Sie ist das ewige “Schätzchen” der Nation, eine Ikone, die seit den 1960er Jahren nicht aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft wegzudenken ist. Uschi Glas, geboren am 2. März 1944 in Landau an der Isar, verkörpert wie kaum eine andere Schauspielerin bayerische Herzlichkeit, Stärke und scheinbar unverwüstlichen Optimismus. Doch nun, kurz vor ihrem 82. Geburtstag, lässt die Grande Dame des deutschen Schauspiels diese sorgsam gepflegte Fassade fallen. In einem bewegenden Rückblick, der Fans und Wegbegleiter gleichermaßen erschüttert, offenbart sie: Ihr Leben war über weite Strecken alles andere als ein Märchen. Es war geprägt von tiefer Traurigkeit, emotionaler Isolation und einem jahrzehntelangen Kampf, den Schein zu wahren, während sie innerlich zu zerbrechen drohte.

Der schöne Schein und die dunkle Wahrheit

Jahrzehntelang sahen wir Uschi Glas strahlend auf den roten Teppichen, souverän in ihren Rollen und vermeintlich glücklich im Privatleben. Doch dieses Bild, so gibt sie heute zu, war oft eine Illusion. “Ich habe funktioniert”, gesteht sie rückblickend. Hinter dem öffentlichen Erfolg verbarg sich ein Leben voller innerer Gegensätze. Ihre Liebesgeschichte war keine romantische Komödie, sondern ein Drama, geprägt von Sehnsucht, herben Enttäuschungen und der verzweifelten Suche nach echter Nähe.

Das vielleicht Schockierendste an ihrer Beichte ist die Tiefe der Einsamkeit, die sie empfand. Trotz des Ruhms, trotz der Bewunderung von Millionen, fühlte sich Uschi Glas oft vollkommen allein gelassen. Sie trug ein tiefes Geheimnis mit sich: Die ständige Angst, hinter ihrer starken Fassade verletzlich zu wirken. Um ihre Familie zu schützen und den enormen Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht zu werden, schloss sie ihre wahren Gefühle weg. Diese innere Zerrissenheit, so analysiert sie heute, machte ihr das Leben oft unerträglich schwer, verlieh ihrer Persönlichkeit aber auch jene Tiefe, die ihre späteren Charakterrollen so glaubwürdig machte.

Das Trauma der ersten Ehe: Ein langes, stilles Leiden

Die größte Quelle ihrer Traurigkeit war nicht ein einzelner Schicksalsschlag, sondern eine zermürbende Phase der inneren Erschöpfung, die eng mit ihrer ersten Ehe mit Bernd Tewaag verknüpft ist. Was nach außen wie eine deutsche Vorzeigefamilie wirkte – erfolgreich, drei gesunde Kinder (Ben, Julia und Alex), wohlhabend – war hinter den Kulissen ein Scherbenhaufen.

Uschi Glas beschreibt diese Zeit heute als ein “langsames Scheitern”. Sie hatte Tewaag aus Liebe geheiratet, doch der Alltag, der berufliche Druck und unterschiedliche Lebensvorstellungen trieben einen Keil zwischen sie. Die Ehe war von Spannungen, Missverständnissen und einer quälenden Distanz geprägt. Besonders schmerzhaft war für sie das Gefühl, mit der Verantwortung für die Kinder und ihrer Karriere oft allein dazustehen. Sie musste funktionieren, selbst an Tagen, an denen sie innerlich kaum noch die Kraft hatte, aufzustehen.

“Liebe allein reicht nicht aus”, musste sie bitter erkennen. Diese Einsicht traf sie mit voller Härte, denn Uschi Glas gehört zu jener Generation, die gelernt hat, durchzuhalten und eine Familie um jeden Preis zusammenzuhalten. Das Scheitern der Ehe empfand sie daher nicht als Befreiung, sondern als tiefes persönliches Versagen. Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern plagten sie. Hätte sie geduldiger sein müssen? Stärker? Nachsichtiger? Diese Fragen raubten ihr den Schlaf. Es gab Nächte, in denen sie wach lag, gequält von Sorgen und einer Einsamkeit, die trotz der Anwesenheit anderer Menschen im Haus erdrückend war.

Der Wendepunkt: Die Angst, sich selbst zu verlieren

Es kam der Moment, der sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt hat – kein plötzlicher Knall, sondern eine schleichende, aber unaufhaltsame Erkenntnis: “Ich kann so nicht weitermachen.” Jahre des bloßen Funktionierens hatten Spuren hinterlassen. Sie fühlte sich leer, ausgehöhlt und erschöpft. In einem stillen Moment der Einsamkeit stellte sie sich die erschreckende Frage: “Wer bin ich eigentlich noch?” Jenseits der Rollen, jenseits der Erwartungen, jenseits der Pflichten als Mutter und Ehefrau.

Diese Frage traf sie mit voller Wucht. Zum ersten Mal erlaubte sie sich, ehrlich hinzusehen. Sie begriff, dass sie jahrelang mehr gegeben hatte, als sie zurückbekam. Das Überwinden dieser Lebenskrise war ein langer, schmerzhafter Prozess. Uschi Glas musste lernen, Grenzen zu setzen – eine Fähigkeit, die ihr bis dahin fremd war. Entscheidungen zu treffen, die nicht allen gefielen, aber für ihr eigenes Überleben notwendig waren, fiel ihr unsagbar schwer. Doch genau dieser Schritt, so sagt sie heute, war der Schlüssel zu ihrer inneren Befreiung.

Neue Liebe, neues Leben: Das Glück mit Dieter Hermann

Nach dem traumatischen Ende ihrer ersten Ehe brauchte Uschi Glas Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen. Als sie Dieter Hermann kennenlernte, war sie vorsichtig, fast ängstlich. Alte Wunden und die Angst vor neuen Enttäuschungen ließen sie zögern. Doch Hermann begegnete ihr mit einer Geduld und einem Verständnis, das sie so nicht kannte. Er drängte sie zu nichts.

Diese zweite Ehe unterscheidet sich grundlegend von ihrer ersten. Sie basiert auf Offenheit, gegenseitigem Respekt und vor allem Ehrlichkeit. “Liebe ist nicht konfliktfrei”, hat Uschi Glas gelernt. Auch mit Dieter Hermann gibt es Meinungsverschiedenheiten. Aber der Umgang damit ist ein anderer. Statt zu schweigen oder Probleme unter den Teppich zu kehren, suchen beide das Gespräch. Diese Erfahrung gab ihr endlich das Gefühl von Sicherheit, das sie so lange vermisst hatte. Dieter Hermann selbst beschreibt seine Frau als unglaublich stark, aber auch zutiefst verletzlich – eine Seite, die sie bei ihm endlich zeigen darf.

Das Alter: Eine tägliche Aufgabe

Heute, mit 81 Jahren, blickt Uschi Glas realistisch auf ihr Leben und ihre Gesundheit. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass das Alter seinen Tribut fordert. Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine tägliche Aufgabe. Gelenkverschleiß, Rückenschmerzen, verminderte Belastbarkeit – die typischen Beschwerden plagen auch den Star. Bewegungen, die früher mühelos waren, erfordern heute Planung.

Doch schwerer als die körperlichen Wehwehchen wiegt oft die seelische Komponente des Älterwerdens. Erinnerungen an Verluste, verpasste Momente und schwere Phasen tauchen in stillen Stunden wieder auf. Uschi Glas spricht offen über eine Wehmut, die sie manchmal überkommt – ein Gefühl der Vergänglichkeit. Doch sie begegnet diesem Zustand mit Würde. Sie kämpft nicht krampfhaft gegen die Zeit an, sondern übt sich in Akzeptanz. Spaziergänge, Ruhe, bewusste Entschleunigung sind ihr heute wichtiger als jeder rote Teppich.

Reichtum, Erbe und was wirklich zählt

Im Laufe ihrer Karriere hat Uschi Glas ein beachtliches Vermögen erwirtschaftet, das auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Doch wer glaubt, sie lebe in prunkvollem Luxus, irrt. Ihr Reichtum bedeutet für sie vor allem eines: Freiheit von Sorgen und die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben. Sie besitzt Immobilien, darunter ein Haus, das ihr als Rückzugsort dient – schlicht, persönlich, fernab von Protz.

Konsum als Statussymbol lehnt sie ab. Sie fährt gute Autos, weil sie zuverlässig sind, nicht um aufzufallen. Viel wichtiger ist ihr die Verantwortung, die mit dem Vermögen einhergeht. Seit Jahren engagiert sie sich sozial, besonders für benachteiligte Kinder (z.B. mit ihrem Verein “brotZeit e.V.”). Ein Teil ihres Einkommens fließt direkt in diese Projekte. Für Uschi Glas ist das kein Pflichtprogramm, sondern ein Herzensanliegen – ein Ausgleich zu ihrem eigenen Glück und eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben.

Fazit: Ein Vorbild an Menschlichkeit

Uschi Glas ist mehr als nur eine Schauspielerin. Ihre späte, ehrliche Beichte macht sie menschlicher denn je. Sie zeigt uns, dass auch hinter der glänzendsten Fassade oft ein Mensch steht, der kämpft, leidet und zweifelt. Dass sie es geschafft hat, aus diesem Tal der Tränen herauszufinden, sich ihre eigene Schwäche einzugestehen und im hohen Alter ihren Frieden zu finden, ist ihre vielleicht größte Lebensleistung.

Sie hat gelernt, dass wahre Stärke nicht darin liegt, alles stumm zu ertragen, sondern sich Hilfe zu erlauben und ehrlich zu sich selbst zu sein. Heute ist sie eine Frau, die im Einklang mit sich selbst lebt – reflektiert, ruhig und voller stiller Dankbarkeit für ein Leben, das trotz aller Dunkelheit am Ende doch noch ins Licht geführt hat.