Lucille Ball war nicht nur die rothaarige Komikerin, die mit „I Love Lucy“ Fernsehgeschichte schrieb und als Chefin der Desilu Studios zur mächtigsten Frau Hollywoods aufstieg. Diese Machtposition verschaffte ihr einen Logenplatz in einem Theater der Grausamkeiten, das den Zuschauern verborgen blieb. Hinter dem Glamour, den Diamanten und dem strahlenden Lächeln der Goldenen Ära sah Lucille Ball Menschen, die sie schlicht als „böse“ bezeichnete. Kurz vor ihrem Tod entschied sie sich, das Schweigen zu brechen und sieben Kolleginnen namentlich zu nennen, deren wahre Natur laut ihr von Kälte, Narzissmus und kalkulierter Bosheit geprägt war.

Ganz oben auf dieser Liste stand Joan Crawford. Für die Welt war sie die Inbegriff von Eleganz und Disziplin, doch für Lucille Ball war sie die „Eiskönigin“. Der Wendepunkt in ihrer Beziehung ereignete sich 1971 am Set von „Here’s Lucy“. Crawford kam nicht als Gast, sondern als Tyrannin. Sie verlangte eine exakte Raumtemperatur von 20 Grad und eine Beleuchtung, die nur ihre Wangenknochen schmeichelte. Doch es war ihr Umgang mit den Schwächeren, der Lucille erschütterte. Als eine junge Kostümassistentin ein Kleid mit einer winzigen Falte brachte, zerriss Crawford das Mädchen verbal vor versammelter Mannschaft. „Du bist absolut nutzlos, selbst als Toilettenfrau wäre man mit dir schlecht bedient“, soll Crawford gezischt haben. Für Lucille war Crawford keine Frau, sondern ein „Mannequin aus Eis“, das nur so tat, als sei es menschlich.

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Nicht weniger erschütternd war Lucilles Urteil über Judy Garland. Hier war es kein direkter Hass, sondern eine tiefe, schwere Enttäuschung. Lucille sah in Garland eine „wunderschöne Zerstörungskraft“. Sie beobachtete, wie Garlands Chaos ganze Produktionen und die Existenzen kleiner Crewmitglieder vernichtete. Einmal erschien Garland neun Stunden zu spät zum Dreh, glänzte für 30 Minuten und ging dann einfach, weil sie „zu müde“ sei. Das Ergebnis? Drei einfache Techniker wurden gefeuert, weil das Budget gesprengt war. „Talent rechtfertigt keine Zerstörung“, sagte Lucille später trocken. Sie konnte Garland nicht vergeben, dass andere den Preis für ihre inneren Dämonen zahlen mussten.

Besonders tief saß die Abneigung gegenüber Ava Gardner. Lucille behauptete, Gardner habe die Qual, die sie anderen bereitete, regelrecht genossen. In den 1960er Jahren beobachtete Lucille, wie Gardner eine nervöse Schneiderin wegen einer fast unsichtbaren Naht demütigte: „Versuch gar nicht erst, es zu reparieren – Inkompetenz lässt sich nicht mit noch mehr Inkompetenz korrigieren.“ Gardner trug ihre Grausamkeit wie ein poliertes Accessoire. Als sie Lucille bei einer Party lautstark als „ausgewaschenen Clown“ bezeichnete, war das Tischtuch endgültig zerschnitten. Lucille war überzeugt: Ohne ihre makellose Schönheit hätte niemand Gardners wahres Ich auch nur eine Sekunde toleriert.

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Die vielleicht schärfste Rivalität bestand jedoch zu Bette Davis. Während die Welt Davis’ schauspielerisches Genie bewunderte, sah Lucille eine Frau, die „Menschen zum Spaß die Kehle durchschneidet“. Lucille erinnerte sich an eine Gala, bei der Davis einen jungen Kellner wegen einer falschen Weinflasche so massiv niedermachte und demütigte, dass der ganze Saal in betretenes Schweigen verfiel. „Crawford ist kalt, aber Bette Davis genießt den Schmerz anderer“, vertraute Lucille einer Freundin an. Für Lucille war wahre Größe dazu da, Menschen zu schützen, nicht sie zu vernichten.

In die Kategorie der „falschen Seelen“ ordnete sie Zsa Zsa Gabor ein. Lucille lachte oft über Gabor, doch es war ein Lachen voller Verachtung für deren künstliche Natur. Bei einem Wohltätigkeitsevent beobachtete Lucille, wie Gabor sich weigerte, sich an einen Tisch mit „Bauern“ (Volunteers) zu setzen. Als ein junges Mädchen versehentlich Gabors Mantel berührte, lächelte die Diva sie zuckersüß an und flüsterte ihr eine Drohung ins Ohr, die das Mädchen bleich werden ließ. Für Lucille war dieses „lächelnde Erstechen“ die gefährlichste Form der Bösartigkeit. Gabors späterer Ausraster gegen einen Polizisten im Jahr 1989 war für Lucille nur die endgültige Bestätigung: „Das ist sie, wie sie wirklich ist.“

Bette Davis in DEAD RINGER - FuriousCinema.com

Lucille Balls Enthüllungen werfen einen Schatten auf die strahlenden Ikonen der Filmgeschichte. Sie zeigen eine Welt, in der Macht oft mit Empathielosigkeit einherging. Lucille selbst blieb bis zum Ende ihrer Prinzipien treu: Professionalität und Respekt gegenüber jedem Mitarbeiter am Set. Ihr Vermächtnis ist nicht nur das Lachen, sondern auch die Warnung, dass das Licht der Scheinwerfer oft die dunkelsten Abgründe der menschlichen Natur verbirgt. Wer diese Namen heute hört, sieht vielleicht nicht mehr nur die Leinwandgöttinnen, sondern auch die Frauen, die Lucille Ball einst das Fürchten lehrten.