Es ist ein Donnerschlag in der heilen Welt des deutschen Schlagers, der noch lange nachhallen dürfte. Roberto Blanco, der Mann, der wie kein anderer für Lebensfreude, Lachen und das Motto „Ein bisschen Spaß muss sein“ steht, hat das Lächeln abgelegt. Mit 88 Jahren nimmt der legendäre Entertainer kein Blatt mehr vor den Mund. In einem Interview, das die Branche derzeit in Aufruhr versetzt, rechnet er gnadenlos mit den Mechanismen der großen TV-Unterhaltungsshows ab. Seine Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um Vetternwirtschaft, mangelnde Wertschätzung und eine Bezahlmoral, die er schlichtweg als respektlos empfindet. Blanco spricht von „Mafia-Strukturen“ und einem geschlossenen Kreis, der keine neuen Talente zulässt. Doch was steckt wirklich hinter dem Wutausbruch der Ikone?

Der „Mafia“-Vergleich: Ein Tabubruch im Wohlfühl-TV

Wenn Roberto Blanco spricht, hören die Menschen zu. Doch diesmal sind es keine Anekdoten aus sieben Jahrzehnten Showbusiness, die er zum Besten gibt, sondern knallharte Kritik an den Platzhirschen der Szene. Im Visier des Sängers: Die Hochglanz-Shows von Florian Silbereisen und Giovanni Zarrella.

„Das ist wie eine kleine Mafia, wenn ich das so sagen darf“, zitiert das Hamburger Abendblatt den Entertainer. Ein Satz, der sitzt. Blanco, der selbst jahrzehntelang auf den großen Bühnen zu Hause war, beobachtet eine besorgniserregende Monotonie. Zwar betont er ausdrücklich, dass er Moderatoren wie Silbereisen (44) und Zarrella (47) für „tolle Moderatoren“ hält und auch die Dauer-Gäste wie Helene Fischer oder Roland Kaiser als „tolle Leute“ schätzt. Doch genau hier liegt für ihn das Problem: Es sind immer dieselben.

Wer am Samstagabend den Fernseher einschaltet, weiß oft schon Wochen vorher, wer auf der Gästeliste steht. Die großen Shows in ARD und ZDF wirken auf Blanco wie ein hermetisch abgeriegelter Club. „Man sollte auch neuen Gesichtern eine Chance geben“, fordert er vehement. Für den Nachwuchs sei in diesem System kaum Platz, da die Sendeplätze fest in der Hand der etablierten Quoten-Garanten seien. Dieser „Closed Shop“-Effekt, den Blanco so drastisch als „Mafia“ bezeichnet, erstickt seiner Meinung nach die Vielfalt und Innovation, die das Genre so dringend bräuchte. Es ist ein mutiger Vorstoß eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat und sich traut, auszusprechen, was viele Newcomer wohl denken, aber aus Angst um ihre Karriere niemals laut sagen würden.

„Show ist kein Hobby“: Der Kampf um die Gage

Doch Blancos Kritik beschränkt sich nicht nur auf die Gästelisten. Noch schwerer wiegt sein Vorwurf der finanziellen Ausbeutung. Der 88-Jährige prangert eine Entwicklung an, die in der TV-Branche seit Jahren schleichend voranschreitet, aber selten so offen thematisiert wird: Die Streichung von Gagen.

„Als ich anfing, wurde im Fernsehen noch ordentlich bezahlt“, erinnert sich Blanco wehmütig. Damals war ein Auftritt in einer großen Abendshow nicht nur Werbung, sondern bezahlte Arbeit. Heute hingegen sehe die Realität oft anders aus. Blanco berichtet von Anrufen seitens der Sender oder Produzenten, die ihm erklärten: „Die Gage ist abgeschafft worden“ oder man habe ein „neues Konzept“.

Für einen Vollblut-Profi wie Roberto Blanco ist das ein Schlag ins Gesicht. Seine Reaktion darauf ist ebenso konsequent wie verständlich: „Dann laden Sie mich bitte nicht mehr ein.“ Sein Credo lautet: „Show ist kein Hobby, das ist ein Beruf.“ Er zieht eine klare Grenze. Während Fernsehsender Millionenbeträge für Sportrechte oder aufwendige Produktionen ausgeben, werde bei den Künstlern, die den Inhalt liefern, der Rotstift angesetzt. Die Erwartungshaltung, dass Stars allein für die „Ehre“ und die „Promotion“ auftreten, lehnt er kategorisch ab.

Besonders den „ZDF-Fernsehgarten“ scheint er in diesem Kontext kritisch zu sehen. Für Blanco ist ein Format, das seine Künstler nicht mehr angemessen entlohnt, ein „Auslaufmodell“. Er lässt sich nicht mit einer bloßen Aufwandsentschädigung abspeisen. Diese Haltung zeugt von einem tiefen Berufsstolz. Blanco weiß, was er wert ist. Er weiß, dass er Stimmung, Professionalität und einen Namen mitbringt, der Zuschauer bindet. Dass dies nun „gratis“ zu haben sein soll, akzeptiert er nicht.

Die große Ausnahme: Heidi Klum und das Münchner Fest

Dass es auch anders geht, beweist Roberto Blanco mit einer Anekdote, die fast wie eine Liebeserklärung an eine andere deutsche Show-Größe klingt: Heidi Klum. Die Model-Mama lud den Schlagersänger kürzlich zu ihrem „Heidi Fest“ nach München ein, einer exklusiven Pre-Wiesn-Party im Hofbräuhaus.

Hier stimmte für Blanco alles. „Der Flug nach München hat sich gelohnt“, verriet er vielsagend. Zwar nennt er keine konkreten Summen, doch die Botschaft ist eindeutig: Heidi Klum weiß, wie man Legenden behandelt. Sie zahlt angemessen. Zwischen den Zeilen liest man: Hier wird die Leistung noch gewertschätzt.

Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet eine private Veranstaltung eines Supermodels als Positivbeispiel herhalten muss, während die öffentlich-rechtlichen Anstalten, finanziert durch Rundfunkbeiträge, in der Kritik stehen. Für Blanco war der Auftritt bei Heidi Klum nicht nur lukrativ, sondern auch eine Herzensangelegenheit, da er sie und ihre Familie seit Jahren kennt. Doch ohne die finanzielle Wertschätzung wäre wohl auch dieser Auftritt nicht zustande gekommen. „Wenn das Geld stimmt“, tritt Blanco gerne auf. Das ist keine Gier, sondern das legitime Geschäftsprinzip eines Mannes, der seit 70 Jahren auf der Bühne steht.

Ein Veteran zieht Bilanz

Warum geht Roberto Blanco gerade jetzt so hart ins Gericht mit seiner Branche? Mit 88 Jahren könnte er sich entspannt zurücklehnen. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Doch genau diese Unabhängigkeit verleiht seinen Worten Gewicht. Er spricht nicht aus Verbitterung über mangelnden Erfolg – er ist nach wie vor ein gefragter Mann –, sondern aus Sorge um die Kultur des Showbusiness.

Blanco verkörpert eine Ära, in der das Fernsehen noch das „Lagerfeuer der Nation“ war und die Künstler die unumstrittenen Stars, die hofiert wurden. Er sieht, wie sich die Zeiten ändern: Algorithmen, Quoten-Druck und Sparzwang dominieren die Entscheidungen der Sender. Die menschliche Komponente, die künstlerische Vielfalt und der faire Umgang scheinen dabei auf der Strecke zu bleiben.

Seine Kritik an den „immer gleichen Gesichtern“ ist dabei auch ein Plädoyer für den Zuschauer. Denn wie lange kann das Modell „Schlagerbooom“ und Co. noch funktionieren, wenn die Abwechslung fehlt? Wenn Woche für Woche dieselbe Handvoll Künstler ihre aktuellen Alben promotet, wird das Fernsehen zur reinen Werbeplattform, die ihren eigentlichen Unterhaltungsauftrag verfehlt. Blanco warnt davor, dass dieses System irgendwann implodieren könnte, wenn man dem Nachwuchs keine echte Plattform bietet.

Die Reaktionen: Schweigen im Walde oder Beginn einer Debatte?

Bislang haben sich die angesprochenen Sender und Moderatoren noch nicht offiziell zu den „Mafia“-Vorwürfen geäußert. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Florian Silbereisen oder Giovanni Zarrella öffentlich in den Ring steigen werden. Zu mächtig ist das Netzwerk, zu gut geschmiert die Maschine. Doch hinter den Kulissen dürften Blancos Worte für Unruhe sorgen. Denn er ist nicht irgendein nörgelnder Ex-Star, er ist Roberto Blanco – ein Ehrenmitglied der deutschen Unterhaltungselite.

Seine Aussagen könnten anderen Künstlern Mut machen, ebenfalls den Mund aufzumachen. Viele Musiker klagen hinter vorgehaltener Hand schon lange über die Praxis der „Promo-Auftritte ohne Gage“. Dass nun einer der ganz Großen das Schweigen bricht, könnte eine längst überfällige Diskussion anstoßen: Was ist uns Unterhaltung wert? Und haben wir eine Verantwortung gegenüber unseren Künstlern, sie fair zu bezahlen, anstatt ihre Abhängigkeit von TV-Präsenz auszunutzen?

Fazit: Ein bisschen Respekt muss sein

Roberto Blanco hat mit seiner „Abrechnung“ mehr getan, als nur Dampf abzulassen. Er hat den Finger in eine offene Wunde der deutschen Medienlandschaft gelegt. Seine Forderung ist simpel: Respekt. Respekt vor der Arbeit der Künstler, Respekt vor der Vielfalt und Respekt vor dem Publikum, das mehr verdient als die ewige Wiederholung des Gleichen.

Ob seine Kritik zu Änderungen führen wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Roberto Blanco lässt sich nicht verbiegen. Er wird weiterhin dort auftreten, wo man ihn schätzt – sei es bei Heidi Klum oder auf anderen Bühnen, die den Wert eines echten Entertainers noch zu würdigen wissen. Und den TV-Machern hat er eine klare Botschaft hinterlassen: Qualität hat ihren Preis. Und ein Roberto Blanco ist nicht umsonst zu haben.

Am Ende bleibt das Bild eines Mannes, der auch im hohen Alter noch kämpferisch ist. Er mag der Mann sein, der singt „Ein bisschen Spaß muss sein“, aber wenn es um seine Berufsehre geht, versteht er keinen Spaß. Und das ist vielleicht seine wichtigste Botschaft an die heutige Generation: Verkauft euch nicht unter Wert.

Roberto Blanco hat gesprochen. Und die Schlagerwelt sollte besser zuhören.