Es ist eine Nachricht, die die Sportwelt bis ins Mark erschüttert und uns schmerzhaft vor Augen führt, dass auch die glanzvollsten Karrieren keinen Schutz vor menschlichem Leid bieten. Nicht unter dem tosenden Applaus von zehntausenden Zuschauern auf dem Centercourt von Roland Garros findet derzeit der wichtigste Kampf im Leben von Ana Ivanovic statt, sondern in der beklemmenden Stille hinter geschlossenen Krankenhaustüren. Die einstige Tennisikone, die über Jahre hinweg als Inbegriff von Eleganz, Stärke und Erfolg galt, wurde in einem kritischen Zustand eingeliefert. Es ist kein sportliches Duell, das sie hier austrägt, sondern ein Überlebenskampf ihrer Seele.

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Die Maske der Perfektion fällt

Lange Zeit galt Ana Ivanovic als die Ausnahmeerscheinung im Spitzensport. Ein makelloses Image, früher Weltruhm und ein Privatleben, das nach außen hin pure Stabilität ausstrahlte. Für Millionen von Fans war sie der Beweis, dass man im gnadenlosen Rampenlicht erfolgreich sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Doch genau dieses Bild der Unverwundbarkeit wurde ihr zum Verhängnis. Wer immer nur als die Starke, die Strahlende wahrgenommen wird, dem wird oft das Recht abgesprochen, schwach zu sein.

Wie nun bekannt wurde, soll eine sich hinziehende Scheidung und der damit verbundene juristische Druck die 37-Jährige in eine schwere depressive Krise gestürzt haben. Was nach außen hin wie eine kontrollierte Trennung wirkte, war in Wahrheit ein zermürbender Prozess, der wie ein stilles Gift in ihren Alltag sickerte. Ein langjähriger Wegbegleiter erinnert sich: „Ana war jemand, der immer alles unter Kontrolle haben musste. Ohnmacht war ein Gefühl, das sie nie gelernt hatte zu akzeptieren.“ Wenn das Fundament des eigenen Lebens in Paragraphen zerlegt wird, bleibt oft nur Leere.

Ein Körper, der die Sprache der Seele spricht

Hinter verschlossenen Türen offenbarte sich eine Realität, die so gar nicht zu den glänzenden Magazin-Covern passen wollte. Schwere Depressionen, Schlaflosigkeit und Panikattacken wurden zu ihren ständigen Begleitern. „Ich bin so müde, dass ich nichts mehr fühle – nicht einmal mehr Traurigkeit“, soll sie in einer dunklen Stunde gegenüber Vertrauten geäußert haben. Doch Ivanovic funktionierte weiter, wie sie es als Profisportlerin gelernt hatte, bis ihr Körper schließlich die Notbremse zog.

Mit dem seelischen Verfall kamen die physischen Symptome: Dramatischer Gewichtsverlust, Herzrhythmusstörungen und Schwindelanfälle. In einer Nacht, in der nichts mehr kontrollierbar war, folgte der Zusammenbruch. Der medizinische Zustand bei ihrer Einlieferung wurde als kritisch eingestuft. Ein behandelnder Arzt brachte das Drama auf den Punkt: Die größte Gefahr sei nicht ihr Körper allein, sondern die Tatsache, dass sie zu lange versucht habe, die Fassade der starken Frau aufrechtzuerhalten. Es ist das bittere Eingeständnis, dass auch Legenden zerbrechen können, wenn der Druck von außen und der eigene Anspruch zur unerträglichen Last werden.

Verletzte Ivanovic muss passen | Kurier

Der hohe Preis des öffentlichen Lichts

Die Geschichte von Ana Ivanovic wirft eine unbequeme Frage auf, die weit über den Sport hinausgeht: Erlaubt unsere Gesellschaft erfolgreichen Frauen überhaupt zu scheitern? Je größer der Erfolg, desto geringer scheint die Akzeptanz für menschliche Schwäche zu sein. Wer fällt, enttäuscht scheinbar nicht nur sich selbst, sondern ein Millionenpublikum, das in ihm ein Idealbild sucht.

In der Abgeschiedenheit des Krankenhauses, fernab von Kameras und sozialen Medien, muss Ana nun zum ersten Mal niemanden mehr etwas beweisen. Keine Rolle mehr spielen, kein Bild mehr wahren. „Ich möchte einfach nur Ruhe“, lautete ihr einfacher, aber schwer zu erfüllender Wunsch an eine nahestehende Person. Es ist ein Schrei nach Menschlichkeit in einer Welt, die oft nur Resultate und Siegerposen kennt.

Ein Kampf ohne Matchball

Dieser Prozess der Genesung folgt keinen sportlichen Regeln. Es gibt keinen Gegner, den man analysieren kann, keinen Matchball, der alles entscheidet, und keinen schnellen Sieg. Es ist ein langsamer, zäher Weg, auf dem jeder Tag eine neue Überwindung darstellt. Die Geschichte endet in diesem Moment nicht mit einer spektakulären Heilung, sondern mit der schmerzhaften Erkenntnis, dass Erfolg kein Schutzschild gegen Depressionen ist.

Ana Ivanovic steht in diesen Tagen stellvertretend für den hohen Preis, den ein Leben in der Öffentlichkeit fordern kann. Ihr Schicksal ist ein Mahnmal dafür, dass wir hinter der Berühmtheit den Menschen nicht vergessen dürfen. Wahre Stärke zeigt sich nicht darin, niemals zu fallen, sondern darin, den Mut aufzubringen, Hilfe anzunehmen, wenn das Licht zu erlöschen droht. Die Tenniswelt und ihre Fans auf der ganzen Erde hoffen nun, dass die Frau mit dem einst so strahlenden Lächeln die Stille findet, die sie braucht, um irgendwann wieder zu sich selbst zurückzukehren.

Ana Ivanović: Nach 3 Kindern und 8 Jahren Pause zurück beim Tennis |  Unterhaltung | BILD.de