Es war einer dieser Fernsehabende, an denen die sonst so glattgebügelte Oberfläche der deutschen Talkshow-Landschaft Risse bekam – tiefe Risse, durch die das Publikum einen seltenen Blick auf das innere Räderwerk der Meinungsindustrie werfen konnte. In einer Zeit, in der das Vertrauen in die etablierten Medien so fragil ist wie selten zuvor, lieferte der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht bei Markus Lanz einen Auftritt ab, der noch lange nachhallen wird. Es ging nicht um bloße Polemik; es ging um die Substanz unserer demokratischen Öffentlichkeit. Precht, der zusammen mit dem Soziologen Harald Welzer das viel diskutierte Buch „Die vierte Gewalt“ verfasst hat, saß zwei Vertretern genau jener Gewalt gegenüber: Melanie Amann vom „Spiegel“ und Robin Alexander von der „Welt“. Was folgte, war kein höflicher Meinungsaustausch, sondern eine offene Operation am offenen Herzen des deutschen Journalismus.

Der Vorwurf: Einheitsbrei statt Meinungsvielfalt
Der Kern des Konflikts, der sich an diesem Abend entlud, drehte sich um eine fundamentale Frage: Wie unabhängig berichten unsere Leitmedien in Krisenzeiten wirklich? Precht und Welzer hatten in ihrem Buch die These aufgestellt, dass sich Medien und Politik in einer Art unbewusstem Gleichschritt bewegen, besonders seit Ausbruch des Ukraine-Krieges.
Robin Alexander, sichtlich bemüht, die Ehre seiner Zunft zu verteidigen, versuchte den Angriff mit einem klassischen Strohmann-Argument abzuwehren. Er warf Precht vor, im Buch zu behaupten, Journalisten würden der Regierung lediglich „nachplappern“. Alexander argumentierte, dass die Medien oft sogar härter als die Regierung agierten – etwa in der Panzerdebatte, wo Scholz zögerte, während Leitartikel bereits die Lieferung schwerer Waffen forderten. „Wir plappern nicht nach“, so Alexanders Verteidigungslinie, die auf den ersten Blick plausibel wirkte.
Doch Precht ließ diesen taktischen Ausweichschritt nicht gelten. Mit der chirurgischen Präzision eines erfahrenen Debattierers korrigierte er den Welt-Journalisten: Es gehe nicht um ein „Nachplappern“ von Regierungsbefehlen und schon gar nicht um eine verschwörungstheoretische Absprache in Hinterzimmern. „Da steht nicht drin, sie plappern nach, was die Regierung gesagt hat“, stellte Precht klar. Der Vorwurf wiegt viel schwerer und ist subtiler: Es geht um einen „sozialpsychologischen Prozess“.
Die Psychologie der Herde: Wenn alle das Gleiche denken
Hier trifft Precht einen Nerv, der weit über den journalistischen Betrieb hinausgeht. Er beschreibt eine Dynamik, die in Situationen extremer Unsicherheit entsteht. Wenn ein Krieg ausbricht, wenn niemand das „Drehbuch“ kennt, wenn Risiken unkalkulierbar sind – genau dann suchen Menschen instinktiv Schutz in der Masse. Journalisten, so Precht, sind dagegen nicht immun.
Statt die Situation in ihrer ganzen Komplexität auszuleuchten, statt das Für und Wider von Waffenlieferungen oder Flugverbotszonen divers zu diskutieren, kam es zu einer „Angleichung der Positionen“. Precht nennt es eine „unglaubliche Einhelligkeit“. Wer in den ersten Monaten des Krieges die Zeitungen aufschlug, fand kaum einen Leitartikel, der zur Besonnenheit mahnte oder vor Eskalation warnte. Stattdessen überboten sich Kommentatoren in Forderungen nach Härte.
Precht führte den Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner als Beispiel an, der sich intern massiv für eine Flugverbotszone aussprach – eine Maßnahme, die laut vielen Experten den direkten Eintritt der NATO in den Krieg und damit einen Dritten Weltkrieg bedeutet hätte. Dass solche extremen Positionen salonfähig waren, während mahnende Stimmen als „Putin-Versteher“ diffamiert oder an den Rand (wie im „Freitag“) gedrängt wurden, ist für Precht der Beweis für das Versagen der Kontrollfunktion der Presse.

Die Bankrotterklärung der Verteidiger
Besonders spannend wurde die Sendung in den Momenten, in denen die Verteidigungslinie der Journalisten bröckelte. Melanie Amann und Robin Alexander versuchten zwar, auf Nuancen hinzuweisen, doch gegen die empirische Wucht von Prechts Argumentation wirkten ihre Einwände oft kraftlos.
Als Precht darauf hinwies, dass es nicht um den einen Artikel im Spiegel geht, sondern um das Gesamtbild der deutschen Presselandschaft, wurde es stiller im Studio. „Suchen Sie mal die wenigen vereinzelten Ausnahmen von der Regel“, forderte Precht heraus. Seine These: In einer Demokratie, die vor existenziellen Entscheidungen steht, muss die Presse die ganze Bandbreite der Möglichkeiten abbilden. Wir wussten nicht, wie stark die russische Armee wirklich ist. Wir kannten die nuklearen Risiken nicht genau. Wäre es da nicht die verdammte Pflicht der „vierten Gewalt“ gewesen, so „breit und umfassend und divers wie möglich“ zu berichten?
Stattdessen, so der Vorwurf, machten sich Journalisten zu Aktivisten. Sie trieben die Regierung nicht durch kritische Fragen, sondern durch moralischen Druck in eine Richtung. Die Frage war nicht mehr „Ist dieser Schritt klug?“, sondern „Warum liefert ihr nicht endlich?“. Precht entlarvte dies als eine gefährliche Verengung des Diskurses, die abweichende Meinungen delegitimiert.
Ein später Sieg für die Medienkritik
Der vielleicht wichtigste Moment der Sendung ereignete sich fast beiläufig, am Ende eines Wortgefechts. Auf die Frage, ob die Journalisten in ihren Kommentaren mehrheitlich eine Position vertreten hätten oder ob es eine „Fifty-Fifty“-Bandbreite gab, musste selbst die Gegenseite eine schmerzhafte Konzession machen. Das Eingeständnis, dass es tatsächlich ein „Übergewicht einer Meinung“ gab, wirkte wie eine späte Kapitulation vor der Realität.
Dieses Eingeständnis ist brisant. Denn es bestätigt, was viele Bürger längst spüren: Eine Diskrepanz zwischen der veröffentlichten Meinung und der öffentlichen Meinung. Wenn Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung in Fragen wie Waffenlieferungen gespalten ist, die Leitartikel aber zu 90 Prozent in eine Richtung weisen, dann haben wir ein Repräsentationsproblem. Precht hat dieses Problem nicht erfunden, aber er hat es zur besten Sendezeit so klar benannt wie kaum ein anderer zuvor.

Warum das für uns alle wichtig ist
Die Debatte bei Markus Lanz war mehr als nur TV-Unterhaltung. Sie war ein Symptom einer tieferen Krise. Wenn Journalisten sich in Krisenzeiten wie eine geschlossene Phalanx verhalten, verlieren sie ihre wichtigste Funktion: das Korrektiv. Ein „sozialpsychologischer Prozess“, in dem jeder Journalist schreibt, was der andere schreibt, um nicht anzuecken oder im falschen Lager zu stehen, ist Gift für den Diskurs.
Prechts Auftritt war deshalb so wichtig, weil er die Mechanismen der Meinungsbildung transparent machte. Er zeigte, dass es keine „Lügenpresse“ im Sinne einer zentralen Steuerung braucht, um uniformierte Berichterstattung zu erzeugen. Es reicht der Konformitätsdruck innerhalb der journalistischen Blase in Berlin-Mitte.
Was bleibt von diesem Abend? Die Erkenntnis, dass Skepsis angebracht ist. Wenn das nächste Mal alle Leitartikler unisono in das gleiche Horn stoßen, sollten beim mündigen Bürger die Alarmglocken schrillen. Vielfalt ist anstrengend, Widerspruch ist unbequem – aber genau das ist der Sauerstoff einer freien Gesellschaft. Richard David Precht hat bei Lanz das Fenster aufgerissen und frische Luft hereingelassen. Es liegt nun an den Zuschauern und Lesern, nicht zuzulassen, dass es wieder geschlossen wird.
Die Medien haben ihre Unschuld in dieser Frage verloren. Dass sie live im Fernsehen damit konfrontiert wurden und keine überzeugende Antwort fanden, außer dem stillschweigenden Eingeständnis ihrer eigenen Einseitigkeit, markiert einen Wendepunkt. Es ist Zeit, dass wir als Medienkonsumenten diese „Einhelligkeit“ nicht mehr als Wahrheit akzeptieren, sondern als das hinterfragen, was sie oft ist: Ausdruck eines Herdentriebs, der die Realität nicht abbildet, sondern verzerren will.
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