Es sollte ein festlicher Abend voller Glanz, Glamour und großen Gewinnen werden, doch für eine Kandidatin aus Hamburg endete das Weihnachtsspecial von „Wer wird Millionär?“ mit einem Dämpfer, der noch lange nachhallen dürfte. Wenn Günther Jauch zur Feiertagsausgabe lädt, sitzen Millionen Deutsche gespannt vor den Bildschirmen, in der Hoffnung, Zeuge lebensverändernder Momente zu werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag bot die Sendung genau das – allerdings anders, als es sich Lea Holdorf wohl erträumt hatte. In einem nervenaufreibenden Krimi um Edelsteine, falsche Fährten und einen unglücklichen Telefon-Joker zeigte sich einmal mehr, wie nah Triumph und Tragödie auf dem berühmten Ratestuhl beieinanderliegen.

Der Traum vom großen Geld: Ein starker Auftakt

Lea Holdorf, eine sympathische Kandidatin aus der Hansestadt Hamburg, startete vielversprechend in den Abend. Mit Charme, Wissen und der nötigen Portion Coolness navigierte sie sich souverän durch die ersten Runden des Quiz-Klassikers. Das Publikum im Studio war auf ihrer Seite, und auch Moderator Günther Jauch schien Gefallen an der schlagfertigen Hanseatin gefunden zu haben. Die Chemie stimmte, die Antworten kamen prompt, und die Gewinnsumme kletterte unaufhaltsam nach oben. Doch wie so oft bei „Wer wird Millionär?“ lauert die Gefahr dort, wo man sie am wenigsten erwartet – in einer Frage, die auf den ersten Blick harmlos wirkt, sich aber als tückische Falle entpuppt.

Als die 32.000-Euro-Marke erreicht war, wurde die Luft dünner. Diese Schwelle gilt als psychologisch besonders wichtig: Wer sie knackt, hat meist schon einen beachtlichen Betrag sicher und kann befreiter aufspielen. Doch genau hier wartete der Stolperstein in Form eines funkelnden Themas, das eigentlich jedem ein Begriff ist, aber im Detail seine Tücken hat.

Die 32.000-Euro-Frage: Wenn es glitzert, wird es gefährlich

Günther Jauch, Meister der Spannung, verlas die Frage, die über Wohl und Wehe entscheiden sollte: „Eine deutlich geringere Reinheitsstufe als der höchste Grad ‚lupenrein‘ wird bei Diamanten fachsprachlich wie ausgedrückt?“

Die Antwortmöglichkeiten ließen Lea Holdorf stirnrunzelnd zurück: A) Brillenrein B) Linsenrein C) Augenrein D) Glasrein

Was für einen Juwelier wohl zum täglichen Vokabular gehört, brachte die Kandidatin gehörig ins Schleudern. Der Begriff „lupenrein“ ist im allgemeinen Sprachgebrauch fest verankert – man nutzt ihn metaphorisch für alles, was makellos ist, von der politischen Weste bis zum sportlichen Sieg. Doch was kommt technisch gesehen darunter? Hier verließ Lea Holdorf ihre Intuition.

Besonders tragisch: In einer ersten Analyse schloss die Hamburgerin die Antwortmöglichkeiten B (Linsenrein) und C (Augenrein) kategorisch aus. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte, denn genau in diesem Ausschlussverfahren lag der Keim des Scheiterns. Sie schwankte sichtlich nervös zwischen „Brillenrein“ und „Glasrein“. Beide Begriffe klingen plausibel, erinnern sie doch an Sauberkeit und Durchsichtigkeit im Alltag – doch Fachsprache folgt ihren eigenen Regeln.

Jauchs Stichelei und der winkende Zaunpfahl

Während die Kandidatin grübelte, konnte sich Günther Jauch einen seiner typischen, spitzbübischen Kommentare nicht verkneifen. Er zielte auf den Beziehungsstatus der Hamburgerin ab. „Sie sind doch ledig, aber ‚leiert‘“, frotzelte der Moderator und legte den Finger in die Wunde: „Hat man Ihnen noch nie einen kleinen ‚Brilli‘ gesteckt?“

Es war mehr als nur Smalltalk. Jauch, der oft subtile Hinweise gibt, versuchte hier möglicherweise, eine Brücke zu bauen oder zumindest die Stimmung aufzulockern. Doch die Anspielung auf den „Brilli“ (Brillanten) und die Welt des Schmucks half der Kandidatin in ihrer Denkblockade nicht weiter. Statt den Wink als Anlass zu nehmen, über die visuelle Wahrnehmung von Diamanten nachzudenken, blieb sie in ihrer Sackgasse gefangen. Die Frage, ob ein Diamant mit dem bloßen Auge oder einer Lupe betrachtet wird, geriet in den Hintergrund.

Der Telefon-Joker: Ein Bärendienst zur Unzeit

Unsicher und nicht gewillt, zu zocken, griff Lea Holdorf zu ihrem letzten Rettungsanker: dem Telefon-Joker. Ein Freund oder Bekannter sollte Licht ins Dunkel bringen. Die Hoffnung war groß, dass der Joker am anderen Ende der Leitung die erlösende Antwort parat haben würde.

Das Telefonat jedoch entwickelte sich zum Drama. Der Joker hörte sich die Frage an und tendierte – wie auch die Kandidatin zuvor – zur falschen Fährte. Er riet ihr zu „Glasrein“ (Antwort D). Es ist der Moment, vor dem jeder Kandidat zittert: Wenn der Experte sich sicher scheint, aber falsch liegt. Bestärkt durch den Rat von außen und ihre eigene Vorahnung, entschied sich Lea Holdorf, die Antwort D einzuloggen.

Ein Raunen ging durch das Publikum, als die Entscheidung fiel. Jauchs Gesichtsausdruck blieb, wie so oft, undurchdringlich, bis die Auflösung auf dem Bildschirm erschien.

Der bittere Fall und die lehrreiche Auflösung

Das grüne Licht blieb aus. Stattdessen blinkte die korrekte Antwort auf: C) Augenrein.

Die Enttäuschung war greifbar. 16.000 Euro, die Differenz zum möglichen Gewinn, waren im wahrsten Sinne des Wortes „verschenkt“. Günther Jauch übernahm sofort die Rolle des Erklärers, um den schmerzhaften Moment zumindest mit Wissen zu füllen. Er erläuterte den fachlichen Hintergrund: „Lupenrein ist, wenn man mit der Lupe keine Einschlüsse, Verunreinigungen und so weiter sieht.“ Die logische Abstufung darunter sei eben jener Grad, bei dem man „mit den Augen nichts sieht“ – also ohne technische Hilfsmittel keine Makel erkennen kann. Daher der Begriff „augenrein“.

Es ist diese simple Logik, die im grellen Scheinwerferlicht des Studios oft verloren geht. „Glasrein“ und „Brillenrein“ sind Begriffe aus der Reinigungsmittelbranche oder der Optik, haben aber in der Gemmologie (Edelsteinkunde) nichts verloren.

Ende gut, alles gut?

Trotz des schmerzlichen Fehlers bewies Lea Holdorf Größe. Sie ließ den Kopf nicht hängen. Dank der Sicherheitsstufe (bei der klassischen Spielvariante) fiel sie nicht ins Bodenlose. Sie stürzte nicht auf 500 Euro ab, sondern landete weich auf 16.000 Euro.

„Sie zeigt sich nicht enttäuscht“, bemerkte Jauch anerkennend. Und tatsächlich: 16.000 Euro sind ein fantastisches Weihnachtsgeschenk, auch wenn der Gedanke an das, was hätte sein können, sicher noch ein wenig schmerzt. Ob sie sich von dem Gewinn nun einen – vielleicht nicht lupenreinen, aber zumindest augenreinen – Diamanten kauft oder das Geld anders investiert, ließ sie offen.

Das Weihnachtsspecial von „Wer wird Millionär?“ hat einmal mehr bewiesen, dass Wissen Macht ist – und dass man bei Diamanten besser zweimal hinschaut, bevor man sich entscheidet. Für Lea Holdorf bleibt es eine unvergessliche Erfahrung und eine Anekdote, die sie sicherlich noch auf vielen Weihnachtsfeiern erzählen wird: Die Geschichte, wie sie „augenrein“ übersah und dennoch als Gewinnerin nach Hause ging.