Im gleißenden, unerbittlichen Licht der Bühnen von Los Angeles war er eine fast überirdische Erscheinung, eine Gestalt von kühler Eleganz und aristokratischer Distanz. David Bowiy in der Rolle seiner vielleicht faszinierendsten und zugleich kältesten Schöpfung, dem Thuke. Sein Name war ein Versprechen, ein Mythos, geflüstert in den Konzerthallen und schillernden Clubs der ganzen Welt.
Er war nicht bloß ein Sänger, er war ein kulturelles Phänomen, ein Chamäon, das den Klang und das Aussehen der 1970er Jahre nach seinem Willen formte. Ein unantastbarer Künstler, dessen jede Bewegung von Millionen von Anhängern kultisch verehrt wurde. Er schien auf dem absoluten Gipfel der Welt zu tronen.
Ein Meister der Selbstinszenierung in einem Reich, das er selbst erschaffen hatte. Doch dieser schillernde Halbgott war eine Vater Morgana, ein brillantes Trugbild, das von innen herauszerfiel und kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch stand. Ein abrupter Schnitt, der uns aus der sonnengetränkten Künstlichkeit Kaliforniens reißt.
Es ist der Herbst des Jahres 1967. Ein zugiger Bahnsteig am Bahnhof Zoo im geteilten Westberlin. Die Luft ist erfüllt von feuchter Kälte und dem Geruch von Kohle und nassem Beton. Aus dem Inneren eines Zuges tritt ein Mann, der nur noch einen Schatten seiner selbst ist. Hohlwangig, zerbrechlich, mit einem gehetzten Blick, der die Gesichter der Menge absucht, als fürchte er etwas, das nur er sehen kann.
Hier inmitten des geschäftigen Treibens einer fremden Stadt ist er niemand. Der König des Glam Rock, der Thin White Duke, ist verschwunden. Übrig geblieben ist nur David Jones, ein Mann auf der Flucht. Wie gerätt ein Mensch, der Herrscharen von Anhängern befähligt, zum Gefangenen seines eigenen Spiegelbildes? Welche verborgene Wunde schwert hinter der diamantscharfen Perfektion einer globalen Ikone.
Es war eine Flucht vor dem erstickenden Gift des Ruhs vor einem goldenen Käfig, der ihm zwar alles gab, ihm aber seine Seele raubte. Es war eine Flucht vor den Schreien in der Stille, vor der lähmenden Paranoia, die ihn im Herzen der Finsternis im sonnigen Los Angeles zu verschlingen drohte. Er wählte Berlin nicht zufällig.
Er wählte eine Stadt, die selbst eine Narbe der Geschichte war, eine Insel der Freiheit im Roten Meer des Kommunismus. Hier suchte er keinen weiteren Applaus. Er suchte nach dem Recht, unsichtbar zu sein. Er suchte nach dem echten David Jones, der unter Schichten von Masken und Mythen begraben lag.
Dies war kein Karriereschritt. Es war der Beginn einer Reise zur Rettung. nicht im Rampenlicht, sondern in den grauen, heilenden Schatten einer Stadt am Rande der Welt. Um die Tiefe des Abgrunds zu verstehen, in den er blickte, müssen wir uns die schwindelerregende Höhe seines Aufstiegs vergegenwärtigen.
Die frühen 1970er Jahre waren eine Zeit des kulturellen Umbruchs, eine Welt, die nach neuen Helden und neuen Mythen dürstete und David Bowy gab ihr beides in einer einzigen schillernden Gestalt. Im Jahr 1972 landete nicht einfach nur ein Album in den Platten Läden, sondern eine ganze Lebensform von einem anderen Stern betrat die Bühne der Welt.
Mit dem Meisterwerk The Rise and Fall of Siggy Starters and the Spiders from Mars schuf Bowy nicht nur Musik, er erschuf eine vollständige messianische Erzählung, die den Nerv einer ganzen Generation traf. Sigi Stardust war mehr als eine exzentrische Bühnenfigur. Er war ein rothaariger androgünüer Prophet aus dem All, gesandt, um die Jugend durch die erlösende Kraft des Rock and Roll zu retten, nur fünf kurze Jahre bevor die Welt unweigerlich untergehen würde.
Für unzählige Jugendliche, die sich in der grauen Monotonie der Vorstädte gefangen fühlten, war diese Botschaft eine Offenbarung, ein Balsam für ihre suchenden Seelen. Boys Konzerte waren keine gewöhnlichen Auftritte mehr. Es waren ektatische, fast schon religiöse Versammlungen, bei denen die starren Grenzen zwischen männlich und weiblich, zwischen Realität und Fantasie vollständig aufgehoben wurden.
Jeder seiner Songs aus dieser Era vom hymnischen Starman bis zum rebellischen Rebel Rebel vom Nachfolgealbum Diamond Dogs war ein Funke der Befreiung eine Erlaubnis anders zu sein. Er verlie den Außenseitern und den Unverstandenen eine glamuröse, kraftvolle Stimme und wurde für sie zu einer Art Schutz heiligem des Andersseins.
Der internationale Ruhm war eine unaufhaltsame Lawine. Von den Theatern in London bis zum Budokan in Tokyo wurde er als Kultfigur verehrt. Ein Idol, dessen Einfluss weit über die Musik hinausging und Mode, Kunst und die gesellschaftliche Diskussion über Identität prägte. Doch für den Schöpfer selbst wurde die Figur, die er so brillant entworfen hatte, langsam zu einem goldenen Gefängnis.
Die anfängliche Freude und der Rausch des Erfolgs wichen dem erdrückenden Druck dieser außerirdische Rockstar 24 Stunden am Tag sein zu müssen und die Trennlinie zwischen dem Menschen David Jones und der Kunstfigur Sigi Stardust begann gefährlich zu verschwimmen. Nachdem er Siggi in einem dramatischen Akt des Bühnenselbstmordes im Juli 1973 sterben ließ, wandte er sich Amerika zu dem Epizentrum der Musikindustrie.
Dort, wo andere Künstler scheiterten, erfand er sich erneut vollständig neu. Er tauchte tief ein in die Welt des amerikanischen Soul und Funk und landete mit dem Album Young Americans und der Single Fame, die er gemeinsam mit der Musiklegende John Lennon schrieb, 1975 seinen allerersten Nummer 1 Hit in den Vereinigten Staaten.
Er war nun kein britischer Kultstar mehr, er war ein globaler Superstar, ein garantierter Erfolg, dessen Gesicht die Titelseiten der größten Magazine schmückte. Die Öffentlichkeit sah einen Engel des Wandels, ein unfehlbares Genie. Auf diesem absoluten Gipfel des kommerziellen Erfolgs erschuf er seine letzte große Persona vor seiner Flucht nach Berlin, den Thuke.
Eng verbunden mit dem Album Station to Station von 197 war der Duke das genaue Gegenteil von Sigis farbenfroher Theatralik. Er war ein markellos gekleideter, unterkühlter europäischer Aristokrat, der mit leerem Blick über Liebe, Mystik und die Abgründe der menschlichen Seele sang. Das Publikum sah einen Künstler auf dem Zenit seiner kreativen Kraft unantastbar und intellektuell überlegen.
Doch im grellen Rampenlicht, dass diese perfekte eiskalte Fassade beleuchtete, spürte er bereits den ersten Druck der Lehre, die sich hinter seinen Augen ausbreitete. Die Welt applaudierte einem perfekten Bild, während der Mann dahinter langsam unsichtbar wurde. Während die Welt den markellosen, unnahbaren Thühne vergötterte, spielte sich hinter den Kulissen ein leises, aber umso entsetzlicheres Drama ab die Stadt der Engel.
Los Angeles wurde für David Jones zu einem persönlichen Fegefeuer, einem sonnengetränkten Albtraum. Es war der Ort, an dem sein amerikanischer Traum wahr wurde und gleichzeitig der Ort, an dem seine Seele systematisch zu zerbrechen drohte. Hier fand er nicht nur seinen ersten Nummer 1 Hit, sondern auch die Substanz, die seine Kreativität in fieberhafte Höhen trieb und ihn gleichzeitig in den tiefsten Abgrund des Wahnsinns stürzte.
Kokain, das weiße Pulver, das in den Kreisen von Hollywood allgegenwärtig war, wurde zu seinem ständigen Begleiter. Es war der Treibstoff für schlaflose Nächte und tagelange manische Schaffensphasen, aber es war auch das Gift, das eine zersetzende Paranoia in seinem Geist nährte und ihn von der Realität abkoppelte. Sein Leben verlor jede Struktur und wurde zu einer bizarren Routine des körperlichen und seelischen Verfalls.
Seine Ernährung war ein erschütterndes Zeugnis seines Zustands. Berichten zufolge lebte er fast ausschließlich von einem unheilvollen Dreiklang aus kalter Milch, rohen Paprika und Kokain. Er magerte bis auf die Knochen ab. Sein ohnehin schon schlanker Körper wurde zu einer zerbrechlichen, fast durchsichtigen Hülle.
Er bewohnte ein gemietetes Haus in den Hügeln von Hollywood. Doch es war kein zu Hause, es war ein abgedunkelter Bunker. Die Vorhänge blieben Tag und Nacht fest zugezogen. Das gleißende kalifornische Sonnenlicht wurde zu einem Feind, den es auszusperren galt. Er verlor jedes Gefühl für die Zeit, gefangen in einem endlosen Kreislauf aus Arbeit und Warnvorstellungen, während die reale Welt da draußen aufhörte, für ihn zu existieren.
Dieser völlige Verlust eines normalen Lebens, ohne die einfachen Routinen des Alltags, schuf ein Vakuum. dass die Drogen nur zu gerne füllten. Die Droge zerfrasß nicht nur seinen Körper, sondern eroberte auch seinen Geist. Er versank in einer tiefen, obsessiven Faszination für das Okkulte und die dunklen Künste, sah überall geheime Zeichen, Verschwörungen und unsichtbare Bedrohungen.
Er lebte in dem festen paranoiden Glauben von Hexen verfolgt zu werden, die es auf ihn abgesehen hatten. Dieser Warn für ihn so real, dass er sein eigenes Haus in eine Festung gegen diese Mächte verwandelte und Schutz in mystischen Symbolen suchte, die er überall zeichnete. Vertrauen in die Menschen um ihn herum zerfiel zu Staub.
Er isolierte sich fast vollständig, denn jeder Freund, jeder Mitarbeiter konnte ein potenzieller Feind, ein Spion in seinem Reich der Angst sein. Der Mann, der so brillant mit Masken und Identitäten gespielt hatte, stand nun vor dem erschreckenden Abgrund, seine eigene nicht mehr zu erkennen. Das Album Station to Station, das in dieser dunklen Periode entstand, ist das brillante, aber zutiefst beunruhigende Dokument dieses Zusammenbruchs.
Die Musik ist kalt, distanziert und doch voller emotionaler Risse. Die Texte handeln von spiritueller Sehnsucht und einer existentiellen Lehre. Der Tholle mehr, die er spielte. Er war zudem geworden, was von David Bowwiy übrig war. Eine leere, elegante Schale. Das Tragische war, dass die Industrie, die ihn feierte, diesem Verfall tatenlos zusah.
Solange das Genie funktionierte und Meisterwerke ablieferte, schien niemand die Frage zu stellen, welchen Preis der Mensch dafür zahlte. Der Feind war kein böser Manager. Der Feind war das System des Ruhms selbst, das ihn zu einem Produkt gemacht hatte und nun drohte den Menschen dahinter vollständig zu verschlingen. Die größte Tragödie in David Bowwiy Leben zu dieser Zeit war kein einzelner explosiver Skandal, der über Nacht in den Zeitungen explodierte.
Es war viel mehr der öffentliche Höhepunkt eines stillen, schleichenden Kollapses, der sich monatelang hinter den verschlossenen Türen seines Anwesens in Hollywood abgespielt hatte. Die wahre Krise war der langsame Tod seiner Persönlichkeit. ein Verfall, der von Drogen und Isolation angetrieben wurde. Doch jede private Hölle findet irgendwann einen Weg, an die Oberfläche zu dringen.
Und als es geschah, nahm es die Form eines verheerenden öffentlichen Skandals an, der seinen Ruf zu zerstören drohte und ihn endgültig an den Rand des Abgrunds stieß. Im Mai des Jahres 1976, nach dem kräftezäherenden Ende seiner Station to Station Tour kehrte ein körperlich und seelisch ausgemergelter Boey nach Großbritannien zurück.
Bei seiner Ankunft am Londoner Victoria Bahnhof sitzend in einem offenen Mercedes Cabriolet grüßte er die wartende Menge seiner Fans. In diesem Moment in einem Bruchteil einer Sekunde hielt ein Fotograf eine Bewegung fest, die eine fatale Ähnlichkeit mit einem faschistischen Gruß hatte. Das Bild war eine visuelle Bombe.
Obwohl Boy dies sein Leben lang Wehement bestritt und es als eine unglücklich eingefangene Bewegung im Fluss des Winkens abtat, war der Schaden nicht mehr zu beheben. Die Reaktion der britischen und internationalen Presse war unmittelbar und brutal. Das Foto löste einen Lauffeuer der Empung aus. Die Medien, die ihn einst als genialen Künstler gefeiert hatten, stellten ihn nun als Sympathisanten des Nationalsozialismus dar.
Für einen Mann, der bereits in den Fängen einer tiefen Paranoia gefangen war, muss diese öffentliche Verurteilung wie die Bestätigung seiner schlimmsten Ängste gewirkt haben. Die Welt, so schien es ihm, hatte sich nun endgültig gegen ihn verschworen. Er fühlte sich im Stich gelassen, desorientiert und in seinem alten Image gefangen, dass er nicht mehr kontrollieren konnte.
Der Skandal vergiftete alles. Die kühle aristokratische Fassade des Thin White Duke wirkte plötzlich nicht mehr nur distanziert, sondern unheilvoll und finster. Es war nicht mehr nur eine künstlerische Maske, es war ein Stigma. Diese öffentliche Anklage war der letzte Nagel zu dem Sarg, den seine Drogensucht für ihn gezimmert hatte.

Er war nun an einem Punkt angelangt, an dem es kein zurück mehr gab. Er musste nicht nur vor den Drogen fliehen, sondern auch vor dem unerträglichen Gewicht seines eigenen Ruhms und dem toxischen Bild, das die Welt von ihm hatte. Die Flucht war nicht länger eine Option, sie war eine absolute Notwendigkeit.
Berlin, eine Stadt, die selbst mit den Dämonen der deutschen Geschichte rang, schien der einzige Ort auf der Welt zu sein, der dunkel genug war, um sich zu verstecken und gleichzeitig genug Lichtboot, um eine Wiedergeburt zu ermöglichen. In Berlin brach David Bowwiy sein Schweigen nicht mit einem lauten öffentlichen Paugenschlag.
Es gab keine skandalösen Interviews, keine Anklagereden, keine öffentliche Konfrontation mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Sein Schweigen brach auf eine viel tiefere, kraftvollere Weise. Er brach es mit der reinsten Form der Wahrheit, die er kannte, mit Musik. Der Moment seiner Wiedergeburt war kein lauter Schrei, sondern das leise, aber entschlossene Atmen wiedergefundenen Kreativität.
Er fand eine neue Heimat, fernab vom Glammer und der Oberflächlichkeit Hollywoods. Zusammen mit seinem Freund und Leidensgenossen Iggy Pop zog er in eine geräumige, aber unscheinbare Altbauwohnung in der Hauptstraße 155 in Schöneberg. Ein Ort, der so normal war, dass er für Bowy exotisch wirkte.
Hier über einem Autoteilegeschäft war er nicht mehr der unantastbare Superstar. Er war einfach nur David Jones ein Nachbar. Er genoss diese neuewonnene Anonymität wie ein kostbares Elixier. Er fuhr mit dem Fahrrad durch die Straßen, besuchte ungestört das Brückemuseum, um die Werke der deutschen Expressionisten zu studieren und verbrachte Stunden in den Buchläden am Kurfürstendamm.
Die Normalität der Stadt, ihre rauhe, ungeschönte Ehrlichkeit war das Gegengift, das er so dringend gebraucht hatte. Der wahre Wendepunkt, Der Moment der emotionalen Entladung kam jedoch an einem Ort, der selbst ein stummer Zeuge der Geschichte war, den legendären Hansa Studios.
Wegen seiner Lage nur einen Steinwurf von der Berliner Mauer entfernt, wurde es ehrfürchtig The Hall by The Wall genannt. Von den Fenstern des riesigen holgetäfelten Aufnahmesaals aus konnte man direkt auf die grauen Betonplatten, den Stacheldraht und die Wachtürme des Todesstreifens blicken. Diese ständige stille Präsenz der Teilung sickerte in jede Note, die in diesen Wänden aufgenommen wurde.
Und dann geschah es. An einem Nachmittag während der Aufnahmen zum Album Heroes blickte Boey aus dem Fenster des Studios und wurde Zeuge einer kleinen fast unscheinbaren Szene. Dort unten im Schatten der Mauer sah er seinen Produzenten und Freund Tony Visconti, wie er heimlich eine deutsche Backgroundsängerin namens Antonia Mars küste.
In diesem einen Bild verdichtete sich alles, was Berlin für ihn bedeutete. war ein kleiner intimer Akt der Liebe und der Hoffnung, vollzogen an einem Ort, der das weltweite Symbol für Hass und Trennung war. Ein kurzer gestohlener Moment der Schönheit, der sich der brutalen Realität der Politik widersetzte. Diese eine Szene wurde zum Zündfunken, zur Kates.
Er eilte zurück ins Studio und schrieb den unsterblichen Text zu Heroes. Es war seine öffentliche Konfrontation aber nicht mit Person, sondern mit dem System, das ihn fast zerstört hatte. Er nannte keine Namen von Managern oder Kritikern. Stattdessen konfrontierte er die Lehre, des Thin White Duke und das kalte unpersönliche System des Ruhs, indem er ihnen die Wärme einer menschlichen Geste entgegensetzte.
Mit der Veröffentlichung der Alben Low und Heroes im Jahr 1977 war das Schweigen endgültig gebrochen. Die Reaktion der Welt war eine Mischung aus Schock, Unglauben und tiefem Mitgefühl. nicht für einen Skandal, sondern für eine künstlerische Wiedergeburt von unvorstellbarer Tiefe. Der Künstler war wiedergeboren und seine Stimme war stärker und ehrlicher als je zuvor.
Die Geschichte von David Bowwys Flucht und Wiedergeburt in Berlin ist letztendlich mehr als nur die Rettung eines einzelnen Superstars vor dem Abgrund. Sie ist eine zeitlose Parabel über den wahren, oft unsichtbaren Preis des Ruhs und eine eindringliche Erinnerung daran, dass hinter jeder markelosen Ikone ein verletzlicher Mensch aus Fleisch und Blut steckt.
Seine Reise enthüllt die paradoxe Wahrheit der Unterhaltungsindustrie. Eine Maschine, die Genies erschaffen kann, während sie gleichzeitig die Menschen, die diese Genies sind, zu verschlingen droht. Bowys Geschichte steht stellvertretend für unzählige andere Künstler, insbesondere solche, die früh berühmt wurden, deren stille, Schreie und verlorene Jugend im lauten Applaus des Publikums untergingen.
Es ist ein Appell an unser Einfühlungsvermögen, den vergessenen Stimmen zuzuhören, bevor es zu spät ist. 10 Jahre nach seiner Ankunft im Juni 1987 kehrte Boy für ein legendäres Konzert an das Reichstagsgebäude in Westberlin zurück, direkt vor der monströsen Präsenz der Mauer. Tausende junge Menschen versammelten sich auf der Ostseite, so nah sie nur konnten, um die Echos seiner Musik zu hören, die wie eine verbotene Verheißung über den Todesstreifen drang.
Als er Heroes Sang, jenes Lied, das von einem gestohlenen Kuss an eben jener Mauer inspiriert war, rief er auf Deutsch eine Botschaft der Hoffnung und der Solidarität hinüber. In diesem unvergesslichen Moment war seine Musik keine bloße Unterhaltung mehr. Sie wurde zu einer emotionalen Brücke über eine unüberwindbare Grenze aus Beton und Stacheldraht.

Was wäre, wenn die Industrie ihre Künstler öfter als Menschen und nicht nur als unzerstörbare Produkte behandeln würde? Und sind wir als Publikum bereit, den leisen Zwischentönen zuzuhören, bevor die Lichter der Bühne für immer ausgehen? Der tiefgreifende Einfluss von Bowes Zeit in Berlin wurde nach seinem Tod im Jahr 2016 auf die denkbar offiziellste Weise gewürdigt.
Das deutsche auswärtige Amt veröffentlichte eine Nachricht, die um die Welt ging und das unausgesprochene Band zwischen dem Künstler und der Stadt besiegelte. Sie schrieben: “Goodbye, David Bowy, you are now among heroes. Thank you for helping to bring down the wall.” David Bowwiy kam nach Berlin, um sich selbst zu retten.
Am Ende half er den Geist einer ganzen Stadt zu beflügeln und wurde unbeabsichtigt zu einem Teil ihrer historischen Wiedervereinigung. Seine Geschichte ist der unsterbliche Beweis dafür, dass die größte Kunst oft aus den tiefsten Wunden wächst und dass eine einzige Stimme, die im richtigen Moment die Wahrheit singt, lauter sein kann als der Lärm einer ganzen Epoche.
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