Das herzzerreißende Geheimnis: Warum Demis Roussos’ Familie ihm die Wahrheit über seine Krebserkrankung bis zum Tod verheimlichte

Demis Roussos. Schon der Name lässt Melodien von Sehnsucht und globalem Pop-Glamour in den Ohren erklingen. Seine Stimme, kraftvoll und doch zerbrechlich, sang sich in den 1970er und 80er Jahren in die Herzen von Millionen und machte den griechischen Künstler mit Hits wie „Goodbye, My Love, Goodbye“ zur internationalen Ikone. Über 60 Millionen verkaufte Tonträger festigten seinen Platz in der Musikgeschichte, eine Leistung, die nur wenigen vergönnt war. Doch hinter dem fließenden Kaftan, dem dichten Bart und dem Lächeln, das die Bühnen der Welt erhellte, verbarg sich ein Leben, das von existenziellen Kämpfen, traumatischen Erlebnissen und, schlussendlich, einem Akt tiefempfundener, aber herzzerreißender Liebe geprägt war. Seine außergewöhnliche Reise endete nicht im Jubel, sondern in einem stillen Schmerz, dessen Wahrheit ihm seine eigene Familie bis zum letzten Atemzug verheimlichte. Die Geschichte von Demis Roussos ist die Chronik eines Mannes, dessen Stimme die Zeit überdauerte, dessen Leben jedoch von einer Zerbrechlichkeit gezeichnet war, die die Öffentlichkeit kaum erahnte.

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Von Alexandria nach Athen: Die Prägung durch Exil und Musik

Artemios Ventouris Roussos erblickte am 15. Juni 1946 in der pulsierenden, kosmopolitischen Stadt Alexandria, Ägypten, das Licht der Welt. Seine griechische Familie, die dort in den 1920er Jahren ein besseres Leben suchte, bot ihm eine multikulturelle Kindheit. Umgeben von griechischer Folklore, arabischen Melodien und westlichem Jazz wurde der junge Demis in einem Schmelztiegel der Künste groß. Sein Vater George war Ingenieur, doch seine Mutter Olga, eine klassische Gitarristin, legte den musikalischen Keim, der in ihm aufblühen sollte.

Diese idyllische Prägung fand jedoch ein abruptes, traumatisches Ende. Die Suezkrise von 1956 und die daraufhin folgende politische und soziale Instabilität machten das Leben für die ausländischen Gemeinschaften zunehmend unhaltbar. Als die Spannungen zunahmen, sahen sich George und Olga Roussos 1961 gezwungen, eine herzzerreißende Entscheidung zu treffen: Sie mussten ihr Zuhause verlassen und nach Athen, Griechenland, zurückkehren. Für den Teenager Demis war der Wechsel von der weiten, kulturell vielfältigen Welt Alexandrias in eine traditionellere griechische Umgebung ein tiefgreifender Kulturschock. Diese Zeit des Exils und des Neuanfangs, in der die Familie darum kämpfte, ihr Leben neu aufzubauen, war von Härte geprägt. Doch gerade diese Widrigkeiten lehrten ihn eine Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit, die ihm später in seiner Karriere als Bollwerk gegen die Stürme des Ruhms dienen sollte. Die Musik wurde in dieser Zeit sein einziger Trost und seine wichtigste Ausdrucksform. In Athen vertiefte Demis seine formale Musikausbildung und bewies ein außergewöhnliches Talent für Gitarre, Trompete und Klavier – Fähigkeiten, die die vielschichtige Grundlage für seinen späteren unverkennbaren Sound legten.

Der progressive Revolutionär: Aphrodite’s Child und die Ambition von „666“

Das Fundament für Demis Roussos’ Aufstieg zum Superstar wurde 1968 in Paris gelegt. Gemeinsam mit seinem Landsmann, dem visionären Komponisten Vangelis Papathanassiou, gründete er die progressive Rockband Aphrodite’s Child. Die Band trat als eine wegweisende Gruppe hervor, die psychedelischen Rock mit tiefen griechischen Volksklängen verband – eine Fusion, die in der damaligen Musikszene als revolutionär galt.

Ihr erster großer Erfolg war die Single „Rain and Tears“ im selben Jahr. Inspiriert von Pachelbels berühmtem Kanon in D-Dur, bot der Song eine melancholische Melodie, die durch Roussos’ kraftvollen, gefühlvollen Gesang eine eindringliche Dimension erhielt. Der Titel stürmte in Europa, insbesondere in Frankreich und Deutschland, die Charts und etablierte Roussos’ markante Stimme als ein Markenzeichen, das die Musikwelt nicht mehr vergessen sollte.

Der künstlerische Höhepunkt der Band war jedoch das Konzeptalbum 666, das 1972 veröffentlicht wurde. Inspiriert von der Offenbarung des Johannes, war das Album ein ehrgeiziges, experimentelles Doppelalbum, das progressive Rockmusik mit tiefgründigen philosophischen und spirituellen Themen verknüpfte. Es war ein mutiger Schritt weg von den Pop-Ambitionen ihrer früheren Werke und demonstrierte die künstlerische Weiterentwicklung und die Bereitschaft der Gruppe, musikalische und thematische Grenzen zu sprengen. 666 gilt heute als Meisterwerk seines Genres, gefeiert für seine komplexen Arrangements, innovativen Klänge und die überragende Gesangsleistung von Roussos, der seine enorme Bandbreite und Tiefe als Sänger unter Beweis stellte. Trotz des monumentalen Lobes war die Entstehung des Albums von Spannungen geprägt, da die unkonventionellen Themen und die experimentelle Natur zu künstlerischen Differenzen innerhalb der Band führten. Diese unüberbrückbaren kreativen Visionen führten schließlich noch im selben Jahr zur Auflösung von Aphrodite’s Child. Das Ende der Band markierte jedoch den unaufhaltsamen Beginn von Demis Roussos’ Solokarriere.

Greek singer Demis Roussos dies aged 68 | Celebrity News | Showbiz & TV |  Express.co.uk

Der globale Pop-Titan: Kaftan, Melancholie und Multilingualität

Nach der Trennung von Aphrodite’s Child startete Roussos sofort seine Solokarriere und brauchte nur zwei Jahre, um den Gipfel des Ruhms zu erklimmen. Seine zweite Solo-Veröffentlichung, die Single „Goodbye, My Love, Goodbye“ aus dem Jahr 1973, katapultierte ihn zu internationalem Ruhm. Der Song wurde ein Welterfolg, eroberte die Spitze der deutschen Charts und fand in ganz Europa und darüber hinaus großen Anklang. Die sanfte, melancholische Melodie und Roussos’ ausdrucksstarke Stimme, die sowohl Verletzlichkeit als auch emotionale Tiefe vermittelte, trafen einen Nerv.

In den 1970er und 1980er Jahren feierte Roussos einen beispiellosen Erfolg und veröffentlichte eine Reihe von Charthits, darunter „My Friend the Wind“, „Schönes Mädchen aus Arcadia“ und „Someday Somewhere“. Seine Fähigkeit, zeitlose Musik zu schaffen, gepaart mit seiner unverkennbaren, gefühlvollen Darbietung, machte jedes seiner Lieder zu einem unvergesslichen Erlebnis. Was ihn jedoch von seinen Zeitgenossen abhob, war nicht nur seine Stimme, sondern auch seine einzigartige, charismatische Bühnenpräsenz. Sein ikonisches Erscheinungsbild – lange Haare, ein dichter schwarzer Bart und, vor allem, die fließenden Kaftane – wurde zu seinem Markenzeichen. Die Kaftane, oft in leuchtenden Farben, reflektierten seine Verbindung zu seiner griechischen Herkunft und seine kompromisslose Individualität als Künstler, was ihn bei seinen Fans noch beliebter machte.

Ein entscheidender Faktor für seine globale Popularität war seine sprachliche Vielseitigkeit. Roussos sang fließend in mehreren Sprachen, darunter Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Griechisch. Durch die Aufnahme von Liedern in den Landessprachen seiner Zuhörer konnte er eine tiefere, persönlichere Verbindung zu Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufbauen. Diese Fähigkeit ermöglichte es ihm, Märkte in ganz Europa, dem Nahen Osten und Lateinamerika zu erobern und seinen Status als wahrer globaler Star zu festigen. Sein Übergang vom experimentellen Rock von 666 zu den sentimentalen, herzzerreißenden Klängen seiner Balladen zeigte eine künstlerische Vielseitigkeit, die ihn zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Künstler der Musikindustrie machte.

Die persönlichen Kämpfe: Gewicht, Flugzeugentführung und eiserne Resilienz

Trotz seines beispiellosen Erfolgs war Demis Roussos’ Leben von tiefgreifenden persönlichen Herausforderungen geprägt, die seine menschliche Stärke auf die Probe stellten. Eine der größten und sichtbarsten Auseinandersetzungen war der Kampf gegen sein eigenes Körpergewicht. Ab den späten 1970er Jahren schwoll sein Gewicht auf über 140 Kilogramm an, was nicht nur sein öffentliches Image, sondern vor allem seine Gesundheit massiv beeinträchtigte. Er kämpfte mit Mobilitätsproblemen und Herz-Kreislauf-Beschwerden, eine harte Realität für einen Performer, der einen energiegeladenen Lebensstil gewohnt war.

Sein Gewicht wurde zu einer Quelle tiefer Frustration, doch Roussos zeigte auch hier seine außergewöhnliche Entschlossenheit. Im Bemühen, die Kontrolle über seine Gesundheit zurückzugewinnen, verpflichtete er sich zu einer strengen Diät und einem intensiven Trainingsprogramm. Sein Durchhaltevermögen war beeindruckend: Innerhalb weniger Monate gelang es ihm, unglaubliche 50 Kilogramm zu verlieren. Diese erstaunliche Verwandlung stellte nicht nur seine körperliche Gesundheit wieder her, sondern festigte auch sein öffentliches Bild als Mann von großer Willenskraft. Er teilte seine mühsame Reise und die psychologischen Herausforderungen in seinem 1982 veröffentlichten Buch A Question of Weight, das ein Kapitel des Kampfes und des Triumphs in seine Lebenssaga schrieb.

Doch eine noch düsterere und lebensbedrohlichere Erfahrung sollte ihn 1985 heimsuchen. Im Juni dieses Jahres befand sich Demis Roussos an Bord des Trans World Airlines Flug 847, das von Athen nach New York unterwegs war. Das Flugzeug wurde von Mitgliedern der schiitischen Milizgruppe Hisbollah entführt und nach Beirut umgeleitet, wo die Passagiere als Geiseln genommen wurden. Fünf Tage lang war Roussos, wie viele andere, der psychischen und emotionalen Belastung ausgesetzt, unter vorgehaltener Waffe um sein Leben fürchten zu müssen. Die Lage war angespannt, unberechenbar und von der ständigen Androhung von Gewalt überschattet. Trotz des um ihn herrschenden Chaos und Terrors gelang es Roussos, seine Fassung zu bewahren. Seine stille Würde und Selbstkontrolle angesichts überwältigender Angst zeugten von bemerkenswerter Resilienz. Obwohl die psychologischen Narben des Traumas ihn noch Jahre verfolgten, weigerte er sich, das Erlebnis seine Karriere trüben oder seinen Geist brechen zu lassen. Er nutzte es stattdessen als eine ständige Erinnerung an die Zerbrechlichkeit des Lebens und die fundamentale Bedeutung von Widerstandsfähigkeit.

Demis Roussos, Greek singer of Forever and Ever, dies aged 68 | Music | The  Guardian

Der stille Schmerz: Die Krebsdiagnose und das liebevolle Geheimnis der Familie

Nach Jahrzehnten ununterbrochener Präsenz in der Musikszene zog sich Demis Roussos in seinen letzten Lebensjahren allmählich aus der Öffentlichkeit zurück. Ab den frühen 2000er Jahren konzentrierte er sich auf ruhigere, reflektierende Musik und veröffentlichte weiterhin Alben, die bei seiner loyalen Fangemeinde Anklang fanden. Doch seine Gesundheit, lange von den Kämpfen der Vergangenheit gezeichnet, begann, alarmierende Zeichen des Verfalls zu zeigen.

Anfang 2013 traf ihn der wohl verheerendste Schlag: Bei Demis Roussos wurde Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Die Krankheit, heimtückisch und lebensbedrohlich, forderte einen schweren physischen Tribut von dem Künstler. Doch das Schicksal nahm eine Wendung, die diese traurige Geschichte in eine tief emotionale, moralisch komplexe Tragödie verwandelte.

Demis’ Familie, insbesondere seine Tochter Emily, traf eine Entscheidung, die seine letzten Jahre unwiderruflich prägte: Sie beschlossen, ihn nicht über die Schwere seiner Krebserkrankung zu informieren. Die Familie wusste um die tiefen Ängste des Sängers vor dem Tod und seine Neigung, sich übermäßig Sorgen zu machen. Sie waren überzeugt, dass die volle Kenntnis der Diagnose ihn in tiefe Verzweiflung stürzen und ihm die wenigen verbleibenden friedvollen Momente nehmen würde. Emily Roussos erklärte später, dass dieser Akt aus reiner Liebe und Sorge um sein geistiges und emotionales Wohl geboren wurde. Die Familie hoffte, dass er durch das Zurückhalten der grausamen Wahrheit weiterhin mit einem Gefühl von Frieden und Würde leben könnte, ohne von der überwältigenden Angst vor dem Unvermeidlichen gelähmt zu werden.

Während sein Körper unaufhaltsam vom Krebs gezeichnet wurde, führte Demis Roussos ein relativ privates Leben, umgeben von seinen Liebsten. Er nahm weiterhin Musik auf, wenn auch seltener, und kämpfte still gegen die Schmerzen und Einschränkungen seiner Krankheit. Seine ikonische Stimme, die Millionen bezaubert hatte, wurde nun leiser, aber seine Stärke und seine Anmut im Angesicht des drohenden Endes blieben erhalten. Er entschied sich, sein Schicksal zu akzeptieren, nicht mit öffentlicher Klage, sondern mit der stillen Würde, die seinen Charakter zeit seines Lebens geprägt hatte.

Am 25. Januar 2015 verstarb Demis Roussos im Alter von 68 Jahren in Athen, Griechenland. Die Nachricht von seinem Tod löste weltweit Trauer aus. Doch während Fans um den Verlust einer der größten Stimmen der Musikwelt trauerten, kannten nur seine engsten Vertrauten das herzzerreißende Geheimnis, das sein Ende umgab: Der Mann, der so viele emotionale Stürme überlebt hatte, ging von uns, ohne die genaue Natur seines letzten Kampfes zu kennen.

Sein Tod markierte das Ende einer Ära, aber sein Erbe lebt unsterblich in den 60 Millionen verkauften Alben und den zeitlosen Melodien weiter, die er der Welt schenkte. Die Geschichte von Demis Roussos ist letztlich eine Geschichte über die Kraft der Musik, die Resilienz des menschlichen Geistes und die unendliche, oft schmerzhafte Komplexität der Liebe, die selbst vor der bittersten Wahrheit nicht Halt macht, um den geliebten Menschen zu schützen. Die Entscheidung seiner Familie, ihn im Ungewissen zu lassen, bleibt ein Akt, der so tragisch wie ergreifend ist und die Frage aufwirft, ob in den letzten Momenten des Lebens die Gnade des Friedens wichtiger ist als die bittere Pflicht der Wahrheit. Die Welt hat einen Künstler verloren, aber eine unvergessliche, zutiefst menschliche Geschichte gewonnen.