Der Himmel über Granso war bleigrau an diesem Novembermorgen des Jahres 1992. Ein kalter Wind fegte über die weiten Karlenfelder Mecklenburg Vorpommerns und die wenigen Trauergäste, die sich um das offene Grab versammelt hatten, zogen ihre Mäntel enger um sich. Pastor Richter sprach die letzten Worte: Seine Stimme kämpfte gegen den Wind an.
Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub. Margarete Neumann stand am Grab ihres Mannes und starrte auf den Sarg, der langsam in die Erde hinabgelassen wurde. Sie war 52 Jahre alt, aber in diesem Moment fühlte sie sich wie 100. Ihr Mann Martin war nur 59 gewesen, als ihn der Herzinfarkt am vergangenen Donnerstag auf dem Feld getroffen hatte.
Einfach umgefallen, mitten bei der Arbeit, tot bevor der Krankenwagen überhaupt eintreffen konnte. 34 Jahre waren sie verheiratet gewesen. Ihr ganzes Erwachsenenleben. Neben ihr stand ihr einziger Sohn Klaus, 27 Jahre alt, blass und verstört. Ihre Tochter Petra 25 war aus Berlin angereist, wo sie als Krankenschwester arbeitete.
Beide Kinder hatten nicht vorgehabt, jemals zur Landwirtschaft zurückzukehren. Die neue Zeit nach der Wende hatte ihnen andere Möglichkeiten eröffnet und sie hatten sie ergriffen. Aber jetzt war Martin tot und jemand musste sich um den Hof kümmern. Was ich euch heute erzähle, basiert auf dokumentierten Ereignissen aus Mecklenburg Vorpommern in den frühen 1990er Jahren einer Zeit beispielloser Umbrüche in der ostdeutschen Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung.
Während ich Details aus mehreren realen Fällen kombiniert und die Erzählung für Klarheit strukturiert habe, stammen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die rechtlichen Strukturen der LPG Auflösung, die Bodenwerte und alle landwirtschaftlichen Herausforderungen, die ihr hören werdet aus historischen Dokumenten, Berichten der Treuhandanstalt, Protokollen der Landwirtschaftskammer und ausführlichen Interviews mit Landwirten und Witwen, die diese dramatische Transformation miterlebt haben.
Ich verbringe Wochen mit der Recherche zu jeder dieser Geschichten, weil die Geschichte der ostdeutschen Landwirtschaft nach der Wende oft übersehen wird, aber sie ist ein entscheidender Teil unserer gemeinsamen deutschen Geschichte, eine Geschichte von Verlust, Mut, Gier und dem verzweifelten Kampf um das Überleben in einer völlig neuen Welt.
Um das zu verstehen, muss man die außergewöhnliche Situation der ostdeutschen Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung kennen. Die LPG landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, die das Rückgradwirtschaft gebildet hatten, wurden 1990 aufgelöst. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mussten über 4500 LPG Betriebe in Ostdeutschland neu strukturiert werden.
Das betraf über 800.000 Hektar Land, tausende von Arbeitskräften und eine vollständige Transformation der gesamten landwirtschaftlichen Struktur. Martin Neumann war LPG Vorsitzender gewesen, ein wichtiger Mann in der DDRzeit, verantwortlich für die LPG freie Erde Granso, die fast 2000 Hektar bewirtschaftet hatte.
Nach der Wende 1990 hatte er zusammen mit drei anderen ehemaligen LPG Mitgliedern eine neue Struktur geschaffen, eine GBR Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die einen Teil des ehemaligen LPGLes übernahm. Hektar aufgeteilt zwischen den vier Gesellschaftern, aber von Martin faktisch geleitet. 500 Hektar. In Westdeutschland wären das fünf oder zehn große Betriebe gewesen.
Im Osten war es ein mittelgroßer Betrieb, entstanden aus den Trümmern des sozialistischen Systems. Nach der Beerdigung im kleinen Gemeindehaus, wo Kaffee und belegte Brote serviert wurden, kamen die Kondolenzbesucher zu Margarete. Die meisten waren ehemalige LPG Kollegen, Nachbarn, Dorfbewohner. Ihre Worte waren freundlich gemeint, aber hohl.
Was sollte man auch sagen, aber einige der Besucher hatten einen anderen Ausdruck in den Augen, einen berechnenden Ausdruck. Werner Zastro, einer der drei Mitgesellschafter der GBR, ein großer kantiger Mann mit wettergegärbtem Gesicht, kam zu ihr. “Margarete”, sagte er mit gespieltem Mitgefühl, “wenn du irgendetwas brauchst, sag bescheid.

” Martin und ich, wir waren nicht nur Geschäftspartner, wir waren Freunde. Danke, Werner, sagte Margarete leise. Was die GBR angeht, fuhr Zastrofort und jetzt wurde sein Ton geschäftsmäßiger. Wir sollten bald reden. Es gibt Entscheidungen zu treffen. Nicht heute, sagte Klaus scharf und trat zwischen seine Mutter und Zastro.
Meine Mutter hat gerade ihren Mann begraben. Zastro hob die Hände in einer versöhnlichen Geste. Natürlich, natürlich, aber bald. Die Arbeit wartet nicht. Er ging, aber sein Blick sagte alles. Die Uhr tickte. Am Dienstagmgen wachte Margarete um 5 Uhr auf, wie sie es ihr ganzes Erwachsenenleben getan hatte. Für einen verwirrten Moment in der Dunkelheit zwischen Schlaf und Wachen, war alles normal.
Dann griff sie zur Seite und fand nur leere kalte Laken. Martin war nicht da. Martin würde nie wieder da sein. Sie zwang sich aufzustehen. Das Haus war still. Klaus und Petra schliefen noch. Sie waren bis spät in die Nacht aufgeblieben, hatten über Papiere geredet, über Optionen, über die Zukunft. Margarete ging in die Küche, setzte Kaffee auf.
Durch das Fenster konnte sie die ersten grauen Streifen der Dämmerung sehen und sie konnte die Silhouette des Maschinenparks sehen. Drei Fortschritttraktoren, 2 Z300 und ein ZT323, alle aus DDR Produktion, alle in die Jahre gekommen. Ein Mähdrescher E512, ebenfalls Fortschritt, ein paar Anhänger, Flüge, eine Sämaschine, 500 Hektar Land.
Wie sollte sie das bewältigen? In der DDRZit war sie Buchhalterin in der LPG gewesen. Sie konnte mit Zahlen umgehen, sie verstand Bilanzen, Kostenrechnung, aber die praktische Arbeit, das Fahren der Traktoren, die Feldarbeit, die Entscheidungen über Fruchtfolge und Düngung, das war immer Martins Bereich gewesen. Der Kaffee war fertig.
Sie schenkte sich eine Tasse ein und setzte sich an den Küchentisch. Vor ihr lagen die Dokumente, die Klaus gestern aus Martins Büro geholt hatte. Der Gesellschaftsvertrag der GBR. Sie lass ihn zum ersten Mal wirklich aufmerksam durch. Die GBR Neumann und Partner bestand aus vier Gesellschaftern. Martin Neumann mit 40% Anteil, Werner Zastro mit 30%, Husbecker mit 20% und Gottfried Möller mit 10%.
Martin hatte den größten Anteil gehabt, weil er das meiste Eigenkapital eingebracht hatte und die Leitung übernommen hatte. Aber jetzt war Martin tot. Was passierte mit seinen 40%? Sie weiter. Der Vertrag enthielt eine Klausel für den Todesfall. Die Erben konnten entweder den Anteil übernehmen und in die Gesellschaft eintreten oder sie konnten ihren Anteil an die anderen Gesellschafter verkaufen zu einem Preis, der von einem unabhängigen Gutachter festgelegt werden würde.
Margarete rechnete 500 Hektar aufgeteilt nach Anteilen. Martins 40% entsprachen 200 Hektar. Was war Land in Mecklenburg Vorpommern 1992 wert? Sie hatte keine Ahnung. Klaus kam in die Küche, unrasiert, müde. Mama, du hättest schlafen sollen. Ich kann nicht schlafen. Er setzte sich zu ihr. “Ich habe nachgedacht”, sagte er. “Ich könnte hier bleiben.
” Vorübergehend dir helfen, die Sachen zu regeln. Du hast deine Arbeit in Rostock. Klaus arbeitete in einer Autowerkstatt in Rostock, hatte gerade eine Stelle als Mechaniker gefunden nach anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit. Die können eine Weile ohne mich auskommen. Und dann Klaus schwieg. Die Frage hing zwischen ihnen und dann würde Klaus den Hof übernehmen? Würde Margarete ihn führen würden sie verkaufen? Um 9 Uhr kam der erste Besucher.
Es war nicht Zastro, sondern ein Mann, den Margarete nicht kannte. Ein westdeutscher Mann, gut gekleidet, mit einem dicken Mercedes vor dem Haus. Guten Morgen, Frau Neumann. Mein Name ist Dr. Steiner. Ich bin Berater für landwirtschaftliche Betriebe. Darf ich einen Moment ihrer Zeit? Margarete, perplex ließ ihn herein. Dror Steiner setzte sich in die Stube, lehnte Kaffee ab und kam direkt zur Sache.
Frau Neumann, ich weiß, dass dies eine schwierige Zeit für Sie ist, aber ich bin hier mit einem Angebot, das vielleicht in ihrem Interesse liegt. Einem Angebot. Ich vertrete Investorengruppe aus Nordrheinwestfalen. Wir sind interessiert am Erwerb landwirtschaftlicher Flächen in Ostdeutschland.
Wir haben erfahren, dass ihr verstorbener Mann Anteile an einer landwirtschaftlichen GBR hatte und wir wären bereit, diese Anteile zu erwerben. Zu einem fairen Preis. Margarete starrte ihn an. Martin war seit drei Tagen tot, seit zwei Tagen begraben und schon kamen Investoren. Wie haben Sie von meinem Mann erfahren? Fragte sie.
Steiner lächelte ein kühles, professionelles Lächeln. Wir haben gute Kontakte. In dieser Zeit des Umbruchs ist es wichtig, informiert zu sein. Klaus, der in der Tür stand, sagte: “Ich glaube, sie sollten jetzt gehen, aber ich habe noch nicht über den Preis gesprochen.” “Raus”, sagte Klaus, seine Stimme hart. “Meine Mutter hat gerade ihren Mann begraben. Zeigen Sie etwas Anstand.
” Steiner stand auf, glättete seinen Anzug. Natürlich, hier ist meine Karte. Wenn Sie es sich überlegen, rufen Sie an. Er legte eine Visitenkarte auf den Tisch und ging. Margarete saß da, die Visitenkarte in der Hand. Dr. Heinrich Steiner, landwirtschaftliche Unternehmensberatung Düsseldorf. Geier, sagte Klaus Bitter. Sie kreisen schon.
Aber das war erst der Anfang. Am Mittwoch kamen drei weitere Besucher, alle mit angeboten, alle interessiert an Margaretes Anteil an der GBR, ein Vertreter einer westdeutschen Agrargenossenschaft, ein privater Investor aus Bayern, ein Vermittler, der im Auftrag einer Bank handelte. Margarete lehnte alle ab, höflich, aber bestimmt.
Sie brauchte Zeit zum Nachdenken. Am Donnerstag fuhr sie mit Klaus zum Notar in der Kreisstadt Neubrandenburg, um Martins Testament zu eröffnen. Es war ein einfaches Testament. Alles ging an Margarete. Der GBR Anteil, das Haus, das bisschen Erspartes, dass Sie hatten, etwa 15 000 DMark auf einem Konto. Sie haben drei Optionen, erklärte der Notar ein älterer Herr namens Dr. Krüger.
Erstens, sie können in die GB eintreten und ihren Anteil aktiv führen. Zweitens, sie können ihren Anteil an die anderen Gesellschafter verkaufen. Drittens, sie können ihren Anteil an einen Dritten verkaufen, wenn die anderen Gesellschafter zustimmen. Was würden Sie empfehlen? Fragte Margarete. Dr. Krüger zögerte.
Das hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie landwirtschaftliche Erfahrung hätten, würde ich sagen, treten Sie ein. Aber ohne diese Erfahrung. Er schüttelte den Kopf. Die Landwirtschaft ist heute extrem schwierig, besonders hier im Osten. Die meisten ehemaligen LPG Nachfolgetriebe kämpfen ums Überleben. Und der Wert meines Anteils, schwer zu sagen, Land in Mecklenburg Vorpommern ist momentan sehr billig, etwa 2000 bis 3000 Dmark pro Hektar, manchmal weniger.
Aber ihr Anteil umfasst nicht nur Land, sondern auch Maschinen, Gebäude, Verbindlichkeiten. Ein Gutachter müsste das bewerten. 2000 bis 3000 Mark pro Hektar. Margarete rechnete schnell. 200 Hektar x mal x 3000, das wären 600.000 Mark. Eine unvorstellbare Summe, aber der Notar hatte manchmal weniger gesagt und er hatte von Verbindlichkeiten gesprochen.
Was für Verbindlichkeiten? Fragte Klaus. Dr. Krüger blätterte in den Unterlagen. Die GBR hat laut letzter Bilanz Kredite in Höhe von etwa 2000.000 Mark für Maschinen, Betriebsmittel, Umschuldungen von alten LPG Schulden. 200.000 Mark Schulden auf vier Gesellschafter verteilt. Das waren 50.000 pro Person bei gleichem Anteil, aber Martin hatte 40%, also 80.
000 Mark Schulden, die zu seinem Anteil gehörten. Margaretes Hoffnung auf 600.000 Mark schrumpfte rapide. Am Freitagmen, 5 Tage nach der Beerdigung, kamen die Gesellschafter der GBR zu Margarete. Werner Zastro, Horst Becker und Gottfried Möller saßen in Margaretes Wohnzimmer. Zastro übernahm das Wort, wie er es immer tat.
Margarete, wir müssen reden. Die GBR braucht Entscheidungen. Wir stehen vor der Winterbestellung. Wir haben Verbindlichkeiten zu bedienen, Arbeiter zu bezahlen. Martin hat alles geführt und jetzt ist er nicht mehr da. Ich weiß, sagte Margarete. Die Frage ist, was willst du tun? Willst du Martins Platz in der Gbnehmen? Margarete sah die drei Männer an.
Zastro, bullig und selbstbewusst. Bäcker, schmächtig und nervös, Möller, alt und müde. Alle drei hatten in der LPG unter Martin gearbeitet. Martin war immer der Chef gewesen, der Entscheider. “Könnte ich das?”, fragte sie. Ich bin keine Landwirtin. Nein, sagte Zastro unverblümmt. Du bist keine Landwirtin.
Du könntest den Papierkram machen. Die Buchhaltung, das hast du ja in der LPG gemacht, aber die praktische Führung, das müsste jemand anderes übernehmen. Du z.B. Zastro lächelte nicht. Ich z.B. Horst Becker räusperte sich. Es gibt noch eine andere Option, Margarete. Wir, also Werner. Gottfried und ich, wir könnten deinen Anteil kaufen.
Wir haben uns zusamm getan und ein Angebot vorbereitet. Er schob ein Papier über den Tisch. Margarete Lasses, Kaufangebot für 40% Anteil Gbr Neumann und Partner 200.000 Deutsche Mark. 200.000 für 200 Hektar Land plus Maschinen plus Gebäude. Das waren 1000 Mark pro Hektar die Hälfte dessen, was der Notar als Mindestwert genannt hatte.
Das ist zu wenig, sagte Klaus, der hinter seiner Mutter stand. Zastro zuckte mit den Schultern. Du musst die Schulden abziehen. 80.000 Mark Schulden, die zu Martins Anteil gehören. Und du musst bedenken, dass die Maschinen alt sind, die Gebäude renovierungsbedürftig. 200.000 ist fair. Fair, Klaus. Stimme stieg.
Mein Vater hat sein Leben in diesen Betrieb gesteckt. “Und wir alle haben das auch getan”, sagte Zastro “Jetzt mit härterer Stimme. “Wir haben alle gearbeitet, alle investiert. Das ist ein Geschäftsangebot, keine Wohltätigkeit.” Margarete hielt Klaus zurück. “Ich brauche Zeit, um nachzudenken.” “Du hast drei Tage”, sagte Zastro. “Am Montag treffen wir uns wieder.

Wenn du bis dahin nicht entschieden hast, müssen wir andere Schritte einleiten. Was für Schritte? Die GBR kann aufgelöst werden, wenn die Gesellschafter das beschließen. 3/4 der Stimmen reichen. Werner hat 30%, ich habe 20, Gottfried hat 10. Zusammen 60%. Wenn wir wollen, können wir die GBR auflösen und neu gründen ohne dich.
Das war eine Drohung, offen und unverfroren. Nachdem die drei Männer gegangen waren, saß Margarete lange schweigend da. “Sie erpressen dich”, sagte Klaus. “Ja”, sagte Margarete leise. “Das tun sie.” “Aber was konnte sie tun?” Am Freitagnachmittag später am selben Tag kam der nächste Besucher. Es war eine Frau, etwa in Margaretes Alter, gut, aber nicht protzig gekleidet.
Sie stellte sich vor als Ingrid Hartmann, Rechtsanwältin aus Schwerin, spezialisiert auf Agrarrecht. Frau Neumann, ich habe von ihrer Situation gehört. Darf ich? Margarete, inzwischen abgestumpft durch die konstanten Besucher, nickte. Frau Hartmann setzte sich: “Ich werde direkt sein. Was ihre Mitgesellschafter ihnen anbieten, ist nicht nur unfair, es ist wahrscheinlich rechtswidrig.
Die erzwungene Auflösung einer GB unter Ausschluss eines Gesellschafters, der seinen Verpflichtungen nachkommen kann, ist juristisch anfechtbar und der Kaufpreis, den Sie anbieten, 200.000 Mark, ist weit unter Marktwert. Aber der Notar hat gesagt, Land hier kostet 2000 bis 3000 Mark pro Hektar. Für Ackerland ohne Gebäude, ohne Maschinen, ohne laufenden Betrieb, aber sie haben einen funktionierenden Betriebsanteil, das ist mehr wert.
Ich würde schätzen, ihr Anteil ist mindestens Markwert, vielleicht mehr. Margarete versuchte das zu verarbeiten. 400 000. Warum erzählen Sie mir das? Fragte sie misstrauisch. Wollen Sie auch etwas kaufen? Frau Hartmann lächelte. Nein, ich vertrete Mandanten, die in ähnlichen Situationen sind. ehemalige LPG Mitglieder, meist Witwen wie Sie, die von ihren ehemaligen Kollegen ausgebotet werden.
Das passiert überall in Ostdeutschland. Männer, die in der LPG zusammengearbeitet haben, gründen GBS oder Genossenschaften. Und wenn dann jemand stirbt, besonders wenn es der Anführer war und seine Witwe keine Ahnung von Landwirtschaft hat, dann versuchen die anderen sie rauszudrängen und sie helfen diesen Witwen. Ich versuche es manchmal erfolgreich, manchmal nicht.
Es hängt davon ab, wie stark die Frau ist, wie gut ihre rechtliche Position ist und wie skrupellos die Männer sind. Klaus, der zugehört hatte, fragte: “Und wie sind unsere Schaen?” Frau Hartmann wurde ernst, ehrlich, mittelmäßig. Sie haben recht auf ihrer Seite, aber recht haben und recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge.
Ein Gerichtsverfahren würde Jahre dauern und tausende kosten. In der Zwischenzeit könnten ihre Mitgesellschafter die GBR auflösen, Vermögen verschieben, Schulden auflaufen lassen. Am Ende bekämen sie vielleicht recht, aber es wäre ein Pyrussieg. Also, was sollte meine Mutter tun? Fragte Klaus.
Das hängt davon ab, was sie will. Will sie den Betrieb führen, dann kämpfen wir. Will sie aussteigen, dann verhandeln wir den bestmöglichen Preis. Margarete dachte nach. Was wollte sie? Die Wahrheit war, sie wusste es nicht. Am Freitagabend, als Margarete dachte, der Tag könnte nicht mehr anstrengender werden, kam der nächste Besucher.
Diesmal war es ein junger Mann, etwa Mitte 30, mit Arbeitsklamotten und schmutzigen Stiefeln. Er stellte sich vor als Thomas Wend, ein ehemaliger Traktorist in der LPG freie Erde. Frau Neumann, entschuldigen Sie die Störung. Ich weiß, Sie haben gerade viel um die Ohren, aber ich wollte Ihnen etwas sagen. Was denn? Thomas sah sich um, als würde er befürchten, belauscht zu werden.
Zastro und die anderen, passen Sie auf die auf. Die führen nichts Gutes im Schilde. Was meinen Sie? Ich habe bei der GBR gearbeitet als Angestellter. Ihr Mann Herr Neumann, der war ein anständiger Chef. Aber Zastro, der ist anders. Der interessiert sich nur für sich selbst. Und ich habe Gerüchte gehört. Was für Gerüchte? Thomas zögerte, dass Zastro Kontakte zu westdeutschen Investoren hat, dass er plant ihren Anteil billig zu kaufen und dann die ganze Gbe an diese Investoren zu verkaufen für ein Vielfaches. Er würde ein Vermögen machen
und sie bekämen fast nichts. Margarete fühlte, wie ihr Magen sich zusammenzog. War das wahr oder war es nur Dorfklatsch? Woher wissen Sie das? Ich habe meinen Ohren und ich schulde ihrem Mann etwas. Er hat mir eine Schau gegeben, als niemand sonst es tat. Ich wollte nur, dass Sie Bescheid wissen. Nachdem Thomas gegangen war, saß Margarete mit Klaus und Petra am Küchentisch. Es war fast Mitternacht.
Was soll ich tun? Fragte Margarete und zum ersten Mal seit Martins Tod brach ihre Fassung. Tränen liefen über ihr Gesicht. Ich verstehe nichts von allem. Landwirtschaft, Verträge, Investoren, Anwälte. Ich bin Buchhalterin. Ich kann mit Zahlen umgehen, aber das hier, das ist zu viel. Petra nahm ihre Hand.
Mama, du musst nicht allein entscheiden. Wir helfen dir. Aber was ist die richtige Entscheidung? Verkaufen an wen? Zastro, die Investoren oder versuchen den Betrieb zu führen. Aber wie? Klaus sagte langsam, ich könnte hier bleiben. Ich könnte versuchen, es zu lernen. Die Landwirtschaft. Vater wollte immer, dass ich den Betrieb übernehme.
Du wolltest nie Landwirt werden, sagte Margarete. Nein, aber die Dinge ändern sich. Schreibt in die Kommentare, was ihr an Margaretestelle tun würdet. Verkaufen und das Geld nehmen oder kämpfen um den Betrieb. Das Wochenende verbrachte Margarete damit, sich durch Berge von Papieren zu arbeiten. Die Bilanzen der GBR, Verträge, Grundbücher, Schuldenverzeichnisse.
Klaus half ihr zu sortieren und zu verstehen. Was sie fand, war beunruhigend. Die GBR Neumann und Partner war nicht profitabel. Im Jahr 1991, dem ersten vollen Jahr nach der Gründung, hatte sie einen Verlust von 50.000 Mark gemacht. 1992 sah es kaum besser aus. Die Gründe waren vielfältig. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte waren nach der Wende eingebrochen.
In der DDR hatte der Staat garantierte Abnahmepreise gezahlt. Jetzt mussten sie auf dem freien Markt konkurrieren mit Westprodukten, mit EU-importen. Gleichzeitig waren die Kosten explodiert, Diesel, Dünger, Saatgut. Alles musste jetzt zu Weltmarktpreisen gekauft werden, nicht mehr zu subventionierten DDRpreisen. Die Maschinen waren ein weiteres Problem.
Die alten Fortschritttraktoren und der E512 Mehdrescher waren Relikte aus der DDR Produktion. Sie funktionierten noch, aber sie waren ineffizient, reparaturanfällig und Ersatzteile wurden immer schwerer zu bekommen. Westmaschinen John Deerea, Fent, Clas waren viel besser, aber auch unbezahlbar teuer.
Um diese Situation zu verstehen, muss man die makroökonomische Transformation Ostdeutschlands nach 1990 kennen. Nach Angaben der Treuhandanstalt, der Behörde, die für die Privatisierung der DDR Wirtschaft zuständig war, brach die ostdeutsche Agrarproduktion zwischen 1989 und 1992 um fast 40% ein. Tausende landwirtschaftliche Betriebe gingen bankrott.
Die Arbeitslosigkeit in ländlichen Gebieten Ostdeutschlands erreichte teilweise 50%. Es war keine normale wirtschaftliche Rezession. Es war ein kompletter Systemkollaps und Neuaufbau gleichzeitig. Margarete fand auch etwas anderes in den Unterlagen. Mehrere Anfragen von westdeutschen Investoren, gerichtet an die GBR mit Interesse an Landkäufen.
Alle waren von Martin abgelehnt worden mit Notizen wie preis zu niedrig oder Konditionen inakzeptabel. Aber einige dieser Anfragen waren kopiert und an Werner Zastro weitergeleitet worden. Mit Vermerken von Zastro, wie sollten wir noch mal überdenken? Oder könnte interessant sein nach Konsolidierung? Konsolidierung? Was meinte er damit? Am Sonntagabend rief Margarete Frau Hartmann, die Anwältin, an: “Frau Hartmann, ich habe die Unterlagen durchgesehen.
Ich glaube, Zastro plant tatsächlich mich rauszudrängen, um dann die GBR zu verkaufen.” Das wäre nicht überraschend. Ich habe ähnliche Fälle gesehen. Die Frage ist, was wollen Sie dagegen tun? Margarete atmete tief durch. Ich will kämpfen. Es gab eine Pause am anderen Ende der Leitung. Dann sagte Frau Hartmann: “Gut, dann brauchen wir eine Strategie.
” Am Montagmgen Woche nach Martins Beerdigung, kamen Zastro, Becker und Möller wieder zu Margaretes Haus. Aber diesmal waren sie nicht allein. Margarete hatte Frau Hartmann eingeladen und Klaus war auch da. Die Männer sahen überrascht aus, als sie die Anwältin sahen. “Guten Morgen, meine Herren”, sagte Frau Hartmann kühl. Setzen Sie sich, wir haben einiges zu besprechen.
Zastro setzte sich widerwillig. Was soll das? Wir wollten mit Margarete reden, nicht mit einer Anwältin. Frau Neumann hat mich beauftragt, sie zu vertreten. Sie ist Gesellschafterin der GB und hat jedes Recht, rechtlichen Beistand hinzuziehen. Bäcker und Möller tauschten nervöse Blicke aus. Nun”, fuhr Frau Hartmann fort, “kmen zur Sache.
Sie haben Frau Neumann ein Kaufangebot für ihren GBR Anteil gemacht, 200.000 Mark. Frau Neumann lehnt dieses Angebot ab.” “Dann muss sie in die GBR eintreten und ihren Teil der Arbeit leisten”, sagte Zastro. “Genau das plant sie zu tun. Frau Neumann wird ihren Anteil behalten und als stille Gesellschafterin fungieren. Sie wird die Buchhaltung und Verwaltung übernehmen, wie sie es in der LPG getan hat.
Die praktische Feldarbeit wird von Ihnen Herren fortgeführt wie bisher. Das geht nicht, sagte Zastro. Martin war nicht nur Gesellschafter, er war Betriebsleiter. Wir brauchen einen neuen Betriebsleiter. Dann wählen Sie einen. Die Gesellschafter können das beschließen. Frau Neumann wird sich bei dieser Wahl enthalten. Zastro wurde rot im Gesicht.
Das ist lächerlich. Sie hat keine Ahnung von Landwirtschaft. Sie braucht keine. Sie ist Gesellschafterin, nicht Angestellte. Ihre Aufgabe ist es nicht, Traktoren zu fahren, sondern ihren Kapitalanteil zu verwalten. Und das kann sie sehr gut. Horst Becker räusperte sich. Und was ist mit der Auflösung? Wir hatten gesagt, dass wir die GBR auflösen könnten.
Eine Drohung, die rechtlich nicht haltbar ist, unterbrach Frau Hartmann. Sie können die GB nicht auflösen, nur um eine Gesellschafterin loszuwerden, deren einziges Vergehen darin besteht, dass ihr Mann gestorben ist. Jeder Versuch, das zu tun, würde vor Gericht angefochten werden und sie würden verlieren.
Außerdem, sie zog ein Papier aus ihrer Tasche, habe ich mir den Gesellschaftsvertrag angesehen. Die Auflösung erfordert nicht nur eine dreiviertel Mehrheit, sondern auch, dass alle Gesellschafter drei Monate vorher informiert werden und dass die Vermögenswerte zu Marktwerten aufgeteilt werden. Wenn Sie versuchen, die GBR aufzulösen und zu Sportpreisen an sich selbst zu verkaufen, ist das Betrug Stille im Raum.
Gottfried Möller, der älteste der drei Männer, der bisher geschwiegen hatte, sagte leise: “Sie hat recht, Werner. Wir können Margarete nicht einfach rauswerfen.” Das wäre nicht richtig. Zastro warf ihm einen wütenden Blick zu. Gottfried, halt den Mund. Nein”, sagte Möller und es gab eine Festigkeit in seiner Stimme, die überraschte. Martin war mein Freund.
Wir haben zusammen in der LPG gearbeitet seit den 60er Jahren. “Ich werde nicht zulassen, dass seine Witwe betrogen wird.” Bcker nickte zögernd. Gottfried hat Recht. Zastro sah zwischen den beiden hin und her, dann zu Margarete und Frau Hartmann. Langsam dämmerte ihm, dass er verloren hatte. Gut”, sagte er schließlich, seine Stimme kalt.
Margarete bleibt in der GBR, aber sie macht die Buchhaltung, nichts weiter. Ich übernehme die Betriebsleitung. Das können die Gesellschafter abstimmen, sagte Frau Hartmann. Frau Neumann, Margarete, die die ganze Zeit geschwiegen hatte, sagte jetzt: “Ich stimme zu. Werner kann Betriebsleiter werden, wenn Horst und Gottfried auch zustimmen.
Bäcker und Möller nickten, aber fuhr Margarete fort und ihre Stimme war fester, als sie sich fühlte. Ich will jeden Monat einen vollständigen Bericht über alle Einnahmen, Ausgaben und Entscheidungen. Und ich will bei allen wichtigen Entscheidungen Landkäufe, große Investitionen abstimmen. Zastro presste die Lippen zusammen, nickte aber.
Die Männer gingen. Als die Tür hinter ihnen zufiel, ließ sich Margarete auf einen Stuhl fallen. Sie zitterte. “Du warst großartig, Mama”, sagte Petra. Ich habe mich gefühlt, als würde ich gleich ohnmächtig werden. Frau Hartmann packte ihre Unterlagen zusammen. Sie haben die erste Schlacht gewonnen, Frau Neumann. Aber der Krieg ist noch nicht vorbei.
Zastro wird nicht aufgeben. Er wird versuchen, sie auf andere Weise loszuwerden. Was soll ich tun? wachsam sein, die Bücher genau prüfen und vor allem lernen sie alles, was Sie über den Betrieb lernen können. Wissen ist Macht. Wenn ihr diese Era miterlebt habt, die Jahre nach der Wende, die Auflösung der LPGs, die Kämpfe um Land und Betriebe, teilt eure Erinnerungen in den Kommentaren.
Diese Geschichten sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte und dürfen nicht vergessen werden. Die folgenden Wochen und Monate waren für Margarete eine Lernkurve, wie sie sie noch nie erlebt hatte. Sie begann jeden Tag auf die Felder zu fahren, nicht um zu arbeiten, sondern um zu beobachten.
Sie sah zu, wie die Männer die Winterbestellung durchführten, wie sie die Maschinen warteten, wie sie Entscheidungen trafen. Klaus blieb bei ihr. Er hatte seine Arbeit in Rostock aufgegeben. Eine schwere Entscheidung, aber eine notwendige. Er begann von den Arbeitern zu lernen, von Thomas Wend und den anderen ehemaligen LPG Traktoristen.
Wie man einen Fortschritt ZT300 fuhr, wie man pflügte, wie man säht. Es war harte Arbeit und es gab Momente, in denen beide Mutter und Sohn daran zweifelten, ob sie das Richtige taten. Im Dezember 1992 kam der nächste Rückschlag. Einer der alten Fortschritttraktoren, der ZT323, hatte einen Motorschaden. Irreparabel.
Die Kosten für einen Ersatzmotor, wenn man überhaupt einen finden konnte, wären fast so hoch wie der Wert des ganzen Traktors. Bei der monatlichen Gesellschafterversammlung brachte Zastro das Thema zur Sprache. Wir brauchen einen neuen Traktor oder zumindest einen Gebrauchten, der funktioniert. Was würde das kosten? fragte Margarete.
Ein gebrauchter westdeutscher Traktor, sagen wir ein Deutz oder Fend, 10 Jahre alt, 50 bis 60 PS, etwa 40.000 Mark. Margarete rechnete. Die GBR hatte keine 40.000 Mark. Sie würden einen Kredit aufnehmen müssen. Können wir uns das leisten? Zastro zuckte mit den Schultern. Wir müssen ohne ausreichend Traktoren können wir die Arbeit nicht schaffen. Margarete prüfte die Zahlen.
Die GBR war immer noch nicht profitabel. Sie machten keine Verluste mehr, aber auch keinen Gewinn. Ein neuer Kredit über 40.000 Mark würde bedeuten, etwa 5000 Mark pro Jahr an Zinsen und Tilgung bei 10% Zinsen, die damals üblich waren. “Ich stimme zu”, sagte sie schließlich, “aber unter einer Bedingung.
Wir kaufen gebraucht und wir verhandeln den bestmöglichen Preis. Zastro sah sie überrascht an. Er hatte erwartet, dass sie einfach zustimmen würde. Klaus, der jetzt bei den Versammlungen dabei war als Vertreter seiner Mutter, sagte: “Ich kenne einen Händler in Rostock. Ich kann mich umhören.” Zwei Wochen später hatte Klaus einen gebrauchten Deutz D6006 gefunden.
Baujahr 1980, 60 PS, in gutem Zustand. Der Händler wollte 45000 Mark. Klaus verhandelte und brachte den Preis auf 38 000 herunter. Es war das erste Mal, dass Margarete sah, wie wertvoll Klaus Beitrag war. Er kannte Maschinen, er hatte Kontakte, er konnte verhandeln. Vielleicht, dachte sie, vielleicht können wir das wirklich schaffen.
Das Jahr 1993 brachte neue Herausforderungen und auch neue Hoffnungen. Im Frühjahr kam die EU-Agrarreform, die auch die ostdeutschen Betriebe betraf. Neue Subventionen wurden verfügbar, aber auch neue Regularien. Margarete verbrachte Tage damit, Antragsformulare auszufüllen, sich durch bürokratische Labyrinhe zu kämpfen, aber es zahlte sich aus.
Die GBR erhielt im Sommer Direktzahlungen von über 50.000 Mark basierend auf ihren 500 Hektar Fläche. Das war ein Segen, eine Finanzspritze, die dringend gebraucht wurde. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung machte die GBR einen kleinen Gewinn. 10 000 Mark. Nicht viel, aber es war ein Anfang. Zastroßte widerwillig anerkennen, dass Margaretes Verwaltungsarbeit ihre Fähigkeit mit Behörden umzugehen, Anträge zu stellen, Fördergelder zu bekommen wertvoll war.
vielleicht sogar wertvoller als alles, was er auf dem Feld tat. Im Herbst 1993 kam der nächste Test. Ein großer westdeutscher Agrarbetrieb, die Norddeutsche Agrar AG, machte ein Angebot für die gesamte GBR. Sie wollten die 500 Hektar kaufen sowie alle Maschinen und Gebäude. Ihr Angebot 2 Millionen Mark.
Das war eine enorme Summe. Aufgeteilt nach Anteilen würde Margarete 800.000 Mark bekommen. Abzüglich ihrer Schuldenanteile, aber immer noch über 700.000 Mark. Mehr Geld, als sie je in ihrem Leben gesehen hatte. Zastro war begeistert. Das ist unsere Chance. Wir nehmen das Geld und sind raus. Keine Sorgen mehr, keine Arbeit, keine Risiken. Bäcker stimmte zu.
Sogar Möller, der normalerweise zurückhaltend war, nickte. Nur Margarete zögerte. “Was passiert mit dem Land?”, fragte sie. “Was interessiert dich das, sagte Zastro. Du bekommst dein Geld, aber das ist unser Land. Das Land, auf dem die LPG war, auf dem unsere Eltern gearbeitet haben. Wenn wir an diese AG verkaufen, was passiert dann? Werden sie die Arbeiter behalten, Thomas Wend und die anderen? Oder werden Sie alle entlassen und alles mit Westpersonal und großen Maschinen bewirtschaften?” Das ist nicht unser Problem”, sagte
Zastro ungeduldig. “Doch das ist unser Problem”, sagte Margarete und ihre Stimme war fest. “Das ist unsere Gemeinschaft. Das sind unsere Leute. Margarete, sei doch vernünftig.” Ich bin vernünftig und ich sage nein. Zastro starrte sie an. Du kannst nicht einfach nein sagen. Wir stimmen ab. Gerne. Ich habe 40%.
Ihr drei zusammen habt 60%. Wenn ihr alle für den Verkauf stimmt, geht er durch. Aber sie sah Möller direkt an. Gottfried, erinnerst du dich, was du gesagt hast, dass Martin dein Freund war? Möller nickte langsam. Martin hätte niemals verkauft. Er hat diesen Betrieb aufgebaut aus den Ruinen der LPG, weil er an das Land glaubte, an die Gemeinschaft.
Er hätte nicht an irgendeine westdeutsche AG verkauft, die nur Profit sieht. Stille. Dann sagte Möllerleise: “Sie hat recht. Ich stimme gegen den Verkauf.” Zastro explodierte. Gottfried: “Verdammt, das sind 2 Millionen Mark. Ich weiß, aber manche Dinge sind wichtiger als Geld.” Die Abstimmung war eindeutig.
Möller und Margarete gegen den Verkauf zusammen 50%. Zastro und Bäcker dafür zusammen 50%. P. Nach den Statuten der GBR bedeutete ein P, dass der Status Quo beibehalten wurde. Kein Verkauf. Zastro verließ die Versammlung wutend Brand. Denkt ihr, Margarete hat richtig entschieden? Sollte sie das Geld genommen haben oder war es richtig, den Betrieb zu behalten? Schreibt eure Meinung in die Kommentare.
Nach dieser Abstimmung änderte sich die Dynamik in der GBR fundamental. Zastro, der erkannt hatte, daß er Margarete nicht loswerden konnte, begann mit ihr zu arbeiten, statt gegen sie. Es war keine Freundschaft, aber es war eine professionelle Arbeitsbeziehung. Klaus übernahm mehr und mehr praktische Verantwortung.
Er war kein geborener Landwirt, aber er lernte schnell und die Arbeiter respektierten ihn, weil er hart arbeitete und weil er Martins Sohn war. 1994 brachte eine gute Ernte. Die Weizenpreise stiegen leicht. Die EU-Subventionen flossen weiter und die GBR machte einen Gewinn von 40.000 Mark. Aufgeteilt nach Anteilen bekam Margarete 16 000 Mark ausgezahlt.
Das erste Mal seit Martins Tod, dass sie tatsächlich Geld aus dem Betrieb sah. Es war nicht viel, aber es war ein Zeichen, dass sie überlebt hatten. 1995 bot die Treuhandanstalt zusätzliches ehemaliges LPGand zur Pacht an 200 Hektar, angrenzend an das Land der GBR. Die Pacht war günstig, nur hundert Mark Hektar und Jahr, weil die Treuhand verzweifelt versuchte, das Land produktiv zu halten.
Die GBR debattierte, sollten Sie expandieren. Margarete war vorsichtig. Wir haben gerade erst angefangen, profitabel zu sein. Ist es klug, jetzt zu expandieren? Aber Klaus war dafür. Mama, mit dem neuen Deutz und den anderen Maschinen können wir locker weitere 200 Hektar bewirtschaften. Und bei 100 Mark Pacht pro Hektar, das ist fast geschenkt.
Wenn wir nur 150 Mark pro Hektar Gewinn machen, sind das 10.000 Mark zusätzlich pro Jahr. Nach langem Hin und Her stimmte Margarete zu. Die GBR wuchs auf 700 Hektar. Das Jahr 1996 brachte eine weitere Wendung. Horst Becker, der jüngste der drei männlichen Gesellschafter, erkrankte an Krebs. Er war erst 56, aber die Ärzte gaben ihm weniger als ein Jahr.
Im Frühjahr 1997 starb er. Seine Witwe Erika Bcker stand vor derselben Entscheidung, die Margarete vier Jahre zuvor getroffen hatte. eintreten in die GBR oder verkaufen. Erika war jünger als Margarete, erst 50 und sie hatte drei erwachsene Kinder, aber keins von ihnen wollte in die Landwirtschaft. Sie entschied sich zu verkaufen.
Zastro machte ihr ein Angebot, aber diesmal war Margarete vorbereitet. Sie ließ durch Frau Hartmann ein Gutachten erstellen über den Wert von Bäckers 20% Anteil. Das Gutachten kam zu dem Schluss 320.000 Mark. Zastro bot 250 000. Margarete bot 300.000. Erika Bcker verkaufte an Margarete. Plötzlich hatte Margarete 60% der GBR die Mehrheit. Zastro war fassungslos.
Du hast 300.000 Mark. Woher? Ich habe gespart und ich habe einen Kredit aufgenommen mit dem Land als Sicherheit. Es war ein gewagtes Manöver. Margarete hatte ihre Ersparnisse etwa hundert 000 Mark angesammelt über die Jahre seit Martins Tod und einen Bankkredit über 200.000 Mark verwendet, um Beckers Anteil zu kaufen.
Aber jetzt kontrollierte sie die GBR. Zastro mit seinen 30% und Möller mit seinen 10 % konnten nichts mehr entscheiden ohne Margaretes Zustimmung. Die Machtverhältnisse hatten sich komplett gedreht. Im Sommer 1997, 5 Jahre nach Martins Tod, saß Margarete in ihrem Büro ein kleines Zimmer, das sie im alten LPG Verwaltungsgebäude eingerichtet hatte und blickte auf die Zahlen.
Die GBR Neumann und Partner bewirtschaftete 700 Hektar. Sie beschäftigte acht Arbeiter. Sie hatte einen Maschinenpark, der zwar nicht modern war, aber funktionierte. Sie machte einen jährlichen Gewinn von etwa 60.000 bis 80.000 Mark. Nicht riesig, aber solide. Und Margarete kontrollierte 60%. Sie hatte überlebt. Mehr als das sie hatte gewonnen. Klaus kam herein.
Er war jetzt 32, braun gebrannt von der Feldarbeit, muskulös. Er sah aus wie sein Vater. Mama, die Ernte sieht gut aus dieses Jahr. Ich schätze, wir werden über 5 Tonnen Weizen pro Hektar kriegen. Margarete lächelte. Dein Vater wäre stolz auf dich und auf dich. Du hast den Betrieb gerettet. Du hast gekämpft, als alle dachten, du würdest aufgeben.
Ich hatte keine Wahl. Doch hattest du. Du hättest an Zastro verkaufen können für 200.000. Du hättest an die Norddeutsche Agrar verkaufen können für 700.000. Aber du hast dich entschieden zu kämpfen. Margarete dachte darüber nach. Hatte sie die richtige Entscheidung getroffen? Finanziell gesehen vielleicht nicht. Wenn sie 1992 verkauft hätte, hätte sie 200.000 Mark bekommen, schuldenfrei.
Das hätte gereicht für einen komfortablen Ruhestand. Jetzt 5 Jahre später hatte sie zwar 60% einer GBR, die etwas wert war, vielleicht eine Million Mark, wenn man das Land zu aktuellen Preisen bewertete. Aber sie hatte auch 200.000 Mark Schulden von ihrem Kredit. Netto war sie vielleicht besser dran als 1992, aber nicht dramatisch.
Aber darum ging es nicht, erkannte sie. Es ging um Würde. Es ging darum, nicht als Opfer dazustehen, sondern als Kämpferin. Es ging darum, Martins Erbe zu bewahren, nicht für Geld, sondern für die Idee. Und es ging um die Gemeinschaft. Die acht Arbeiter, die noch Jobs hatten, weil die GB überlebt hatte. Thomas Wend und die anderen, die sonst auf der Straße gestanden hätten.
Ja, sagte sie schließlich zu Klaus. Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Abonniert den Kanal Stimmen vom alten Land für mehr Geschichten aus der deutschen Agrargeschichte. Jede Woche recherchiere ich aufwendig, um euch authentische lehrreiche Geschichten zu bringen, die nicht nur unterhalten, sondern auch wichtige Lektionen über Mut, Beharlichkeit und Gerechtigkeit vermitteln.
Die Geschichte von Margarete Neumann ist keine Ausnahme. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands gab es in den 1990er Jahren Hunderte, vielleicht tausende ähnliche Fälle in Ostdeutschland. Witwen, die plötzlich mit riesigen landwirtschaftlichen Betrieben konfrontiert waren, ohne Erfahrung, ohne Unterstützung, umgeben von Männern, die sie loswerden wollten und von Investoren, die sie ausbeuten wollten. Manche dieser Frauen gaben auf.
Sie verkauften oft zu Sportpreisen und verschwanden in die Anonymität, aber manche kämpften und einige von ihnen gewannen. Margaretes Geschichte ist eine dieser Erfolgsgeschichten, aber es war kein einfacher Erfolg. Es kostete sie 5 Jahre harter Arbeit, schlafloser Nächte, finanzieller Risiken und persönlicher Opfer.
Im Jahr 2008 Jahre nach Martins Tod übertrug Margarete die Mehrheit der GBR an Klaus. Er war jetzt 35, erfahren, respektiert. Er führte den Betrieb weiter, expandierte langsam, modernisierte schrittweise. Margarete selbst zog sich zurück, blieb aber Gesellschafterin mit 20%. Sie hatte genug gekämpft. Werner Zastro verkaufte 2003 seinen Anteil und zog nach Westdeutschland.
Niemand im Dorf trauerte ihm nach. Gottfried Möller blieb bis zu seinem Tod 2008 Gesellschafter. In seinem Testament hinterließ er seinen Anteil nicht seiner Familie, sondern Klaus Neumann mit den Worten: “Martin Neumann war mein bester Freund. Sein Sohn soll das Land haben, dass wir zusammen bewirtschaftet haben.” Die GBR Neumann und Partner existiert noch heute.
Sie bewirtschaftet inzwischen über 1000 Hektar, beschäftigt 15 Menschen und ist einer der stabilsten landwirtschaftlichen Betriebe in der Region. Margarete Neumann ist heute 82 Jahre alt. Sie lebt in dem Haus, in dem sie mit Martin gelebt hat, umgeben von Feldern, die sie einst zu verlieren drohte, aber die sie durch Mut und Entschlossenheit gerettet hat.
Wenn man sie nach ihrer Geschichte fragt, nach den fünf Männern, die am Freitag nach der Beerdigung kamen, nach den Kämpfen, den Drohungen, den Verhandlungen, sagt sie einfach: “Ich habe getan, was getan werden musste. Martin hätte dasselbe für mich getan. Aber die Wahrheit ist komplexer. Martin hätte nie in Margaretes Situation sein können, nicht weil er stärker oder klüger war, sondern weil er ein Mann war.
In der patriarchalen Struktur der ländlichen Gesellschaft, sowohl in Ost als auch in West, wurden Frauen in der Landwirtschaft nicht ernst genommen, nicht respektiert, nicht als gleichwertig angesehen. Margarete musste nicht nur gegen Zastro und die Investoren kämpfen, sie musste auch gegen Jahrzehnte von Vorurteilen kämpfen, gegen die Annahme, dass eine Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb nicht führen könne.
Und sie bewies, dass diese Annahme falsch war. Ihre Geschichte und die Geschichten von Hunderten anderer Frauen wie ihr sind ein wichtiger, aber oft übersehener Teil der deutschen Nachwendegeschichte. Die Transformation der ostdeutschen Landwirtschaft nach 1990 wird oft in makroökonomischen Begriffen erzählt. Zahlen über Betriebsaufgaben, Produktionsrückgänge, Arbeitslosigkeit, Privatisierung.
Aber hinter jeder dieser Statistiken steht eine menschliche Geschichte, ein Drama, ein Kampf. Margaretes Geschichte ist eine dieser Geschichten und sie verdient es erzählt zu werden. Schreibt in die Kommentare, ob ihr ähnliche Geschichten aus eurer Familie oder eurer Region kennt. Hatten eure Großmütter oder Mütter ähnliche Kämpfe nach der Wende? Wie haben sie überlebt? Diese Erinnerungen sind wertvoll und sollten bewahrt werden.
Es gibt noch eine Nachbemerkung zu dieser Geschichte, die wichtig ist. Im Jahr 2010 kam ein Journalist aus Hamburg zu Margarete, um sie für eine Dokumentation über Frauen in der ostdeutschen Landwirtschaft zu interviewen. Er fragte sie: “Frau Neumann, hätten Sie sich gewünscht, dass Ihr Mann Ihnen einen kleineren Betrieb hinterlassen hätte? Etwas, das leichter zu verkaufen gewesen wäre? Oder sind Sie froh, dass es ein großer Betrieb war?” Margarete dachte lange nach.
Dann sagte sie: “Wissen Sie, wenn Martin mir 20 Hektar und einen alten Traktor hinterlassen hätte, wie viele westdeutsche Bauern ihren Witwen hinterlassen haben, dann hätte ich vielleicht verkauft für 50.000 Mark oder so. Und ich wäre eine arme Witwe gewesen, die gerade so über die Runden kommt.
Aber weil er mir 500 Hektar hinterlassen hat, dieses Monster von einem Betrieb, den niemand dachte, dass ich führen könnte, da hatte ich keine Wahl. Ich musste kämpfen und durch diesen Kampf habe ich etwas über mich selbst gelernt. Ich habe gelernt, dass ich stärker bin, als ich dachte, dass ich klüger bin, als die Männer annahmen, dass ich etwas aufbauen kann, nicht nur verwalten. Also ja, ich bin froh.
Ich bin froh, dass Martin mir diesen riesigen unmöglichen Betrieb hinterlassen hat, weil er mir damit die Chance gegeben hat, ohne es zu wissen, zu zeigen, wozu ich fähig bin. Das ist vielleicht die tiefste Lektion aus Margaretes Geschichte. Manchmal sind es die größten Herausforderungen, die unmöglichsten Situationen, die das Beste aus uns herausholen, die uns zwingen, Stärken zu entdecken, die wir nicht wussten, dass wir haben.
Martin hinterließ Margarete einen schuldenfreien Hof, aber er hinterließ ihr auch eine unmögliche Aufgabe. Und durch die Bewältigung dieser Aufgabe wurde Margarete zu etwas, dass sie in der DDR nie hätte sein können. eine unabhängige selbstbestimmte Unternehmerin. Die Ironie ist, dass es gerade die chaotischen gesetzlosen frühen Jahre nach der Wende waren diese Zeit, die so viel Schmerz und Verlust brachte, die es Frauen wie Margarete erlaubten, aus traditionellen Rollen auszubrechen.
In der DDR wäre sie Buchhalterin geblieben, ihr ganzes Leben. Im Vereinigten Deutschland wurde sie Mehrheitsgesellschafterin eines Millionenbetriebs. rechtfertigt nicht das Chaos, nicht die Ungerechtigkeit, nicht das Leid der Wendezeit, aber es zeigt, dass aus Chaos auch Möglichkeiten entstehen können für diejenigen, die mutig genug sind, sie zu ergreifen.
Abonniert den Kanal für mehr solcher Geschichten. Geschichten von echten Menschen, die außergewöhnliche Zeiten durchlebt haben. Geschichten, die zeigen, dass Geschichte nicht nur von großen Männern gemacht wird, sondern auch von kleinen Leuten, von Frauen, von denen, die Lehrbücher vergessen. Diese Geschichten dürfen nicht verloren gehen.
Sie sind Teil unseres Erbes, unserer Identität, unserer kollektiven Erinnerung. Margarete Neumannsgeschichte ist eine Geschichte von Verlust, aber auch von Triumph, von Trauer, aber auch von Stärke. Von einem Montag, an dem sie ihren Mann begrub und einem Freitag, an dem 15 Männer mit angeboten kamen und von den Jahren danach, in denen sie jeden einzelnen von ihnen übertraf.
Es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss, immer wieder für jede Generation, damit wir nie vergessen, was möglich ist, wenn Menschen, besonders Frauen, sich weigern, Opfer zu sein. Schreibt in die Kommentare, welche Lektionen zieht ihr aus Margaretes Geschichte? Habt ihr oder eure Familien ähnliche Transformationen durchgemacht? Teilt eure Geschichten.
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