Es sind Tage, in denen die Sonne über Madrid zwar scheint, doch ihre Strahlen vermögen es nicht, die dunklen Schatten zu vertreiben, die sich über den Zarzuela-Palast gelegt haben. Eine bleierne Schwere liegt in der Luft, eine Stille, die lauter schreit als jeder Schmerzenschrei. Das spanische Königshaus, und mit ihm der gesamte europäische Hochadel, trägt Trauer. Doch es ist nicht nur ein formeller Abschied von einer Prinzessin; es ist das herzzerreißende Ende einer lebenslangen Verbindung, die enger kaum hätte sein können. Prinzessin Irene von Griechenland, die geliebte Schwester von Altkönigin Sofia, ist tot. Sie starb am Donnerstag, den 15. Januar 2026, im Alter von 83 Jahren.

Das Drama hinter den Palastmauern

Die Anzeichen für das bevorstehende Unheil verdichteten sich bereits am Vortag. Als Königin Sofia am 14. Januar völlig überraschend sämtliche offiziellen Termine absagte, hielten Hofberichterstatter und das spanische Volk gleichermaßen den Atem an. Sofia, bekannt für ihre eiserne Disziplin und ihr Pflichtbewusstsein, würde einen solchen Schritt niemals ohne einen zwingenden, dramatischen Grund tun. Hinter den Kulissen, verborgen vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit, spielte sich der letzte Akt eines langen Leidensweges ab. Der Gesundheitszustand ihrer geliebten Schwester Irene hatte sich, wie wir nun wissen, “dramatisch verschlechtert”.

Am Nachmittag des 15. Januars dann die traurige Gewissheit. Der spanische Hof veröffentlichte eine Mitteilung, die an Nüchternheit kaum zu überbieten war, doch zwischen den Zeilen den unendlichen Schmerz einer Familie transportierte: “Ihre Majestäten der König und die Königin bedauern, den Tod ihrer königlichen Hoheit Prinzessin Irene von Griechenland heute um 11:40 Uhr im Zarzuela-Palast in Madrid bekannt geben zu müssen.” Ein Satz, der ein Leben beendet. Ein Leben, das so außergewöhnlich war wie die Frau selbst.

“Tante Pecu” – Die Seele des Hauses

Wer war diese Frau, die oft im Schatten ihrer strahlenden Schwester stand, aber für die Familie unverzichtbar war? Irene war mehr als nur “die Schwester von”. In Familienkreisen wurde sie liebevoll “Tante Pecu” genannt – eine Abkürzung für “peculiar”, was im Englischen so viel wie eigenwillig oder besonders bedeutet. Und besonders war sie in jeder Hinsicht.

Geboren am 11. Mai 1942 im südafrikanischen Kapstadt, begann ihr Leben bereits mit einer Flucht. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs hatten ihre Familie ins Exil getrieben. Diese Wurzellosigkeit, das Aufwachsen in der Fremde, sollte ihren Charakter prägen. Sie war eine Weltbürgerin wider Willen, eine Nomadin des Adels. Nach dem Tod ihres Vaters, König Paul, im Jahr 1964 und den politischen Umbrüchen in Griechenland, die im Militärputsch von 1967 gipfelten, musste sie erneut fliehen. Diesmal führte ihr Weg sie nach Indien – eine Zeit, die sie spirituell tief beeinflusste und ihr Weltbild nachhaltig formte.

Doch ihr wahrer Anker war immer Sofia. Seit dem Tod ihrer Mutter Friederike im Jahr 1980 wich Irene nicht mehr von der Seite ihrer Schwester. 1981 zog sie in den Zarzuela-Palast in Madrid. Sie war die ewige Junggesellin, die Frau, die trotz zahlreicher Verehrer nie heiratete und stattdessen ihr Leben dem Dienst an der Familie und der Unterstützung ihrer Schwester widmete. Sie war die diskrete Zuhörerin, die loyale Begleiterin, die Frau im Hintergrund, die keine Krone brauchte, um königlich zu wirken.

Der stille Kampf gegen das Vergessen

Die letzten Jahre im Leben der Prinzessin waren jedoch von einem grausamen Schatten überschattet. Berichte der spanischen Medien legten nahe, dass Irene an einer kognitiven Erkrankung litt, mutmaßlich Alzheimer. Das “lange Abschiednehmen”, wie diese Krankheit oft genannt wird, hatte schon lange vor ihrem physischen Tod begonnen.

Bilder aus dem Sommer 2025 zeigten eine zerbrechliche Frau. Zum ersten Mal reiste sie nicht mit der Familie in die Sommerferien nach Mallorca – ein Bruch mit einer jahrzehntelangen Tradition, der mehr über ihren Zustand aussagte als jedes offizielle Bulletin. In ihren letzten zwei Lebensjahren war sie zunehmend auf den Rollstuhl angewiesen, ihre Mobilität war stark eingeschränkt, ihr Geist zog sich mehr und mehr in eine Welt zurück, zu der selbst ihre geliebte Schwester keinen Zutritt mehr hatte. Ihr letzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 7. Februar 2025, bei der Hochzeit ihres Neffen Prinz Nikolaus. Danach wurde es still um sie.

Ein doppelter Schicksalsschlag für Sofia

Für Altkönigin Sofia ist der Verlust ihrer Schwester eine Katastrophe, die kaum in Worte zu fassen ist. Man muss sich die emotionale Wucht vor Augen führen, die die 87-jährige Monarchin derzeit trifft. Innerhalb von nur einem einzigen Monat hat das Schicksal ihr die beiden wichtigsten Säulen ihres Lebens entrissen.

Erst am 19. Dezember 2025 musste Sofia Abschied von Tatiana Radziwill nehmen. Sie war nicht nur eine Verwandte, sondern ihre beste Freundin seit Kindertagen, eine Vertraute, mit der sie jeden Schritt ihres Lebens geteilt hatte. Und nun, kaum dass die Tränen um Tatiana getrocknet sind, folgt der Tod von Irene. Die beiden Frauen waren für Sofia mehr als nur Gesellschaft; sie waren ihr emotionales Sicherheitsnetz, ihre Verbindung zur Vergangenheit, ihre Familie in einem oft einsamen königlichen Dasein. Nun ist Sofia die Letzte dieses engen Triumvirats. Die Einsamkeit, die nun in den privaten Gemächern der Königin herrscht, muss erdrückend sein.

Die letzte Reise nach Tatoi

Wo wird eine Prinzessin zur Ruhe gebettet, die ihr Leben in so vielen Welten verbrachte? Die Antwort führt zurück zu den Wurzeln. Es wird erwartet, dass Prinzessin Irene ihre letzte Reise nach Griechenland antreten wird. Der Friedhof von Tatoi, nördlich von Athen, ist der schicksalhafte Ort, an dem sich der Kreis schließen soll.

Dort, unter den Zypressen und dem blauen Himmel ihrer Heimat, ruhen bereits ihre Eltern, König Paul und Königin Friederike, sowie ihr geliebter Bruder, der frühere König Konstantin. Es ist ein Ort voller Geschichte und Melancholie. Die Beerdigung wird, so ist anzunehmen, ein Großereignis des europäischen Adels werden. Zahlreiche Verwandte aus den Königshäusern des Kontinents werden erwartet, um Irene die letzte Ehre zu erweisen. Doch abseits des Protokolls und der schwarzen Limousinen wird es vor allem der schwere Gang einer Schwester sein, die ihr “Pecu” zu Grabe trägt.

Ein Vermächtnis der stillen Würde

Der Tod von Prinzessin Irene von Griechenland markiert das Ende einer Ära. Sie war eine der letzten Vertreterinnen einer Generation von Royals, die das Exil, den Verlust von Thronen und die Neuordnung Europas am eigenen Leib erfahren haben. Sie lebte ein Leben, das von Pflichtgefühl, aber auch von tiefer Menschlichkeit geprägt war.

Für uns Außenstehende bleibt das Bild einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten immer ein Lächeln bewahrte, die sich nicht in den Vordergrund drängte, aber deren Fehlen nun eine Lücke reißt, die unübersehbar ist. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei der spanischen Königsfamilie und vor allem bei Altkönigin Sofia. Möge sie in der Erinnerung an die glücklichen gemeinsamen Jahre Trost finden. Prinzessin Irene mag gegangen sein, doch in den Hallen des Zarzuela-Palastes und in den Herzen derer, die sie kannten, wird ihr Geist weiterleben. Leb wohl, Tante Pecu.