Es sind Worte, die in der deutschen Medienlandschaft wie eine Bombe einschlagen. Wenn sich Größen der Unterhaltungsbranche wie Dieter Bohlen, Nena und Helge Schneider zu Wort melden, erwartet man oft leichte Kost. Doch was kürzlich in einer hochkarätigen Runde diskutiert wurde, war alles andere als das. Es war eine Abrechnung – hart, direkt und ohne die üblichen diplomatischen Filter. Von der umstrittenen “Brandmauer” über die Angst als Machtinstrument bis hin zum drohenden Kollaps des deutschen Mittelstands: Die Promis legten den Finger tief in die Wunden der Nation.

Dieter Bohlen: Schluss mit der “Brandmauer”-Rhetorik

Der wohl brisanteste Beitrag kam vom Pop-Titan persönlich. Dieter Bohlen, sonst eher für seine lockeren Sprüche bei DSDS bekannt, zeigte sich von einer ernsten, fast schon staatsmännischen Seite. Sein Thema: Der Zustand der deutschen Demokratie und der Umgang mit der AfD. Bohlen kritisierte den Begriff der “Brandmauer” scharf und bezeichnete ihn als “völlig idiotisch”. Für ihn sei Demokratie simpel definiert: Freie Wahlen finden statt, Parteien werden gewählt.

„In Deutschland ist diese Definition von Demokratie, finde ich, jetzt so ein bisschen abgeschafft“, monierte Bohlen. Er bezieht sich dabei auf den Umgang mit einer Partei, die in Umfragen teilweise bei 25 bis 26 Prozent steht. Seiner Meinung nach sei es der falsche Weg, einem Viertel der Bevölkerung die Mündigkeit abzusprechen oder sie pauschal als „geisteskrank“ abzustempeln. Statt Ausgrenzung fordert Bohlen eine sachliche, argumentative Auseinandersetzung. Er warnte zudem vor einem Klima der Angst, in dem man sofort als „Nazi“ oder „Faschist“ gebrandmarkt werde, sobald man eine abweichende Meinung äußere.

Wirtschaftlicher Kahlschlag: Der Mittelstand blutet aus

Doch nicht nur die politische Kultur bereitet dem Musikproduzenten Sorgen. Noch düsterer sieht er die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. „Deutschland lebt von diesem Mittelstand, das ist der einzige Motor, den wir überhaupt noch haben“, erklärte er leidenschaftlich. Bohlen wies darauf hin, dass Deutschland im Gegensatz zu den USA keine Tech-Giganten wie Amazon, Nvidia oder Apple vorweisen könne. Alles hänge am Mittelstand – und genau der werde durch absurde Bürokratie erstickt.

Seine Prognose ist alarmierend: Leistungsträger und intelligente Köpfe würden resignieren und das Land verlassen. Ziele wie Dubai oder die USA seien längst nicht so unerreichbar, wie oft in den Medien dargestellt. „Die gehen einfach“, so Bohlen nüchtern. Er verknüpfte dies direkt mit der Finanzierbarkeit des Sozialstaats. Dieser habe nur funktioniert, solange Deutschland durch Geschäfte mit China und Russland sowie als Exportweltmeister ein „fettes Wachstum“ verzeichnete. Doch jetzt seien die Taschen leer. „Der Sozialstaat, den wir haben, der kann nicht funktionieren“, lautete sein vernichtendes Urteil.

Auf die Frage nach seinen politischen Präferenzen gab sich Bohlen übrigens wortkarg aber vielsagend. FDP oder Grüne? „Nix.“ Bei der Wahl zwischen Sahra Wagenknecht und dem FDP-Urgestein Gerhart Baum fiel seine Wahl überraschend auf Wagenknecht – wenn auch mit dem süffisanten Nachsatz: „besseres Kleid“.

Nena: Angst als Instrument der Kontrolle

Während Bohlen die harten politischen und wirtschaftlichen Fakten analysierte, ging Nena auf die psychologische Ebene ein. Die Sängerin warnte eindringlich vor der Macht der Angst. „Alle Menschen, die Angst haben, sind schwerstens kontrollierbar“, so ihre These. Sie plädierte dafür, der Angst etwas entgegenzusetzen, um stark und eben nicht manipulierbar zu bleiben.

Auch zum Thema Donald Trump äußerte sie sich differenziert. Zwar sei sie kein Fan, aber sie weigere sich, neue Feindbilder aufzubauen. In ihrer Band, die teilweise aus Amerikanern besteht, sei Trump ein großes Thema. Nenas Ansatz ist jedoch weniger politisch als vielmehr spirituell-humanistisch: „Ich bin dagegen, sich neue Feindbilder zu schaffen.“

Für Nena liegt der Schlüssel zur Veränderung im Bewusstsein jedes Einzelnen. „Wenn wir so weitermachen wie jetzt, dann geht das einfach den Bach runter“, warnte sie. Mülltrennung und Fahrradfahren reichten nicht aus. Die eigentliche Frage sei: „Wie viel Müll habe ich in meinem Hirn? Wie viel Müll kommt täglich aus mir raus?“ Für sie ist der innere Frieden die Basis für alles Äußere.

Helge Schneider: Ehrlichkeit statt Polit-Show

Zwischen den ernsten Analysen sorgte Helge Schneider für die nötige Prise Humor, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Er erzählte eine Anekdote aus seiner Jugend, als er der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) beitreten wollte – nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil er einen Proberaum suchte. „Ich habe gesagt: Keine Ahnung, ich habe überhaupt keine Ahnung. Und wovon ich keine Ahnung habe, darüber spreche ich ja nicht“, so Schneider.

Diese einfache Weisheit wirkte in der Runde fast schon revolutionär: Nur über das reden, was man wirklich versteht. Sein damaliges Argument für den Beitritt war übrigens entwaffnend ehrlich: „Ich habe eine Band und wir brauchen einen Proberaum. Außerdem kifft ihr doch auch.“

Fazit: Ein Weckruf aus der Mitte der Gesellschaft

Was diese Runde so bemerkenswert machte, war die Abwesenheit der üblichen hohlen Phrasen. Hier sprachen drei Menschen, die finanziell unabhängig sind und es sich leisten können, ihre echte Meinung zu sagen. Bohlens Warnung vor dem wirtschaftlichen Abstieg und der Spaltung der Gesellschaft, Nenas Appell an das menschliche Bewusstsein und Schneiders bodenständige Ehrlichkeit ergeben zusammen ein Bild der aktuellen Stimmungslage: Die Menschen sehnen sich nach Klartext, nach Lösungen und nach einem Ende der ideologischen Grabenkämpfe. Ob die Politik diesen Weckruf hören wird, bleibt abzuwarten – die Bürger haben ihn sicher verstanden.