Zimmer ist der Mann, den die   Welt da draußen als den König von   Hollywood verehrt, vollkommen allein.

 

  Clark Gable, der Mann mit dem   berühmtesten Lächeln der Filmgeschichte,   liegt regungslos in den Kissen. Sein   Gesicht, einst das Symbol für   unverwüstliche Männlichkeit, ist grau   und gezeichnet nicht vom Alter allein,   sondern von einer tiefen, bleiernden   Erschöpfung, die bis in seine Seele   reicht.   Herzlich willkommen, meine Damen und   Herren, auf der verborgenen Bühne.

 

 Ich   freue mich, dass Sie heute Abend bei uns   sind. Unser Kanal hat es sich zur   Aufgabe gemacht, hinter die glitzernden   Fassaden zu blicken. Wir erzählen die   Geschichten, die im Rampenlicht   verborgen bleiben, Geschichten von Ruhm,   von Schmerz und von der nackten   Wahrheit.   Heute Abend öffnen wir die letzte Akte   einer Legende, eines Mannes, der für   eine ganze Generation, auch für viele   von ihnen in Deutschland, der Inbegriff   des amerikanischen Traums war.

 Doch was   wir fanden, als wir die Schichten des   Roms abtrugen, war kein strahlender   Held. Es war ein Mensch voller Reue, ein   Mann, der am Ende seines Weges nicht auf   seine Erfolge blickte, sondern in den   Abgrund seiner eigenen Versäumnisse.   Drei Tage zuvor, kurz bevor das Licht in   seinen Augen begann, schwächer zu   werden, geschah etwas, etwas, das nicht   in den offiziellen Biografien steht.

 

 In   diesen letzten Stunden der Klarheit zog   Clark Gable Bilanz. Keine öffentliche   Erklärung vor Mikrofon, kein letztes   Interview für die Zeitungen. Es war ein   stilles, aber brutales Gericht über sich   selbst.   Er erinnerte sich an drei Namen, drei   Menschen, drei Mächte. Die Schatten   dieser drei Namen waren länger als jeder   rote Teppich, über den er je geschritten   war.

 

 Sie hatten ihn verfolgt von den   ölverschmierten Feldern seiner Jugend   bis in die goldenen Käfige von   Hollywood.   Man sagt oft, dass man im Angesicht des   Todes seinen Frieden machen soll, dass   man vergeben muss, um frei zu sein. Aber   Clar Gable wählte einen anderen Weg. Er   nahm seine Wut, seinen Schmerz und seine   Enttäuschung mit auf seine letzte Reise.

 

  Er konnte nicht vergeben, nicht diesen   drei.   Wer waren diese drei Geister? Warum wog   ihre Last schwerer als der Oscar, den er   einst gewann? Und welches dunkle   Geheimnis verbirgt sich hinter dem   Namen, den er sich selbst in diesen   Nächten nicht zu flüstern traute?   Begleiten Sie uns nun Schritt für   Schritt in die Dunkelheit.

 

 Lassen Sie   uns gemeinsam herausfinden, warum der   Red Butler des wirklichen Lebens ein   Ende fand. Das tragischere war als jedes   Drehbuch, das er je gespielt hat.   Wenn wir die Augen schließen und an Clar   Gable denken, welches Bild erscheint   dann vor unserem inneren Auge?   Wahrscheinlich sehen wir Red Butler, wie   er am Ende der Treppe in vom Winde   verweht steht.

 

 Wir sehen dieses   spöttische, selbstbewusste Grinsen, den   perfekt gestutzten Schnurbart, die   hochgezogene Augenbraue. Wir hören seine   Stimme tief und resonant. Eine Stimme,   die keinen Widerspruch duldete.   Für das deutsche Publikum, besonders in   den schweren Jahren des Wiederaufbaus   nach dem Krieg, war diese Figur mehr als   nur Unterhaltung.

 

 Clar Gable verkörperte   eine Welt, in der Männer noch Männer   waren. Er war stark, er war   unerschütterlich, er war der Fels in der   Brandung. Frauen träumten davon, von ihm   gehalten zu werden. Männer träumten   davon, so zu sein wie er. Er war der   König und Hollywood war sein Königreich.   Auf der Leinwand war er der   unumschränkte Herrscher seines   Schicksals. Er nahm sich, was er wollte.

 

  Er war frei, wild, ungezähmt. Doch das   war die große Illusion, der größte   Trick, den Hollywood je vollbracht hat.   Denn sobald die Kameras ausgingen und   die Scheinwerfer erloschen, endete diese   Freiheit so abrupt wie ein Fallbeil.   Die Wahrheit, meine lieben Zuschauer,   war weit weniger glamurös.

 

 In der   Realität war Clark Gabel kein König. Er   war ein Leibeigner, ein Stück Eigentum,   ein wertvolles Rennpferd im goldenen   Stall von Metro Goldwin Meer. Das Studio   kontrollierte jeden Atemzug seines   Lebens. Sie bestimmten nicht nur, welche   Filme er drehte, sie bestimmten, was er   aß, um sein Gewicht zu halten.

 

 Sie   bestimmten, wen er in der Öffentlichkeit   treffen durfte. Sie ließen sogar seine   Zähne und seine Ohren korrigieren. Um   ihn perfekt zu machen, er war ein   Produkt, geformt und poliert, um Geld zu   drucken.   Louis B. Meyer, der allmächtige   Studioboss, der Mann, den man   ehrfürchtig oder ängstlich nur LB   nannte, hatte diesen Clark Gable   erschaffen und er ließ seinen Schützling   niemals vergessen, wem er diesen Ruh   verdankte.

 

 Aber Rum hat einen grausamen   Preis, einen Preis, den Clark Gabel   Schweigen zahlte, jeden einzelnen Tag   hinter den verschlossenen Türen seiner   Villa.   Und genau an diesem Punkt müssen wir   einen Moment innehalten. Wir müssen den   Vorhang zur Seite ziehen, denn die   Geschichte, die man uns jahrzehntelang   erzählt hat, ist eine Lüge durch   Auslassung.

 

 Während die Welt ihm   zujubelte, während er auf Partys lachte   und Champagner trank, trug Clark Gable   eine Maske aus Eisen. Er trug sie, um   ein Geheimnis zu schützen, dass sein   Herz langsam, aber sicher zerfraß.   Stellen Sie sich vor, Sie sind der   berühmteste Mann der Welt. Sie haben   alles, was man für Geld kaufen kann,   aber nur wenige Kilometer von ihrer   einsamen Festung entfernt.

 

 Mitten im   Trubel von Los Angeles lebt ein kleines   Mädchen, ein Kind mit ihren großen,   warmen Augen, ein Kind mit ihren   unverwechselbaren, abstehenden Ohren.   Dieses Kind sitzt im Kino, sieht sie auf   der riesigen Leinwand und spürt eine   Verbindung, die es nicht erklären kann.   Ein unsichtbares Band, das vibriert,   wenn es ihre Stimme hört.

 

  Und Sie, der große Clark Gabel, sie   wissen ganz genau, dass dieses kleine   Mädchen ihr eigenes Fleisch und Blut   ist, aber sie dürfen es nicht sagen. Sie   dürfen nicht zu ihr fahren. Sie dürfen   sie nicht in den Arm nehmen und ihr Gute   Nachtgeschichten vorlesen. Sie müssen so   tun, als wären sie fremde.

 

 Sie müssen an   ihr vorbeigehen, als würde sie nicht   existieren.   Das war das dunkle giftige Geheimnis,   das Clark Gabel fast in den Wahnsinn   trieb. Ein Vater, der dazu gezwungen   wurde, seine eigene Tochter zu   verleugnen, nur um seinen Thron nicht zu   verlieren. Aber warum? Warum hat ein   Mann, der auf der Leinwand vor nichts   und niemandem Angst hatte, sich diesem   unmenschlichen Druck gebeugt?   Die Antwort liegt nicht nur in den Büros   des Studios, sie führt uns viel weiter   zurück in die Vergangenheit zu den   staubigen Ölfeldern von Ohio und zu dem   ersten Namen auf seiner Liste der   Unverzeihlichen, zu einem Mann, der   Clark Gable gebrochen hatte, lange bevor   Hollywood ihn wieder zusammensetzte.   Der erste Name, den Clark Gabel in jenen   letzten drei Tagen flüsterte, war nicht   der Name eines Rivalen. Es war auch   nicht der Name eines Kritikers. Es war   ein Name, der viel tiefer in sein   Fleisch geschnitten hatte. William

 

  Gabel, sein eigener Vater.   Um den Mann zu verstehen, der später der   König von Hollywood wurde, müssen wir   den Glanz der Studios verlassen und   zurückgehen. Zurück in den Schmutz, den   Lärm und den Gestank der Ölfelder von   Ohio und Oklahoma. Dort herrschte   William Gabel. Ein Mann, hart wie der   Stahl der Bohrtürme.

 

 Ein Mann, der   Gefühle für eine Krankheit hielt und   Zärtlichkeit für eine Sünde.   Als Karag noch ein kleiner Junge war,   ein verträumtes Kind mit zu großen Ohren   und einer Liebe für schöne Kleidung,   suchte er in den Augen seines Vaters   nach einem Funken Anerkennung. Aber er   fand dort nur Kälte, er fand dort   Verachtung.

 

 William sah seinen Sohn an   und sah keinen Erben. Er sah einen   Weichling. Er nannte ihn einen Sissi.   Ein Wort, das wie ein Peitschenhieb traf   und eine Narbe hinterließ, die niemals   verheilte.   Der Vater verabscheute die künstlerische   Ader des Jungen. Er wollte ihn brechen.   Er wollte diese Flausen aus ihm   herausprügeln.

 

 Sei es mit Worten oder   mit Taten. Er wollte ihn hart machen,   unnahbar, so wie er selbst war. Und in   gewisser Weise hatte er Erfolg, aber zu   einem furchtbaren Preis.   Stellen Sie sich diesen inneren Kampf   vor. Der Mann, der später der Inbegriff   von Männlichkeit werden sollte, wuchs   mit dem tiefen Glauben auf, nicht Manns   genug zu sein.

 

 Jedes Mal, wenn Clark   Gable später auf der Leinwand den   starken Helden spielte, den zynischen   Abenteurer oder den furchtlosen Cowboy.   Dann spielte er nicht nur eine Rolle, er   führte einen Krieg, einen Krieg gegen   die Stimme seines Vaters in seinem Kopf.   Er wollte der Welt und vor allem diesem   einen Mann beweisen, daß er kein   Versager war.

 

  Er arbeitete als junger Mann auf den   ölverschmierten Feldern. Er schuftete   zwölf Stunden am Tag im Schlamm, bis   seine Hände bluteten und sein Rücken   schrie, nur um ein einziges   anerkennendes Nicken von William zu   bekommen. Aber dieses Nicken kam nie.   Für William Gable war die Schauspielerei   der Traum seines Sohnes, nichts als   unmännlicher Unfug, eine Schande für den   Familiennamen.

 

  Klag hat der Welt vieles verziehen. Er   hat Kritikern verziehen, die ihn für   talentfrei hielten. Er hat Kollegen   verziehen, die ihn beneideten. Aber   seinem Vater konnte er nie verzeihen,   nicht für die Härte der Arbeit, sondern   für die Kälte des Herzens, dafür, dass   er ihn zwang, sein wahres verletzliches   Ich hinter einer Rüstung aus Arroganz zu   verstecken.

 

  Er wurde zum König von Hollywood.   Millionen Menschen liebten ihn, aber   tief im Inneren blieb er immer der   kleine einsame Junge, der vergeblich an   der Tür seines Vaters klopfte und darauf   wartete, dass er ihn in den Arm nimmt   und sagt: “Ich bin stolz auf dich, Sohn.   Und genau diese Tiefe offene Wunde   machte ihn zur perfekten Beute für den   zweiten Namen auf seiner Liste.

 

 Einen   Mann, der diese Vaterfigur ersetzte, der   ihm den Ruhm gab, den er so sehr   begehrte, aber dafür einen noch viel   grausamen Preis verlangte, einen Pakt   mit dem Teufel persönlich.   Der zweite Name auf der Liste der   Unverzeichen ist ein Name, der in   Hollywood gleichermaßen Ehrfurcht und   Terror auslöste. Leis B.

 

 Meyer, der   allmächtige Kopf von Metro Goldwin Meer.   Er war der Mann, der klar Gabel die Welt   zu Füßen legte, aber er war auch der   Mann, der ihm im Gegenzug seine Seele   abkaufte.   Wenn William Gabel der Vater war, der   ihn ablehnte, dann war Luis B. Meyer der   Vater, der ihn verschlang. Meer wusste   genau, welche Knöpfe er drücken musste.

 

  Ergab dem unsicheren Schauspieler das   Gefühl, gebraucht zu werden. Er machte   ihn zum König, aber Könige in Hollywood   regieren nicht. Sie gehorchen.   Im Jahr 193535   geschah das Unfassbare. Ein Ereignis,   dass das sorgsam polierte Image des   Studios in 1000 Stücke hätte sprengen   können.

 

 Während der Dreharbeiten in der   verschneiten Wildnis zu dem Film   Goldfieber verliebte sich Clark in seine   Schauspielkollegin Loretta Young. Es war   eine leidenschaftliche, verbotene Affäre   und sie hatte Folgen. Aus dieser Liebe   entstand ein Kind, ein kleines Mädchen.   In der heutigen Zeit wäre das eine   Schlagzeile für eine Woche, aber im   puritanischen Amerika der 1930er Jahre   war ein uneheliches Kind kein Grund zur   Freude.

 

 Es war ein Todesurteil, ein   Skandal, der Millionen von Dollar   vernichtet und zwei Karrieren für immer   beendet hätte. Leis B. Meer griff ein,   kalt, effizient und absolut gnadenlos.   Das Studio inszenierte ein Theaterstück   der Lüge, das komplexer war als jeder   Film. Loretta musste für Monate   verschwinden, angeblich wegen einer   Krankheit.

 

 Das Kind wurde heimlich   geboren. Es wurde in verschiedene   Weisenheime gebracht, wie ein   unliebsames Gepäckstück. Und dann in   einer bizarren Wendung adoptierte   Loretta Yang offiziell ihr eigenes   leibliches Kind.   Unklag, der starke Held, der Mann, der   auf der Leinwand jeden Sturm bezwang und   jede Frau rettete, tat nichts.

 

 Er   schwieg. Er unterschriebere. Er ließ es   zu, dass sein eigenes Fleisch und Blut   als Weisenkind abgestempelt wurde. Er   entschied sich für den Ruhm und gegen   sein Kind. Das war der Pakt mit dem   Teufel.   Es gab einen Moment in dieser Tragödie,   der uns das Herz brechen sollte. Jahre   später, als das Mädchen namens Judy   bereits 15 Jahre alt war, kam Clark   Gable zu Besuch in ihr Haus.

 

 Er saß ihr   im stillen Wohnzimmer gegenüber, ein   fremder Mann in einem teuren Anzug.   Er sah sie an. Er sah in ihre großen   blauen Augen seine Augen. Er sah die   Ohren, über die sich die ganze Welt   lustig machte. Seine Ohren. Es war   unverkennbar. Sie war seine Tochter. Er   fragte sie nach der Schule. Er fragte   sie nach ihrem ersten Freund.

 

 Seine   Stimme war sanft, fast brüchig. Er   wollte aufspringen, er wollte sie   halten, er wollte schreien. “Ich bin es.   Ich bin dein Vater und es tut mir so   leid.”   Aber der unsichtbare Vertrag mit dem   Studio hielt seinen Mund verschlossen   wie ein stälernes Vorhängeschloss. Die   Angst, alles zu verlieren, war größer   als die Liebe.

 

 Zum Abschied küsste er   sie sanft auf die Stirn. Es war ein Kuss   voller Reue und Abschied. Dann ging er   hinaus in die Nacht, zurück in seinen   goldenen Käfig.   In seinen letzten drei Tagen erinnerte   sich Clark immer wieder an diesen   Moment. Er hat Leis B. Meer nie   verziehen, dass er ihn zu einem   Komplizen dieser monströsen Lüge gemacht   hat.

 

 Aber noch weniger konnte er dem   dritten und letzten Namen auf seiner   Liste verzeihen, einem Namen, der ihn   mehr schmerzte als jeder andere.   Aber die Liste ist noch nicht zu Ende.   Es gibt noch einen dritten Namen. Der   letzte, der Dunkelste und der schwerste   von allen. Der Name, den er am Ende in   der Stille des Krankenzimmers flüsterte,   war nicht der eines anderen.

 

 Es war sein   eigener Clark Gable.   Warum? Fragen Sie sich vielleicht, warum   sollte der Mann, den die Welt liebte,   sich selbst am meisten hassen? Die   Antwort ist eine Wunde, die nie   verheilte und diese Antwort trägt einen   Namen. Carole Lombard.   Sie war nicht nur seine Ehefrau, sie war   sein Atem, sein Anker, die einzige Frau,   die den unsicheren Jungen hinter der   Maske des Königs wirklich kannte und   bedingungslos liebte.

 

 Sie war die Liebe   seines Lebens und er verlor sie auf die   grausamste Art und Weise.   Im Januar 1942 stieg Carol in ein   Flugzeug, um Kriegsanleihen zu   verkaufen. Sie wollte schnell nach   Hause. Zurück zu ihm, zurück in seine   Arme, aber sie kam nie an. Als ihr   Flugzeug an einem kalten Berg   zerschellte, starb echte Clark Gable.

 

  Was übrig blieb, war nur noch eine   Hülle, ein Geist, der in den Kleidern   eines Filmstars steckte.   Er hat sich nie verziehen, dass er sie   gehen ließ, dass er in jener Nacht nicht   bei ihr war, dass er lebte, während sie   sterben musste. Diese Schuld frß ihn von   innen auf und um diesen unerträglichen   Schmerz zu betäuben, tat er das   Unfassbare.

 

 Er meldete sich zur   Airforce.   Er, der König von Hollywood, stieg in   einen B17 Bomber. Er flog Einsätze über   Europa mitten durch den Himmel von   Deutschland. Die Historiker und die   Wochenschauen feierten ihn als   Patrioten, als Helden, aber die Wahrheit   ist viel trauriger und viel düsterer.   Die Wochenschauen feierten ihn als   Helden, aber wenn man heute in seine   Augen aus dieser Zeit blickt, wirkt es,   als hätte er weniger den Sieg gesucht   als eine Form von Erlösung.

 

  Er flog durch das tödliche Flagfeuer. Er   sah Kameraden sterben. Er sah Flugzeuge   brennen und tief in seinem Inneren hatte   man manchmal das Gefühl, dass es ihm   fast egal gewesen wäre, wenn dort   draußen eine Kugel seinen Namen getragen   hätte. Er hoffte, dass er dort oben   zwischen den Wolken und dem Feuer   endlich wieder mit seiner geliebten   Karolle vereint sein würde.

 

 Aber das   Schicksal war grausam. Der Tod wollte   ihn damals nicht haben. Er musste   weiterleben mit seiner Schuld und seiner   Einsamkeit.   Und so kommen wir zu diesen letzten   Tagen im November 1960. Drei Tage vor   seinem Ende. Er hatte gerade die   Dreharbeiten zu Missfitz nicht   gesellschaftsfähig abgeschlossen.

 

 Ein   Filmtitel, der wie eine bittere   Prophezeiung klingt. In der brütenden,   gnadenlosen Hitze der Wüste von Nevada   kämpfte der mittlerweile 59-jährige   Clark Gabel seinen letzten Kampf.   Er bestand darauf, alle seine Stuns   selbst zu machen. Er ließ sich von   Pferden über den staubigen Boden   schleifen.

 

 Er arbeitete bis zur totalen   Erschöpfung. Warum tat er das? Wollte er   der Welt beweisen, dass er immer noch   der starke Mann ist? Nein, es war eine   Form der Bestrafung. Er peitschte seinen   alternden Körper, als müsste er büßen.   Büßen für das Überleben, büßen für die   Lügen, Büßen für das Kind, das er nicht   liebte und die Frau, die er nicht retten   konnte.

 

  Drei Tage vor seinem Tod sah er in den   Spiegel und erkannte, daß sein Herz   nicht mehr aus Liebe schlug, sondern nur   noch aus Gewohnheit. Er hatte sich   selbst nie verziehen, dass er   weiteratmete, während Carole unter der   Erde lag. In dieser letzten Nacht im   Krankenhaus entschied sein Körper   einfach nur, dem Geist endlich zu   folgen.

 

 Er war bereit, den Preis für   seine letzte Reise zu zahlen, eine Reise   zurück zu ihr.   Am späten Abend des 16. November 1960.   Genau um 23 Uhr hörte das Herz des   Königs aufzuschlagen. Die Nachricht   verbreitete sich wie ein Lauffeuer um   den Globus. Am nächsten Morgen titelten   die Zeitungen in New York, London und   Berlin. Der König ist tot.

 

 Die Welt   trauerte um Red Butler. Sie trauerte um   das Idol, das Symbol, die Legende.   Aber wir, meine Damen und Herren, wir   trauern heute Abend nicht um den Star.   Wir trauern um den Mann, der unter   dieser erdrückenden Last begraben lag.   Wir trauern um den Mann, der in seinen   letzten drei Tagen den Mut fand, der   nackten, kalten Wahrheit ins Auge zu   blicken, auch wenn es zu spät war, um   sie zu ändern.

 

  Die Geschichte von Clark Gable ist mehr   als nur eine Biografie aus den   verstaubten Archiven von Hollywood. Sie   ist ein Spiegel, ein Spiegel, der uns   allen vorgehalten wird. Sie stellt uns   die unbequemen Fragen, denen wir im   Alltag oft ausweichen. Was sind wir   bereit zu opfern, um geliebt zu werden?   Ist der Applaus der Masse es wirklich   wert, die eigene Stimme zu verlieren?   Ist der Ruhm es wert, das eigene Kind im   Schatten stehen zu lassen und die eigene   Seele zu verkaufen?   Er konnte den drei Namen auf seiner   Liste nicht vergeben. Dem Vater, der ihn   ablehnte und ihm die Männlichkeit   absprach, dem System, das ihn benutzte,   ausbeutete und ihn zwang, seine Tochter   zu verleugnen. Und vor allem konnte er   sich selbst nicht vergeben, dem Mann im   Spiegel, der nicht stark genug war, um   seine Frau vor dem Tod und sein Kind vor   der Einsamkeit zu retten.   Aber vielleicht ist genau das die   wichtigste Lektion, die Clark Gable uns   hinterlässt. Sein letztes stilles   Vermächtnis an uns, dass wir nicht

 

  warten dürfen, bis das Licht ausgeht, um   unsere Wunden zu heilen, dass wir den   Mut haben müssen, unsere Masken   abzunehmen, solange wir noch atmen, dass   wir ich liebe dich sagen müssen, bevor   es zu spät ist.   Die Wahrheit über seine Tochter Judy kam   erst viele Jahre nach seinem Tod ans   Licht.

 

 Die Welt erfuhr endlich von dem   Schmerz, den er schweigend getragen   hatte. und vielleicht hat ihm die   Wahrheit, auch wenn sie verspätet kam,   endlich die Ruhe gebracht, die er im   Leben nie finden konnte.   Wir von der verborgenen Bühne möchten   uns gerne vorstellen, dass Clar Gable   jetzt an einem besseren Ort ist, einem   Ort, wo keine Kameras mehr surren, wo er   keine Knebelverträge mehr unterschreiben   muss, wo es keine Väter gibt, die ihn   verachten und wo er endlich nach all den   langen Jahren der Kälte und der   Einsamkeit die Hand von Carol Lombard   halten kann. nicht als der große Star,   nicht als der König von Hollywood,   sondern einfach als ein Mann, der nach   Hause gekommen ist.   Vielen Dank, dass Sie uns heute auf   dieser emotionalen Reise begleitet   haben. Hinter jedem Idol steckt ein   Mensch aus Fleisch und Blut und jede   Geschichte, egal wie glanzvoll sie von   außen wirkt, verdient es mit Mitgefühl   und Verständnis erzählt zu werden.   Wenn Sie diese Geschichte berührt hat,

 

  wenn Sie heute Abend etwas gefühlt   haben, dann abonnieren Sie unseren Kanal   Verborgene Bühne. Teilen Sie dieses   Video mit jemandem, der es sehen muss   und erzählen Sie uns Ihre Gedanken in   den Kommentaren. Wir lesen jede einzelne   Geschichte   und vor allem hören Sie auf Ihr Herz,   seinen Sie mutig, bevor der letzte   Vorhang fällt.