Der Opel Kadette stand auf dem Parkplatz der Reifeisenbank wie ein Mahnmal des Scheiterns. Rost frß sich durch die hinteren Kotflügel, die Stoßstange hing schief und wenn Norbert hinter Berger den Motor anließ, klang es, als würde ein Steinbrecher gegen Metallplatten arbeiten. Die Bauern aus dem Inwirtel, die ihre nagelneuen vor Taunus und VW Passat fuhren, lachten nicht laut, nicht direkt, aber beim Stammtisch im Gasthof Post, wenn Norbert nicht da war, fielen die Kommentare.

Der arme Hinterberger kann sich nicht mal ein anständiges Auto leisten. Was sie nicht wussten, dieser rostige Opel war Teil eines Plans, der seit 5 Jahren lief. Es war Frühjahr 1976 und das in Wirtel erholte sich gerade von den Schockwellen der Ölkrise. Die Dieselpreise waren von 40 Pfennig auf über eine Mark Liter gestiegen und dann wieder auf 80 Pfennig gefallen.

Viele Bauern hatten sich in der Panik hoch verschuldet, neue Traktoren gekauft, die sparsamer sein sollten, Kredite aufgenommen bei 7 8% Zinsen in der Hoffnung, dass die Milchpreise steigen würden. Die Preise waren nicht gestiegen. Die Molkerei Ried zahlte 4,20 Schilling pro Liter, kaum mehr als vor 3 Jahren. Die Zinsen aber waren geblieben.

Norbert Hinterberger war 40 Jahre alt, verheiratet mit Gerinde, zwei Kinder, 12 und 14. Sein Hof umfasste 22 Hektar, 18 Milchkühe, deutsches Fleckfee, Durchschnittsleistung 4800 l pro Jahr. Nichts Besonderes, ein typischer Inviertlerbetrieb. Sein Nachbar Anton Wimmer hatte 35 Hektar, 25 Kühe, einen neuen Fanfavorit 610 LS, der 58.

00 Schilling gekostet hatte, einen Glasdominator 85 Mehrdrescher in der Maschinengemeinschaft und einen dunkelgrünen Mercedes in der Einfahrt. Die beiden Höfe teilten sich eine Grenze, die älter war als die Republik. Vier Generationen lang hatten hinter Bergers und Wimmers nebeneinander gewirtschaftet, manchmal kooperiert, öfter konkurriert, aber immer mit einer gewissen Achtung, bis Anton einen Fehler machte. Der Fehler hieß Expansion.

1973, als die Milchpreise kurz anzogen und die Banken optimistisch waren, hatte Anton sich entschieden, groß zu denken. Er kaufte einen zweiten Traktor, einen DEZD D8006, gebraucht aber immer noch 35.00 00 Schilling. Er baute seinen Stall um, installierte eine vollautomatische Melkanlage von Westfalia, kosten 120.

00 Schilling. Er kaufte zehn zusätzliche Kühe, hochgezüchtete Holsteinfriesen aus Deutschland, 18.00 Schilling pro Stück. Die Bank hatte das alles finanziert bei 9% Zinsen. Anton hatte gerechnet, bei 5000 lit pro Kuh und steigenden Preisen würde er in 8 Jahren schuldenfrei sein. Dann kam die Ölkrise, dann kamen die stagnierende Preise, dann kamen die Reparaturen an der neuen Technik, die nicht so zuverlässig war, wie versprochen.

Und plötzlich reichte das Milchgeld nicht mehr für die Raten. Norbert sah das alles. Er sprach nicht darüber. Aber er sah es. Er sah, wie Anton anfing, länger im Gasthof zu bleiben, wie der Mercedes öfter vor der Bank stand, wie die Wiesen im Frühling später gemäht wurden, weil Anton allein nicht mehr nachkam und sich keine Hilfe leisten konnte.

Was die Leute im Dorf nicht über Norbert wußten. Er hatte Geld. Nicht geerbt, nicht durch Glück, durch Rechnen, durch Verzicht, durch eine Strategie, die seine Frau Gerlinde anfangs für Wahnsinn gehalten hatte. 1971, als Norbert den Hof von seinem Vater übernommen hatte, hatte er eine Entscheidung getroffen. Keine großen Maschinen, keine Kredite, keine Expansion.

Stattdessen minimale Kosten, maximale Effizienz und jeden Schilling sparen. Der alte Steier 180 von 1965 30 PS reichte für die Feldarbeit. Die Melkmaschine war 15 Jahre alt, aber sie funktionierte. Der Opel Kadette war ein Unfallwagen gewesen für 8.00 Schilling gekauft, repariert, gut genug zum Fahren. Die Leute lachten. Norbert sparte. Er machte noch etwas anderes.

Er züchtete, nicht wahllos, sondern gezielt. Norbert studierte die Zuchtberichte der Fleckfizuchtverbände, fuhr zu Versteigerungen, kaufte Jungkühe mit guter Abstammung, aber ohne Stammbaum, weil die billiger waren. Er selektierte hart. Jede Kuh, die unter 4500 l gab, wurde verkauft. Jede Kuh mit schlechter Gesundheit wurde verkauft.

Nach drei Jahren hatte er eine Herde, die konstant über 5000 l pro Kuh lag ohne teure Futtermittel, nur mit eigenem Heul, Grassilage und Getreide vom eigenen Acker. Die Einnahmen waren nicht spektakulär, aber die Ausgaben waren minimal. Der alte Steier verbrauchte 12 l Diesel auf 100 km Feldarbeit.

Der Fend von Anton 20 l. Die alte Melkmaschine brauchte keine Ersatzteile vom Hersteller. Jeder Dorfmechaniker konnte sie reparieren. Die Westfalia Anlage von Anton, Spezialteile, Spezialmonteur aus Ried, 1.500 Schilling pro Einsatz. Jedes Jahr machte Norbert zwischen 4060.00 Schilling Überschuss. Nicht viel, aber konstant. Und er gab nichts aus.

Kein neuer Traktor, kein neues Auto, kein Urlaub. Die Familie trug Kleidung vom Flohmarkt. Das Haus wurde nicht renoviert. Gerlinde kochte mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Nachbarn dachten, die Hinterbergers seien am Ende. Die Wahrheit war, auf dem Sparkassenkonto in Ried lagen Ende 1975 über 280.00 00 Schilling.

Was ich euch jetzt erzähle, ist mehr als eine Anekdote. Es ist dokumentiert in den Protokollen der Reifeisenbanken dieser Zeit, in den Statistiken der Landwirtschaftskammern, in den Versteigerungsunterlagen der österreichischen Grundbuchämter. Die 1970er Jahre waren voll von Geschichten wie dieser Bauern, die alles riskierten und verloren und Bauern, die gegen den Strom schwammen und überlebten.

Ich nutze KI Tools zur Recherche und zum Schreiben, aber jede Zahl wird von Hand gegen historische Quellen geprüft. Die Namen sind geändert, manche Ereignisse kombiniert, aber die wirtschaftlichen Mechanismen, die sind Geschichte, nicht Fiktion. Im Herbst 1976 kam der Brief von der Bank. Anton Wimmer war im Verzug.

Drei Monate keine Ratenzahlung. Die Bank forderte 85.00 Schilling sofort oder sie würde die Zwangsversteigerung einleiten. Anton versuchte alles. Er verkaufte zehn Kühe, aber das reichte nicht. Er versuchte einen Kredit von der Landwirtschaftskammer zu bekommen, aber die hatten ihre Mittel schon ausgeschöpft.

Er fragte seinen Bruder in Salzburg, aber der hatte selbst Probleme. Er ging zur Volksbank in Braunau, aber die wollten Sicherheiten, die er nicht hatte. Im Dezember stand der Versteigerungstermin fest. 15. März 1977. Der Hof wurde versteigert. Mindestgebot 1 2 Millionen Schilling, zwei Drittel des Schätzwertes. Anton war fertig. Er war 45 Jahre alt, hatte sein ganzes Leben in diesen Hof gesteckt und jetzt würde er alles verlieren.

Seine Frau Maria weinte jede Nacht. Die Kinder verstanden nicht, warum sie vielleicht wegziehen mussten. Norbert beobachtete das alles. Er sprach mit niemandem darüber, aber er rechnete. Der Wimmerhof 35 Hektar, gutes Land, flach, gut trainiert, ideal für Ackerbau und Grünland. Der Stall neu, modern. Platz für 40 Kühe.

Die Maschinen überschuldet, aber technisch gut. Der Wert mindestens 1 8 Millionen Schilling bei normalem Verkauf. Bei der Versteigerung vielleicht 1,3 Millionen, wenn mehrere Interessenten kamen. Norbert ging nicht zur Versteigerung. Er ging drei Tage vorher zu Anton. Es war Abend, kurz nach dem Melken. Anton saß in der Küche, vor ihm eine Flasche Kirschwasser, halb leer.

Norbert setzte sich, ohne eingeladen zu werden. Anton, was brauchst du, um die Bank zu befriedigen? Anton sah ihn an, die Augenrot. 120.000, aber ich hab es nicht. Wenn ich dir das Geld gebe, was gibst du mir dafür? Anton lachte: “Bitter, ich habe nichts außer dem Hof und der gehört bald der Bank.” Norbert lehnte sich vor. Verkauf mir den Hof jetzt vor der Versteigerung.

Ich zahl bar 1,4 Millionen. Die Stille im Raum war absolut. Maria, die in der Tür gestanden hatte, setzte sich langsam. Anton starrte Norbert an, als hätte der plötzlich eine zweite Kopf bekommen. Du, du hast 1,4 Millionen. Ba, bar. Morgen beim Notar. Aber aber du fährst einen rostigen Opel. Dein Traktor ist älter als meine Kinder.

Die Leute sagen, die Leute wissen nichts. Willst du verkaufen oder nicht? Anton dachte nach. lange 1,4 Millionen abzüglich der Schulden von 380 000 blieben eine Million genug, um einen kleineren Hof zu kaufen oder eine Wohnung und noch Geld für die Kinder. Bei der Versteigerung würde er vielleicht 1,3 bekommen, wenn überhaupt, und davon gingen die Schulden weg, die Gerichtskosten, die Notarkosten. Er würde mit 800.

000 dashen, vielleicht weniger. Du gibst mir 1,4. Ich habe nach den Schulden eine Million. Genau. Und ich kann hier bleiben, bis ich was Neues gefunden habe. Drei Monate. Mietfrei. Anton streckte die Hand aus. Norbert schlug ein. Am nächsten Tag saßen sie beim Notar in Ried. Norbert hatte eine Tasche dabei.

Eine alte Ledertasche, die sein Vater früher für Futterproben benutzt hatte. Er stellte sie auf den Tisch und öffnete sie. Darin Sparbücher 16 Stück alle auf Norberts Namen. Gesamtsumme 1.438.00 Schilling. Der Notar: Dr. Leitner, ein Mann in den 60ern, der schon hunderte solcher Geschäfte abgewickelt hatte, zog die Augenbrauen hoch.

Herr Hinterberger, das ist ungewöhnlich. Die meisten Leute machen das über die Bank. Die Bank nimmt Gebühren und ich habe Zeit. Dr. Leitner nickte. Er kannte Norbert nicht persönlich, aber er kannte den Ruf. Der arme Bauer mit dem alten Auto. Scheinbar hatte der Ruf nicht gestimmt. Die Übertragung dauerte drei Wochen. Die Sparbücher wurden aufgelöst, das Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen, die Schulden von Anton beglichen, der Rest an Anton ausgezahlt, die Grundbucheintragung vorgenommen. Am 8.

März 1977, eine Woche vor der geplanten Versteigerung, gehörte der Wimmerhof Norbert hinter Berger. Die Nachricht verbreitete sich im Dorf wie ein Lauffeuer. Nicht weil Norbert darüber gesprochen hätte, sondern weil Anton es jedem erzählte, der es hören wollte. Im Gasthof Post beim Abholen der Milch bei der Molkerei auf dem Kirchplatz nach der Sonntagsmesse.

Der Hinterberger, der mit dem rostigen Opel, der hat meinen Hofb gekauft. Bah, fast eineinhalb Millionen. Ich habe gedacht, der hat nichts, aber der hat mehr als wir alle zusammen. Die Reaktionen waren gemischt. Einige Bauern waren beeindruckt. Das muss man ihm lassen. Der kann rechnen. Andere waren neidisch.

Der hat uns alle ausgetrixt, hat sich arm gestellt, während er im stillen Geld gehortet hat. Wieder andere waren skeptisch. Wo hat er das Geld her? So viel kann man nicht sparen, nicht bei 22 Hektar. Aber die Zahlen logen nicht. Norbert hatte 5 Jahre lang zwischen 50.000 und 60.00 Schilling pro Jahr gespart. Das waren 250.000 bis 300.

000 über 5 Jahre. Dazu kam Geld, dass er von seinem Vater geerbt hatte, vielleicht 80.000. und er hatte klug investiert nicht in Maschinen, sondern in Bundesanleihen, die 7% Zinsen brachten. Die 800 von 1971 waren 1977 über 120.00 wert. Die jährlichen Überschüsse, kontinuierlich angelegt, hatten sich zu einem beachtlichen Vermögen summiert.

Die Leute, die gelacht hatten über den rostigen Opel, lachten nicht mehr. Jetzt schauten sie Norbert anders an. mit Respekt, mit ein bisschen Angst und mit der Frage, was macht er als nächstes? Was Norbert als nächstes machte, war nichts Dramatisches. Er behielt seinen alten Steier. Er behielt den rostigen Opel.

Er führte die beiden Höfe zusammen, 57 Hektar jetzt, aber er expandierte nicht überstürzt. Er verkaufte die teuren Maschinen von Anton, den Fend Favorit, den Deutz, die Westfalia Melkanlage. Er ersetzte sie nicht. Stattdessen nutzte er seinen alten Steier und trat der Maschinenring Ried bei, wo er sich für die wenigen Male im Jahr, wo er schweres Gerät brauchte, einen modernen Traktor leihen konnte.

Für 800 Schilling pro Tag, viel billiger als Besitz. Die Milchkühe von Anton, die teuren Holsteinfriesen, verkaufte er Stück für Stück und ersetzte sie mit seinem eigenen Fleckfie. Nach zwei Jahren hatte er eine einheitliche Herde von 35 Kühen, alle über 5200 lung, alle robust, alle an das lokale Futter angepasst. Die Milchproduktion stieg nicht dramatisch, aber die Kosten pro Liter sankten drastisch.

Aber die wichtigste Änderung war das Land. 57 Hektar gaben Norbert Spielraum. Er teilte die Flächen neu ein. 20 Hektar Dauergrünland für die Kühe, 15 Hektar Wechselgrün, dass er alle dre Jahre umflügte und neu ansähtee. 10 Hektar Getreide, Gerste und Hafer für das eigene Vieh und 12 Hektar, und das war das Besondere, Zuckerrüben. Zuckerrüben waren in den 1970er Jahren in Oberösterreich ein gutes Geschäft.

Die österreichische Zuckerindustrie zahlte garantierte Preise. Die EWG stützte den Markt und die Erträge waren hoch. 12 Hektar Zuckerrüben brachten bei guten Bedingungen zwischen 50 und 60 Tonnen pro Hektar. Bei einem Preis von 45 Groschen pro Kilogramm waren das 22500 bis 27.00 Schilling pro Hektar.

Auf 12 Hektar 270 000 bis 324.00 00 Schilling pro Jahr, nur von den Rüben. Die Arbeit war hart. Zuckerrüben mussten von Hand vereinzelt werden. Die Ernte war aufwendig, es brauchte spezialisierte Maschinen. Aber Norbert machte es anders. Er organisierte eine Arbeitsgemeinschaft mit drei anderen Bauern aus der Gegend.

Sie kauften zusammen einen gebrauchten Rübenroder, eine kleine Fortschritt E512 aus der DDR für 25.00 00 Schilling. Jeder zahlte 6250. Sie teilten sich die Arbeit bei der Ernte, jeder half dem anderen. Die Kosten wurden geteilt. Die Erträge blieben individuell. 1978 war ein gutes Jahr. Die Milchpreise stiegen leicht auf 4,50 Schilling pro Liter.

Die Rübenernte war außergewöhnlich, 58 Tonnen pro Hektar. Norbert machte über 600.00 00 Schilling Rohertrag bei Kosten von etwa 280 000 ein Überschuss von 320.000 Schilling in einem Jahr. Die Leute im Dorf redeten jetzt nicht mehr über den rostigen Opel, sie redeten über den Rübenhinter Berger, den Bauern, der aus zwei Höfen einen der profitabelsten Betriebe im Invirtel gemacht hatte.

Aber Norbert änderte seinen Lebensstil nicht. Der Opel blieb, der alte Steier blieb, das Haus wurde immer noch nicht renoviert. Gerlinde kaufte immer noch beim Discont. Die Kinder trugen immer noch gebrauchte Kleidung. Warum? Weil Norbert ein Ziel hatte. Nicht nur Überleben, nicht nur Wohlstand, sondern Unabhängigkeit.

Absolute Unabhängigkeit. Er wollte niemandem etwas schulden. Keine Bank, kein Lieferant, kein Nachbar. Er wollte ein Polster haben, so groß, daß keine Krise, keine Ölpreisexplosion, keine Ewige Entscheidung, keine Dürre nichts ihn zwingen konnte, Entscheidungen aus Verzweiflung zu treffen. 1979 kam die zweite Ölkrise.

Die Dieselpreise stiegen wieder, diesmal auf über 1,20 Schilling pro Liter. Viele Bauern, die sich gerade von der ersten Krise erholt hatten, gerieten wieder in Schwierigkeiten. Nicht Norbert. Sein Dieselverbrauch war minimal. Sein alter Steier, langsam aber zuverlässig, brauchte 20 l pro Tag während der Erntezeit.

Bei 1,20 Schilling, 24 Schilling pro Tag. Bei einem Monatsgewinn von 25.00 Schilling aus Milch und Rüben zusammen. Irrelevant. Die Maschinenringstrategie zahlte sich aus. Norbert konnte moderne, effiziente Maschine nutzen, wenn er sie brauchte, ohne sie zu besitzen, ohne Kredite, ohne Abschreibungen. Die anderen Bauern, die ihre eigene Maschinen hatten, mussten sie abbezahlen, unabhängig davon, ob die Preise stiegen oder fielen.

Es gab eine Ironie in dieser Geschichte, die den Leuten nicht entging. Anton Wimmer, der versucht hatte, modern zu sein, effizient am Puls der Zeit, war gescheitert. Norbert Hinterberger, der wie ein Bauer aus den 1950er Jahren gewirtschaftet hatte, war erfolgreich geworden. Aber die Wahrheit war komplizierter.

Norbert war nicht rückständig gewesen, er war strategisch gewesen. Er hatte verstanden, dass in einer Zeit der Unsicherheit, wo Diesel über Nacht verdoppeln konnten und Milchpreise stagnierten, Flexibilität wichtiger war als Effizienz. Er hatte verstanden, dass Schuldenfreiheit wichtiger war als Wachstum. Er hatte verstanden, dass der Bauer, der am längsten überlebte, nicht der mit den neuesten Maschinen war, sondern der mit den niedrigsten Fixkosten.

Anton Wimmer hatte mit dem Geld von Norbert einen kleineren Hof in der Steiermark gekauft. 15 Hektar, 10 kühl. Er lebte bescheiden, aber schuldenfrei. Manchmal, wenn er zu Besuch ins Invirtel kam, fuhr er an seinem alten Hof vorbei. Der Stall, den er gebaut hatte, stand immer noch. Aber die teuren Maschinen waren weg.

Auf dem Parkplatz stand immer noch ein rostiger Opel Kadett. Anton mußte lächeln. Der Hinterberger, dachte er, der hat mich gerettet, indem er mich geschlagen hat. Die Geschichte von Norbert Hinterberger wurde zu einer Legende im Invirtel. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Lektion. In einer Welt, wo jeder versuchte mitzuhalten, hatte einer den Mut gehabt, zurückzubleiben und genau dadurch war er vorausgekommen.

Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich führte 1980 eine Studie durch über die erfolgreichsten Betriebe der Region. Norbert Hinterberger wurde interviewt. Der Interviewer fragte ihn: “Was ist Ihr Geheimnis?” Norbert dachte nach: “Lange.” Dann sagte er: “Kein Geheimnis, nur Geduld.” Die anderen wollten schnell groß werden.

Ich wollte langsam sicher werden. Die anderen haben geglaubt, was die Berater gesagt haben. Ich habe gerechnet, was ich selbst brauche. Die anderen haben Kredite genommen, weil alle Kredite genommen haben. Ich habe Kredite vermieden, weil ich keine Zinsen zahlen wollte. Und der Opel, der fährt mich genauso gut von A nach B wie ein Mercedes. Nur billiger.

Der Artikel wurde veröffentlicht im landwirtschaftlichen Wochenblatt. Manche Bauern fanden ihn arrogant, andere fanden ihn inspirierend, aber alle erinnerten sich an ihn. 1982 kaufte Norbert endlich ein neues Auto, einen gebrauchten VW Golf, 3 Jahre alt, für 55.00 00 Schilling. Der Opel Kadett wurde verschrottet nach 11 Jahren Dienst. Die Leute im Dorf machten Witze.

Jetzt wissen wir, dass der Hinterberger wirklich reich ist. Er hat den Opel weggeworfen. Aber das Wichtigste, was Norbert getan hatte, war nicht das Geld verdienen. Es war das Weitergeben. Seine Kinder, Johannes und Maria, waren jetzt in den 20ern. Johannes wollte den Hof übernehmen.

Norbert setzte sich mit ihm hin und erklärte ihm alles. Nicht mit Vorträgen, sondern mit den Büchern. 15 Jahre Aufzeichnungen, jede Einnahme, jede Ausgabe, jede Entscheidung. Johannes sah, wie sein Vater gerechnet hatte. Er sah, wo andere Fehler gemacht hatten. Er sah, warum der rostige Opel wichtiger gewesen war als der Stolz. Wenn du das hier übernimmst, sagte Norbert, dann nicht, weil du mußt, sondern weil du es willst.

Und wenn du es willst, dann rechne immer. Jede Investition, jeder Kredit, jede Entscheidung. Die Maschinen, die du nicht kaufst, kosten dich nichts. Die Kredite, die du nicht aufnimmst, können dich nicht ruinieren und das Auto, dass du fährst, interessiert niemanden außer denen, deren Meinung dir egal sein sollte. Johannes nickte. Er hatte verstanden.

Norbert Hinterberger starb 2003 mit 67 Jahren an einem Herzinfarkt plötzlich, während er im Stall war. Der Hof, den er hinterlassen hatte, war ein 120 Hektar groß, komplett schuldenfrei mit modern Maschinen, die alle bar bezahlt waren. Johannes führte ihn weiter mit den Prinzipien seines Vaters.

Der rostige Opel war längst vergessen, aber die Lektion nicht. In den Archiven der Landwirtschaftskammer Oberösterreich gibt es heute noch Dokumente aus den 1970er Jahren, die zeigen, wie viele Bauern in dieser Zeit gescheitert sind. Hunderte, vielleicht tausende im ganzen Land. Die Ölkrisen, die EWGPik, die Zinsen, all das hatte eine Generation von Landwirten gebrochen.

Aber manche haben überlebt. Nicht die stärksten, nicht die größten, sondern die geduldigsten, die die gerechnet haben, die die verstanden haben, dass in der Landwirtschaft der Marathon nicht zum Schnellsten geht, sondern zum Ausdauerndsten. Norbert Hinterberger war einer von ihnen. Ein Mann, der bereit war, 10 Jahre lang arm auszusehen, um 30 Jahre lang sicher zu sein.

Ein Mann, der den rostigen Opel als Ehrenzeichen trug, weil er wusste, dass die Leute, die lachten, die waren, die nicht rechnen konnten und ein Mann, der am Ende bewies, dass Bescheidenheit keine Schwäche ist, sondern eine Strategie. Wenn ihr das nächste Mal jemanden seht, der ein altes Auto fährt, ein altes Haus hat, alte Kleidung trägt, urteilt nicht zu schnell.

Vielleicht ist das jemand, der rechnet. Vielleicht ist das jemand, der wartet. Vielleicht ist das jemand, der den nächsten Hof kaufen wird, bar, während alle anderen über ihn lachen. Und vielleicht, nur vielleicht, ist das die klügste Person im ganzen Dorf. Dieser Kanal existiert, um die echte Geschichte der Landwirtschaft zu bewahren.

Nicht die romantisierten Versionen, sondern die harten wirtschaftlichen Realitäten, die unmöglichen Entscheidungen, die cleveren Strategien, die funktioniert haben und die teuren Fehler, die nicht funktioniert haben. Wenn dir diese Geschichten etwas bedeuten, wenn du dich erinnerst an diese Zeit oder wenn du verstehen willst, warum die Landwirtschaft heute ist, wie sie ist, dann abonniere, denn jede Geschichte, die ich erzähle, ist ein Stück dokumentierte Geschichte, recherchiert, geprüft und erzählt mit dem Respekt, den diese Generation verdient. Warst du in

den 70ern auf dem Land? Kanntest du jemanden wie Norbert oder jemanden wie Anton? Erzähl uns in den Kommentaren, welche Entscheidungen hast du damals gesehen, die sich als richtig oder falsch herausgestellt haben?