Vicky Leandros ist zweifellos eine der eindrucksvollsten Stimmen der europäischen Musikgeschichte. Mit zeitlosen Klassikern wie „Apres toi“ oder „Ich liebe das Leben“ hat sie Generationen von Menschen berührt und ihnen Mut zugesprochen. Doch während Millionen zu ihren Liedern tanzten oder Trost fanden, kämpfte die Künstlerin hinter den Kulissen mit einer inneren Leere, die kaum jemand für möglich gehalten hätte. Nun, im Alter von 73 Jahren, bricht die gebürtige Griechin ihr Schweigen und spricht über das größte Geheimnis ihres Lebens: die Suche nach einer Liebe, die sie erst bei sich selbst finden musste.

Glanz nach außen, Einsamkeit im Inneren

Geboren als Vassiliki Papathanasiou, wuchs Vicky Leandros zwischen den Welten auf. Ihr Weg zum Weltruhm schien vorgezeichnet, doch der Preis für den Erfolg war hoch. In ihren jüngsten Geständnissen beschreibt sie eine tiefe Zerrissenheit. Während sie auf den größten Bühnen der Welt gefeiert wurde, kehrte sie oft in einsame Hotelzimmer zurück. Dieser ständige Wechsel zwischen dem gleißenden Scheinwerferlicht und der emotionalen Isolation wurde zur größten seelischen Belastung ihres Lebens.

Lange Zeit glaubte Leandros, Stärke beweisen zu müssen, indem sie ihre Verletzlichkeit verbarg. Sie wollte niemanden enttäuschen – weder ihr Publikum noch ihre Familie. Doch dieses Schweigen wurde mit den Jahren zu einer schweren Last. Heute erkennt sie, dass das Verdrängen ihrer eigenen Bedürfnisse sie innerlich erschöpfte. Es ist die schockierende Erkenntnis einer Frau, die alles erreicht zu haben schien und sich dennoch nie wirklich „angekommen“ fühlte.

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Das bittere Scheitern der Ehen: Wenn Liebe nicht ausreicht

Ein zentraler Punkt ihrer emotionalen Reise sind ihre gescheiterten Ehen. Besonders die Beziehung zu Enno von Ruffin, mit dem sie von 1986 bis 2005 verheiratet war, prägte sie nachhaltig. Was mit der Hoffnung auf ein stabiles, bürgerliches Leben auf dem Land begann, endete in einer schmerzhaften Distanz. Unterschiedliche Lebensentwürfe und der enorme Druck ihres Berufslebens ließen die Nähe langsam erodieren.

Vicky Leandros gesteht heute, dass sie oft ihre eigenen Wünsche zurückstellte, um die Harmonie in der Familie zu wahren. Sie trug die Last der Verantwortung fast allein, bis sie emotional völlig ausgebrannt war. Auch ihr Ex-Mann Enno von Ruffin sprach später mit Bewunderung, aber auch Wehmut über diese Zeit. Er beschrieb sie als eine Frau, die viel in sich trug, aber selten klagte. Ihre Tränen flossen oft im Verborgenen, wenn die Last der Jahre zu schwer wurde. Die Erkenntnis, dass selbst große Liebe und unermüdlicher Einsatz nicht ausreichen, um eine Ehe zu retten, traf sie wie ein schwerer Schlag und nährte jahrelange Selbstzweifel.

Der Wendepunkt: Die Angst, die eigene Stimme zu verlieren

Es gab keinen lauten Skandal, der Vicky Leandros zum Umdenken zwang, sondern eine stille, fast unheimliche Erkenntnis. Inmitten einer Phase beruflicher Höchstleistung spürte sie plötzlich eine totale emotionale Erschöpfung. Sie funktionierte nur noch wie eine Maschine, fühlte sich aber von sich selbst entfremdet.

Besonders tief saß die Angst, nicht nur ihre Singstimme, sondern auch ihre Identität als Mensch zu verlieren. Wer war sie noch, wenn die Scheinwerfer ausgingen? Diese existenzielle Verunsicherung wurde paradoxerweise zum Anfang ihrer Heilung. Sie begann, radikal umzudenken. Sie zog sich zeitweise zurück, lernte „Nein“ zu sagen und reduzierte ihre Auftritte. Dieser Prozess der Selbstfürsorge gab ihr erstmals seit Jahrzehnten die Kontrolle über ihr Leben zurück. Musik wurde wieder zum Ausdruck ihrer Seele und nicht mehr zur bloßen Pflicht.

Enno Freiherr von Ruffin, Vicky Leandros,;"Fleurop-Lady des Jahres... News  Photo - Getty Images

Gesundheit und Vermögen: Ein neues Verständnis von Reichtum

Mit 73 Jahren blickt Vicky Leandros heute achtsamer auf ihren Körper. Die Jahrzehnte der Dauerbelastung haben Spuren hinterlassen. Sie spricht offen über die Notwendigkeit von Pausen und die Akzeptanz des Älterwerdens. Gelenkprobleme oder Stressanfälligkeit sind für sie keine Tabus mehr, sondern Signale, die sie respektiert.

Interessanterweise spielt auch ihr materieller Wohlstand eine Rolle in diesem neuen Lebensabschnitt. Durch ihre weltweite Karriere hat sie ein beachtliches Vermögen aufgebaut, das ihr heute die Freiheit gibt, unabhängig zu entscheiden. Doch für Leandros bedeutet Reichtum heute nicht mehr Luxus oder Repräsentation. Sie lebt zurückgezogen in der Natur und schätzt die Einfachheit. Geld ist für sie lediglich ein Mittel zum Zweck – ein Schutzschild für ihre Privatsphäre und ihre Unabhängigkeit. Ihr wahrer Reichtum liegt in der Zeit, die sie nun bewusst für sich und ihre drei Kinder nutzt.

Mit Vicky Leandros auf der Bühne

Ein Vermächtnis der Ehrlichkeit

Vicky Leandros hinterlässt ein Erbe, das weit über ihre Musik hinausgeht. Es ist die Geschichte einer Frau, die den Mut fand, das Bild der perfekten Diva zu zertrümmern und ihre Brüche offen zu zeigen. Ihr Weg lehrt uns, dass wahre Stärke in der Verletzlichkeit liegt und dass es nie zu spät ist, auf die eigene innere Stimme zu hören.

Heute lebt sie in einem Zustand stiller Akzeptanz. Die Liebe ist für sie kein dramatisches Ziel mehr, sondern ein innerer Friede mit sich selbst. Wenn sie heute „Ich liebe das Leben“ singt, dann mit einer tieferen, wahrhaftigeren Bedeutung als jemals zuvor. Es ist das Lied einer Frau, die durch die Dunkelheit gegangen ist und am Ende das Licht der Selbsterkenntnis gefunden hat. Ein bewegendes Denkmal für eine Künstlerin, die uns zeigt, dass das Leben erst dann richtig beginnt, wenn man aufhört, es für andere zu leben.