Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe in der deutschen Handwerkslandschaft. Was bisher nur als abstrakte politische Diskussion in den Berliner Hinterzimmern galt, erreicht nun mit voller Wucht die Realität der mittelständischen Betriebe. Die Handwerkskammer Freiburg hat in Zusammenarbeit mit der Dachorganisation der Handwerkskammern in Baden-Württemberg ein Informationspaket geschnürt, das Betriebsinhabern und Handwerksmeistern einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Unter dem Deckmantel der „vorausblickenden Orientierung“ werden Szenarien entworfen, die man in Deutschland seit Jahrzehnten für unmöglich gehalten hat: Der mögliche Kriegsfall auf eigenem Boden und die damit einhergehende Mobilmachung der zivilen Wirtschaft.

Die Journalistin Ille von der Plattform „Warum.kritisch“ hat dieses brisante Dokument, das zuerst durch die Recherchen von Alexander Wallasch an die Öffentlichkeit gelangte, einer detaillierten Analyse unterzogen. Die Ergebnisse sind erschütternd und zeichnen das Bild einer Gesellschaft, die sich am Vorabend massiver staatlicher Eingriffe befindet. Der sogenannte „Operationsplan Deutschland“ sieht vor, dass Handwerksbetriebe im Ernstfall nicht mehr über ihr Eigentum verfügen können, wie sie es gewohnt sind. Es geht um die Vorbereitung auf den „Tag X“, an dem die friedliche Ordnung einer harten Kriegswirtschaft weichen muss.

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Das Informationspapier beginnt mit einer Sprache, die keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit lässt. Es wird unmissverständlich klargestellt, dass die Regierung im Verteidigungsfall das Recht hat, auf sämtliche Betriebsmittel zuzugreifen. Maschinen, Fahrzeuge, Werkstatteinrichtungen und sogar Unterkünfte können ohne vorherige Rücksprache requiriert werden. Zwar wird eine „marktübliche Entschädigung“ versprochen, doch der Eingriff in das Privateigentum und die unternehmerische Freiheit wäre total. Besonders alarmierend: Mitarbeiter in „lebenswichtigen Bereichen“ können sofort zwangsverpflichtet werden. In diesem Moment ruht das normale Arbeitsverhältnis, und der Handwerker wird zum Rädchen im Getriebe der Landesverteidigung.

Doch die Pläne gehen noch weiter. Handwerksbetriebe entlang strategischer Aufmarschrouten der NATO sollen darauf vorbereitet sein, Durchfahrstruppen logistisch zu unterstützen. Konkret bedeutet das für den Bäcker an der Bundesstraße: Er muss Brot und Brötchen für die vorbeiziehenden Panzerverbände bereitstellen. Der Metzger wird zum Proviantmeister, der Infrastrukturbetreiber stellt seine Hallen als Notquartiere zur Verfügung. Die Kammer empfiehlt den Betrieben sogar explizit, ihren Mitarbeitern LKW-Führerscheine zu finanzieren – ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass genau diese Fachkräfte im Mobilisierungsfall als Erste eingezogen werden könnten, um militärische Transportaufgaben zu übernehmen.

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Ein weiterer zentraler Punkt des Dokuments betrifft die Autarkie der Betriebe. In Erwartung großflächiger Infrastrukturausfälle wird dringend zur Anschaffung von Dieselgeneratoren geraten. Betriebe sollen in der Lage sein, Stromausfälle von mehr als 72 Stunden aus eigener Kraft zu überbrücken. Dass dies mit enormen Zusatzkosten für die ohnehin schon gebeutelten Handwerksmeister verbunden ist, scheint in der politischen Abwägung keine Rolle zu spielen. Hinzu kommen Forderungen nach Schulungen in „Notfallkommunikation“. Ob damit das Erlernen von Funkdisziplin oder gar das Morse-Alphabet gemeint ist, bleibt im Vagen, unterstreicht aber die archaische Härte der erwarteten Szenarien.

In einer beigefügten Checkliste werden die Meister aufgefordert, „Schlüsselpersonen“ auf ihre Unabkömmlichkeit zu prüfen und entsprechende Nachweise für die Behörden vorzubereiten. Es geht um die totale Erfassung der menschlichen und materiellen Ressourcen. Auch die IT-Sicherheit rückt in den Fokus: Schutz gegen Cyberangriffe ist im hybriden Krieg keine Option mehr, sondern eine Überlebensnotwendigkeit für jeden Betrieb, der Teil des „kritischen Dachgesetzes“ werden könnte.

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Das Papier schließt mit der Feststellung, dass die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit nun an der „Spitze der politischen Agenda“ stehe und die Wirtschaft ihren Beitrag leisten müsse. Was hier als patriotische Pflicht verkauft wird, empfinden viele Handwerker als existenzielle Bedrohung. In einer Zeit, in der viele Betriebe bereits mit hohen Energiekosten, Fachkräftemangel und bürokratischen Hürden kämpfen, wirkt die zusätzliche Last der Kriegsvorbereitung wie ein Mühlstein um den Hals des Mittelstandes.

Es bleibt die bange Frage, ob dieses Dokument aus Baden-Württemberg nur der Vorbote einer bundesweiten Kampagne ist. Vieles deutet darauf hin, dass die Handwerkskammern hier als verlängerter Arm der Regierung agieren, um die Bevölkerung psychologisch auf eine Zeit einzustimmen, in der Individualität und Eigentum dem Staatswohl untergeordnet werden. Die sachliche Nüchternheit des Papiers kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel vorbereitet wird – weg von der sozialen Marktwirtschaft, hin zu einer staatlich gelenkten Versorgungsstruktur im Schatten eines drohenden Konflikts. Es ist höchste Zeit, dass über diese Pläne eine offene und kritische Debatte geführt wird, bevor Fakten geschaffen werden, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.