Es gibt Momente in der Geschichte, die wie ein Scharnier wirken. Momente, in denen eine einzige Entscheidung oder deren Ausbleiben alles verändert. Der Sommer 1942 ist so ein Moment. Die Wehrmacht steht tief im sowjetischen Territorium. Nach dem gescheiterten Versuch, Moskau zu nehmen, hat Hitler die Strategie gewechselt.
Diesmal soll der Süden entscheiden. Öl, Kaukasus, St. Ingrad, ein neues Ziel, eine neue Offensive. Unternehmen blau. Doch bevor dieser Plan überhaupt richtig anlaufen kann, passiert etwas, das in den deutschen Kriegstagebüchern lange heruntergespielt wurde. Die Wehrmacht bleibt bei Woronisch stecken. Nicht dramatisch, nicht in einer vernichtenden Niederlage, sondern langsam, zäh, kostbar, in Tagen, die niemand bezahlen konnte, in Divisionen, die niemand entbehren konnte.
Was wäre gewesen, wenn das nicht passiert wäre? Hätte Stalinrad vermieden werden können, hätte der Krieg einen anderen Verlauf genommen? Das ist keine Spekulation um der Spekulation Willen, das ist eine operative Analyse. Wir schauen uns die Entscheidungen an, die Männer, die sie trafen und die Konsequenzen, die daraus folgten.
Und am Ende werden wir sehen, Woronisch war nicht nur eine Stadt. Woronisch war der Punkt, an dem Unternehmen blau zu scheitern begann, bevor es überhaupt seinen Höhepunkt erreicht hatte. Um zu verstehen, warum wurisch so entscheidend war, muß man verstehen, in welchem Zustand die Wehrmacht den Winter 1941 überlebt hatte.
Barbarossa, der Angriff auf die Sowjetunion, hatte im Juni 1941 mit einer Kraft begonnen, die in der modernen Kriegsgeschichte kaum ihres gleichen hatte. drei Heresgruppen, über drei Millionen deutsche Soldaten, hunderttausende Verbündete. Die Wehrmacht rollte ostwärts mit einer Geschwindigkeit, die selbsterfahrene Generale verblüffte.
Doch dann kam Moskau und mit Moskau kam der Winter. Unternehmen Taifun, der Angriff auf die sowjetische Hauptstadt, war im Dezember 1941 zum Stehen gekommen. Nicht weil die Deutschen zu schwach waren, sondern weil die Sowjets stärker waren, als jeder Geheimdienstbericht es vorhergesagt hatte. Marshall Georgi Schukow, ein Mann, dessen Kälte im Urteil ebenso legendär war wie seine Entschlossenheit im Angriff, hatte mit frischen sibirischen Divisionen eine Gegenoffensive gestartet.
die die Wehrmacht aus dem Vorfeld Moskaus zurückwarf. Hitler reagierte auf seine Art. Er entließ Feldmarschelle. Er übernahm persönlich den Oberbefehl über das Heer und er befahl: “Keine Rückzüge, halten, wo man steht.” Diese Entscheidung rettete die Front, aber sie hatte ihren Preis. Die deutschen Divisionen, die im Winter 1941 bis 42 in der Kälte aushielten, waren am Ende ausgez.
Sie hatten Ausrüstung verloren, Männer verloren und vor allem hatten sie die Leichtigkeit verloren, mit der sie einst operiert hatten. Im Frühjahr 1942 stand die Wehrmacht vor einer einfachen Wahrheit. Sie konnte nicht mehr an der gesamten Ostfront gleichzeitig angreifen. Die Verluste des Vorjahres waren zu hoch.
Ersatz kam, aber er war nicht ausgebildet wie die Männer, die gefallen waren. Die Ausrüstung wurde aufgefüllt, aber nicht vollständig. Hitler und die Führungsriege des Oberkommandos der Wehrmacht, kurz Okw, zogen die einzig logische Konsequenz. Sie mussten sich entscheiden, einen Schwerpunkt setzen, alles auf eine Karte.
Die Karte, die Hitler wählte, war der Süden. Die Logik dahinter war nicht irrational. Im Gegenteil. Oberflächlich betrachtet, war sie bestechend. Die Sowjetunion bezogen, erheblichen Teil ihres Treibstoffs aus den Ölfeldern des Kaukasus, insbesondere aus Baku. Wenn die Wehrmacht diese Felder nehmen oder zumindest unterbrechen könnte, würde die rote Armee ihren Panzern, ihren Flugzeugen, ihren Lastkraftwagen den Sprit abdrehen.

Gleichzeitig würde Deutschland selbst an begehrten Rohstoffe gelangen, die der Krieg verschlangen. Hinzukam Stalingrad. Eine Industriestadt am Wolgaufer, eine Rüstungsstadt und nicht unwichtig eine Stadt, die den Namen Stalins trug. Generalfeldmarschall Fedor von Bock, Oberbefehlshaber der Heresgruppe Süd, erhielt den Auftrag, die Offensive zu führen.
Der Plan, Fall Blau, später auch Unternehmen Braunschweig genannt, sah vor, in zwei parallelen Stößen vorzugehen. Eine Gruppe sollte ostwärts zur Wolga vorstoßen und Stalingrad nehmen. Die andere sollte südwärts in den Kaukasus einbrechen. Es war ein Plan mit innerer Spannung. zwei Ziele gleichzeitig, das war immer gefährlich. Ressourcen, die auf zwei Richtungen aufgeteilt werden, sind auf keiner Richtung stark genug.
Erfahrene Generale sahen das. Sie schwiegen oder wurden ignoriert. Entscheidend für den Erfolg war die Geschwindigkeit. Fall blau mußte schnell sein. Die Flanken des riesigen Vorstoßes würden offen sein, gedeckt nur durch verbündete Armeen, durch Rumänen, Italiener, Ungarn, die weder die Ausrüstung noch die Erfahrung der deutschen Divisionen hatten.
Jeder Tag, den man verlor, war ein Tag, den die Sowjets nutzen, um sich zu organisieren, zu verstärken, Gegenmittel zu entwickeln. Geschwindigkeit war keine Option. Geschwindigkeit war die Voraussetzung für alles. Und genau hier beginnt die Geschichte von Woronisch. Woronisch liegt am Donn, etwa 450 km südlich von Moskau.
Im Sommer 1942 war es eine Industriestatt von strategischer, aber nicht primärer Bedeutung. Wichtige Rüstungswerke, ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt, eine Brücke über den Donn. Im ursprünglichen Plan von Fallblau war V wuronisch kein Ziel. Es war ein Punkt, den man passieren würde. Die deutschen Kräfte sollten den Donn nördlich der Stadt überqueren und dann scharf nach Südosten drehen in die Steppe in Richtung Wolga in Richtung Stalingrad.
Woronisch selbst zu nehmen, die Stadt zu besetzen, in ihr zu kämpfen. Das war nicht vorgesehen, das war nicht der Plan. Aber dann kam Heresgruppe B und mit ihr kam Generalfeldmarschall Fedor von Bock. Van Bock war einer der erfahrensten deutschen Heerführer. Er hatte Polen geführt, Frankreich geführt, den Angriff auf Moskau geführt.
Er verstand Operationen. Er verstand auch, was eine ungedeckte Flanke bedeutete. Als die deutschen Panzer im Sommer 1942 nach Osten rollten und sich wonisch näherten, erkannte von Bock eine Gefahr. Die sowjetischen Kräfte nördlich von Woronisch, die Briansk Front unter General Philip Golikov bildeten eine potenzielle Bedrohung für die nördliche Flanke des deutschen Vorstoßes.
Wenn man einfach an Woronisch vorbeizog, ohne die Stadt zu sichern und die sowjetischen Kräfte im Norden zu binden, riskierte man einen Flankenangriff. Von Boxargumentation war militärisch nachvollziehbar, aber sie kollidierte mit dem, was Hitler wollte. Hitler wollte keine Verzögerung. Er wollte Schwung.
Er wollte, dass die Panzer nach Süden drehen, bevor die Sowjets begreifen, was geschieht. Das vierste Panzerarmee unter General Oberst Hermann H, eine der schlagkräftigsten Panzerformationen, die Deutschland zu diesem Zeitpunkt besaß, näherte sich wuronisch. Und hier beginnt die Debatte, die bis heute Militärhistoriker beschäftigt. Von Bollte Voronisch nehmen, vollständig.
die Stadt sichern, die Flanke beruhigen, dann weitergehen. Hitler wollte, dass nur der westliche Teil der Stadt besetzt wird und die Panzer sofort weiter nach Süden drehen. Was folgte, war ein Kompromiss, und Kompromisse sind in der Kriegsführung oft die schlechteste aller Lösungen.
Teile der Panzerkräfte wurden eingesetzt, um in Woronisch zu kämpfen. Andere sollten bereits nach Süden schwenken. Ergebnis, man tat beides halbherzig. Die Sowjets verteidigten Woronisch mit einer Verbissenheit, die die Deutschen überraschte. Die Briansk Front und Teile der Voronischfront, eine neue Formation hastig zusammengestellt unter General Nikolai Watutin, warfen alles in die Verteidigung, was verfügbar war. Straße für Straße, Haus für Haus.
Und so blieb die Wehrmacht bei Woronisch stecken. Nicht vollständig, nicht vernichtend, aber für Tage, für kostbare, unersetzliche Tage im Hochsommer 1942. Hier muss man innerhalten. Man muss die Lage auf der Karte ansehen und verstehen, was diese Verzögerung in der Praxis bedeutete. Unternehmen blau war kein Frontalangriff.
Es war ein Zangenangriff, ein Versuch sowjetische Kräfte einzuschließen, bevor sie entweichen konnten. Die Geschwindigkeit der deutschen Panzer war das Werkzeug. Wenn die Panzer zu spät ankamen, wenn die Zange zu langsam zuschnappte, dann entkamen die sowjetischen Armeen. Und genau das geschah.
Während Teile der deutschen Panzertruppen in den Straßen von Woronisch gebunden waren, zogen sich die sowjetischen Armeen im Süden zurück geordnet. diszipliniert. Sie entkamen dem Kessel, den die Deutschen schließen wollten. General Georgi Schukow, der die sowjetische Verteidigung in dieser Phase mitkoordinierte, erkannte früh, dass die Deutschen diesmal anders kämpften als in 1941.

Die Gefahr eines Einschlusses war real. Seine Antwort: Rückzug statt Standhaltigkeit, wo der Einschluss drohte, elastische Verteidigung statt starrer Linien. Diese Taktik kostete Raum, aber sie rettete Armeen und Armeen, die entkamen, konnten kämpfen. Bei Stalingrad von Bok wurde Anfang Juli 1942 von Hitler entlassen.
Die offizielle Begründung war Waage. Der eigentliche Grund war das Debakel um Voronisch. die Verzögerung, die Hitler ihm anlastete, auch wenn die Entscheidungsprozesse komplexer waren als einfaches Schuldurteil erlaubt. An seine Stelle trat Maximilian Freiherr Weigs, ein solider zuverlässiger General, aber kein Mann, der Hitler widersprechen würde.
Man würde die Geschichte verfehlen, wenn man nur auf die deutschen Entscheidungen schaute. Auf der anderen Seite stand ein Mann, der aus Woronisch eine Lektion zog, die er nicht vergessen würde. Nikolai Watutin, 44 Jahre alt, scharf im Denken, schnell im Handeln, kommandierte die frisch gebildete Voronischfront.
Er hatte nicht die Mittel, die Wehrmacht zu stoppen, aber er hatte genug, um sie zu verzögern. Und Verzögerung war das, was die Sowjets brauchten. Watutin verstand etwas, das viele seiner Kollegen erst später begriffen. Die deutsche Stärke war die operative Beweglichkeit. Man stopte sie nicht durch Frontalwiderstand.
Man stoppte sie durch erzwungene Pausen, durch Bedrohungen der Flanken, durch das ständige Zwingen der deutschen Führung inne zu halten und nachzudenken. Bei Voronisch gelang das nicht vollständig, aber genug. Watutin würde in den kommenden Jahren zu einem der bedeutendsten sowjetischen Heerführer aufsteigen.
Er würde bei Stalingrad eine Rolle spielen. Er würde bei Kursk eine Rolle spielen. Und immer wieder würde man in seinen Operationen die Fingerabdrücke der Lehre erkennen, die er in Woronisch gezogen hatte. Zwing den Feind an Orten zu kämpfen, die er nicht kämpfen wollte. Als die deutschen Kräfte wuronisch schließlich teilweise gesichert hatten und nach Süden schwenkten, war die ursprüngliche Dynamik von Fallblau gebrochen.
Die Panzerarmeen, die nach Süden drängten, die erste Panzermee unter Generaloberst Ewald von Kleist, die vierte Panzerarmee unter Hot, fanden vor sich keine eingekesselten sowjetischen Verbände. Sie fanden leere Steppe. Die Sowjets waren weg. Sie zogen sich zurück hinter den Donn. hinter die Wolger in Richtung der Gebiete, die sie zu halten entschlossen waren.
Das war verwirrend, es war frustrierend und es verführte Hitler zu einem der folgenreichsten Fehler des gesamten Krieges. Im Juli 1942 entschied Hitler, die Heresgruppe Süd in zwei Teile aufzuteilen. Heresgruppe A sollte in den Kaukasus vorstoßen. Esgruppe B sollte die Wolger erreichen und Stalingrad nehmen. Beide Ziele gleichzeitig mit Kräften, die bereits durch wuronisch geschwächt und erschöpft waren, mit Flanken, die von verbündeten Armeen gehalten wurden, die für diese Aufgabe nicht ausgerüstet waren.
Der Rahmen, in dem Stalingrad zur Katastrophe werden konnte, war damit gesetzt. Die Steppe zwischen Don und Wolga ist eine der unwörtlichsten Landschaften Europas. Im Sommer brennt die Sonne erbarmungslos auf gelbes verdorrtes Gras. Der Wind trägt feinen Staub, der in Motoren dringt, in Lungen, in Augen.

Es gibt kaum Deckung, kaum Schatten, kaum Wasser. Für Infanteristen ist es eine Qual. Für mechanisierte Verbände ist es ein Albtraum der Logistik. Durch diese Landschaft bewegten sich im Sommer 1942 die deutschen Panzerverbände auf Stalingrad zu und bereits in dieser Bewegung zeigten sich die Risse, die Woronisch gerissen hatte. Die vierte Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hte in den Kämpfen um Woronisch Zeit und Treibstoff verloren.
Beides war nicht einfach zu ersetzen. Die Versorgungslinien der Wehrmacht erstreckten sich inzwischen über hunderte von Kilometern zurück bis in die Ukraine und jeder Kilometer Vormarsch machte die Situation prekärer. Treibstoff wurde zum kritischen Engpass. Es gab Tage, an denen Panzerverbände haltierten. Nicht, weil der Feind sie aufgehalten hatte, sondern weil die Tankwagen nicht ankamen.
Dieser Umstand ist schwer zu überschätzen. Die deutsche Panzerwaffe war ein Präzisionsinstrument, das von einem einzigen Rohstoff abhängig war. Wenn der Treibstoff ausblieb, war der stärkste Panzer wertlos, ein Stahlblock in der Steppe, der auf Versorgung wartete, während der Feind Zeit gewann. Und Zeit war das, was die Sowjets brauchten.
Man muß Stalingrad nicht nur als militärisches Ziel verstehen, man muß es auch als Symbol begreifen. Und Symbole haben in Kriegen eine eigene Logik, die sich der operativen Rationalität entzieht. Stalingrad, heute Volgograd, lag am westlichen Ufer der Wolger. Es war eine lang gestreckte Stadt, die sich über 50 Kilometer entlang des Flusses erstreckte, kaum mehr als 15 km tief.
Die Wolger selbst war hier fast 2 km breit. Sie war die letzte natürliche Barriere vor den endlosen Weiten Zentralasiens. Die Stadt war wichtig, ja. Sie produzierte Panzer im Traktorenwerk, das innerhalb kürzester Zeit für Rüstungszwecke umgebaut worden war. Sie war ein Verkehrsknotenpunkt auf dem Nordsüdkorridor der Sowjetunion, aber ihre symbolische Bedeutung überwog die strategische.
Eine Stadt mit dem Namen Stalins in deutschen Händen zu sehen, das wäre eine Botschaft gewesen, die weit über die Wolga hinausgehört worden wäre. Stalin verstand das und Hitler verstand das auch. Es war diese wechselseitige Fixierung auf einen Namen, auf eine Stadt, die aus einem operativen Ziel eine Obsession machte. Und Obsessionen sind in der Kriegsführung tödlich.
Friedrich Paulus, General Oberst, Oberbefehlshaber der sechsten Armee, der Hauptkraft des Deutschen Angriffs auf Stalingrad, war ein sorgfältiger akribischer Offizier. Er war kein Draufgänger. Er war kein Rommel. Er war ein Stabsoffizier von hoher Intelligenz und bedächtiger Art, der im Hauptquartier brilliert hatte und nun die schwerste Feldaufgabe des Krieges übernommen hatte.
Paulus hatte Zweifel, das ist dokumentiert. Er sah die Länge der Flanken, die die sechste Armee auf ihrem Vormarsch nach Osten entblöße. Er sah, dass diese Flanken von rumänischen und italienischen Armeen gehalten wurden, verbündeten, die tapfer kämpfen konnten, aber nicht mit der Ausrüstung und Erfahrung ausgestattet waren, die eine solche Aufgabe verlangte.
Er wußte, daß ein sowjetischer Durchbruch an diesen Flanken seine gesamte Armee abschneiden konnte. Er äußerte diese Bedenken. Er wurde beruhigt. Hitler und das OKW versicherten ihm, daß die sowjetischen Reserven erschöpft sein, daß ein Gegenangriff in dieser Größenordnung nicht möglich sei. Paulus glaubte ihnen oder er zwang sich ihnen zu glauben.
Das ist der Unterschied, über den Historiker bis heute streiten. Was klar ist, Paulus triebe nach Osten und im August 1942 erreichten deutsche Einheiten das westliche Ufer der Wolga nördlich von Stalingrad. Sie konnten den Fluss sehen, sie hörten die Glocken der Stadt nicht, dafür die Artillerie. Hier ist der Moment, an dem man die kontrafaktische Frage direkt stellen muß.
Wenn die Wehrmacht bei Woronesch nicht stecken geblieben wäre, wenn die Panzerdivisionen, die in den Stadtstraßen gebunden wurden, frei gewesen wären für den Schwenk nach Süden, hätte man Stalingrad dann schneller und entschiedener nehmen können. Die Antwort der Militärhistoriker ist geteilt, aber die Mehrheit der ernsthaften Analysen tendiert zu einem klaren Jahr mit einer wichtigen Einschränkung.
Betrachten wir zunächst die Zeitrechnung. Die Verzögerung bei Woronisch kostete die Wehrmacht schätzungsweise 10 bis 14 Tage volle Kampfkraft im operativen Vorgehen. Das klingt nicht nach viel, aber in der Dynamik einer Sommeroffensive, in der Entscheidungen innerhalb von Stunden fallen können, in der Armeen, die eine Woche früher eintreffen, eine völlig andere Lage vorfinden als Armeen, die eine Woche später ankommen, da sind 14 Tage eine Ewigkeit.
Als die deutschen Panzerspitzen Ende August 1942 Stalingrad erreichten, war die Verteidigung der Stadt bereits organisiert. Brigaden der 62. sowjetischen Armee unter General Vassiliuikow, ein Kommandeur von einer Rücksichtslosigkeit und Entschlossenheit, die selbst seinen eigenen Vorgesetzten manchmal Schaudern machte, hatten Stellung bezogen.
Minensperren waren gelegt. Artillerie war in Position. Die Fabriken wurden verteidigt wie Festungen. Zwei Wochen früher hätte die Lage anders ausgesehen. Die Sowjets waren noch in der Reorganisation. Die Verstärkungen aus dem Osten waren noch unterwegs. Das Fenster war nicht weit offen, aber es war offen.
Vasili Ivanovicow ist einer der interessantesten Feldkommande des Zweiten Weltkrieges, weil er aus der Not eine Doktrin machte. Als die deutschen Verbände im September in die Stadt eindrangen und der Straßenkampf begann, erkannte TUikow schnell: “Die Wehrmacht war überlegen im offenen Gelände.
Die deutschen Panzer, die Artillerie, die Luftwaffe, all das entfaltete seine Wirkung im offenen Raum. In engen Straßen, in Ruinen, in Kellern war das anders. Chuikow entwickelte die Taktik der Sturmgruppen. Kleine flexible Einheiten, die sich durch das Trümmerwerk der Stadt bewegten, die Deutschen auf engstem Raum bekämpften, die Front so nah an den Feind heranschoben, dass die deutsche Artillerie und Luftwaffe das Risiko einging, die eigenen Leute zu treffen.
Halten Sie sich am Gürtel des Feindes, war Chuikovs Befehl, dann können Sie Ihre Bomben nicht werfen. Es funktionierte nicht immer. nicht überall, aber genug. Die deutschen Divisionen, die in Stalingrad kämpften, waren exzellente Verbände, aber sie waren auf offene Bewegungskriegsführung vorbereitet, nicht auf das brutale, erschöpfende, psychologisch zermürbende Ringen um ein Gebäude, einen Keller, eine Fabrikhalle. Die Verluste stiegen.
Der Fortschritt verlangsamte sich. Eine Division nach der anderen wurde in den Schlund der Stadt gesogen und die Flanken blieben offen. Wir müssen einen Moment bei den Flanken verweilen, weil sie der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Katastrophe sind. Die sechste Armee, die in Stalingrad kämpfte, hatte eine nördliche Flanke, die sich über Hunderte von Kilometern entlang des Donnen erstreckte.
Diese Flanke wurde von der zweiten ungarischen Armee und Teilen der dritten rumänischen Armee gehalten. Im Süden hielt die vierte rumänische Armee die Flanke zwischen Stalingrad und dem kalmückischen Steppengürtel. Das waren keine schlechten Soldaten, aber sie waren nicht für diese Aufgabe ausgestattet. Sie hatten kaum Panzerabwehrwaffen, die gegen moderne sowjetische Panzer wirksam waren.
Sie hatten wenig Artillerie und sie hatten das Wissen, das nagende, lähmende Wissen, dass hinter den sowjetischen Linien etwas aufgebaut wurde. Denn die Sowjets bauten tatsächlich etwas auf. Marshall Georgi Konstantinovs Schukow und Generaloberst Alexander Wassilevchik planten im Herbst 1942 eine Operation, die in ihrer Kühnheit und Präzision zu den bemerkenswertesten militärischen Planungsleistungen des gesamten Krieges gehört.
Operation Uranus. Der Plan war einfach in seinem Kern und teuflisch in seiner Ausführung. Zwei sowjetische Panzerarmeen würden gleichzeitig gegen die rumänischen Flanken angreifen, im Norden und im Süden. Wenn beide Stöße gelangen, würden sie sich hinter Stalingrad treffen und die gesamte sechste Armee einschließen. Schukoff war überzeugt, dass es funktionieren würde, aber er wollte sicher sein.
Er wollte genug Panzer, genug Artillerie, genug Munition. Er und Wassi Leftchik baten Stalin um Zeit, um die Reserven aufzubauen. Stalin gab ihnen die Zeit. Diese Entscheidung Stalins, geduldig zu warten, währendikow in Stalingrad die deutschen Kräfte fesselte, war eine der bedeutendsten strategischen Entscheidungen des Krieges.
Stalin, der in 1941 reflexartig Gegenangriffe befohlen hatte, die oft in Disastern endeten, hatte gelernt, er hatte sich verändert oder er hatte gelernt, auf Schukow zu hören. Es gibt einen Aspekt von Fallblau und Stalingrad, der in populären Darstellungen oft zu kurz kommt, aber für Militärhistoriker zentral ist die Logistik. Die Wehrmacht des Jahres 1942 war in vieler Hinsicht eine modernere Armee als die von 1941.
Aber ihre Versorgungsstruktur hingte der operativen Reichweite weit hinterher. Das Eisenbahnnetz in der Ukraine und im Süden Russlands war auf russische Breitspur ausgelegt, eine andere Spurweite als die deutsche Normalspur. Jede Lock, jeder Wagon musste entweder umgespurt oder ersetzt werden.
Das dauerte, das kostete Kapazität. Das Ergebnis, je weiter die Wehrmacht nach Osten vordrang, desto dünner wurden ihre Versorgungslinien. Bei Stalingrad war die Situation bereits kritisch. Die Panzerdivisionen kämpften oft mit weniger als der Hälfte ihrer Sollstärke an Fahrzeugen, weil Ersatzteile nicht ankamen. Die Infanterie kämpfte mit Munitionsrationen, die für einen normalen Kampftag kaum reichten.
Diese logistische Realität ist der Hintergrund, vor dem die vorisch Verzögerung noch schwerer wiegt. Jeder Treibstoff, der in Voronisch verbraucht wurde, war Treibstoff, der vor Stalingrad fehlte. Jede Stunde, die Panzer in Woronisch kämpften, war Motorstunden, die von der ohnehin begrenzten Lebensdauer der Fahrzeuge abgingen.
Die Wehrmacht operierte mit einem Konto, das bereits überzogen war, und sie wusste es nicht oder wollte es nicht wissen. Maximilian Freiherriks, der Nachfolger von Box an der Spitze der Heresgruppe B, ist eine der tragisch und Figuren dieses Feldzuges. von Weiks war kein Dummkopf. Er sah die Probleme. Er sah die überlangen Flanken.
Er sah, dass die sechste Armee in Stalingrad festsaß und dass die Verstärkungen, die sie brauchte, entweder nicht verfügbar oder anderweitig gebunden waren. Er meldete diese Bedenken nach oben. Mehrfach. Die Antwort aus dem Führerhauptquartier war immer dieselbe. Die rote Armee sei am Ende ihrer Reserven.
Ein sowjetischer Großangriff sei nicht zu erwarten. Halten, aushalten, Stalingrad nehmen. Von We hielt und wartete. Er war kein Mann, der die Konfrontation mit Hitler suchte. Vielleicht war das seine größte Schwäche in diesem Moment. Vielleicht war es aber auch einfach die Realität. Generale, die Hitler widersprachen, wurden entlassen.
Von Bock war dafür das frischeste Beispiel. Das System, das Hitler um sich herum aufgebaut hatte, belohnte gehorsam und bestrafte Urteilsvermögen. Es war ein System, das in ruhigen Zeiten funktionieren mochte. In der Krise von Stalingrad erwies es sich als tödlich. Am 19. November 1942, einem frühen Wintermen, mit Temperaturen weit unter null und einem Nebel, der Sicht und Horizont verschluckte, begann Operation Uranus.
Um 5:20 Uhr morgens eröffneten über 3000 sowjetische Geschütze das Feuer auf die Stellungen der dritten rumänischen Armee nördlich von Stalingrad. Die Erde bebte. Die Stellungen, die Monate zuvor mit so viel Mühe ausgebaut worden waren, zerbrachen unter dem Trommelfuer. Die erste und fünfte sowjetische Panzerarmee brachen durch die rumänischen Linien wie Wasser durch morsches Holz.
Die rumänischen Soldaten kämpften, wo sie konnten, aber gegen T34 Panzer, ohne ausreichende Panzerabwehr, ohne Luftunterstützung, ohne Reserven, was kann man tun? Im Süden begann der Angriff am 20. November. Die vierte sowjetische mechanisierte Armee und die sechste sowjetische mechanisierte Armee durchbrachen die vierte rumänische Armee mit derselben Schlagkraft. Am 23.
November 1942 schlossen sich die beiden sowjetischen Zangen bei Kalsch am Don. Die sechste Armee, etwa 000 Mann mit Ausrüstung, Pferden, Fahrzeugen, Vorräten war eingeschlossen. Paulus sah, was geschehen war. Er bat um Erlaubnis zum Ausbruch. Hitler verweigerte sie. Hier in diesem Moment des Einschlusses stellt sich die kontrafaktische Frage mit voller Schärfe.
Wenn die Wehrmacht bei Woronisch nicht stecken geblieben wäre, wenn die Panzerdivisionen 10 bis 14 Tage früher vor Stalingrad angekommen wären, hätte man die Stadt nehmen können, bevor TUIK sie zur Festung gemacht hatte. Die Antwort hängt davon ab, welche anderen Faktoren man gleich hält. Wenn man nur die Zeit ändert und alles andere konstant lästt, dann wahrscheinlich ja.
Stalingrad war Anfang August 1942 noch verwundbar. Die Verteidigung war noch nicht organisiert. Tuikow war noch nicht vollständig im Kommando. Aber hier liegt das Grundproblem jeder kontrafaktischen Analyse des Zweiten Weltkrieges. Es gab nie nur eine Ursache für eine Katastrophe. Es gab immer ein System von Ursachen, die sich gegenseitig verstärkten.
Selbst wenn Stalin gerade gefallen wäre, was dann? Die Wolga war noch da, die rote Armee war noch da, die sowjetische Rüstungsindustrie, die hinter den Ural verlagert worden war, produzierte noch. Und die langen verwundbaren deutschen Flanken, sie wären noch da gewesen. Schukow und Wassi Lefchick hätten Operation Uranus oder eine ähnliche Operation gegen diese Flanken geplant, unabhängig davon, ob Stalingrad in deutschen Händen war oder nicht.
Die strukturelle Schwäche der deutschen Position im Süden Russlands war nicht durch die Einnahme einer Stadt zu beheben. Es gibt Militärhistoriker, die argumentieren, dass Unternehmen blau von Anfang an nicht zu gewinnen war. Nicht wegen voronisch, nicht wegen einzelner Entscheidungen, sondern wegen seiner grundlegenden strategischen Konzeption. Das Argument läuft so.
Deutschland hatte nicht die Ressourcen, zwei Ziele gleichzeitig zu verfolgen, den Kaukasus und Stalingrad, Öl und Symbolik. Wenn man den Kaukasus wirklich hätte nehmen wollen und das war das eigentlich kriegsentscheidende Ziel, da Öl alles antreibt, dann hätte man alle Kräfte dorthin konzentrieren müssen. Stalingrad hätte man durch Luft, Blockade und Artillerie neutralisieren können, ohne es zu stürmen. umgekehrt.
Wenn Stalingrad das Ziel war, dann hätte man die Kräfte für den Kaukasus gespart und stattdessen eine starke tiefe Reserve aufgebaut, die die Flanken sicherte. Hitler tat keines von beidem. Er verfolgte beide Ziele gleichzeitig und schwächte beide Operationen. Heresgruppe A, die in den Kaukasus vordrang, erreichte zwar Maikop, das erste Ölfeld, aber die Ölfelder von Baku, das eigentliche Ziel, blieben außer Reichweite.
Heresgruppe B kam nach Stalingrad, aber nicht durch die Stadt. In dieser strategischen Unentschlossenheit, in dieser Weigerung zwischen zwei Zielen zu wählen, liegt die tiefere Ursache der deutschen Niederlage im Süden. Voronisch war ein Symptom dieser Unentschlossenheit, keine eigenständige Ursache. Der Winter 1942 bis 43 an der Volga war einer der härtesten, an die sich selbst russische Veteranen erinnern konnten.
Temperaturen von 40° unter 0. Schneestürme, die die Sicht auf wenige Meter reduzierten. Erde, die so hart gefroren war wie Beton, soß Schaufeln abbrallten und Gräben kaum zu graben waren. In diesem Winter saßen 320.000 Deutsche und ihre Verbündeten im Kessel von Stalingrad. Der Kessel von deutschen Soldaten bald, der Hexenkessel genannt, war ein Gebiet von etwa 30 kilometern Breite und vierzig km Tiefe.
Darin die sechste Armee, Teile der vierten Panzerarmee, rumänische und kroatische Einheiten, Sanitäter, Verwaltungssoldaten, Feldgeistliche, Pferde, eine ganze Welt in einem Kreis aus sowjetischen Divisionen. Paulus hatte die Lage sofort erkannt. Seine erste Reaktion war klar und militärisch logisch. ausbrechen, bevor der Kessel sich festt, bevor die Sowjets ihre Linien verstärken, bevor die Vorräte schwinden.
Ein Ausbruch in den ersten Tagen nach dem Einschluss hätte Chancen gehabt. Nicht gute Chancen, aber Chancen. Hitler verweigerte den Ausbruch, Stalingrad sleing, Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hatte versprochen, den Kessel aus der Luft zu versorgen. “500 Tonnen täglich”, sagte Göring. Das sei machbar. Es war nicht machbar.
Hermann Göring ist eine der Figuren dieses Krieges bei der persönliche Eitelkeit und strategische Inkompetenz eine besonders giftige Mischung eingen. Göring wusste, dass die Luftwaffe den Kessel nicht ausreichend versorgen konnte. Seine eigenen Fachleute sagten ihm das. Generalleutnant Hans Jeschonik, Chef des Luftwaffengeneralstabs, berechnete, daß die Transportkapazität der Luftwaffe maximal 150 bis 200 Tonnen täglich in den Kessel bringen konnte, unter günstigen Bedingungen.
Der Bedarf der eingeschlossenen Armee lag bei 500 Tonnen täglich. Aber Göring sagte Hitler, was Hitler hören wollte. Er sagte: “Es ist möglich, wir schaffen das.” Warum? Die Antworten liegen in der Psychologie eines Mannes, der seinen Einfluss beim Führer durch Erfolgsmeldungen aufrechterhalten hatte und der die Konsequenzen einer Absage fürchtete, mehr als die Konsequenzen eines gescheiterten Versprechens.
Das Ergebnis war eine Luftbrücke, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Transportmaschinen Junkers U52 Heinkel Hee 111 sogar Kampfbomber, die notdürftig umgebaut wurden, flogen täglich in den Kessel. Sie wurden von sowjetischen Jägern abgeschossen. Sie froren auf den Startbahnen fest. Die Empfangsplätze im Kessel wurden beschossen und mussten immer weiter nach Westen verlegt werden.
Am Ende transportierte die Luftbrücke im Durchschnitt 100 Tonnen täglich, manchmal weniger. 100 Tonnen für 320.000 Mann. Das bedeutete Hunger, Kälte, Tod durch Entkräftung, bevor der Feind den letzten Schuss abfeuerte. Im Dezember versuchte die Wehrmacht den Kessel von außen zu durchbrechen. Operation Wintergewitter geführt von Generalfeldmarschall Erich von Mannstein, dem vielleicht talentiertesten deutschen Feldherrn dieses Krieges.
Mannstein war klar, was nötig war. Er versammelte, was verfügbar war. Die vierte Panzerarmee neu aufgestellt und verstärkt mit frischen Divisionen aus Frankreich und anderen ruhigeren Frontachnitten. Er griff von Süden an in Richtung Stalingrad. Anfang Dezember 1942 kamen seine Panzerspitzen bis auf etwa 50 km an den Kessel heran. 50 km.
Paulus hätte ausbrechen können, wenn Hitler es erlaubt hätte. Mannstein wollte das. Er schickte das Codewort Donnerschlag, das Signal, das Paulus zum Ausbruch hätte veranlassen sollen. Paulus brach nicht aus. Er wartete auf Hitlers Befehl. Der Befehl kam nicht. Die Gründe dafür sind bis heute umstritten.
Paulus selbst sagte später, er habe nicht genug Treibstoff für den Ausbruch gehabt. Seine Panzer hätten vielleicht 30 km weit kommen können, nicht 50. Das ist möglich. Andere Historiker sehen in Paulus einen Mann, der in dem Moment als Entschlossenheit und Eigeninitiative gefordert waren, beides nicht aufbrachte.
Was klar ist, der Moment verging. Die sowjetische Operation kleiner Saturn, ein weiterer großer Angriff, diesmal gegen die Heresgruppe A im Kaukasus und gegen Mannsteins eigene Flanken zwang die vierte Panzerarmee ihre Angriffskraft für die Entlastung von Stalingrad aufzugeben. Wintergewitter scheiterte, der Kessel war nun endgültig.
Keine Versorgung, keine Entlastung, kein Ausweg. Was in den letzten Wochen des Kessels geschah, gehört zu den dunkelsten Kapiteln des Krieges. Nicht wegen spektakulärer Ereignisse, sondern wegen der stillen, massenhaften, unsichtbaren Qual. Die Männer der sechsten Armee starben nicht vor allem im Kampf. Sie starben an Hunger, an Erfrierungen, an Tyfus, an Dysenterie.
Lazarette, die für zweitausend Verwundete ausgelegt waren, füllten sich mit zehntausenden. Ärzte operierten ohne Narkose, ohne Verbandsmaterial, im Halbdunkel von Kellern, die um sie herum beschossen wurden. Die Stimmung in den Briefen, die soweit möglich aus dem Kessel herausgeschmuggelt wurden, ist eines der erschütternsten Dokumente dieses Krieges.
Kein Heroismus, keine Parolen, nur Erschöpfung, Hunger, Heimweh und zunehmend das nüchterne Bewusstsein, dass man sterben würde. Ein Soldat schrieb an seinen Vater: “Ich bin gesund, aber ich weiß nicht, wie lange noch. Denkt nicht zu viel an mich, es geht vielen wie mir.” Ein anderer, wenn du diesen Brief bekommst, bin ich vielleicht schon nicht mehr.
Ich will, daß du weißt, daß ich bis zuletzt an dich gedacht habe. Diese Briefe wurden nie zugestellt. Sie wurden von der Wehrmacht zurückgehalten, um die Stimmung in der Heimat nicht zu erschüttern. Sie wurden nach dem Krieg gefunden und archiviert, und sie stehen heute als Zeugnis dafür, was Stalingrad in menschlichen Begriffen bedeutete.
Am 30. Januar 1943, 10 Jahre nach Hitlers Machtübernahme beförderte Hitler Friedrich Paulus zum Generalfeldmarschall. Die Botschaft war unmissverständlich. Kein deutscher Generalfeldmarschall hatte je kapituliert. Hitler erwartete, dass Paulus im Kessel fiel oder sich erschoss. Am 31. Januar 1943 kapitulierte Paulus.
Er wurde in einem Keller im Univermark, dem Kaufhaus am Zarizer Platz, das als sein Hauptquartier diente, von sowjetischen Offizieren gefangen genommen. Er war abgemagert, sein Gesicht von einem nervösen Zucken gezeichnet, dass ihn seit Wochen nicht verließ. Er war krank. Er war erschöpft. Er war ein Mann, der einen Krieg verloren hatte, den er nie hätte führen sollen.
Der nördliche Kessel hielt noch bis zum 2. Februar 1943. Dann war es vorbei. Von den 320.000 eingeschlossenen Soldaten kehrten etwa 6000 nach Deutschland zurück. Die meisten starben in sowjetischer Gefangenschaft an Hunger, Kälte, Krankheit. Ein kleiner Teil überlebte bis zur Rückkehr nach Deutschland, die für die letzten Überlebenden erst in den 50er Jahren kam.
Stalingrad war kein Wendepunkt im Sinne eines einzelnen klar definierten Moments. Die Wehrmacht hätte auch nach Stalingrad noch Kriege gewinnen können und tat es tatsächlich in mehreren begrenzten Operationen, darunter Mannsteins spektakuläres Gegenmanöver im Frühjahr 1943, das Charkov zurückeroberte. Aber Stalingrad war ein Wendepunkt in einem tieferen Sinn.
Es war der Moment, in dem psychologische Substanz des Krieges sich veränderte. Auf der deutschen Seite die Unbesiegbarkeit war fort. Nicht nur in der Propaganda, die Wehrmacht hatte den Sieg bei Stalingrad als sicher dargestellt und musste nun die Niederlage erklären, sondern auch im Inneren Erleben der Soldaten und Offiziere.
Männer, die geglaubt hatten, die Wehrmacht könne alles, begannen zu zweifeln. nicht an Deutschland, aber an dem, was sie taten, an denen, die sie führten. Auf der sowjetischen Seite das Gegenteil. Stalingrad war der Beweis, dass die rote Armee nicht nur standhalten, sondern vernichtende Gegenangriffe führen konnte. Das veränderte die Moral von Generälen bis zu einfachen Soldaten.
Schukow, Wasilevchik, Watutin, Männer, die aus dem Disaster von 1941 gelernt hatten, wurden zu Figuren eines neuen, selbstbewussteren sowjetischen Militärwesens. Georgi Schukoff wurde nach Stalingrad zum Marshall der Sowjetunion befördert. Er führte die sowjetischen Kräfte bei Kursk, bei der Befreiung Weißrusslands, bei der Einnahme Berlins.
Er war der militärisch bedeutendste sowjetische Heerführer des Zweiten Weltkrieges. Ein Mann, dessen Kälte und Entschlossenheit hunderttausende das Leben kostete und Millionen rettete. Er starb im Jahr 1974 hochdekoriert und zugleich zeitweise verfemmt, wie es in der Sowjetunion Karrieren erging, die zu groß für den Rahmen wurden.
Nikolai Watutin, der Mann, der bei Voronisch Zeit gewann und diesen Gewinn nie vergaß, stieg zu einem der begehrtesten sowjetischen Frontkommandeure auf. Er führte die Voronischfront, dann die Südwestfront, dann die erste ukrainische Front. Bei Kursk war er der Architekt, einer der folgenreichsten sowjetischen Gegenoffensiven des Krieges.
Im Februar 1944 wurde er von ukrainischen Nationalisten hinterhältig überfallen und angeschossen. Er starb an seinen Wunden im April 1944. Ein Tod am Rande des Krieges, fern der großen Schlachten, die er mitgestaltet hatte. Friedrich Paulus verbrachte Jahrzehnte als Kriegsgefangener in der Sowjetunion.
Er wurde von den Sowjets politisch eingesetzt. Er trat dem Nationalkomitee freies Deutschland bei und rief deutsche Soldaten zur Kapitulation auf. Das machte ihn in den Augen vieler ehemaliger Kameraden zum Verräter. Er kehrte erst im Jahr 1957 nach Deutschland zurück in die deutsche demokratische Republik, nicht in den Westen.
Erich von Mannstein, der Mann, der Stalingrad vielleicht hätte retten können, wenn Hitler ihm freie Hand gelassen hätte, blieb bis in den späten Krieg einer der brillantesten deutschen Feldherrn. Er wurde im Jahr44 von Hitler entlassen, als die deutschen Armeen nicht mehr zu retten waren. Nach dem Krieg verbüste er eine kurze Gefängnisstrafe wegen Kriegsverbrechen und schrieb seine Memoiren, in denen er die Verantwortung für die deutschen Niederlagen fast ausschließlich Hitler zuschob. Er starb im Jahr 1973.
Fedor von Bock, der General, der bei Woronisch kämpfte und deswegen entlassen wurde, lebte nicht lange genug, um die vollständigen Folgen seiner Entscheidungen zu sehen. Er wurde im Mai 1945, in den letzten Tagen des Krieges bei einem britischen Luftangriff getötet, ein Ende am Rande der Geschichte. Die Stadt Woronisch selbst ist ein Kapitel für sich.
Die Kämpfe des Sommers und Herbstes 1942 verwandelten Woronisch in eine Ruinenlandschaft. Die Stadt war geteilt. Der westliche Teil in deutschen Händen, der östliche Teil in sowjetischen. Monate des Stellungskrieges schliffen das, was Bomben und Artillerie übrig gelassen hatten, weiter zu Schutt. Als die sowjetischen Kräfte im Januar 1943 parallel zur Auflösung des Kessels von Stalingrad die deutschen Truppen aus Woronisch vertrieben, fanden sie eine Stadt, die kaum noch existierte.
80% der Gebäude waren zerstört oder schwer beschädigt. Die Bevölkerung, die vor dem Krieg über 350.000 Menschen gezählt hatte, war fast vollständig geflohen oder deportiert worden. Woronisch wurde nach dem Krieg vollständig wieder aufgebaut. Heute ist es eine Millionenstadt, eine der wichtigsten Städte des russischen Südwestens.
Die Narben des Krieges sind in der Architektur kaum noch sichtbar. Die Stadt, die man heute sieht, ist größtenteils eine Nachkriegsschöpfung, aber das kollektive Gedächtnis ist geblieben. Woronisch trägt bis heute den Ehrentitel Stadt des Kriegsruhs, eine sowjetische und später russische Auszeichnung für Städte, die in der Verteidigung gegen die deutsche Invasion besondere Bedeutung hatten.
Die Tage des Widerstands im Sommer 1942, die die deutsche Offensive verzögerten und den sowjetischen Rückzug ermöglichten, sind in der lokalen Erinnerungskultur tief verankert. Wir kehren zur Ausgangsfrage zurück. Wenn die Wehrmacht bei Woronisch nicht stecken geblieben wäre, hätte man Stalingrad vermeiden können? Die ehrliche Antwort ist vielleicht.
Vielleicht hätte eine schnellere Einnahme von Stalingrad katastrophalsten Teil der Niederlage, den Einschluss der sechsten Armee, den Tod von Hunderttausenden im Kessel verhindern können. Vielleicht hätte eine frühere Ankunft der Panzertruppen Chuikov keine Zeit gelassen, seine Verteidigung zu organisieren, aber die tiefere Antwort lautet anders.
Woronisch war nicht die Ursache der deutschen Niederlage in Stalingrad. Woronisch war ein Symptom, ein Symptom einer deutschen Führungskultur, die strategische Ziele durch Willensakt setzte, ohne die operativen und logistischen Voraussetzungen für ihre Erreichung zu schaffen. Ein Symptom eines Oberkommandos, in dem niemand mehr klar nein sagen konnte, ohne die eigene Karriere zu riskieren.
ein Symptom eines Krieges, der von Anfang an auf Ressourcen basierte, die Deutschland nicht hatte, gegen einen Gegner, den Deutschland systematisch unterschätzte. Die Krise bei Woronisch zeigte all das zu kämpfen, wo man nicht kämpfen sollte, Zeit zu verlieren, die man nicht hatte, Kräfte zu binden, die anderswo gebraucht wurden.
All das waren Manifestationen struktureller Schwächen, die sich durch den gesamten deutschen Feldzug in Russland zogen. Hätte man diese Schwächen beseitigt an Woronisch, an Stalingrad, an Kursk, wäre der Ausgang des Ostfeldzuges möglicherweise ein anderer gewesen. Aber das wäre kein anderer wurisch gewesen. Das wäre eine andere Wehrmacht gewesen, eine andere politische Führung, ein anderer Krieg.
Und das ist nicht kontrafaktik mehr, das ist Utopie. Stalingrad ist in das kollektive Gedächtnis Europas eingegangen wie kaum ein anderes Ereignis des 20. Jahrhunderts. Es ist Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges, für die Hybris der Mächtigen, für den Tod des einfachen Soldaten, der für Entscheidungen bezahlt, die andere trafen. Woronisch ist dagegen vergessen.
Es ist eine Fußnote, eine Stadt, bei der die Wehrmacht hängen blieb, bevor das eigentliche Drama begann. Aber in dieser Fußnote liegt ein Leerstück, das über Stalingrad hinausweist. Es sind selten die großen Katastrophen, die Kriege entscheiden. Es sind die kleinen Verzögerungen, die falschen Entscheidungen, die Momente, in denen die Kette der Kausalität so unmerklich bricht, dass niemand es in dem Moment bemerkt.
Worone sprach diese Kette nicht vollständig, nicht allein, aber es war der erste Riss in einem Plan, der ohnehin an den Grenzen des Möglichen operierte. Und erste Risse in Metall, in Stein, in Strategie sind oft der Anfang vom Ende. Die Männer, die in Stalingrad starben, die in Woronisch kämpften, die in sowjetischer Gefangenschaft verdarben, sie wussten das nicht.
Sie wußten nur, dass es kalt war, dass sie Hunger hatten und dassß sie nach Hause wollten. Das war alles, was sie wussten. Und das ist das einzige, was wirklich zählt.
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