Sie ist das Gesicht einer ganzen Generation, ein Symbol für Beständigkeit und deutsche Filmgeschichte. Uschi Glas, das „Schätzchen“ der Nation, strahlte über Jahrzehnte hinweg eine Souveränität aus, die unerschütterlich wirkte. Doch während sie auf der Leinwand und dem roten Teppich glänzte, spielte sich hinter den Kulissen ein ganz anderes Drama ab. Kurz vor ihrem 82. Geburtstag blickt die Schauspielerin zurück – und offenbart eine Lebensgeschichte, die von tiefen Brüchen, stillem Leid und einem späten, aber heilsamen Erwachen geprägt ist.

Die Maske der Perfektion
Geboren im beschaulichen Landau an der Isar, kämpfte sich Uschi Glas aus einfachen Verhältnissen an die Spitze der deutschen Unterhaltungsbranche. Filme wie „Winnetou“ und „Zur Sache, Schätzchen“ machten sie unsterblich. Sie verkörperte oft Frauen, die stark und verletzlich zugleich waren. Was das Publikum nicht ahnte: Diese Rollen waren oft näher an ihrer eigenen Realität, als ihr lieb war.
Jahrzehntelang lebte Uschi Glas einen fast unmenschlichen Spagat. Der Druck, die perfekte Schauspielerin, die makellose Ehefrau und die fürsorgliche Mutter zu sein, lastete schwer auf ihren Schultern. „Ich habe versucht, nach außen Stärke zu zeigen, während ich innerlich mit Unsicherheit und Angst kämpfte“, gesteht sie heute mit einer Offenheit, die berührt. Sie glaubte, ihre eigenen Zweifel verbergen zu müssen, um ihren Kindern – Ben, Julia und Alex – Halt zu geben. Doch genau dieses Versteckspiel, dieses ständige Unterdrücken der eigenen Bedürfnisse, wurde zu ihrem größten Feind.
Der Schmerz einer zerbrochenen Familie
Der wohl dunkelste Abschnitt in ihrem Leben war das langsame Scheitern ihrer ersten Ehe mit Bernd Tewaag. Was als große Liebe und Traum von einer heilen Familie begann, endete in einem Albtraum aus Entfremdung und öffentlichen Schlagzeilen. Uschi Glas litt nicht nur unter dem Verlust der Partnerschaft, sondern vor allem unter massiven Schuldgefühlen.
Sie fragte sich nächtelang, ob sie als Mutter versagt habe. Die Spannungen im Haus blieben den Kindern nicht verborgen, so sehr sie auch versuchte, die Fassade aufrechtzuerhalten. „Der größte Schmerz meines Lebens war kein einzelner Schicksalsschlag, sondern diese lange Phase der inneren Zerrissenheit“, reflektiert sie. Die Scheidung im Jahr 2003 war unvermeidlich, aber sie hinterließ tiefe Narben. Sie fühlte sich nicht nur emotional ausgezehrt, sondern in ihrem tiefsten Inneren erschüttert. Die Frau, die für alle anderen immer die Lösung parat hatte, stand plötzlich vor den Trümmern ihres eigenen Lebenstraums.

Der Wendepunkt: Mut zur Schwäche
Es gab keinen lauten Knall, keinen Skandal, der den Wendepunkt markierte. Es war eine stille, fast unheimliche Erkenntnis, die Uschi Glas eines Tages traf. Mitten in einer Phase beruflichen Erfolgs spürte sie eine Lehre, die sich nicht mehr ignorieren ließ. Sie funktionierte nur noch, fühlte sich sich selbst fremd. In diesem Moment begriff sie: Wenn sie so weitermacht, verliert sie sich selbst.
Die Angst, die Kontrolle zu verlieren, war riesig. Doch genau in diesem Loslassen lag ihre Rettung. Sie lernte, dass wahre Stärke nicht bedeutet, alles stillschweigend zu ertragen, sondern Hilfe anzunehmen und Grenzen zu setzen. Es war ein schmerzhafter Prozess, alte Rollenbilder abzuwerfen, doch er war überlebenswichtig.
Eine neue Liebe, ein neues Leben
Inmitten dieser Phase der Neuorientierung trat Dieter Hermann in ihr Leben. Er war kein Retter in schimmernder Rüstung, sondern ein Partner auf Augenhöhe. Ihre Liebe, besiegelt durch die Hochzeit im Jahr 2005, basierte nicht mehr auf jugendlichen Illusionen, sondern auf Reife, Respekt und dem Wissen um die Wunden des anderen.
Hermann beschreibt seine Frau als jemanden, der oft still litt. Er gab ihr den Raum, den sie brauchte, um zu heilen. „Er hat mich nicht gedrängt, sondern mir Sicherheit gegeben“, sagt Glas heute dankbar. In dieser Beziehung lernte sie, dass sie sich nicht mehr verbiegen muss. Liebe bedeutete nun nicht mehr Aufopferung, sondern gemeinsames Wachsen. Diese späte Liebe wurde zu ihrem sicheren Hafen, einem Ort, an dem sie endlich die Rüstung ablegen konnte.

Das Alter: Würde statt Jugendwahn
Heute, mit 81 Jahren, steht Uschi Glas vor neuen Herausforderungen. Der Körper meldet sich, die Energie ist nicht mehr unendlich. Dreharbeiten und Reisen erfordern heute Planung und Pausen. Doch statt mit dem Schicksal zu hadern, begegnet sie dem Alter mit einer bewundernswerten Würde.
„Gesundheit bedeutet für mich heute nicht Jugendlichkeit, sondern Achtsamkeit“, erklärt sie. Sie hat gelernt, „Nein“ zu sagen, ohne sich schuldig zu fühlen. Zwar gibt es Momente der Melancholie, wenn Erinnerungen an Verluste hochkommen oder die eigene Endlichkeit bewusst wird, doch diese Gedanken gehören nun dazu. Sie lebt bewusster, langsamer und – vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben – wirklich für sich selbst.
Ein Vermächtnis der Menschlichkeit
Was bleibt von Uschi Glas? Es sind nicht nur die Filme, die sie unsterblich machen. Es ist ihre Haltung. Sie hat bewiesen, dass ein Leben voller Brüche nicht gescheitert ist, sondern an Tiefe gewinnt. Ihr Vermögen und ihr Erfolg sind für sie heute Mittel zur Unabhängigkeit, nicht zum Protzen. Ihr wahres Erbe liegt in ihrer Ehrlichkeit über das Scheitern, in ihrem sozialen Engagement für benachteiligte Kinder und in der Botschaft, dass es nie zu spät ist, sich selbst zu finden.
Uschi Glas hat ihren Frieden gemacht. Mit der Vergangenheit, mit ihren Fehlern und mit dem Spiegelbild, das ihr heute eine Frau zeigt, die nicht perfekt, aber endlich ganz bei sich ist. Und das ist vielleicht ihre größte und schönste Rolle.
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