Der John Deer 8400 stand im Hof wie ein Mahnm. 420 PS, Allradantrieb, Klimaanlage, GPS Vorbereitung. 280.000 Mark hatte Markus dafür bezahlt. Genauer gesagt hatte die Sparkasse Templin dafür bezahlt und Markus würde die nächsten 15 Jahre abstottern. Der Traktor glänzte in der Morgensonne über den Feldern der und Markus spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
In seiner Hand hielt er einen vergilbten Briefumschlag. Darauf stand in der akkuraten Handschrift seines Großvaters für Wolfgang und Markus zu öffnen, wenn ihr einen Kredit aufnehmen wollt. Franz Bachmann war im Februar gestorben, sechs Wochen bevor die Treuhand das ehemalige LPGL zur Pachtung freigegeben hatte. Er hatte die Wiedervereinigung noch erlebt, aber nicht mehr gesehen, wie seine Familie die Schauße ergriff, die sich ihnen bot.
450 Hektar gutes Ackerland verpachtet von der BVG zu günstigen Konditionen. Eine ganze Zukunft, die nur darauf wartete, bewirtschaftet zu werden. “Wir hätten den Brief lesen sollen”, sagte Wolfgang. Er stand neben seinem Sohn, 56 Jahre alt, und zum ersten Mal seit der Wende sah Markus seinen Vater alt aus. Bevor wir unterschrieben haben.
Markus öffnete den Umschlag. Darin waren drei beschriebene Seiten. Datt auf den 15. März 1970 Jahre her. Eine andere Welt, was ich euch jetzt erzähle, ist rekonstruiert aus echten Dokumenten, Kreditakten der Sparkassen, betriebswirtschaftlichen Auswertungen der Landwirtschaftskammer, Treuandprotokollen über die Privatisierung der ostdeutschen Landwirtschaft.
Ich nutze KI Tools zur Recherche und zum Schreiben, aber jede Zahl über Schuldenlasten, Pachtpreise und Investitionsfallen wird gegen Originaldokumente geprüft. Die Namen sind geändert, manche Geschichten kombiniert, aber der zentrale Konflikt, die Verführung der Schulden und die Härte der Realität, das erlebten tausende von Familien in den neuen Bundesländern.
Manche haben überlebt, viele nicht. März 1970, Westfalen. Franz Bachmann saß am Küchentisch seines kleinen Hofes bei Warendorf und rechnete. Vor ihm lagen die Unterlagen der Kreissparkasse, ein Modernisierungskredit über 120.000 Mark, 10 Jahre Laufzeit, 7% Zinsen. Damit könnte er den alten Anbindestall durch einen modernen Laufstahl ersetzen, 20 Kühe mehr halten, die Milchquote aufstocken.
Der Bankberater hatte es klingen lassen wie ein Geschenk. Die Milchpreise sind stabil, Herr Bachmann. Mit 40 Kühlen statt 20 verdoppeln sie ihren Umsatz. Der Kredit zahlt sich in 8 Jahren ab. Franz hatte zugehört und genickt und sich Notizen gemacht. Dann hatte er den Mann nach Hause geschickt und angefangen zu rechnen. Richtig zu rechnen. 120.
000 Mark Kredit, 8400 Mark Zinsen im ersten Jahr mehr als er in einem guten Jahr an Gewinn machte. 20.000 Mark Tilgung pro Jahr. 28400 Mark, die er jedes Jahr erwirtschaften musste, bevor er auch nur einen Pfennig für sich und seine Familie hatte. Und wenn die Milchpreise fallen hatte er seine Frau gefragt. Der Herr Müller von der Bank sagt, die fallen nicht.
Die EWG garantiert die Preise. Die EWG garantiert nichts, hatte Franz gesagt. Die Politik garantiert, was ihr gerade passt. Und was heute passt, passt morgen vielleicht nicht mehr. Er dachte an 1950, als er den Hof übernommen hatte. 25 Jahre alt, frisch aus russischer Gefangenschaft zurück. Ein Hof, den die Amerikaner gerade enteignet und wieder zurückgegeben hatten.
Damals hatte er nichts gehabt, außer 18 Hektar Land und einem Fend Dieselross, das älter war als er selbst. Keine Schulden. Das war seine Regel gewesen. Alles, was er kaufte, bezahlte er bar. Es dauerte länger. Er musste warten, sparen, manchmal auf Gelegenheiten verzichten. Aber er schuldete niemandem etwas.
Ein Bauer mit Schulden, hatte sein eigener Vater gesagt, ist kein Bauer mehr. Er ist der Knecht seiner Bank. Franz schrieb den Brief an diesem Abend. Wolfgang war 17, machte gerade Abitur, träumte davon, den Hof zu übernehmen und zu vergrößern. Markus war noch nicht geboren. Wolfgang hatte noch nicht einmal eine Freundin. Aber Franz wusste, dass es irgendwann so weit sein würde.
Irgendwann würde jemand seine Nachkommen einen Kredit anbieten und es würde verlockend klingen und sie würden versucht sein. Er schrieb: “Meine Lieben, wenn ihr diesen Brief lest, dann überlegt ihr gerade Geld von einer Bank zu leihen. Lasst mich euch sagen, was mir niemand gesagt hat, als ich jung war. Ein Kredit ist keine Chance. Ein Kredit ist eine Kette.
Die Bank wird euch erzählen, wie viel mehr ihr verdienen könnt. Sie werden euch vorrechnen, wie schnell sich die Investition amortisiert. Sie werden euch Zahlen zeigen, die gut aussehen. Aber sie werden euch nicht sagen, was passiert, wenn die Preise fallen, wenn eine Kuh stirbt, wenn eine Ernte ausfällt, wenn die Politik sich ändert, wenn ihr krank werdet.
Sie werden euch nicht sagen, dass ihr jede Nacht wach liegt und rechnet, daß jeder Regen, der zur falschen Zeit kommt, nicht nur eine schlechte Ernte bedeutet, sondern eineRate, die ihr nicht zahlen könnt, dass jeder Brief von der Bank euer Herz schneller schlagen lässt. Ich habe diesen Hof ohne Schulden aufgebaut. Es hat gedauert, es war langsam, aber es war meins.
Jeden Pfennig, den ich verdient habe, gehörte mir und eurer Mutter und euch. Ich musste niemandem Rechenschaft ablegen, außer dem Hegott und dem Wetter. Es gibt zwei Arten, einen Hof zu vergrößern. Mit eigenem Geld oder mit geliehenem Geld. Mit eigenem Geld wächst man langsam, aber sicher. Mit geliehenem Geld wächst man schnell, aber nur, solange alles gut geht.
Und in der Landwirtschaft geht niemals alles gut. Hier ist meine Regel, die ich euch ans Herz lege. Niemals mehr als 30% eures Jahresumsatzes als Schulden. Niemals mehr als 10% des Gewinns als Zinslast. Niemals einen Kredit für etwas, das nicht unmittelbar Geld verdient. Und wenn euch jemand einen Kredit anbietet und sagt, das ist eine Gelegenheit, die kommt nie wieder, dann geht weg.

Gelegenheiten kommen immer wieder. Schulden auch, aber die will man nicht. In Liebe, Franz. Er hatte den Brief versiegelt und in seinen Schreibtisch gelegt. Dort lag er 20 Jahre. November 199 Warendorf. Wolfgang Bachmann stand vor dem Fernseher und sah zu, wie Menschen auf der Berliner Mauer tanzten. Er war 37, führte den Hof seines Vaters, hatte ihn vorsichtig modernisiert, immer nur das, was er bar bezahlen konnte.
40 Kühe, 38 Hektar, ein Fend Farmer 309, ein gebrauchter Deutzfahr DX90 als Zweitschlepper. Kein großer Betrieb, aber solid, schuldenfrei. Sein Sohn Markus 29 stand neben ihm. Frisch zurück aus der Bundeswehr hatte gerade sein Landwirtschaftsstudium in Weinstefan abgeschlossen. Der Junge hatte Ideen, moderne Ideen.
Er sprach von Präzision Farming, von GPS, von Ertragsmessung. “Wir könnten expandieren”, sagte Markus oft. Pachtflächen übernehmen, moderne Technik einsetzen. 80 100 Hektar sind heute kein Problem mehr. Und Wolfgang hatte jedes Mal den Kopf geschüttelt. Mit welchem Geld? Wir haben keinen Kredit und wir nehmen keinen auf. Vater, so funktioniert moderne Landwirtschaft nicht mehr.
Man muss investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Oder man bleibt schuldenfrei und schläft nachts ruhig. Aber jetzt vor dem Fernseher die Mauer gefallen. Deutschland auf dem Weg zur Einheit. Da spürte auch Wolfgang etwas, das er lange nicht gespürt hatte. Eine Möglichkeit, eine Chance. Da drüben ist Land”, sagte Markus leise.
“Tausende Hektar, die LPGs werden aufgelöst. Das ist die Gelegenheit unseres Lebens.” Wolfgang sagte nichts. Er dachte an seinen Vater, der gerade 78 geworden war, im Altenheim in Warendorf lebte und jeden Tag fragte, wann jemand ihn besuchen käme. Juni 1990, Templin, Brandenburg. Die Fahrt von Warendorf nach Templin dauerte sechs Stunden.
Wolfgang und Markus fuhren einen Samstag im Juni, drei Wochen nach der Währungsunion. Überall waren Trabis und Wartburgs und dazwischen die ersten Westwagen. Die Landschaft war flach und weit und die Felder sahen aus, als hätte seit Jahren niemand richtig investiert. Der Treuhandbeauftragte hieß Schneider, trug einen schlecht sitzenden Anzug und hatte Unterlagen für 13 ehemalige LPGB Betriebe dabei.
Das Land hier, sagte er und deutete auf eine Karte, 450 Hektar, Bodenwertzahl durchschnittlich 42, gute Böden fürkische Verhältnisse. LPG Einheit wurde im März aufgelöst. Etwa 30% des Landes geht an Alteigentümer zurück. Der Rest wird von der BVG verpachtet. 12jährige Pachtverträge 150 Mark pro Hektar im ersten Jahr gestaffelt steigend.
Markus rechnete im Kopf. 450 Hektar x mal 150 Mark. 67500 Mark im ersten Jahr. Viel Geld. Aber bei vernünftiger Bewirtschaftung. Welche Gebäude gehören dazu?”, fragte Wolfgang. Die alte Reparaturhalle, zwei Maschinenschuppen, ein Verwaltungsgebäude. Die Wohnhäuser werden separat behandelt. Die Technik der LPG. Schneider blätterte durch seine Unterlagen.
Größtenteils Schrott, ein paar Fortschritt mehrdrescher, ZT Traktoren. Sie können übernehmen, was noch funktioniert, aber rechnen Sie nicht damit. Sie fuhren hinaus aufs Land. Die Felder waren riesig 50 60 Hektar große Schläge ohne Hecken, ohne Bäume. So hatte die LPG gewirtschaftet, industriell mit großem Gerät. Die Gebäude waren in schlechtem Zustand, aber die Böden.
Wolfgang ging in die Knie, nahm eine Handvoll Erde, ließ sie durch die Finger rieseln. “Guter Boden”, sagte er leise. Markus sah die Weite und sah Möglichkeiten. 450 Hektar. Damit würden Sie zu einem der größten Betriebe in der Region gehören. Sie könnten moderne Technik einsetzen, richtig wirtschaften, die Erträge steigern.
“Was würde das kosten?”, fragte Wolfgang Schneider. Der Treuhandbeauftragte holte einen Taschenrechner heraus. “Die Pacht ist das eine. Aber Sie brauchen Maschinen. Für 450 Hektar rechnen Sie mit mindestens zwei Großtraktoren, eine modernen Mehdrescher, Bodenbearbeitungs und Selltechnik. Je nachdem, was sie kaufen, zwischen und einer Million Mark.
Wolfgang schluckte. Und woher sollen wirdas Geld nehmen? Die Sparkasse Templin bietet Sonderkonditionen für Betriebsgründungen in den neuen Bundesländern. Investitionskredite zu günstigen Zinsen. Tilgungsfreijahre. Die Bundesregierung fördert den Aufbau Ost. 1 Million Mark. Wolfgang hatte in seinem ganzen Leben noch nie eine solche Summe auch nur ausgesprochen.
Aber Markus Markus sah anders aus. Er sah aus wie jemand, der eine Antwort gefunden hatte. Juli 1990, Warendorf. Franz Bachmann saß im Gemeinschaftsraum des Altenheims und hörte zu, wie sein Sohn und sein Enkel ihm von Brandenburg erzählten. Er war, hatte einen Schlaganfall vor zwei Jahren gehabt, konnte die linke Hand nicht mehr richtig bewegen, aber sein Kopf war klar.
450 Hektar, wiederholte er. “Und wie viel würdet ihr investieren müssen?” “Zwischen 700.000 und einer Million”, sagte Markus. “Aber Großvater, das ist eine einmalige Chance. So viel Land wird nie wieder verfügbar sein. Die Pachtkonditionen sind günstig. Die Bank gibt Kredite zu Sonderkonditionen. Franz hob die Hand.
Die Rechte, die noch funktionierte. Habe ich dir jemals von meinem Brief erzählt? Markus und Wolfgang sahen sich an. Welcher Brief? In meinem Schreibtisch im alten Hof in der mittleren Schublade ganz hinten, da liegt ein Brief adressiert an euch beide. Den sollt ihr lesen, bevor ihr irgendetwas unterschreibt. Vater sagte Wolfgang vorsichtig, wir haben den Hof verkauft, als du ins Heim kamst.
Erinnerst du dich? Das Inventar haben wir aufgelöst. Die Möbel nicht, unterbrach Franz. Die Möbel haben wir eingelagert bei Spediteur Hoffmann. Der Schreibtisch ist da. Hol ihn. Ließ den Brief. Wolfgang versprach es, aber er tat es nicht. Nicht sofort. Es gab zu viel zu organisieren. Die Treuhand wollte zusagen. Die Sparkasse wollte Unterlagen.
Es musste eine Gesellschaft gegründet werden. Wolfgang und Markus als GBR, Bachmann und Sohnlandwirtschaft. Franz starb im Februar 1991. drei Wochen bevor sie den Pachtvertrag unterschrieben. Bei der Beerdigung fand Wolfgang den Schlüssel zum Lagerraum in den Sachen seines Vaters. Eine Woche später fuhr er zu Spediteur Hoffmann, holte den Schreibtisch, fand den Brief.
Aber da hatten sie schon unterschrieben: März 1991, Templin. Die Sparkasse Templin bewilligte 800.000 Mark. Investitionskredit 12 Jahre Laufzeit 6% Zinsen, zwei tilgungsfreie Jahre. Wolfgang unterschrieb mit zitternder Hand. Markus unterschrieb fest und schnell, als hätte er Angst, die Schau könnte verschwinden.
Sie kauften gebraucht, aber gut, einen John der 4850, 5 Jahre alt, 250 PS für 160.000 Mark. Einen Fend Favorit, 615 LSA, 150 PS für 110 000. Glasdominator, 108 Mehrdrescher, 3 Jahre alt, für 120.000. Flug, Grobber, Kreiseläge, Sämaschine, Feldspritze, alles zusammen noch einmal 200.000. Dazu eine gebrauchte Lagerhalle für 80.
000, ein Pickup, Werkzeug, saht gut für die erste Aussah. Im April standen sie auf ihrem gepachteten Land und sahen zu, wie der John Deer das erste Feld pflügte. Markus saß am Steuer. Wolfgang stand am Feldrand. Es war ein klarer kühler Frühlingstag und die Erde war perfekt. Wir schaffen das, rief Markus aus der Kabine. Das wird funktionieren.
Wolfgang nickte. Er wollte es glauben. Die erste Ernte war gut. Winterweizen, 7inhalb Tonnen pro Hektar im Durchschnitt. Nicht spektakulär, aber solide. Bei einem Preis von 300 Mark pro Tonne waren das. Markus rechnete es vor, 350 Hektar Weizen, 7inhalb Tonnen, 300 Mark, das sind fast 800.000 Mark Erlös. Pacht 67500 Mark, minus Saatgut Dünger, Pflanzenschutz etwa 200.
000 Markus Diesel, Reparaturen, Versicherungen 80.000 Mark Minus Zinsen auf den Kredit 48 000 Mark im ersten Jahr tilgungsfrei blieb ein Gewinn von knapp 400.000 Mark vor Steuern, vor Lebenshaltungskosten, vor Rücklagen. Siehst du, sagte Markus, das funktioniert. In 3 Jahren haben wir die ersten 100000 getilkt.
In 10 Jahren sind wir schuldenfrei. Aber Wolfgang lass nachts den Brief seines Vaters wieder und wieder. Sie werden euch nicht sagen, was passiert, wenn die Preise fallen. 1992 die Mccherry Reform. Die europäische Gemeinschaft reformierte die gemeinsame Agrarpolitik. Die Getreide wurden gesenkt von 300 auf 240 Mark pro Tonne.
Zum Ausgleich gab es Flächenprämien, aber die kamen erst später und sie reichten nicht. Zweite Ernte Winterweizen 8 Tonnen pro Hektar, besser als im Vorjahr, aber bei 240 Mark pro Tonne, 350 Hektar x 8 tonn x 240 Mark, 673 000 Mark erlös. Die Kosten waren gleich geblieben. Der Gewinn war plötzlich nur noch 200.000 Mark.

Und dieses Jahr mussten sie anfangen zu tilgen, 60.000 Mark. Wir müssen die Kosten senken sagte Markus. Weniger Dünger, billigeres Saatgut. Dann sinken die Erträge, sagte Wolfgang. Nicht, wenn wir präziser arbeiten. Wir brauchen Ertragskartierung, Teilflächenmanagement. Wir brauchen kein neues Spielzeug. Wir brauchen weniger Schulden.
Aber die Schulden waren da und sie gingen nicht weg. 1993, der erste Zahlungsaufschub. Der Glasdominator hatte einen Motorschaden. 12000 Mark Reparaturmitten in der Ernte. Sie mussten einen Lohnunternehmer beauftragen, um fertig zu werden, noch einmal 8000 Mark. Die Tilgungsrate konnten sie nicht zahlen. Wolfgang fuhr zur Sparkasse, sprach mit Herrn Camper, dem Kreditreferenten.
Wir brauchen einen Aufschub. Nur dieses Jahr. Nächstes Jahr sieht es besser aus. Herr Camper blätterte durch die Unterlagen. Ihre Ertragslage ist angespannt. Die Getreide sind weitergefallen. Wann erwarten Sie eine Verbesserung? Die EU-Prämien werden steigen, sagte Markus, der mitgekommen war. Die Agenda 2000 wird die Direktzahlungen erhöhen.
Wir müssen nur durchhalten. Campper nickte langsam. Ich kann Ihnen dieses Jahr Stundung gewähren, aber die Zinsen laufen weiter und nächstes Jahr erwarte ich Tilgung plus Nachzahlung. Sie stimmten zu. Was blieben ihnen für Möglichkeiten? 1994 bis 1996 die Spirale. Jedes Jahr das gleiche Muster.
Die Erträge waren okay, manchmal sogar gut. Aber die Preise stagnierten oder vielen. Die Kosten stiegen. Diesel wurde teurer, Dünger wurde teurer, die Pacht stieg gestaffelt wie vereinbart. Jedes Jahr mussten sie zur Bank, um Stundungen zu verhandeln. Jedes Jahr wuchs der Schuldenberg ein bisschen mehr. Der Fend brauchte eine neue Kupplung, 8000 Mark.
Der John Deer bekam Motorprobleme, 15 000 Mark. Ein nasser Herbst verzögerte die Ernte, senkte die Qualität. 20.000 Mark minder erlös. Markus wurde dünner, nervöser. Er arbeitete 16 Stunden am Tag, reparierte nachts in der Werkstatt, fuhr morgens um 4 Uhr aufs Feld. Wolfgang wurde stiller. Er saß abends in der kleinen Wohnung, die sie in Templin gemietet hatten, und rechnete. Immer wieder rechnete er.
Die Schulden waren jetzt bei 900.000 Mark. Die Zinslast allein war 54 000 Mark pro Jahr, dass jeder Brief von der Bank euer Herz schneller schlagen lässt. Franz hatte recht gehabt. 1996 BSE. Die Rindersäuche kam aus England, aber sie traf ganz Europa. Die Rindfleischpreise kollabierten. Bachmann und Sohn hatte keine Rinder, aber der Getreidemarkt brach mit ein.
Futtermittel wurden weniger gebraucht, die Nachfrage sank, die Preise fielen. Winterweizen 200 Mark pro Tonne, dann 180 im Herbst 150. “Wir können so nicht weitermachen”, sagte Wolfgang im November. Sie saßen in der Bank zum siebten Mal in diesem Jahr. Herr Camper hatte jetzt einen Kollegen dabei, einen jüngeren Mann, der nichts sagte, aber alles aufschrieb.
“Herr Bachmann”, sagte Camper, und seine Stimme war nicht unfreundlich. Aber fest, sie haben jetzt fünf Jahre lang keine reguläre Tilgung geleistet. Ihre Schulden sind von 800.000 auf 96000 Mark gestiegen. Ihre Zinsdeckung ist unzureichend. Ich muss Sie fragen, wie soll das weitergehen? Markus beugte sich vor. Die Agenda 2000 wird die Situation verbessern.
Die Direktzahlungen, die Direktzahlungen sind keine Garantie, unterbrach Campper. Und selbst wenn sie kommen, reichen sie, um ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Schweigen. Ich muss Ihnen sagen, fuhr Kemperfordt, dass die Bank erwägt, den Kredit zu kündigen. Wir haben das Recht dazu, nach wiederholter Nichtzahlung.
Wenn Sie den Kredit kündigen, sagte Wolfgangleise, sind wir bankrott. Das ist mir bewusst. 1997, der Winter der Entscheidung. Sie ließen hundert Hektar Pachtfläche zurückgeben. Es tat weh, es fühlte sich an wie versagen, aber es senkte die Pacht um 15000 Mark pro Jahr. Sie verkauften den Fend Favorit und kauften dafür einen gebrauchten Deutzfah Agrotron für die Hälfte des Geldes.
Die Differenz ging an die Bank. Sie reduzierten den Dünger, nahmen billigeres Saatgut, verzichteten auf Fungizide. Die Erträge sankten auf 6 Tonnen pro Hektar. Markus war und sah aus wie 50. Wolfgang war 45 und hatte graue Haare bekommen. Eines Abends im Februar saß Wolfgang am Küchentisch und las zum hundert Mal den Brief seines Vaters.
Es gibt zwei Arten, einen Hof zu vergrößern. Mit eigenem Geld oder mit geliehenem Geld. Mit eigenem Geld wächst man langsam, aber sicher. Mit geliehenem Geld wächst man schnell, aber nur, solange alles gut geht. Er hat uns gewarnt”, sagte Wolfgang zu seinem Sohn. “Ich hätte den Brief lesen sollen, bevor wir unterschrieben haben.
” Markus saß da, die Hände um eine Kaffeetasse und sagte: “Nichts!” “Was würde Großvater tun?”, fragte er schließlich. Wolfgang dachte lange nach. Er würde akzeptieren, dass er einen Fehler gemacht hat und er würde den Schaden begrenzen. März 1998, die Lösung. Sie fanden einen Käufer für das Maschinenpaket, ein Lohnunternehmer aus Mecklenburg Vorpommern, der expandieren wollte.
Der John Deer, der Class Dominator, die gesamte Bodenbearbeitungs und Erntetechnik, erbot ihnen 350.000 Mark für alles. Es war weniger als die Hälfte dessen, was sie bezahlt hatten. Aber es war Geld. Mit dem Geld tilkten sie einen Teil der Schulden. Die Bank stimmte zu, den Rest zu strecken, wenn sie das Land zurückgaben.
Im April 1998, genau 7 Jahre nach der ersten Aussah, verließen Wolfgang und Markus Bachmann die Erermark. Sie fuhren zurück nachWestfalen, zu dem kleinen Hof, den Wolfgang verkauft hatte, aber den der neue Besitzer verpachten wollte. 38 Hektar, ein alter Fend Farmer 309, der noch lief. 20 Milchkühe, die noch produzierten, keine Schulden mehr, aber auch keine Ersparnisse.
7 Jahre Arbeit, 7 Jahre Kampf und am Ende waren sie ärmer als am Anfang. Epilog Sommer 1999. Markus stand auf dem kleinen Hof in Westfalen und sah zu, wiegang die Kühe von der Weide holte. 38 Hektar. Nach 450 fühlte es sich an wie ein Garten, aber es fühlte sich auch ruhig an. Keine nächtlichen Rechnereien mehr, keine Angst vor Briefen von der Bank, keine Überlegungen, ob der Regen zur richtigen Zeit kommt, weil davon abhängt, ob man die Rate zahlen kann.
Der Milchpreis war okay. Die Erträge waren bescheiden. Sie würden nie reich werden von diesem Hof, aber sie würden auch nicht ruiniert werden. Ich habe Großvaters Brief heute wieder gelesen sagte Markus. Wolfgang nickte. Ich auch. Oft. Er hatte recht mit allem. Ja. Sie standen schweigend da. Dann sagte Markus: “Hätten wir es anders machen können.
Damals 1991 war das überhaupt möglich, ohne Schulden nach Brandenburg zu gehen.” Wolfgang dachte nach, vielleicht langsamer, weniger Land, gebrauchte Technik vom Anfang. Erst 50 Hektar, dann hundert, dann mehr nur so weit, wie wir es aus dem Gewinn finanzieren konnten. Das hätte 20 Jahre gedauert. Ja, aber am Ende hätten wir 400 Hektar und keine Schulden gehabt.
Statt 7 Jahre lang 450 Hektar und danach 38. Markus nickte langsam. Die Gear war stärker als die Vernunft. Nicht Gear, sagte Wolfgang. Hoffnung, Ehrgeiz, der Glaube, dass wir es besser machen könnten als die Generation vor uns. Und jetzt Wolfgang lächelte zum ersten Mal seit langem ein echtes Lächeln. Jetzt machen wir es so, wie Großvater es gemacht hätte.
Klein, langsam, schuldenfrei. Er holte den Brief aus der Tasche, gefaltet und abgegriffen vom vielen lesen. “Weißt du was das Schlimmste war?”, sagte er. Nicht, daß wir gescheitert sind, sondern daß es hätten vermeiden können, wenn wir nur zugehört hätten.” Markus nahm den Brief: “Lass ihn noch einmal.” Die Worte seines Großvaters geschrieben 1970, als die Welt noch eine andere war.
Aber die Wahrheit darin war zeitlos. Ein Kredit ist keine Chance. Ein Kredit ist eine Kette. Ich werde das meinen Kindern weitergeben”, sagte Markus, und ich werde ihnen die Geschichte erzählen, damit sie nicht den gleichen Fehler machen. Wolfgang legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter. Das ist alles, was wir noch tun können.
Aus Fehlern lernen und die Lehre weitergeben. Über ihnen zogen Wolken auf. Nicht bedrohlich, nur normal Sommerwolken, die vielleicht Regen brachten, vielleicht auch nicht. Früher hätte Markus nervös zum Himmel gesehen, hätte gerechnet, ob sie noch zwei Tage Zeit hatten für die Ernte, ob eine Verzögerung die Tilgung gefährden würde.
Jetzt sah er einfach zu und dachte, es wird schon werden. Die Freiheit von der Schuld war keine Freiheit zum Reichtum, aber es war Freiheit zum Schlafen, Freiheit zum Leben, Freiheit ein Bauer zu sein und nicht der Knecht einer Bank. Franz Bachmann hatte es gewusst. Er hatte es vor dreig Jahren gewußt und es aufgeschrieben.
Wolfgang und Markus hatten lernen müssen, was er schon wusste. Aber jetzt wussten sie es auch. Wenn deine Familie in den 90ern ähnliche Entscheidungen treffen musste, ob in Ostdeutschland oder anderswo, dann erzähl mir davon. Habt ihr expandiert? Seid ihr vorsichtig geblieben? Habt ihr die Warnung der älteren Generation gehört? Oder erst später verstanden? Die Lektion über Schulden und Landwirtschaft ist nicht neu, aber jede Generation muss sie offenbar selbst lernen.
Manche überleben es, andere nicht. Wenn du mehr solcher Geschichten aus der deutschen Landwirtschaft hören willst, die guten, die schlechten, die harten Wahrheiten, dann abonniere diesen Kanal. Es sind nicht nur Geschichten über Traktoren und Erträge, es sind Geschichten über Menschen, Familien und die Entscheidungen, die ein Leben prägen.
News
Peter Maffay was at a concert when Dieter Bohlen said “Your time is over” — 2 minutes later DD
Deine Zeit ist vorbei, Peter. Jetzt ist die Ehre des modernen Pop. Diese Worte sprach Dieter Bohen 30 Minuten vor…
Polizist demütigt Mann im Café er wusste nicht, dass es die Legende Chuck Norris höchstperönlich war DD
1 er betrat 1 Cafe wie 1 gewöhnlicher Kunde aber 1 Polizist beschloss ihn zu demütigen und schlug ihm 1…
Wie kanadische Scharfschützen so präzise waren, dass die Deutschen sie für Hexerei hielten. DD
November 1943, Morrow River, Tal, Italien. Hauptmann Ernst Vber presste seinen Rücken gegen die kalte Steinmauer des Bauernhauses, sein Atem…
What Dönitz Ordered in His 23 Days as Führer DD
Am ersten Mai 1945 saß ein 63-jähriger Marineoffizier in einem provisorischen Hauptquartier in Norddeutschland und las ein Telegramm, das ihn…
Wie das „harmlose“ Fahrrad eines 14-jährigen Mädchens Dutzende Nazi-Offiziere tötete
Eine Parkbank in Harlem, Niederlande, 1943. Ein Teenager-Mädchen mit geflochtenen Zöpfen nähert sich einer allein sitzenden Frau. Sie sieht aus…
Fendt-Händler nannte ihn dumm den alten Eicher zu behalten… 10 Jahre später hatte er noch seinen Hof DD
Der Frühlingstag im April 1978 warm und sonnig über den Weinbergen bei Heilbronn. Ernst Wagner stand auf seinem Hof in…
End of content
No more pages to load






