Dolly Parton gilt weltweit als das Gesicht von Herzlichkeit, Großzügigkeit und unerschütterlichem Optimismus. Mit ihrer markanten blonden Mähne, ihren glitzernden Outfits und einer Stimme, die Generationen berührt hat, ist sie zur unangefochtenen “Queen of Country Music” aufgestiegen. Doch wer hinter die perfekt inszenierte Fassade der 78-jährigen Ikone blickt, entdeckt eine Geschichte, die von weit mehr als nur Erfolg und Nächstenliebe geprägt ist. Hinter den Kulissen von Nashville und Hollywood verbergen sich Jahre voller Spannungen, gebrochener Versprechen und tiefer persönlicher Verletzungen.

Es ist die Geschichte einer Frau, die in extremster Armut in den Bergen von Tennessee aufwuchs und sich in einer von Männern dominierten Branche behaupten musste. Dabei stieß sie auf Menschen, die versuchten, ihren Erfolg zu kontrollieren, ihr Werk zu stehlen oder ihren Ruf zu ruinieren. Heute werfen wir einen detaillierten Blick auf die fünf brisantesten Konflikte, die Dolly Partons Karriere geprägt haben und die zeigen, dass auch ein “Südstaaten-Engel” Grenzen hat, die man besser nicht überschreiten sollte.

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Der goldene Käfig: Der Bruch mit Porter Wagoner

Der wohl einflussreichste und zugleich schmerzhafteste Konflikt in Dollys Leben war die Beziehung zu Porter Wagoner. Ende der 1960er Jahre war Wagoner ein Star der Country-Szene und holte die junge Dolly in seine populäre TV-Show. Was als Traumkarrierestart begann, entwickelte sich bald zu einem psychologischen Machtkampf. Wagoner half Dolly zwar, berühmt zu werden, betrachtete sie jedoch zunehmend als sein Eigentum. Er kontrollierte ihren Zeitplan, ihre Songauswahl und ihre geschäftlichen Entscheidungen.

Als Dollys Ambitionen über das Format eines Sidekicks hinauswuchsen, wurde die Situation unerträglich. 1974 verließ sie die Show – ein Abschied, dem sie den Welthit “I Will Always Love You” widmete, um Wagoner ihren Dank und ihren Abschied gleichermaßen auszudrücken. Doch Wagoner antwortete nicht mit Wohlwollen, sondern mit einer Klage über drei Millionen Dollar wegen Vertragsbruchs. Dieser Verrat durch ihren Mentor erschütterte Dolly zutiefst. Es dauerte Jahrzehnte, bis die beiden ihren Frieden fanden, kurz bevor Wagoner im Jahr 2007 verstarb.

Perfektionismus gegen Effizienz: Das Trio-Drama mit Linda Ronstadt

In den 80er Jahren schlossen sich Dolly Parton, Linda Ronstadt und Emmylou Harris für das legendäre “Trio”-Projekt zusammen. Während die Harmonien auf dem Album himmlisch klangen, war die Atmosphäre im Studio hochexplosiv. Dolly, bekannt für ihre schnelle und effiziente Arbeitsweise, traf auf Linda Ronstadt, eine extreme Perfektionistin. Während Dolly oft nur ein oder zwei Takes benötigte, verbrachte Ronstadt Stunden damit, winzige Details zu korrigieren.

Die Spannungen führten dazu, dass Ronstadt Dolly später öffentlich mangelnde Professionalität vorwarf und behauptete, Dolly sei unpünktlich gewesen und habe das Projekt gegenüber ihrer Solokarriere vernachlässigt. Ronstadt ging sogar so weit zu sagen, dass sie nie wieder mit Parton arbeiten wolle. Obwohl sich die Wogen über die Jahre glätteten, blieb eine spürbare Distanz zwischen den beiden großen Stimmen zurück.

Dolly Parton Sets Record Straight On Rocky Relationship With Porter Wagoner  - Newsweek

Ein Nein zum King: Die Elvis-Presley-Kontroverse

Es hätte die Kollaboration des Jahrhunderts werden können: Elvis Presley wollte “I Will Always Love You” covern. Dolly Parton war zunächst begeistert, bis Elvis’ berüchtigter Manager, Colonel Tom Parker, eine Bedingung stellte: Dolly sollte 50 Prozent der Verlagsrechte an dem Song abtreten. In einer Zeit, in der junge Künstler oft alles taten, um Elvis einen Gefallen zu erweisen, bewies Dolly eine unglaubliche geschäftliche Härte.

Sie lehnte ab. Für sie war es keine Frage des Geldes, sondern des Respekts vor ihrer eigenen kreativen Arbeit. Sie wusste, dass dieser Song das “Erbe für ihre Familie” war. Elvis war enttäuscht, und Dolly fühlte sich laut eigenen Angaben “furchtbar”, dem King einen Korb gegeben zu haben. Doch die Geschichte gab ihr recht: Jahre später brachte Whitney Houstons Version ihr Millionen ein – und sie behielt jeden Cent ihrer Rechte.

Die Demütigung durch Howard Stern

Im Jahr 2008 erlebte Dolly Parton eine ihrer schwersten öffentlichen Demütigungen. Der Radio-Provokateur Howard Stern ließ Audioclips aus Dollys Hörbuch so zusammenschneiden, dass es klang, als würde sie rassistische, vulgäre und beleidigende Dinge über Kollegen wie Kenny Rogers sagen. Für eine Frau, die ihren Ruf auf Anstand und Moral aufgebaut hat, war dies ein brutaler Angriff.

Dolly reagierte ungewöhnlich scharf und emotional. Sie erklärte, sie sei noch nie in ihrem Leben so schockiert und gedemütigt worden. Stern zeigte keinerlei Reue und tat es als Satire ab. Erstaunlicherweise kam es 15 Jahre später, im Jahr 2023, zu einem Treffen in Sterns Studio, als Dolly ihr Rock-Album bewarb. Obwohl Stern sich respektvoll zeigte, war die Spannung greifbar. Dolly bewies einmal mehr ihre Professionalität, ohne die Vergangenheit jemals ganz zu vergessen.

Dolly Parton shares heartbreaking motivation for transforming her life |  Marca

Kritik von unerwarteter Seite: Jeff Tweety

Selbst in der modernen Musikwelt ist Dolly nicht vor Kritik sicher. Jeff Tweety, der Frontmann der Band Wilco, löste einen Sturm der Entrüstung aus, als er Dollys Songwriting als “oberflächlich” bezeichnete. Er räumte zwar ihren Erfolg ein, behauptete aber, ihre Texte besäßen keine emotionale Komplexität. In einer besonders scharfen Bemerkung sagte er, sie hätte nach dem Song “Jolene” eigentlich aufhören sollen.

Dolly, die jeden ihrer Songs aus tiefster persönlicher Erfahrung schreibt, war Berichten zufolge tief getroffen. Doch statt sich auf eine öffentliche Schlammschlacht einzulassen, antwortete sie auf die einzige Weise, die sie kennt: mit Erfolg. Sie ignorierte die Kommentare und ließ ihre Musik für sich sprechen, die weiterhin Millionen von Menschen weltweit erreicht und tröstet.

Fazit: Eine Ikone aus Stahl und Seide

Dolly Partons Geschichte ist eine Lektion in Sachen Resilienz. Sie zeigt, dass man gleichzeitig freundlich und extrem willensstark sein kann. Hinter jedem Lächeln und jedem funkelnden Paillettenkleid steckt eine Frau, die gelernt hat, für sich selbst einzustehen – egal ob gegenüber einem mächtigen Mentor, dem King of Rock ‘n’ Roll oder einem provokanten Radiomoderator. Ihre Fähigkeit, Konflikte mit Anstand zu überstehen und dennoch ihre Integrität zu bewahren, ist es, was sie zu einer wahren Legende macht. Am Ende des Tages sind es nicht die Skandale, die bleiben, sondern die unsterblichen Lieder einer Frau, die sich von niemandem die Stimme verbieten ließ.