Es ist ein Abschied, der leise kommt, aber ein gewaltiges Echo hinterlässt. Ein Echo, das in den Wohnzimmern von Millionen Menschen widerhallt, in den Archiven des deutschen Fernsehens und vor allem in den Herzen derer, die ihn kannten und liebten. Walter Schultheiß, der Mann, der dem “Ländle” nicht nur eine Stimme, sondern eine Seele gab, ist tot. Mit stolzen 101 Jahren schloss der legendäre Volksschauspieler am 22. Dezember 2025 in seinem Haus in Wildberg im Schwarzwald für immer die Augen.
Die Nachricht von seinem Tod, die erst jetzt im neuen Jahr durch den Südwestrundfunk (SWR) und unter Berufung auf seine Familie bestätigt wurde, löste eine Welle der Trauer und der nostalgischen Erinnerung aus. Walter Schultheiß war mehr als nur ein Schauspieler; er war eine Institution, ein Jahrhundertzeuge und für viele ein Stück Heimat, das nun unwiederbringlich verloren ist.
Der letzte Vorhang für den „Tatort“-Vermieter
Millionen Fernsehzuschauer in ganz Deutschland kannten und schätzten ihn vor allem in einer Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert schien: Rominger. Als der kauzige, aber im Grunde herzensgute Vermieter des Stuttgarter „Tatort“-Kommissars Ernst Bienzle (gespielt vom ebenfalls unvergessenen Dietz-Werner Steck) spielte sich Schultheiß in die erste Liga der deutschen TV-Charaktere. Zwischen 2000 und 2007 war er nicht wegzudenken aus dem Sonntagabend-Ritual der Deutschen.
Seine Auftritte waren oft kurz, aber immer prägnant. Rominger war der Mann der klaren Worte, der schwäbischen Prinzipien – „Kehrwoche“ war für ihn kein Wort, sondern ein Gesetz. Doch hinter der bruddeligen Fassade, dem mürrischen Blick und den strengen Kommentaren zur Hausordnung blitzte immer dieser Schalk, diese tiefe Menschlichkeit auf, die Schultheiß so meisterhaft verkörpern konnte. Er war der Gegenpol zur oft grausamen Welt des Krimis, eine Konstante der Normalität und des Humors. Dass er diese Rolle erst im hohen Alter übernahm, zeugt von seiner ungebrochenen Spielfreude und seiner Fähigkeit, sich auch einem jüngeren Publikum immer wieder neu zu präsentieren.
Ein Leben für die Bühne – Vom Lazarett ins Rampenlicht
Um die Dimension dieses Verlustes zu begreifen, muss man jedoch weit über den „Tatort“ hinausblicken. Walter Schultheiß’ Leben liest sich wie ein Drehbuch der deutschen Geschichte. Geboren am 25. Mai 1924 in der Universitätsstadt Tübingen, wurde seine Jugend jäh durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Mit gerade einmal 16 Jahren wurde er eingezogen. Die Schrecken des Krieges blieben ihm nicht erspart; er diente an der Ostfront, erlebte Leid und Zerstörung hautnah.
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet eine schwere Verwundung seinen Weg zur Kunst ebnete. Ein Bauchschuss kurz vor Kriegsende brachte ihn ins Lazarett, wo er das Zimmer mit kriegsversehrten Schauspielern teilte. Diese Begegnung entzündete einen Funken in ihm, der nie wieder erlöschen sollte. Noch 1945, in den Trümmern des Nachkriegsdeutschlands, stand er erstmals auf der Bühne. In Tübingen spielte er Lope de Vegas „Die kluge Närrin“ – der Startschuss für eine Karriere, die über acht Jahrzehnte andauern sollte.

Die „Straßenkehrer“ und der Durchbruch im Radio
Lange vor dem Fernsehen eroberte Schultheiß die Herzen der Menschen über den Äther. Es waren die 1960er Jahre, als er gemeinsam mit Werner Veidt Radiogeschichte schrieb. Als Duo „Karle und Gottlob“ in den legendären „Straßenkehrer-Sketchen“ des Süddeutschen Rundfunks (SDR) wurden sie zum Kult. Über 20 Jahre lang, Samstag für Samstag, lauschte der Süden ihren philosophischen, witzigen und oft hintersinnigen Dialogen über Gott und die Welt – natürlich in breitem Schwäbisch.
Schultheiß war der Meister des Dialekts. Er verstand es wie kein Zweiter, die Mundart nicht als bloßes Lokalkolorit zu nutzen, sondern als Ausdrucksmittel für Emotionen, für Bodenständigkeit und für eine gewisse Schlitzohrigkeit. Er befreite den Dialekt vom Mief des Provinziellen und machte ihn salonfähig, ja sogar zur Kunstform. SWR-Intendant Kai Gniffke würdigte ihn treffend als „echtes Urgestein des Mundartschauspiels“. Er habe den Schwaben ein Gesicht gegeben: ehrlich, kantig, aber immer herzlich.
Eine Liebe für die Ewigkeit: Walter und Trudel
Man kann nicht über Walter Schultheiß sprechen, ohne Trudel Wulle zu nennen. Sie waren das Traumpaar der schwäbischen Unterhaltung, die „Brad Pitt und Angelina Jolie“ des Südwestens – nur ohne Skandale, dafür mit umso mehr Herz. Kennengelernt hatten sie sich 1947 am Stuttgarter Volkstheater, 1950 wurde geheiratet. Über 70 Jahre lang gingen sie gemeinsam durchs Leben, standen unzählige Male zusammen vor der Kamera und auf der Bühne.
Ihre Chemie war magisch. Ob in Sketchen, in Serien wie „Der Eugen“ oder bei gemeinsamen Lesungen im hohen Alter – sie verstanden sich blind. Als Trudel Wulle 2021 im Alter von 95 Jahren starb, verlor Walter Schultheiß nicht nur seine Ehefrau, sondern seinen Lebensmenschen. „Sie fehlt mir jeden Tag“, sagte er damals. Dass er nun, gut vier Jahre später, ihr gefolgt ist, tröstet viele seiner Fans. Die Vorstellung, dass Walter und Trudel nun wieder vereint sind, vielleicht auf einer Wolke sitzen und über die Welt da unten „bruddeln“, ist ein schöner Gedanke in diesen Tagen der Trauer.
Vielseitigkeit bis ins hohe Alter
Wer glaubt, Walter Schultheiß sei auf den komischen Schwaben festgelegt gewesen, irrt gewaltig. Er war ein Charakterdarsteller von Format. In Serien wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“, „Hallo, Onkel Doc!“ oder „Der Schwarzwaldhof“ zeigte er seine ernstere, nachdenkliche Seite. Er konnte Autorität ausstrahlen, Verletzlichkeit zeigen und komplexe Vaterfiguren zeichnen.
Auch im Kino hinterließ er seine Spuren. Unvergessen bleibt seine Rolle in dem preisgekrönten Film „Global Player – Wo wir sind isch vorne“ (2013). Dort spielte er den Seniorchef eines Textilunternehmens auf der Schwäbischen Alb, der mit den Herausforderungen der Globalisierung und dem Generationenkonflikt ringt. Eine Rolle, die ihm viel abverlangte, die aber auch zeigte: Walter Schultheiß war bis zum Schluss ein Schauspieler von internationalem Format, der auch im hohen Alter nichts von seiner Präsenz verloren hatte. Selbst mit über 90 Jahren stand er noch für die Komödie „Laible und Frisch“ vor der Kamera. Aufhören? Das war für ihn nie eine Option. „Man muss einfach länger leben“, war sein trockenes Rezept auf die Frage nach seinem Alter.

Ein stiller Abschied im Schwarzwald
In den letzten Jahren war es ruhiger geworden um den Jahrhundert-Mimen. Er lebte zurückgezogen in Wildberg, liebevoll umsorgt von seinem Sohn Götz, dessen Frau und den beiden Enkelinnen. Er genoss das Familienleben, fernab von Scheinwerfern und rotem Teppich. Neben der Schauspielerei widmete er sich seiner zweiten großen Leidenschaft: der Malerei. Seine Bilder, oft stille Landschaften und Porträts, waren für ihn ein Ausgleich, eine andere Art, die Welt zu betrachten.
Sein Tod am 22. Dezember, kurz vor Weihnachten, passt zu diesem bescheidenen Mann. Kein großer Rummel, kein öffentliches Sterben. Er ist friedlich eingeschlafen, so wie er es sich gewünscht hatte. Die Beerdigung fand, wie jetzt bekannt wurde, bereits im engsten Familienkreis statt. Walter Schultheiß wollte kein Staatsbegräbnis, er wollte im Herzen seiner Liebsten bleiben.
Das Erbe einer Legende
Was bleibt von Walter Schultheiß? Es sind nicht nur die hunderten Stunden Film- und Tonmaterial, die in den Archiven schlummern. Es ist ein Gefühl. Das Gefühl von Heimat, von Beständigkeit in einer sich immer schneller drehenden Welt. Er hat uns gelehrt, dass man auch mal „bruddeln“ darf, solange das Herz am rechten Fleck sitzt. Er hat gezeigt, dass man mit Humor, Fleiß und einer ordentlichen Portion schwäbischem Eigensinn über 100 Jahre alt werden kann.
Deutschland, und besonders Baden-Württemberg, ist ärmer geworden. Eine Stimme ist verstummt, die uns über Generationen begleitet hat. Doch wenn wir heute Abend vielleicht noch einmal eine alte Folge „Tatort“ schauen oder einen Sketch von „Karle und Gottlob“ hören, dann wird er wieder da sein. Mit diesem unverwechselbaren Gesichtsausdruck, dieser Stimme, die so vertraut klingt wie das Läuten der Kirchenglocken im Dorf.
Walter Schultheiß mag gegangen sein, aber der „Vermieter Rominger“, der „Straßenkehrer Karle“, der große Menschendarsteller – er bleibt unsterblich. Danke für alles, Walter. Grüß die Trudel von uns. Mach’s gut.
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