Die Stadt der Engel steht unter Schock, doch die Wellen des Entsetzens breiten sich weit über die Grenzen von Hollywood hinaus aus. Am 14. Dezember ereignete sich in der schillernden Welt der Filmmetropole eine Tragödie, die in ihrer Grausamkeit kaum zu überbieten ist: Der legendäre Regisseur Rob Reiner, Schöpfer unvergesslicher Klassiker wie „Harry und Sally“ oder „Stand by Me“, wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau Michele Singer Reiner tot in ihrem gemeinsamen Haus aufgefunden. Beide fielen einem Gewaltverbrechen zum Opfer, das die Welt fassungslos zurücklässt. Doch während Kollegen, Freunde und Millionen von Fans weltweit in tiefer Trauer verharren, sorgt eine Reaktion für einen beispiellosen Eklat in den sozialen Medien: Die Worte des US-Präsidenten Donald Trump.

Es hätte ein Moment des Innehaltens sein können, ein Augenblick, in dem politische Differenzen vor der Endgültigkeit des Todes verblassen. Doch Donald Trump entschied sich für einen anderen Weg. Auf seiner Plattform Truth Social veröffentlichte der 79-Jährige ein Statement, das viele als tiefgreifende Verhöhnung eines Verstorbenen empfinden. Zwar begann sein Post mit der Feststellung, dass eine „sehr traurige Sache“ geschehen sei, doch die darauf folgende Analyse des Lebens und Sterbens von Rob Reiner ließ jegliches Mitgefühl vermissen.

Trump bezeichnete den verstorbenen Reiner als einen „gequälten und kämpfenden“, wenn auch einst talentierten Filmemacher. Besonders pikant und für viele Beobachter geschmacklos: Der Präsident führte den tragischen Tod des Ehepaares indirekt auf den „Ärger“ zurück, den Reiner anderen durch seine „unheilbare Erkrankung“ verursacht habe. Damit bezog sich Trump explizit auf das sogenannte „Trump Derangement Syndrome“ – ein Kampfbegriff, mit dem er seine schärfsten Kritiker diskreditiert. Laut Trump habe Reiners „rasende Obsession“ mit der Präsidentschaft die Menschen „verrückt gemacht“. Dass ein amtierender Präsident den gewaltsamen Tod eines Bürgers nutzt, um dessen politische Haltung als psychische Krankheit darzustellen, markiert einen neuen Tiefpunkt in der Diskussionskultur.

Die Hintergründe der Tat selbst sind derweil von einer düsteren Tragik geprägt, die Hollywood selten erlebt hat. Rob Reiner, der 78 Jahre alt wurde, und seine Frau wurden ersten Berichten zufolge in ihrem Haus erstochen. Die Ermittlungen der Polizei führten schnell zu einem furchtbaren Verdacht innerhalb der eigenen Familie. Der gemeinsame Sohn des Paares, Nick Reiner, wurde im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Doppelmord verhört und schließlich wegen Mordverdachts in Gewahrsam genommen. Ein Familiendrama, das ein Lebenswerk überschattet, welches Generationen von Kinogängern geprägt hat.

Rob Reiner war zeit seines Lebens nicht nur ein visionärer Künstler, sondern auch ein unermüdlicher Kämpfer für die Demokratie. Er nutzte seine Prominenz, um lautstark vor den Entwicklungen zu warnen, die er als Bedrohung für die Freiheit der USA sah. Nur zwei Monate vor seinem Tod gab er dem Sender MSNBC ein eindringliches Interview, das heute wie ein düsteres Vermächtnis wirkt. Darin warnte er davor, dass das Land kurz davor stehe, in eine Autokratie abzurutschen, und mahnte, dass man Wege finden müsse, diesen Prozess zu stoppen. Seine Angst vor einer zunehmenden Kontrolle der Medien und des Militärs war spürbar und trieb ihn bis zuletzt an.

Dass Trump nun behauptet, Reiners „Paranoia“ habe neue Höhen erreicht, während seine Administration „alle Erwartungen an Größe übertroffen“ habe, wirkt angesichts des blutigen Tatorts wie eine bittere Pointe. Es ist der Zusammenprall zweier Welten: Auf der einen Seite ein Künstler, der vor dem Verlust der Freiheit warnte, und auf der anderen Seite ein Politiker, der selbst im Angesicht des Todes keine Gelegenheit auslässt, um alte Rechnungen zu begleichen.

In Hollywood und darüber hinaus wird Rob Reiner als ein Mann in Erinnerung bleiben, der es verstand, das Menschliche auf die Leinwand zu bringen – sei es durch Humor, Romantik oder das Abenteuer des Erwachsenwerdens. Sein Vermächtnis sind Filme, die bleiben. Die hämischen Worte aus dem Weißen Haus hingegen könnten als ein Zeugnis einer tief gespaltenen Nation in die Geschichte eingehen, in der selbst die Totenruhe dem politischen Kalkül weichen muss. Während die Ermittlungen gegen Nick Reiner andauern, bleibt der Filmwelt nur der stille Abschied von einem Großen und das bittere Nachdenken über die Kälte einer Reaktion, die keinen Respekt mehr vor dem Leben kennt.