Demis Roussos: Die fünf Namen, denen der „griechische Gott der Musik“ am Sterbebett nicht verzeihen konnte – Das Drama hinter dem Kaftan
Athen, Januar 2015. Eine beinahe unerträgliche Stille umgab das sterile Zimmer im Krankenhaus Üge, die nur vom gleichmäßigen Piepen der medizinischen Geräte unterbrochen wurde. Auf dem Krankenbett lag ein Mann, der nur noch wenige Stunden zu leben hatte. Er war einst die Ikone der Romantik, der „griechische Gott der Musik“, dessen Name – Demis Roussos – untrennbar mit sehnsuchtsvollen Melodien wie „Goodbye My Love, Goodbye“ verbunden war. Die Welt erinnerte sich an den sanften Riesen, den Mann in den prächtigen, bunten Kaftanen, der stets ein warmes Lächeln auf den Lippen trug und Freude in die Herzen von Millionen Menschen in ganz Europa sandte. Doch die Wahrheit war grausam: Hinter diesem strahlenden Rampenlicht verbarg sich eine Seele, die tiefe, nie verheilte Narben trug.
Demis Roussos’ Leben war eine einzige, große Tragödie, maskiert als Märchen. Es war die Geschichte eines Mannes, der die Armut besiegte, aber vom Ruhm besiegt wurde. Es ist die Geschichte eines Künstlers, der Trost spendete, aber für sich selbst keinen finden konnte. Der Vorhang, der das wahre Drama verbarg, wurde erst drei Tage vor seinem letzten Atemzug gelüftet. In einem Moment zwischen Dämmerung und Klarheit, als die Illusionen des Lebens verblassten und nur noch die nackte Wahrheit zählte, brach Demis Roussos das Schweigen, das er ein Leben lang wie eine unerträgliche Last getragen hatte. Er betete nicht um Erlösung, er nannte stattdessen fünf Namen – fünf Schatten seiner Vergangenheit, denen er niemals vergeben konnte. Es waren jene, die ihm sein wahres Lächeln stahlen, die ihn zu einer bloßen Figur machten und ihn am Ende, als die Lichter ausgingen, in der Dunkelheit zurückließen.

Der verlorene Prinz von Alexandria: Die Wurzel des Traumas
Um die Tiefe dieser späten Abrechnung zu verstehen, muss man an den Anfang der Geschichte des Künstlers zurückkehren. Bevor er Demis Roussos wurde, war er Artemius, ein kleiner Junge, geboren im sonnigen Alexandria, Ägypten. Er wuchs in einem wahren Märchen auf. Seine wohlhabende Familie ermöglichte ihm ein Leben, das ein endloser Sommer voller Musik, Lachen und Sicherheit schien. Doch das Schicksal entpuppte sich als gnadenlos, und das Paradies war nur auf Zeit geliehen. Mitte der 1950er-Jahre, während der turbulenten Sueskrise, zerbrach diese heile Welt über Nacht in tausend Stücke. Die Familie verlor alles: ihr Haus, ihr Vermögen, ihre Heimat. Sie flohen als mittellose Flüchtlinge zurück nach Griechenland, in ein Land, das sich fremd und kalt anfühlte.
Für den jungen Artemius war dies der erste, tiefe Riss in seiner Seele. Der kleine Prinz war über Nacht zum Bettler geworden. Psychologen würden erklären, dass die plötzliche Armut ein tiefes Trauma in ihm hinterließ, das er zeitlebens zu kompensieren versuchte. Dieses Trauma manifestierte sich in einem ständigen Schutzmechanismus: dem Essen. Das Essen wurde für ihn zum einzigen Trost, zur einzigen Sicherheit in einer Welt, die ihm alles nehmen konnte. Jedes Kilo, das er im Laufe der Jahre zunahm, war wie eine Mauer, die er um sein verletztes Herz baute, um sich vor weiterem Schmerz zu schützen. Er aß, um die Leere zu füllen, die der Verlust seiner Heimat hinterlassen hatte.
Doch in dieser Dunkelheit fand er ein Licht: seine einzigartige Stimme, eine Stimme von einer seelenvollen Tiefe, die ihm einen Schwur eingab: Er würde nie wieder arm sein. Er würde singen, bis die Welt ihm zuhörte.
Der Kaftan-Gefangene: Die Verräterische Musikindustrie
Und die Welt hörte zu. Besonders Deutschland wurde in den 1970er-Jahren zu seiner zweiten Heimat. Als er mit Liedern wie „Goodbye My Love, Goodbye“ die Sehnsucht und Melancholie der Menschen traf, stieg er zum Superstar auf. Er füllte die größten Hallen, war reich, berühmt und geliebt. Er hatte die Armut besiegt. Doch mit dem Ruhm begann die Tragödie der Entfremdung, und hier kommt der zweite Name auf seine Liste der Unverzeihlichen: die Musikindustrie.
Die Bosse sahen in ihm nicht den sensiblen Künstler, der eigentlich Rockmusik und Gospel liebte, sondern eine Goldgrube. Sie zwangen ihn in ein Image, das er verachtete. Man steckte ihn in die weiten Kaftane, um sein Übergewicht zu kaschieren und ihn exotisch wirken zu lassen. Man stempelte ihn zum „gemütlichen Bären“, der stets lächeln musste. Während er auf der Bühne von Liebe und Freiheit sang, fühlte er sich hinter den Kulissen wie ein Gefangener seines eigenen Images. Er war ein Produkt, dessen Kunst und Sensibilität in eine berechenbare Ware verwandelt wurde. Er dachte, sein Reichtum könne ihn sicher machen, doch das Leben hielt eine viel dunklere Prüfung für ihn bereit, die beweisen sollte, dass kein Geld der Welt vor dem wahren Horror schützen kann.

Der Terrorist: Fünf Tage im Albtraum
Es war der 14. Juni 1985, ein Tag, der in Demis Roussos’ Gedächtnis als Beginn seiner psychischen Zerstörung eingebrannt blieb. Flug TWA 847, auf dem Weg von Athen nach Rom, verwandelte sich binnen Sekunden in eine Bühne des Schreckens. Bewaffnete Terroristen übernahmen die Kontrolle. Mitten in diesem Chaos saß er mit seiner damaligen Freundin Pamela an Bord: der weltberühmte Sänger, unfähig sich zu verstecken, unfähig zu fliehen.
Es war eine grausame Ironie, dass Demis Roussos seinen 39. Geburtstag in dieser Hölle verbringen musste. Er blickte dem Tod direkt in die Augen. Es gab bizarre Berichte, dass die Terroristen ihn erkannten und ihn baten, für sie zu singen. Doch es war keine Ehre, es war psychologische Folter. Fünf Tage lang war er eine Geisel, fünf Tage in denen er nicht wusste, ob er die Sonne je wiedersehen würde.
Als er schließlich freigelassen wurde, atmete die Welt auf. Die Kameras blitzten, die Journalisten drängten sich um das „glückliche Ende“. Er lächelte in die Kameras, dankte Gott und den Menschen für ihre Gebete. Doch die Aufnahmen von damals enthüllen die Wahrheit: Das Licht in seinen Augen war erloschen. Der fröhliche Bär war gestorben. Zurück blieb ein gebrochener Mann, gejagt von Panikattacken und schweren Depressionen.
Die gnadenlosen Medien und die falsche Liebe
Doch die eigentliche Grausamkeit geschah nach der Freilassung und lieferte den dritten Namen auf seiner Todesliste: die zynischen Medien. Die Industrie erlaubte ihm keine Zeit, dieses schreckliche Trauma zu verarbeiten. The Show Must Go On. Man zwang den traumatisierten Mann sofort wieder in seine bunten Gewänder, schob ihn auf die Bühne und verlangte von ihm, Fröhlichkeit auszustrahlen. Er musste den glücklichen Demis spielen, während er innerlich zitterte. Er fühlte sich benutzt, reduziert auf ein Produkt, das funktionieren musste, egal wie sehr seine Seele schrie.
Als die 1980er-Jahre zu Ende gingen und sich der Musikgeschmack der Welt änderte, begann das Rampenlicht zu flackern. Die Hallen wurden kleiner. Für Demis Roussos begann ein schmerzhafter Abstieg. Der Mann mit der goldenen Stimme wurde zunehmend zur Zielscheibe des Spottes der Medien. Jahrelang hatten sie ihn hochgejubelt, solange er Schlagzeilen lieferte. Nun, da er älter und kränker wurde, stürzten sie sich wie Geier auf sein Äußeres. Sie machten Witze über sein Gewicht, nannten seine geliebten Kaftane „Zelte“. Jeder Artikel, der sich über seine Figur lustig machte, war wie ein Dolchstich in das Herz eines Mannes, der sein Leben lang gegen die Dämonen seiner Kindheit gekämpft hatte. Er hatte ihnen seine Seele gegeben, und sie gaben ihm Spott zurück. Er fühlte sich verraten.
Seine Einsamkeit wurde durch seine komplizierten Liebesbeziehungen verschärft. Demis Roussos war viermal verheiratet und liebte leidenschaftlich, doch endete er oft allein. Er suchte in den Augen seiner Partnerinnen die bedingungslose Liebe, die er als Kind verloren hatte. Oft jedoch fand er nur Menschen, die den vierten Namen auf seiner Liste repräsentierten: die falsche Liebe. Menschen, die in sein Leben traten, um sich im Glanz seines Ruhmes zu sonnen und die verschwanden, als die Wolken aufzogen und der Ruhm verblasste. Er war umgeben von Schulterklopfern, doch wenn er nachts vor Schmerz und Angst wach lag, war er allein – oder mit jemandem, der ihn, den Mann Artemius, nicht verstand.

Die ultimative Anklage: Die Verzweiflung der Selbstanalyse
Sein Körper, der ihn so lange geschützt hatte, begann schließlich zu rebellieren. Die Kilos, die er als Schutzwall aufgebaut hatte, wurden zu seinem Gefängnis. Seine Gesundheit verschlechterte sich rapide: Rückenschmerzen, Atemprobleme und schließlich die schreckliche Diagnose Krebs. In diesen letzten Monaten im Krankenhausbett fiel die Maske endgültig. Es gab keine Kameras mehr, keine jubelnden Massen, nur die sterile weiße Decke und die bittere Erkenntnis, dass er sein Leben für einen Traum geopfert hatte, der ihn am Ende auffraß.
Und so sind wir zurück im Zimmer des Üge Krankenhauses, drei Tage vor seinem Tod. Mit schwacher Stimme, kaum mehr als ein Hauchen, ging Demis Roussos seine Liste durch:
Der Terrorist, der ihm die Unschuld raubte.
Die mächtigen Bosse der Musikindustrie, die seine Kunst zur Ware machten.
Die zynischen Medien, die ihn verspotteten.
Jene falschen Freunde, die ihn nur für seinen Ruhm liebten.
Doch dann, als er zum fünften und wichtigsten Namen kam, zitterte seine Stimme. Tränen liefen über das Gesicht des Mannes, der sein Leben lang versucht hatte, stark zu sein. Der fünfte Name, der Mensch, dem er am wenigsten verzeihen konnte, war nicht sein Feind. Es war er selbst.
Demis Roussos konnte sich selbst nicht verzeihen. Er warf sich vor, den kleinen Jungen Artemius verraten zu haben. Er hatte zugelassen, dass die Welt ihn verformte. Er hatte die Musik gesungen, die andere hören wollten, anstatt jene, die in seinem Herzen brannte. Er hatte zugelassen, dass er seinen Körper als Schutzschild missbrauchte, bis dieser Körper ihn schließlich im Stich ließ. Sein größter Schmerz war die herzzerreißende Erkenntnis, dass er die ganze Welt erobert, aber sich selbst dabei verloren hatte.
Am 25. Januar 2015 hörte das Herz von Demis Roussos aufzuschlagen. Die Welt trauerte um eine Ikone. Doch die Anerkennung, nach der er sich in der Stille gesehnt hatte, erreichte ihn nicht mehr. Was bleibt, ist die tragische Ironie eines Lebens: Der Mann, der uns allen Trost spendete, konnte keinen Trost für sich selbst finden. Er starb mit dem Gefühl, ein Gefangener in einem goldenen Käfig gewesen zu sein, den er selbst mitgebaut hatte. Seine Geschichte ist eine Mahnung an uns alle, genauer hinzusehen und den zerbrechlichen Menschen hinter der Fassade des Stars zu suchen, bevor es zu spät ist. Sein spätes Geständnis ist die ultimative Anklage gegen eine Industrie, die Seelen für den Applaus opfert.
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