Die Geschichte von Peggy March klingt auf den ersten Blick wie ein modernes Märchen. Ein junges Mädchen aus Amerika kommt nach Deutschland, singt sich mit „Mit 17 hat man noch Träume“ in die Herzen von Millionen und wird über Nacht zum Superstar. Doch hinter dem strahlenden Lächeln und dem perfekten Akzent verbarg sich eine Realität, die Peggy March erst heute, im Alter von 75 Jahren, in ihrer vollen Tragweite offenlegt. Es ist eine Geschichte von Einsamkeit, verwehrter Mitbestimmung und der Erkenntnis, dass Freundlichkeit in einer harten Branche oft als Schwäche ausgelegt wird.
In einem bewegenden Rückblick nennt Peggy March nun fünf Namen, die ihre Zeit im Rampenlicht maßgeblich geprägt haben. Es sind keine Geschichten von lauten Skandalen, sondern von stillen Enttäuschungen und dem Gefühl, in einer Rolle festzustecken, die andere für sie entworfen hatten.

Der Mann, der die Kontrolle behielt: Christian Bruhn
Der erste Name auf ihrer Liste ist Christian Bruhn. Für die junge Peggy war der Erfolgskomponist anfangs eine Vaterfigur und eine moralische Instanz. Er kannte den deutschen Markt, er wusste, wie man Hits produziert. Doch diese Sicherheit hatte ihren Preis. „Vertrau mir, ich weiß, was gut für dich ist“, war ein Satz, den sie oft hörte. Als Peggy älter wurde und künstlerisch mitreden wollte, stieß sie auf eine Mauer aus kühler Professionalität. Entscheidungen über ihre Songs und ihr Image wurden oft ohne sie getroffen. Heute sagt sie reflektiert: „Er hat mir viel gegeben, aber er hat mir nie zugehört.“ Es war ihre erste schmerzhafte Lektion darüber, wie schnell Fürsorge in totale Kontrolle umschlagen kann.

Die unerreichbare Distanz: Udo Jürgens und Heino
Auch die Begegnungen mit den Giganten des deutschen Schlagers hinterließen Spuren. Udo Jürgens, den sie zutiefst respektierte, begegnete ihr zwar höflich, aber mit einer künstlerischen Arroganz, die sie klein hielt. Er nannte sie ein „schönes Kapitel der Schlagergeschichte“ – ein Kompliment, das sich für Peggy wie ein Grabstein anfühlte, der sie in der Vergangenheit einmauerte. Er ließ ihr keinen Raum für die Entwicklung, nach der sie sich so sehnte.
Ähnlich verliefen die Treffen mit Heino. Während sie das Gespräch unter Kollegen suchte, blieb er distanziert. Für Heino war der Schlager ein Geschäft der Beständigkeit. „Das Publikum weiß, was es will. Man sollte es nicht verwirren“, lautete sein Credo. Für eine Künstlerin, die wachsen wollte, war diese Haltung eine unsichtbare Grenze. Heino wusste genau, wer er war, aber er fragte nie, wer Peggy March eigentlich sein wollte.

Das Vorbild und die Einsamkeit: Caterina Valente
Besonders schmerzlich war für Peggy das Verhältnis zu Caterina Valente. Die weltgewandte Diva war ihr großes Idol. Doch als Peggy bei ihr Rat suchte, wie man mit dem Druck, immer „nett“ sein zu müssen, umgeht, antwortete Valente nur: „Man muss sich nehmen, was man will.“ Es war ein Ratschlag aus einer Welt der Unabhängigkeit, zu der Peggy damals keinen Zugang hatte. Die erhoffte Solidarität unter Frauen blieb aus. Peggy erkannte, dass Freiheit in dieser Branche oft mit tiefer Einsamkeit erkauft wird.
In der Vergangenheit eingefroren: Peter Alexander
Der letzte Name ist Peter Alexander. Er war das Gesicht der heilen Welt, doch abseits der Kameras blieb er für Peggy unnahbar. Auch er sah in ihr stets nur das „junge Mädchen“ von damals. Sätze wie „Nostalgie ist ein Geschenk“ waren für sie wie eine Tür, die leise ins Schloss fiel. Er hielt sie sanft in der Vergangenheit fest, ohne ihr jemals eine Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Ein Resümee ohne Bitterkeit
Heute blickt Peggy March auf diese Begegnungen zurück – nicht mit Groll, sondern mit einer beeindruckenden Klarheit. Sie versteht nun, dass sie damals ein Produkt war, ein Versprechen, das funktionieren musste. „Ich habe gesungen, bevor ich erwachsen war“, sagt sie heute. Ihre Geschichte ist ein leises, aber kraftvolles Zeugnis für alle, die im Schatten des großen Ruhms nach ihrer eigenen Identität suchen.
Peggy March ist heute eine Frau, die ihren Frieden mit der Vergangenheit gemacht hat. Ihre Stimme ist vielleicht nicht mehr die des 17-jährigen Mädchens, aber sie ist ehrlicher und stärker denn je. Sie hat bewiesen, dass wahre Stärke nicht darin liegt, laut zu fordern, sondern darin, die eigene Würde auch in Zeiten der Einsamkeit zu bewahren. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass hinter jedem Star ein Mensch steht, der mehr ist als nur eine schöne Erinnerung an „damals“.
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