Hein Simons, der Junge, den die Welt als „Heintje“ ins Herz schloss, galt über Jahrzehnte als das personifizierte Glück der Schlagerwelt. Mit seiner glockenklaren Stimme und einem unschuldigen Lächeln rührte er Millionen zu Tränen. Doch hinter der glitzernden Fassade der großen Samstagabendshows verbarg sich eine Realität, die weit weniger harmonisch war, als es die Kameras vermuten ließen. Heute, im Alter von 70 Jahren, hat Hein Simons beschlossen, die Maske fallen zu lassen. Er spricht über die schmerzhaften Erfahrungen mit fünf Giganten der Unterhaltungsbranche, die seinen Weg nicht begleiteten, sondern ihn aktiv ausbremsten.

Es ist eine Abrechnung ohne Bitterkeit, aber mit einer Klarheit, die erschüttert. Hein Simons beschreibt eine Welt, in der Erfolg nicht vor Demütigung schützt und in der die Bühne oft kein Ort der Gemeinschaft, sondern ein gnadenloses Schlachtfeld der Egos ist. Für ihn waren diese Männer keine Mentoren, sondern Prüfsteine, die ihm zeigten, wie einsam man im hellsten Rampenlicht sein kann.

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Der herrische Taktgeber: Dieter Thomas Heck An erster Stelle steht ein Name, der untrennbar mit der „ZDF Hitparade“ verbunden ist: Dieter Thomas Heck. Für das Publikum war er der präzise, energische Moderator, doch für Hein Simons wurde er zum Symbol einer Welt, die ihn zwar feierte, aber nie als gleichwertig akzeptierte. Simons erinnert sich an einen Moment, der wie ein tiefer Riss in seiner Wahrnehmung wirkte. Während einer Liveshow fiel plötzlich Heins Mikrofon aus. Ein technischer Defekt, könnte man meinen. Doch der Blick hinter die Kulissen offenbarte ein anderes Bild: Heck hatte dem Tonmann ein eindeutiges Handzeichen gegeben, das Mikrofon abzuschalten. Während Simons wie ein Statist auf der Bühne stand, hörte er später den hämischen Satz: „Ein bisschen Ruhe tut dem Jungen gut.“ Es war eine Machtdemonstration, die sich durch weitere Vorfälle zog, bis hin zu dem Moment, in dem Heck ihm live das Mikrofon aus der Hand riss, um die Moderation selbst zu übernehmen. „Er war das Gesicht seiner Zeit“, resümiert Simons, „und ich war nur der Schatten daneben.“

Die unterkühlte Legende: Peter Alexander Auch die Begegnung mit Peter Alexander, dem „König ohne Krone“, hinterließ tiefe Narben. Simons blickte zu ihm auf, bewunderte seinen Humor und seine Eleganz. Doch die Realität der Zusammenarbeit war geprägt von kühler Distanz und kalkulierter Benachteiligung. Während einer Produktion wurde Hein durch bauliche Veränderungen an der Bühne der Weg abgeschnitten. Statt Unterstützung erhielt er von Alexander nur den trockenen Kommentar: „Dann musst du eben schneller reagieren.“ Es gipfelte in einem Finale, bei dem Simons durch Requisiten buchstäblich in eine schmale Ecke gedrängt wurde, während Peter Alexander auf der breiten Hauptfläche glänzte. Die Botschaft war klar: In der Welt der Legenden ist kein Platz für zwei.

ZDF-Legende Dieter Thomas Heck: Dieter Thomas Heck: Der Schnellsprecher der  Nation wird 80

Härte hinter dem Lächeln: Florian Silbereisen Überraschend ist die Nennung von Florian Silbereisen, dem modernen Publikumsliebling. Simons schätzte anfangs dessen Energie, spürte aber bald eine verborgene Härte. Er beschreibt Situationen, in denen Silbereisen ihm bei gemeinsamen Auftritten das Mikrofon entzog oder ihn durch geschickte Körperdrehungen aus dem Kamerabild drängte. Besonders schmerzhaft war die kurzfristige Streichung eines lang geprobten Solo-Auftritts „aus Zeitgründen“, während hinter der Bühne der Satz fiel: „Die Energie muss oben bleiben.“ Für Simons war dies eine klare Botschaft, dass er in der neuen, schnellen Fernsehwelt eher als Störfaktor denn als geschätzter Kollege wahrgenommen wurde.

Humor auf Kosten anderer: Rudy Carrell Rudy Carrell, das Genie des Show-Timings, wird von Simons als ein Mann beschrieben, dessen Perfektionismus oft auf Kosten der Würde anderer ging. Simons erinnert sich an manipulierte Teleprompter, die ihn live verstummen ließen, und an Comedy-Einlagen, die ihn physisch verletzten und der Lächerlichkeit preisgaben. Als ein Zusammenschnitt von Pannen ausschließlich Heins Missgeschicke zeigte, wurde klar, dass es hier nicht um gemeinsamen Humor ging, sondern um gezielte Bloßstellung. „Rudi entscheidet, was lustig ist“, hieß es von der Redaktion. Für Simons blieb Carrell ein Paradoxon: ein Held der Unterhaltung, der keine Scheu davor hatte, andere klein zu machen.

Hein "Heintje" Simons wird 70 · Schlager Radio (Original)

Die kalkulierte Nostalgie: Hansi Hinterseer Der letzte Name auf der Liste ist Hansi Hinterseer. Hinter dem „ewigen Sonnenschein“ der Volksmusik entdeckte Simons eine nüchterne Kalkulation. Es gab Vorfälle mit absichtlich schlecht eingespielten Tonbändern und manipulierten Bühnengängen, die Simons ungeschickt aussehen ließen. Am schwersten wog jedoch ein zufällig mitgehörtes Gespräch, in dem Hinterseer Simons als „nostalgischen Bonus“ bezeichnete, aber hinzufügte, dass Nostalgie kein Quotengarant sei. Es war die Erkenntnis, in den Augen der Kollegen nur noch eine abrufbare Ware zu sein.

Heute blickt Hein Simons auf diese Erlebnisse zurück, nicht um zu klagen, sondern um seine Geschichte zu vervollständigen. Er hat gelernt, dass die Bühne kein sicherer Hafen ist. Doch trotz der Demütigungen und der Versuche, sein Licht zu dimmen, steht er heute immer noch dort. Nicht mehr als das kleine „Heintje“, sondern als ein Mann, der seine eigene Stimme gefunden hat – eine Stimme, die heute lauter und klarer spricht als je zuvor.