Ich bin Scharführer Horst Voinok und bin Angehöriger der 32. SS freiwilligen Grenadierdivision 30. Januar. Heute ist der 1. Februar 1945 und das ist meine Geschichte. Die Aufstellung der 32. SS freiwilligen Grenadierdivision 30. Januar vollzieht sich unter extremem Zeitdruck auf dem SS Truppenübungsplatz Kurmark im Raum Liberose Jamletz Brandenburg.

Der Aufstellungsbefehl datiert vom 26. Januar 1945. Ursprünglich als Panzergrenadierision geplant, wurde sie aufgrund akuten Mangels an Kraftfahrzeugen und Treibstoff noch in der Aufstellung zu reinen Grenadierdivisionen umgegliedert. Den Grundstock bildet das SS freiwilligen Grenadierregiment 86 Schill, das bereits im Sommer 1944 zur Niederschlagung des slowakischen Aufstands aufgestellt worden war.

Ergänzt wird die Division durch das SS freiwilligen Grenadierregement 87 Kurmark, das ab dem 25. Januar 1945 auf dem Übungsplatz aus Lehrpersonal, Rekruten, Fronturlaubern, Wachmannschaften aus Konzentrationslagern, versprengte Einheiten, Angehörige der Luftwaffe, Kriegsmarine und aus Ersatzbataillonen aufgestellt wurde.

Das SS Freiwilligen Grenadier Regiment 88 wurde im März 1945 aus einer Kampfgruppe der SS Führerschule des Wirtschafts- und Verwaltungsdienstes Teilen des ersten SS Polizeirms 34 und anderen Einheiten gebildet. Weitere Einheiten waren das SS Artilleriment 32, die SS Panzerjägerabteilung 32, das SS Pionierbataillon 32 und die SS Flagabteilung 32.

Insgesamt kommt die Division auf 6700 Mann. Dabei sollen 75% der Soldaten dem Jahrgang 1925 bis 1927 angehören. Junge Rekruten im Alter von 17 bis 19 Jahre. Die SS Panzer Jägerabteilung 32 ist mit 28 Sturmgeschützen 3 ausgestattet, doch mangelt es an schwerer Unterstützung und Kraftstoff. Die logistische Agonie erreicht ihren Höhepunkt in der Munitionsversorgung.

Batterien der Artillerie erhalten zeitweise Zuteilungen von lediglich zwei Granaten pro Rohr und Tag. Ich selbst bin als Artilleriebeobachter bei der dritten Batterie der zweiten Abteilung das Artilleriments 32 eingesetzt. Operativ ist die Division dem fünften SS Gebirgschor innerhalb der neunten Armee unterstellt.

Ihr Gefechtsabschnitt erstreckt sich südlich von Frankfurt oder zwischen Finkenhert und Fürstenberg. In den Brennpunkten Vogelsang, Ziltendorf und Wiesenau entbrennen ab dem 8. Februar erbitterte Kämpfe, aber lass mich der Reihe nach berichten. 1. Februar 1945. Eine Abteilung Unternehmen Kurmark wird aufgestellt. Obersturmführer Hoffmann ist Chef dabei.

Er will mich dazu haben. 2. Februar. Heute bekomme ich sogar noch einen Zug in die Hand gedrückt. Das Wetter ist schön. Es will Frühling werden. Mit Obersturmführer Hoffmann sitzen wir bis nach Mitternacht zusammen auf unserer Stube und Bratschlagen. Gisela schreibt nicht. Na sowas. 3. Februar.

Ich melde mich zum Raport beim Chef Hauptsturmführer Zenker. Ich muss fort von diesem Laden. Es ist hier wohl ganz gut, aber nichts für mich. Nachmittags bekomme ich Bescheid von meiner Versetzung zur vierten Batterie. Unternehmen Kurmark. 4. Februar 45. Am Mittag treten wir marschfertig ab zur Abfahrt. Erst gegen 16 Uhr fahren wir aus Seltschan ab und sind gegen Mitternacht noch nicht im Park.

Februar. Langsam geht es voran. Wir haben Öfen in den Wagons und so schlafen wir bis in den Morgen hinein. Ganz gut. Was wird nur die Giesela sagen, wenn sie davon erfährt? Ein dummes Gesicht wird sie machen. Am Abend kommen wir durch Dresden Neustadt. Da ist gerade Vollalarm. 6. Februar. Flott geht endlich die Fahrt nach Kotbus und Guben.

Dort scheinen wir aber falsch zu sein. Wir werden wieder zurückfahren nach Kotbus und laden in der Nacht in Peiz aus. Das Ausladen geht bis 2:30 Uhr. 7. Februar. Bis in die frühen Morgenstunden geht das Ausladen weiter. Dann marschieren wir durch die nächtlichen Straßen des Städtchens zur Schule und schlafen dort einen totenähnlichen Schlaf.

Um 12 Uhr ist alles klar. Waffen, Gerät, Munition sind empfangen. Panzerfäuste werden auf die Wagen geladen. Um 14 Uhr fahren wir mit 8 Kfz nicht zur Ausbildung oder ins Privatquartier, sondern in den Einsatz. Ich mache ein langes Gesicht, freue mich aber. In Treppeln warten wir auf weitere Befehle. Als es uns zu lang wird, gehen wir schlafen.

Und kaum sind wir eingeschlafen, kommt der Kommandeur und ruft uns ab. 8. Februar. Im Morgengrauen kommen wir an unseren Bestimmungsort Riesen. Hier werden wir für die Batterie 1800 Schuss Munition abladen. Bei Hell werden suchen wir mit dem Kommandeursadiutant und Chef eine Feuerstellung aus und die Batterie fährt ein.

1 km südwestlich Riesen geht sie in Stellung. Ich gehe vor als VB an den oder Spraykanal an die Brücke bei Rautenkranz zur Sicherung. Übersicht ist überhaupt keine. Alles Wald und als Sicherung Volkssturm. Ein Lichtblick an diesem dunklen Tag ist die starke deutsche Fliegertätigkeit. Die VBSelle befindet sich 10 km nordwestlich Fürstenberg.

Gegen Abend schieße ich Sperfeuer von der Brücke ein. 9. Februar. Schon früh um 6 Uhr gehe ich los, um die Blockwegbrücke und Lindo zu erkunden. Dabei komme ich bis nach Finkenhert. Dabei mache ich eine Marmeladenfabrik aus. Da muss was zu machen sein. Nachmittag liegt feindliches Granatwerfer Störfeuer.

Schweres Kaliber um uns herum. Eigenes Artilleriefeuer liegt auf Wiesenau. Die Kompanien treten zur Frontverbesserung an. Ohne Feindberührung kommen wir fast 3 km vorwärts. 1 km vor Wiesenau ist nun die neue HKL. Vorläufig bleibe ich noch in Rautenkranz. Am Abend schieße ich mich auf den Bahndarm Vorwiesenau ein. In unserem Haus essen wir Kirschen, so viel wir haben wollen.

Die Leute sind raus und so essen wir alles. Auch Stampfkartoffel machen wir nach alter Sitte. 11. Februar. Die Batterie macht Stellungswechsel nach vorwärts. Meine VBSelle muss ich auch weiter nach vorne verlegen, weil hier überhaupt nichts mehr zu sehen ist. Zum Einschießen komme ich nicht mehr, weil mein Funk versagt. So, gehe ich abends noch einmal zur Zwischenstelle zurück, um morgen vorzugehen.

Vormittag konnte ich mit einem SPW in Finkenhert eine gute Marmelade organisieren. Auch guten Sirup bekomme ich. Nun haben wir süße Sachen in Hülle und Fülle. Schade. Gerne würde ich der Giesel etwas davon schicken. Doch geht das vorläufig nicht. Februar. Ich gehe wieder zur Infanterie vor. Dieses Mal aber nach rechts zum Beobachtungsgefechtstand des ersten Zuges.

Ein Untersturmführer und seinen Stellvertreter Unterscharführer Nothelfer. In einer Waldzunge. Der letzte Wald vor Wiesenau, gehe ich zu den Gefechtsporposten und schieße mich auf den Bahndarm rechts der Brücke und links vor dem Dorf ein. Abends gehe ich wieder nach Hause zur Zwischenstelle. In der Nacht meldet die Kompanie. Die Waldzunge wäre von Russen besetzt.

Kein Wunder, ich habe mir das gleich gedacht. Morgen früh soll diese Waldzunge mit meiner Unterstützung wiedergenommen werden. 13. Februar. Noch bei Dunkelheit gehe ich vor in die Stellung und bereite alles für einen Feuerschlag vor. Der Kompaniechef, Obersturmführer Azz, der ersten Pionierkompanie schickt einen Spättrup in die Waldzunge und findet sie unbesetzt.

Also habe ich nichts mehr zu tun. Und so fange ich an. einen Bunker zu bauen. Den ganzen Tag ist nichts los. Der Bunker wird soweit fertig, nur abgedeckt wird er noch nicht. Abends gehe ich wieder zur Zwischenstelle. Der Chef des ersten Infantriezuges, der Untersturmführer, wird von den Russen geschnappt.

Er ist tot. 14. Februar. Morgens gehe ich wieder in die Stellung und baue den Bunker fertig. Abends bleibe ich in der Stellung und schlafe in meinem neuen Bunker. 15. Februar. Heute soll Wiesenau genommen werden. Bei uns ist jede Menge Artillerie und Werfer aufgefahren. 6:55 Uhr beginnt der Feuerschlag. Tausende Granaten wühlen in Wiesenau den Boden auf.

Die Häuser werden zerschmettert. Um 7 Uhr beginnt der Angriff. Von Norden und Süden gleichzeitig wird der Ort angegriffen. Wir liegen noch in Stellung. In der Waldunge habe ich mich eingenistet und schieße auch nach Wiesenau. Im Norden und Süden kommt der Angriff anfangs vorwärts. Bleibt dann im Feuer der russischen Scharfschützen und der Granatwerfer liegen.

Nachmittag um 14:30 Uhr beginnt der Angriff von neuem. Diesmal tritt auch das Pionierbataillon an. Das Bataillon besteht meist aus Russen und Ungarn und der Erfolg ist demnach der Kompanieführer, die Zug und Gruppenführer weit voraus. Es sind Reichsdeutsche und die Männer bleiben liegen, weil Scharfschützenbeschuss ist. Der Angriff bleibt liegen.

Die Chefs und der Kommandeur Hauptsturmführer König treiben noch einmal die Männer vor mit der MP hinterher. Treiben sie die SS-Männer an. Der Adiotant muss mithelfen, die SS vorzutreiben. Armes Deutschland, so gewinnen wir den Krieg bestimmt nicht. Es wird Nacht. Wie nauß nicht genommen wurden. So werden wir es nie bekommen.

Schweres Granatwerferfeuer erstickte den Angriff im Keime. Viel Blut ist heute geflossen. Der Kommandeur, der Adjutant und der Chef der ersten Kompanie des Pionierbataillons sind gefallen. Der Spieß der Kompanie ist gefallen und die Hälfte der Männer ist gefallen. Nur weil die Männer keine Lust haben.

Abends ziehen wir uns zurück. Die Infanterie igen. 16. Februar. Gegen 10 Uhr gehe ich auch vor zur Unterstützung. Die Infanterie ist gut vorwärts gekommen. Die Artillerie und Werferunterstützung ist fabelhaft. Doch hat die Infanterie keinen Schwung. Auch die Sturmgeschütze haben keinen Schneid. Der Angriff bleibt im Scharfschützen und Granatwerferfeuer liegen.

Ich schieße Nebel und bease den Bahndam auf jede Weise. Die Infanterie bleibt liegen und rührt sich nicht. Ich bekomme die Wut. So ein verfluchtes Volk. Damit sollen wir den Krieg gewinnen. Ich verzweifle bald. Meine Zuversicht am Sieg ist geschwunden. Ich bin fast mutlos. Um 15 Uhr bereiten wir den neuen Angriff vor. Wiesena brennt Licht.

Eine Qualmwolke liegt über dem Ort. Der Russe rührt sich überhaupt nicht mehr. Nordwestlich gelingt es einigen beherzten Männern in die ersten Häuser einzudringen. Vor uns kommt die Infanterie keinen Schritt vorwärts. Ein Sturmgeschütz fährt auf eine Mine. Gegen 16:30 Uhr beginnt die Hölle. Spucker, Artillerie, Stalinorgel und Pack hämmern auf uns los.

Zwei Stunden lang trommelt es. Ich werde verschüttet und kann mich doch noch aus dem Sandboden herausgraben. Ich schließe mit meinem Leben ab. Heute ist es soweit. Doch wie es dunkel wird, beruhigt sich der Russe wieder. Nur die Stalinorgel schießt noch einmal genau zu uns her. Weit sah ich sie abschießen. Dann war das Orgeln zu hören und dann waren die Einschläge da.

Die Erde bebt. Pulferschleim setzt sich auf und in die Haut, aber dann ist Ruhe. Ich zittere an allen Gliedern, aber nicht aus Angst, sondern vor den vergangenen Stunden. Für heute langt’s mir. Der Chef nimmt mich mit zur Führungsstelle. Ich esse Schnitzel mit Bratkartoffeln und schlafe dann wie ein Toter. Ja.

[musik] [musik] Wenn du wissen möchtest, wie es an der Oderfront bei Wiesenau mit Scharfhörer Horst Wzen weitergeht und ob er dem Tod noch einmal entkommen kann, dann abonniere den Kanal und wir sehen uns im nächsten Video, bei dem es mit dem Tagebuch weitergeht. Unterstütze meinen Kanal mit einem Like und schreib mir bitte, wie dir dieses Video gefallen hat.