Es ist eine Distanz, die über Leben und Tod entscheidet: 70 Meter. Was ein friedlicher Start in den Weihnachtsurlaub im montenegrinischen Skigebiet Savin Kuk sein sollte, endete am 20. Dezember 2025 in einer nationalen Tragödie. Der ehemalige deutsche Profifußballer Sebastian Hertner verlor bei einem technischen Defekt einer Seilbahn sein Leben. Besonders grausam: Seine Ehefrau Hanna musste den tödlichen Sturz aus nächster Nähe miterleben, während sie selbst schwer verletzt in der Tiefe gefangen blieb.

Ein lauter Knall und der freie Fall

Der Himmel über Montenegro war an diesem Nachmittag klar, die Luft winterlich kalt. Sebastian Hertner und seine Ehefrau Hanna genossen die Aussicht auf dem Sessellift Nummer 2. Nichts deutete darauf hin, dass die Mechanik der Anlage in schwindelerregender Höhe versagen würde. Plötzlich durchbrach ein lauter, metallischer Knall die Stille der Berge. Augenzeugen berichten von einem instabilen Sessel, der mit brutaler Wucht gegen den nachfolgenden Sitz prallte. In diesem Chaos geschah das Unfassbare: Sebastian verlor den Halt und stürzte vor den Augen seiner entsetzten Frau in die Tiefe.

Experten stehen vor einem Rätsel, doch erste Analysen deuten auf zwei fatale Fehlerquellen hin: Ein technisches Versagen des Klemmsystems am Hauptseil oder ein Defekt der Haltebremsen, die eine solche Kollision eigentlich verhindern sollten. Ein winziger Riss im Material oder ein Versagen der Sicherheitsautomatik reichte aus, um die Urlaubsidylle in ein Szenario wie aus einem Horrorfilm zu verwandeln.

Hanna Hertner: Ein Martyrium zwischen Himmel und Erde

Während Sebastian Hertner den Sturz nicht überlebte, begann für seine erst 30-jährige Ehefrau ein unvorstellbares Martyrium. Hanna blieb allein in der schwankenden Gondel zurück, 70 Meter über dem Boden, umgeben von eisiger Kälte. Durch die Wucht des Aufpralls hatte sie sich einen schweren Oberschenkelbruch sowie Kopfverletzungen zugezogen. Doch die körperlichen Schmerzen verblassten hinter der psychischen Qual: Mit ansehen zu müssen, wie ihr geliebter Mann unbeweglich am Boden lag, ohne ihm helfen zu können.

Stundenlang kämpften Rettungskräfte im unwegsamen Gelände gegen die einsetzende Dunkelheit, um die junge Frau zu evakuieren. Jede Minute in der Höhe fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Schließlich gelang die Rettung, und Hanna wurde unter dramatischen Umständen in ein Krankenhaus gebracht. Sie hat den physischen Albtraum überlebt, doch die seelischen Wunden werden wohl niemals ganz verheilen.

Abschied von einem Vorbild: Die Fußballwelt unter Schock

Sebastian Hertner war im deutschen Fußball kein Unbekannter. Seine Karriere begann in der Jugendakademie des VfB Stuttgart, wo er an der Seite von heutigen Weltstars wie Christoph Kramer in der Nationalmannschaft spielte. Über Stationen bei 1860 München, Erzgebirge Aue und Darmstadt 98 erkämpfte er sich den Ruf eines unermüdlichen Verteidigers. Zuletzt war er als Kapitän des ETSV Hamburg das Gesicht seines Vereins und ein geschätztes Vorbild für jüngere Spieler.

Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod löste eine beispiellose Welle der Trauer aus. Ehemalige Teamkollegen und Fans zeigen sich tief bewegt von dem Schicksal eines Mannes, der körperlich in Topform war und gerade erst seine gemeinsame Zukunft mit Hanna aufbauen wollte. Dass ein solches Leben durch ein technisches Versagen derart jäh beendet wurde, lässt die Sportwelt fassungslos zurück.

Skandal nach der Tragödie: Profit vor Pietät?

Doch neben der Trauer mischt sich nun zunehmend Wut unter die Reaktionen. Nur 24 Stunden nach dem tödlichen Vorfall, am 21. Dezember, wurde der Betrieb der Seilbahn am Savin Kuk einfach wieder aufgenommen. Während die Ermittlungen noch liefen und die Angehörigen unter Schock standen, drehten sich die Gondeln weiter, als wäre nichts geschehen. Kritiker werfen den Betreibern vor, Profit über die Sicherheit und den Respekt vor dem Menschenleben zu stellen.

In den sozialen Netzwerken brodelt es. Viele stellen die quälende Frage nach dem Zustand der touristischen Infrastruktur in der Balkanregion. Wurden Wartungen nur oberflächlich durchgeführt? War dieser Absturz die fatale Folge jahrelanger Ignoranz? Der Bürgermeister von Žabljak hat inzwischen eine lückenlose Untersuchung angeordnet, und die Polizei prüft die Einleitung eines Strafverfahrens wegen fahrlässiger Tötung gegen die Betreibergesellschaft.

Ein bleibendes Erbe

Sebastian Hertner verstarb im Alter von nur 34 Jahren. Er hinterlässt eine tiefe Lücke, nicht nur im Sport, sondern vor allem im Leben seiner Frau und Familie. Sein Geist als fairer Sportsmann und engagierter Kapitän wird in den Herzen der Fans weiterleben. Diese Tragödie ist eine grausame Mahnung daran, wie wertvoll jeder Moment mit unseren Liebsten ist und dass technische Sicherheit niemals als selbstverständlich vorausgesetzt werden darf. Die Forderung nach Gerechtigkeit und lückenloser Aufklärung ist nun das einzige, was der Familie in dieser schweren Zeit bleibt.