In der glitzernden Welt von Hollywood galt sie jahrzehntelang als das Symbol für Reinheit, mütterliche Wärme und das perfekte amerikanische Glück. Shirley Jones, die strahlende Heldin aus “Oklahoma!” und die loyale Mutter der “Partridge Family”, verkörperte ein Ideal, das Millionen von Menschen inspirierte. Doch während die Kameras liefen und Shirley ihr berühmtes, sanftes Lächeln aufsetzte, tobte hinter den Kulissen ein emotionaler Orkan. Erst jetzt, im stolzen Alter von 92 Jahren, hat die Schauspielerin die Kraft gefunden, die Maske endgültig fallen zu lassen und die schockierende Wahrheit über ihre Ehe mit dem Broadway-Star Jack Cassidy ans Licht zu bringen.

Die Geschichte von Shirley und Jack begann wie ein modernes Märchen. Im Jahr 1955 trafen sie sich bei den Proben für eine Europa-Tournee. Jack, zehn Jahre älter und bereits ein gefeierter Star, besaß ein Charisma, dem sich kaum jemand entziehen konnte. Trotz seiner damaligen Ehe mit Evelyn Ward umwarb er die junge Shirley mit einer Selbstsicherheit, die sie gleichzeitig faszinierte und einschüchterte. Ein Abend in Paris bei Champagner und Schnecken besiegelte ihr Schicksal. Jack versprach ihr die Ehe – ein Versprechen, das er 1956 nach seiner Scheidung einlöste. Doch was als berauschende Romanze begann, sollte für Shirley Jones zu einer lebenslangen Prüfung ihrer Belastbarkeit werden.

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Schon früh in ihrer Ehe zeigten sich die ersten Risse im Fundament. Während Shirleys Karriere in Hollywood steil nach oben schoss und sie 1961 sogar den Oscar für “Elmer Gantry” gewann, kämpfte Jack Cassidy mit seinen eigenen Dämonen. Der Erfolg seiner Frau wurde für ihn zunehmend zur Belastungsprobe. Sein Ego, das nach ständiger Bewunderung lechzte, suchte Bestätigung außerhalb der ehelichen Wohnung. Shirley enthüllte nun, dass Jacks Untreue keine Ausnahme, sondern die Regel war. Er war süchtig nach Aufmerksamkeit und suchte diese in den Armen unzähliger Frauen – und, wie Shirley später unter großen Schmerzen bestätigte, auch in den Armen von Männern.

Die Bisexualität ihres Ehemannes war in den 1960er Jahren ein Tabuthema, das Jacks Karriere augenblicklich hätte beenden können. Shirley wusste um sein Doppelleben, doch sie entschied sich für das Schweigen. Jack selbst machte aus seinem Verlangen kein Geheimnis: Er erklärte ihr offen, dass Treue nicht in seiner Natur läge und er das Leben in all seinen Facetten auskosten wolle. Für eine junge Frau, die in der Kleinstadt-Moral Pennsylvanias aufgewachsen war, war diese Offenbarung ein vernichtender Schlag. Dennoch blieb sie. Sie blieb für ihre Söhne Shaun, Patrick und Ryan, und sie blieb für das Bild der heilen Welt, das sie so verzweifelt zu schützen versuchte.

File:Jack Cassidy and Shirley Jones, 1961.jpg - Wikimedia Commons

Besonders ironisch war die Situation während der 1970er Jahre, als Shirley Jones als Matriarchin der “Partridge Family” zum Inbegriff der perfekten Mutter wurde. Während sie im Fernsehen eine harmonische Familie anführte, zerfiel ihr eigenes Privatleben in Trümmer. Jack Cassidy versank immer tiefer in Ressentiments gegenüber dem Ruhm seiner Frau. Sein Verhalten wurde rücksichtsloser; er flirtete auf Partys ungeniert vor ihren Augen und rühmte sich seiner Eroberungen. Shirley ertrug die Demütigungen schweigend, weinte bittere Tränen im Verborgenen und spielte vor der Welt die loyale Ehefrau.

1974 war die Grenze des Erträglichen schließlich erreicht. Shirley reichte die Scheidung ein. Doch die Trennung brachte nicht die erhoffte Erlösung. Jack blieb eine Schattenfigur in ihrem Leben, ein Mann, den sie trotz allem noch immer liebte. Die Tragödie erreichte ihren Höhepunkt im Dezember 1976. Jack rief Shirley an und bat sie zu einem letzten Drink zu sich nach Hause. Sie lehnte ab – eine Entscheidung, die sie bis heute verfolgt. Nur wenige Stunden später kam Jack Cassidy bei einem verheerenden Wohnungsbrand ums Leben, ausgelöst durch eine vergessene Zigarette. Er wurde nur 49 Jahre alt.

Oscars, Arias & Partridges: The eclectic career of Shirley Jones | Newcity  Music

Sein gewaltsamer Tod hinterließ nicht nur bei Shirley, sondern auch bei seinen Kindern tiefe Wunden. David Cassidy, Jacks Sohn aus erster Ehe, den Shirley wie ihren eigenen aufgezogen hatte, kämpfte zeit seines Lebens mit dem instabilen Erbe seines Vaters. Erst Jahrzehnte später wagte Shirley den Schritt an die Öffentlichkeit. In ihren 2013 erschienenen Memoiren und nachfolgenden Interviews räumte sie mit den Mythen auf. Sie beschrieb Jack als einen komplexen, oft selbstzerstörerischen Mann, der von seinen Leidenschaften getrieben wurde und dabei wenig Rücksicht auf die Seelen derer nahm, die ihn am meisten liebten.

Warum hat sie so lange gewartet? Shirley Jones erklärt heute, dass es ihr nicht um Rache ging. Sie wollte sich vielmehr von der Last der Geheimnisse befreien, die sie über ein halbes Jahrhundert lang erdrückt hatten. Ihre Ehrlichkeit wirft ein neues Licht auf die goldene Ära Hollywoods – eine Zeit, in der das Image alles war und die persönliche Wahrheit oft geopfert wurde. Dass sie Jack Cassidy trotz all der Qualen bis heute als die “große Liebe ihres Lebens” bezeichnet, ist das wohl bewegendste Zeugnis einer Frau, die gelernt hat, dass Liebe und Schmerz oft untrennbar miteinander verwoben sind. Shirley Jones hat bewiesen, dass es nie zu spät ist, die eigene Wahrheit auszusprechen und endlich Frieden mit der Vergangenheit zu schließen.