Merz’ 200-Milliarden-Euro-Eklat: Wie ein Kanzlerkandidat die Bundestagsmehrheit brüskiert und Deutschland in ein beispielloses Risiko stürzt

Ein Affront gegen das Parlament

Die deutsche Politiklandschaft wird von einem beispiellosen Skandal erschüttert, der die Grundpfeiler der parlamentarischen Demokratie in Frage stellt. Im Zentrum der Kontroverse steht Friedrich Merz, der einflussreiche Oppositionsführer und potenzielle Kanzlerkandidat, dessen jüngstes Handeln eine offene Missachtung des Willens der Bundestagsmehrheit darstellt. Die Ereignisse des betreffenden Freitags, an dem im Deutschen Bundestag über essentielle Fragen der Rentenreform und der Wehrpflicht entschieden wurde, wurden überschattet von einer Abstimmung, deren Ergebnis nur Stunden später von einem Spitzenpolitiker eklatant ignoriert wurde. Merz’ Reise nach Belgien und die dort getroffenen Zusagen zur Mobilisierung eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine, geschehen im direkten Widerspruch zum demokratisch festgelegten Votum, wirft die dringende Frage auf, ob hier Arroganz oder ein tiefgreifendes Unverständnis für das demokratische Gebaren vorherrscht. Es ist ein Vorgehen, das nicht nur die Autorität des Parlaments untergräbt, sondern auch Hunderte von Milliarden Euro an Risiko auf die Schultern der deutschen Steuerzahler lädt.

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Das Brüsseler Versprechen und die Last der 200 Milliarden

Die Details des Geschehens sind alarmierend. Während die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in Berlin ihre Stimmen abgaben, war Friedrich Merz bereits auf dem Weg nach Belgien, um dort auf europäischer Ebene Fakten zu schaffen. Sein Ziel: die Beschlagnahmung und Mobilisierung der eingefrorenen russischen Staatsvermögen, die auf geschätzte 200 bis 210 Milliarden Euro beziffert werden und hauptsächlich beim belgischen Brokerhaus Euroclear liegen. Merz traf sich mit Schlüsselpersonen, darunter höchstwahrscheinlich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und weitere Entscheidungsträger, um für die Bereitstellung dieser Gelder in Form eines Reparationskredits für die Ukraine zu werben.

Seine Zusage in Brüssel war weitreichend und potenziell katastrophal für die deutschen Staatsfinanzen: Merz versprach, dass Deutschland bereit sei, im Falle eines Misserfolgs oder juristischer Komplikationen, den größten Teil des Risikos für die gesamten 200 Milliarden Euro einzustehen. Eine solche Garantie würde die deutschen Steuerzahler unmittelbar zu den Hauptgaranten für einen Kredit machen, dessen rechtliche Grundlage international umstritten ist. Die Drohung, dass Deutschland – und damit der Steuerzahler – letztendlich für diesen enormen Betrag bürgen würde, wurde in Brüssel unmissverständlich kommuniziert. Merz ging in seiner Entschlossenheit sogar so weit, dem belgischen Brokerhaus Euroclear im Falle von Schwierigkeiten einen Umzug nach Berlin anzubieten – eine Geste, die die Bereitschaft Deutschlands untermauerte, die gesamte Verantwortung zu übernehmen und das finanzielle Risiko zentral zu bündeln. Dies ist ein beispielloser Akt der Exekutiv-Selbstermächtigung ohne jegliches parlamentarisches Mandat.

Vor der Presse in Brüssel trat Merz in der Folge nochmals auf, um seine Position unmissverständlich klarzustellen: Die eingefrorenen russischen Vermögenswerte müssten zur Verfügung gestellt werden. Diese kommunikative Offensive wurde gestartet, wohlwissend, dass zeitgleich in Berlin eine wegweisende Entscheidung über genau diesen Sachverhalt gefallen war. Das Ergebnis dieser Entscheidung war jedoch ein kategorisches, klares Nein.

Die Macht der Mehrheit ignoriert

Die Abstimmung im Deutschen Bundestag betraf einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Unter dem Titel „Eingefrorenes russisches Staatsvermögen der Ukraine vollumfänglich zur Verfügung stellen“ forderten die Grünen die Bundesregierung auf, sich im Rahmen der G7-Verabredungen dafür einzusetzen, dass die ca. 210 Milliarden Euro russischen Vermögens der Ukraine zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Grünen, die sich historisch als Friedenspartei positionierten, demonstrierten hier einmal mehr ihren Wandel hin zu einer der aktivsten Verfechterinnen der ukrainischen Sache – eine Entwicklung, die von Beobachtern mit Befremden zur Kenntnis genommen wird.

Das Abstimmungsergebnis war jedoch eine klare Ohrfeige für diesen Vorschlag und indirekt für Merz’ Brüsseler Vorstoß. Von 584 abgegebenen Stimmen votierten 454 Abgeordnete gegen den Antrag der Grünen. Lediglich 77 Parlamentarier stimmten dafür, während 53 Abgeordnete, größtenteils aus den Reihen der Linken, sich enthielten. Diese Zahlen sind eindeutig: Eine überwältigende Mehrheit des Deutschen Bundestages, einschließlich der Abgeordneten der Regierungskoalition, sprach sich gegen die sofortige und vollumfängliche Bereitstellung der eingefrorenen Vermögenswerte aus. Dies bedeutet im Klartext, dass die meisten Bundestagsabgeordneten Merz’ Vorgehen, Deutschland als Hauptrisikoträger für 200 Milliarden Euro zu positionieren, ablehnen.

Es ist nicht nur ein Veto gegen den Antrag der Grünen; es ist ein Veto gegen Merz’ außenpolitische Agenda und seinen Alleingang auf internationalem Parkett. Die Bundestagsabgeordneten, die qua Amt die Interessen der Bürger und die finanzielle Stabilität des Landes vertreten, haben eine klare Grenze gezogen. Merz hingegen hat diese Grenze überschritten, indem er die deutsche Risikoübernahme für 200 Milliarden Euro zugesagt hat. Dieses Handeln legt eine erschreckende Diskrepanz zwischen dem politischen Führungsanspruch und der demokratischen Legitimation offen.

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Arroganz der Macht oder demokratischer Kollaps?

Dass Merz von diesem Abstimmungsergebnis erfahren haben muss, steht außer Frage. Und dennoch setzte er sich darüber hinweg. Dies ist nicht nur eine Frage der politischen Etikette, sondern berührt den Kern der demokratischen Ordnung. Kann sich ein Spitzenpolitiker, der das höchste Regierungsamt anstrebt, einfach über den expliziten Willen des Gesetzgebers – der Vertretung des Volkes – hinwegsetzen? Die Kritiker sind sich einig: Ein solches Gebaren ist alles andere als demokratisch und zeugt von einer Überheblichkeit, die die Verfassungsorgane des Landes brüskiert.

Das Ignorieren des Bundestagsbeschlusses steht in einer Reihe mit weiteren, ebenso gewichtigen Vorbehalten. Merz ignorierte nicht nur die politische Mehrheit, sondern auch die Warnungen zentraler internationaler Finanzinstitutionen. Sowohl Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) haben sich in der Vergangenheit deutlich gegen die Beschlagnahmung und Verwendung der russischen Vermögenswerte in der vorgeschlagenen Form ausgesprochen. Die Befürchtung ist, dass ein solcher Präzedenzfall das Vertrauen in die Rechtssicherheit des globalen Finanzsystems untergraben und andere Staaten dazu veranlassen könnte, ihre Reserven aus westlichen Ländern abzuziehen, was zu einer massiven Kapitalflucht führen könnte. Merz, der sich als Wirtschaftsexperte inszeniert, scheint diese fundamentalen Bedenken entweder nicht zu verstehen oder bewusst in Kauf zu nehmen, um eine außenpolitische Agenda zu verfolgen, die von der Mehrheit seiner eigenen Regierung und des Parlaments nicht mitgetragen wird.

Die Implikationen für die deutsche Souveränität sind gravierend. Die Zusage, die Hauptlast eines 200-Milliarden-Risikos zu tragen, bindet Deutschland auf Jahre hinaus finanziell und politisch. Sie macht das Land zum Hauptschuldner in einem völkerrechtlich und finanztechnisch ungesicherten Verfahren. Die Verlockung, die Vermögenswerte für die Ukraine zu mobilisieren, mag moralisch verständlich erscheinen, doch Merz’ Vorgehen missachtet nicht nur die innerstaatliche demokratische Kontrolle, sondern auch die Prinzipien der finanziellen Vorsicht, die von globalen Finanzexperten vehement eingefordert werden. Die Frage ist, inwieweit der Wunsch nach außenpolitischer Profilierung über das Wohl und die finanzielle Sicherheit der eigenen Bürger gestellt wird.

Die zweite Klatsche und die Anti-Russland-Obsession

Die Grünen erlitten an diesem Tag im Bundestag noch eine zweite, ebenso deutliche Abstimmungsniederlage, die das Bild ihrer fast obsessiven Haltung gegenüber allem Russischen abrundet. Sie brachten einen weiteren Antrag ein, der forderte, die Zusammenarbeit zwischen russischen Unternehmen und der deutschen Kernbrennstofffabrik in Lingen zu unterbinden. Es geht hierbei um die Anlage Advanced Nuclear Fuels, einer Tochtergesellschaft des französischen Unternehmens Framatome, die Berichten zufolge mit russischen Unternehmen kooperiert.

Die Grünen wollten diesen Geschäftsbetrieb aus ideologischen Gründen stoppen und damit aktiv dem „Russen Schaden zufügen“, wie es im kritischen Duktus der Beobachter heißt, ungeachtet der wirtschaftlichen Konsequenzen. Sie ignorierten dabei die möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in Lingen und die ökonomische Logik, die hinter solchen Kooperationen steht. Doch auch hier gab es eine „ordentliche Klatsche“. Erneut stimmten 454 Abgeordnete gegen den Vorschlag der Grünen, während nur 130 dafür votierten. Die Mehrheit des Bundestages demonstrierte damit, dass sie weder die völkerrechtlich und finanzpolitisch riskante Mobilisierung der russischen Vermögenswerte befürwortet, noch die sofortige Beendigung ökonomisch sinnvoller, wenn auch ideologisch umstrittener, Geschäftsbeziehungen im Nuklearsektor.

Diese beiden Abstimmungsergebnisse legen ein politisches Muster offen: Die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten, die ja größtenteils die Regierung stellt, ist in diesen Fragen deutlich vorsichtiger und differenzierter als die aggressiven Forderungen eines Teils der Opposition (Grüne) und die forschen Alleingänge eines potenziellen Kanzlers (Merz). Der Widerspruch zwischen dem parlamentarischen Willen und der Exekutiv- oder Führungsanspruchshaltung Merz’ könnte kaum größer sein.

FAZ-Gastbeitrag von Friedrich Merz: Russisches Vermögen für die Ukraine  nutzen | FAZ

Der Ruf nach Rechenschaft und die Zukunft der Demokratie

Die Frage, die sich nun mit beklemmender Dringlichkeit stellt, ist: Ist Merz’ Vorgehen nur Arroganz oder ist es ein gefährlicher Präzedenzfall, der die demokratischen Mechanismen des Landes aushöhlt? Merz hat durch seine Zusagen in Belgien Deutschland in eine verheerende finanzielle Risikoposition gebracht – eine Verpflichtung, die faktisch ohne parlamentarisches Mandat eingegangen wurde und die den Willen der Mehrheit des Parlaments ignoriert. Diese Handlungsweise ist ein direkter Angriff auf die Legislative, die das Budgetrecht und somit die Souveränität des deutschen Staates in finanziellen Fragen innehat.

Die Interessen des Deutschen Bundestages, die Merz als führender Politiker der Opposition zumindest respektieren müsste, wurden mit Füßen getreten. In einer Zeit, in der Vertrauen in die politischen Institutionen ohnehin fragil ist, sendet ein solches Vorgehen ein verheerendes Signal an die Öffentlichkeit: Die Entscheidungen, die in Berlin getroffen werden, sind weniger wichtig als die Deals, die im Hinterzimmer in Brüssel oder Antwerpen geschmiedet werden. Das Desinteresse Merz’ an den Bedenken seiner eigenen Abgeordneten und der internationalen Finanzelite legt eine Kultur der politischen Ignoranz offen, die in einer gefestigten Demokratie keinen Platz haben sollte.

Der Eklat um Merz’ Alleingang ist mehr als ein politisches Geplänkel; es ist eine Zerreißprobe für das demokratische Selbstverständnis Deutschlands. Es muss eine Rechenschaftspflicht dafür geben, wie ein Politiker sich über einen so klaren parlamentarischen Beschluss hinwegsetzen kann, und wer die Haftung für die versprochenen 200 Milliarden Euro am Ende tatsächlich trägt. Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, hängt der Vorwurf des antidemokratischen Gebarens wie ein dunkler Schatten über der politischen Integrität von Friedrich Merz und stellt die Glaubwürdigkeit der deutschen Politik in Europa infrage. Ein Staat, dessen Führung die Mehrheit des eigenen Parlaments ignoriert, kann kaum erwarten, dass seine Partner in Brüssel oder Washington ihn als verlässlichen und demokratisch verankerten Akteur wahrnehmen. Die Uhr tickt, und die Kosten dieses Alleingangs könnten für Deutschland und seine Bürger exorbitant hoch werden. Dieses Vorgehen wird in die Annalen der Bundesrepublik als ein Moment eingehen, in dem die Missachtung der parlamentarischen Gewalt einen gefährlichen Höhepunkt erreichte. Es bleibt abzuwarten, wie die politischen Kräfte in Berlin auf diesen offenen Affront reagieren werden und welche Konsequenzen dieser Eklat für die zukünftige Kanzlerkandidatur von Merz haben wird.