
Es ist das alljährliche Ritual, das Deutschland in zwei Lager spaltet wie kaum ein anderes Fernsehereignis: Der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC). Die Hoffnungen sind groß, die Erwartungen riesig und die Nerven liegen traditionell blank, wenn es darum geht, wer Deutschland auf der größten musikalischen Bühne der Welt vertreten soll. Doch in diesem Jahr sorgt nicht nur die Auswahl der Künstler für Zündstoff, sondern vor allem eine Personalentscheidung hinter dem Mikrofon. Der Sender SWR hat die Katze aus dem Sack gelassen und verkündet, wer die Grande Dame des deutschen ESC, Barbara Schöneberger, bei der Show „Chefsache ESC 2026 – Wer singt für Deutschland?“ unterstützen wird. Die Wahl fiel auf die Comedienne und Moderatorin Hazel Brugger. Was als genialer Schachzug für mehr Witz und Schlagfertigkeit geplant war, entpuppt sich in den sozialen Medien derzeit als polarisierendes Reizthema, das die Gemüter der treuen ESC-Community erhitzt wie lange nicht mehr.
Der Paukenschlag: Brugger und Schöneberger im Duett
Am Donnerstag, den 15. Januar, machte der SWR es offiziell: Die 32-jährige Hazel Brugger wird am 28. Februar in Berlin an der Seite von Barbara Schöneberger durch den Abend führen. Für Schöneberger, die seit Jahren als das Gesicht des deutschen Vorentscheids gilt und mit ihrer routinierten, selbstironischen Art eine feste Institution ist, soll Brugger eine Entlastung und zugleich eine Bereicherung sein. „Die Last, allein den perfekten Act für Wien zu finden, falle ihr mit Brugger an ihrer Seite richtig schön von den Schultern“, ließ die 51-Jährige verlauten und signalisierte damit volle Unterstützung für ihre neue Kollegin.
Doch die Harmonie, die die beiden Profis ausstrahlen, spiegelt sich nicht überall wider. Hazel Brugger, bekannt für ihren trockenen, oft zynischen Humor und ihre unverblümte Art in Formaten wie der „heute-show“ oder ihren eigenen Bühnenprogrammen, ist keine Unbekannte im ESC-Kosmos. Und genau hier liegt für viele Fans der Hund begraben. Die Reaktionen auf die Ankündigung fielen so heftig und zwiespältig aus, dass man von einem regelrechten digitalen Grabenkampf sprechen kann.

„OMG“ vs. „Bitte nicht“: Das Netz ist gespalten
Kaum war die Nachricht auf den offiziellen Kanälen von eurovision.de und in den sozialen Netzwerken verbreitet, füllten sich die Kommentarspalten in Windeseile. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die in der Verpflichtung Bruggers einen längst überfälligen Schritt zu mehr Unterhaltungswert sehen. Kommentare wie „OMG das wird toll“ oder „Sehr gute Wahl, die zwei“ zeugen von einer großen Vorfreude auf das ungewöhnliche Duo. Viele erhoffen sich durch Bruggers Schlagfertigkeit eine Auflockerung des oft als steif empfundenen Formats. Die Chemie zwischen der extrovertierten Schöneberger und der stoisch-trockenen Brugger könnte in der Tat für unvergessliche TV-Momente sorgen.
Doch wo Licht ist, ist beim ESC bekanntlich auch viel Schatten. Ein massiver Block an Kommentatoren zeigt sich nicht nur skeptisch, sondern regelrecht entsetzt. „Bitte nicht diese Hazel, die war beim ESC schon schrecklich“, schreibt ein User und bezieht sich damit vermutlich auf frühere Berührungspunkte Bruggers mit dem Event, die bei einigen Zuschauern offenbar in unguter Erinnerung geblieben sind. Die Kritik zielt dabei oft auf ihren speziellen Humor ab, der nicht jedermanns Sache ist. „Ist euch echt niemand besseres eingefallen?“, fragt ein anderer enttäuschter Fan rhetorisch. Die Angst ist groß, dass der Abend statt einer glamourösen Musikshow zu einer Comedy-Veranstaltung verkommen könnte, die dem Ernst der Lage – nämlich einen wettbewerbsfähigen Act für Wien zu finden – nicht gerecht wird.
Der Ruf nach Stefan Raab
In der Hitze der Diskussion taucht auch immer wieder ein Name auf, der wie ein Phantom über dem deutschen ESC schwebt: Stefan Raab. „Stefan Raab sollte helfen“, fordert ein Fan und spricht damit vielen aus der Seele, die sich die goldenen Zeiten zurückwünschen, in denen Raab mit Lena Meyer-Landrut den Sieg nach Deutschland holte oder mit Max Mutzke und Guildo Horn respektable Erfolge feierte. Der Ruf nach dem „Raabinator“ ist Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Kompetenz und Erfolg, die viele Fans dem aktuellen Auswahlverfahren und den verantwortlichen Personen offenbar absprechen. Dass stattdessen nun Hazel Brugger die Bühne betritt, wirkt auf diese Fraktion wie ein schlechter Scherz.

Selbstironie als Waffe: Bruggers Reaktion
Hazel Brugger selbst scheint sich der Brisanz ihrer neuen Aufgabe durchaus bewusst zu sein und begegnet der Situation mit ihrer typischen Waffe: Ironie. Auf die Bekanntgabe reagierte sie mit der Aussage, die Wahl bedeute entweder einen „großen Vertrauensvorschuss“ oder sei ein Zeichen dafür, dass „die Verantwortlichen sonst niemanden gefunden haben“. Mit diesem Statement nimmt sie ihren Kritikern quasi den Wind aus den Segeln, indem sie die Zweifel an ihrer Person selbst thematisiert und ins Lächerliche zieht. Ob diese Taktik auch beim Live-Publikum und den Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen verfangen wird, bleibt abzuwarten. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge: Ist sie zu bissig, vergrault sie das konservative ESC-Publikum; ist sie zu zahm, enttäuscht sie ihre eigene Fanbase.
Neun Hoffnungen für Wien: Die Kandidaten
Abseits der Moderations-Debatte darf nicht vergessen werden, worum es eigentlich geht: Die Musik. Neun Acts kämpfen um das begehrte Ticket für die 70. Jubiläumsausgabe des Eurovision Song Contest in Wien. Das Teilnehmerfeld verspricht zumindest auf dem Papier Spannung. Mit dabei ist unter anderem Sarah Engels. Die 33-jährige Sängerin, die einst durch „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt wurde, bringt eine riesige Fanbase und viel Bühnenerfahrung mit. Auch Malou Lovis Kreyelkamp (27), die Gewinnerin von „The Voice of Germany“, wirft ihren Hut in den Ring. Sie steht für stimmliche Qualität und Authentizität.
Die Mischung aus etablierten Reality-Stars und Casting-Show-Gewinnern zeigt, dass der NDR und SWR versuchen, auf Nummer sicher zu gehen und Künstler mit bereits vorhandener Reichweite zu nominieren. Doch wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist Bekanntheit im eigenen Land keine Garantie für Punkte in Europa. Der deutsche Beitrag muss international bestehen, und genau hier setzt das neue Auswahlverfahren an.

Das Auswahlverfahren: Jury und Publikum entscheiden
Um ein erneutes Desaster auf der Punktetafel zu vermeiden, wurde der Modus Operandi angepasst. Die Entscheidung am 28. Februar fällt in zwei Schritten. Zunächst hat eine 20-köpfige internationale Jury das Wort. Diese Experten aus 20 Teilnehmerländern des Eurovision Song Contest sieben gnadenlos aus und küren ihre drei Favoriten. Dieser Schritt soll sicherstellen, dass nur Songs weiterkommen, die auch außerhalb Deutschlands eine Chance haben. Es ist ein Filter gegen den oft zitierten „deutschen Sonderweg“, der musikalisch im europäischen Ausland oft auf Unverständnis stieß.
Erst nachdem die internationale Jury ihre Top 3 benannt hat, darf das deutsche Publikum eingreifen. Im finalen Schritt entscheiden allein die Zuschauer per Voting, wer von den drei verbliebenen Acts tatsächlich nach Wien fährt. Dieses System birgt Zündstoff: Was, wenn der Publikumsliebling schon vorher von der Jury aussortiert wurde? Oder wenn die Jury drei Acts wählt, mit denen das deutsche Publikum so gar nichts anfangen kann? Die Moderation dieses komplexen und spannungsgeladenen Abends wird für Schöneberger und Brugger zur Bewährungsprobe. Sie müssen Enttäuschungen abfedern, Euphorie kanalisieren und durch ein Regelwerk führen, das nicht jedem auf Anhieb einleuchten mag.
Ein Blick voraus: Jubiläum mit Hindernissen?
Der ESC feiert in Wien sein 70. Jubiläum – ein Meilenstein für den Wettbewerb, der wie kein anderer für die europäische Idee, aber auch für skurrile Performances und geopolitische Punktevergaben steht. Für Deutschland geht es darum, den Anschluss nicht zu verlieren und endlich wieder im linken Teil der Tabelle zu landen. Die Besetzung der Moderation mit Hazel Brugger ist ein Wagnis. Sie ist das „Dark Horse“ des Abends. Vielleicht ist es genau diese unkonventionelle Art, die der steifen deutschen Vorentscheid-Tradition gut tut. Vielleicht ist es aber auch, wie die Kritiker unken, der nächste Schritt in die Bedeutungslosigkeit.
Eines ist sicher: Die Augen der ESC-Welt werden am 28. Februar auf Berlin gerichtet sein. Nicht nur wegen der Songs, sondern auch, um zu sehen, ob das Duo Schöneberger-Brugger harmoniert oder implodiert. Bis dahin wird die Diskussion in den sozialen Medien weitergehen – leidenschaftlich, kontrovers und typisch deutsch. Denn wenn es um den ESC geht, sind wir alle Bundestrainer – oder in diesem Fall: Unterhaltungschefs. Es bleibt zu hoffen, dass am Ende die Musik gewinnt und nicht der Streit über die Moderatorinnen die Schlagzeilen nach der Show dominiert. Doch bis dahin heißt es für Hazel Brugger: Dickes Fell zulegen und beweisen, dass sie mehr kann, als nur polarisieren.
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