Stellen Sie sich vor, der Mann, der als Chef des Generalstabs im Oberkommando des Heeres einen der tödlichsten Feldzüge der Weltgeschichte mitplante, wird nach dem Krieg zu einem gefragten Experten und Historiker für die Vereinigten Staaten. Franz Halder, Hitlers engster militärischer Berater für die Planung des Ostkrieges, prägte nicht nur den Verlauf des Zweiten Weltkriegs, sondern später auch das Bild, dass wir uns von diesem Krieg machen.
Wie konnte ein zentraler Kopf in Hitlers Kriegsmaschinerie zu einem respektierten militärischen Autor und Gutachter für die USA werden? Halder stand im Zentrum zweier Schlachten. Zuerst an den Kartentischen, an denen Operationen wie Barbarossa entworfen wurden. Später an den Schreibtischen, an denen Berichte und Darstellungen über eben diesen Krieg entstanden.
In diesem Spannungsfeld aus Schuld, Verantwortung und Selbstrechtfertigung liegt seine Geschichte. In dieser Folge verfolgen wir seinen Weg vom bayerischen Offizierssohn über den Aufstieg zum Chef des Generalstabs bis hin zu seiner Rolle als einflussreicher Berater der USA Army, der entscheidend daran mitwirkte, wie Generationen von Historikern und Militärs den Zweiten Weltkrieg sehen.
Franz Halder wurde 1881 in eine militärische Familie hineingeboren. 1922 trat er noch jung in die bayerische Armee ein, zunächst unter dem unmittelbaren Kommando seines Vaters. Im Ersten Weltkrieg diente er in verschiedenen Stabsverwendungen. Dort lernte er Operationen zu planen, Truppenbewegungen zu koordinieren und unter Druck Entscheidungen zu treffen.
Diese Jahre im Stab prägten ihn stärker als jeder Fronteinsatz und legten den Grundstein für seinen späteren Ruf als nüchter Planer. Nach dem Krieg wechselte Halder in die Reichswehr der Weimarer Republik. In einer Zeit politischer Krisen und wirtschaftlicher Instabilität arbeitete er in Stabs- und Ausbildungsposten, unter anderem im Heeres Ausbildungswesen unter Walter von Brauchitsch.
In diesem engen durch den Versaill Vertrag stark begrenzten Offizierskorps machte er sich einen Namen als gewissenhafter Organisator und talentierter militärischer Planer. Jemand, der auch unter restriktiven Bedingungen langfristig dachte. Als Hitler 193 Reichskanzler wurde, galt Halder innerhalb der Armee bereits als anerkannter Fachmann.
1996 übernahm er die Leitung des Manöverstabes der Wehrmacht. Während der großen Wehrmachtsübungen von 1973 traf er Adolf Hitler zum ersten Mal persönlich ein Zusammentreffen, das seine Karriere beschleunigen sollte. Halder begrüßte zwar den Wiederaufbau der Streitkräfte, blieb aber skeptisch gegenüber den Methoden und Zielen der nationalsozialistischen Führung.
Diese innere Distanz bestimmte sein Verhalten gegenüber Hitler von Beginn an. Am 1. Februar 1938 wurde Halder zum General der Artillerie befördert und noch imselben Jahr zum Chef des Generalstabs des Heeres ernannt. Konservative Offiziere versuchten ihn für einen den möglichen Staatsstreich zu gewinnen, falls Hitler einen Krieg Krieg entfesseln sollte.
Doch Halder lehnte ab. Stattdessen äußerte er seine Sorgen inoffiziell gegenüber dem amerikanischen Diplomaten Raymond Geist und berichtete von der Angst im Heer vor einem Krieg gegen den Westen. Der Münchner Vertrag, der Deutschland, das Sudetenland einbrachte, schien den bewaffneten Konflikt zunächst noch einmal abzuwenden.
Als Chef des Generalstabs des Heeres stand Halder im Zentrum der deutschen Kriegsplanung. Zwischen ihm und Hitler kam es jedoch immer wieder zu Spannungen, denn Hallder und viele andere Berufsoffiziere empfanden Hitlers ständige Einmischung in operative Fragen als Belastung. Dennoch war es Hallder, der die Planungen für den Angriff auf die Sowjetunion die Operation Barbarossa entscheidend mitprägte.
Er beschränkte sich dabei nicht nur auf operative Überlegungen, sondern war auch unmittelbar an der Ausarbeitung zweier berüchtigter Befehle beteiligt des Kommissarbefehls und des Barbarossa Erlasses. Diese Anweisungen veränderten die Form des Krieges im Osten grundlegend. Der Kommissarbefehl ordnete die sofortige Erschießung sowjetischer Politoffiziere nach ihrer Gefangenname an.
Der Barbarossa Erlaß gab deutschen Truppen weitreichende Vollmachten ganze Dörfer zu vernichten und Zivilisten ohne gerichtliche Verfahren zu töten. Damit löste sich der Krieg im Osten bewusst von bisherigen Kriegsnormen. Halda teilte zunächst den verbreiteten Optimismus der deutschen Führung. In einem Tagebucheintrag vom Juli 191, nur wenige Tage nach Beginn des Feldzugs, klang er überzeugt, der Krieg sei im Grunde bereits gewonnen.
Doch je länger der Feldzug dauerte, desto deutlicher wurden die Grenzen dieser Selbstsicherheit. Bis August mußte Hallder einsehen, daß er die Stärke und Zähigkeit der roten Armee massiv unterschätzt hatte. Während der deutsche Vormarsch ins Stocken geriet und der russische Winter näher rückte, verschärften sich die Auseinandersetzungen mit Hitler.
Halda drängte darauf, alle Kräfte auf den Vorstoß nach Moskau zu konzentrieren, in der Hoffnung, der Fall der Hauptstadt könne den Krieg rasch entscheiden. Hitler hingegen beharte auf einer breiteren Strategie auf dem Vorstoß nach Süden in die ukrainischen Wirtschaftsräume und zu den Ölfeldern im Kaukasus. Dieser strategische Grundkonflikt prägte die weitere Entwicklung des Ostfeldzuges und trug dazu bei, dass entscheidende Chancen ungenutzt blieben.
Je länger der Krieg im Osten dauerte, desto offener traten die Spannungen zwischen Halder und Hitler zu Tage. In Halders Tagebüchern spiegelt sich eine wachsende Verachtung für Hitlers Eingriffe in operative Fragen. Hitler wiederum machte sich über Haldas Werdegang lustig und stellte seine Eignung als Frontführer in Frage.
Er spottete darüber, dass Hallder im Ersten Weltkrieg überwiegend im Stab gearbeitet und nicht an vorderster Front gekämpft hatte. Halda reagierte auf diese Angriffe nicht mit offenen Konfrontationen, sondern mit scharfzüngigen sarkastischen Einträgen in seinem Tagebuch. Dort kommentierte er Hitlers überzogene Ziele und die Diskrepanz zwischen politischem Größenwen und militärischer Realität.
Die Kluft zwischen beiden wurde immer tiefer. Falsche Prioritäten verpasste Gelegenheiten und widersprüchliche Befehle trugen dazu bei, dass die Offensive im Osten ins Chaos glitt. Die Folgen waren verheerend, das Scheitern von Operation Barbarossa und hunderttausende von Toten. Trotz der sich abzeichnenden Katastrophe hielten Halder und andere Spitzenoffiziere an groß angelegten Offensivplänen fest.
Sie unterschätzten weiterhin die tatsächliche Lage an der Front und die Erschöpfung der Truppen. Im September 1942 kam es schließlich zum Bruch. Hitler entließ Halder als Chef des Generalstabs des Heeres und versetzte ihn in die Führerreserve. Offiziell war er damit zur Disposition gestellt. Tatsächlich war er entmachtet und aus dem innersten Machtkreis entfernt.
Die Verantwortung für das Scheitern im Osten schob Hitler nun demonstrativ auf Halder ab, während dieser im Hintergrund weiterhin Kontakte zu regimischen Militärkreisen hielt. Auch nach seiner Entlassung blieb Halder in den inneren Kreisen der Militärführung präsent. Inoffiziell distanzierte er sich zunehmend von Hitler und beteiligte sich an vertraulichen Gesprächen, in denen Offiziere über eine mögliche Abkehr vom Regime nachdachten.
Offene Schritte wagte er allerdings nicht, als am 20. Juli 1944. Offiziere der Wehrmacht versuchten Hitler durch ein Bombenattentat zu töten, war Halder nicht direkt in die Planung eingebunden. Doch die Welle von Verhören und Nachforschungen nach dem gescheiterten Attentat holte ihn bald ein. Am 23. Juli 1944 wurde Halder von der Gestapo verhaftet.
Er kam nacheinander in die Konzentrationslager Flossenburg und Dahau. Im Gegensatz zu den meisten Häftlingen genoss er jedoch eine auffallend privilegierte Behandlung. Seine Frau Gertrud durfte bei ihm in der Haft bleiben. Eine äußerst ungewöhnliche Ausnahme, die zeigte, daß sein Rang und sein früherer Einfluss selbst im Untergang des Regimes noch Wirkung hatten.
Hallder selbst erklärte später, er habe keine Klagen über seine Haftbedingungen. Ihm wurden persönliche Gegenstände belassen. Er erhielt Schreibmaterial und konnte sein Tagebuch fortführen. Außerdem wurde er von der übrigen Lagerbevölkerung getrennt untergebracht, was seine Sonderstellung zusätzlich unterstrich. Während dieser Zeit traf er andere prominente Gefangene, darunter den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Leon Bloom.
Diese Begegnungen erweiterten seinen Blick auf den Krieg und dessen Folgen jenseits der deutschen Perspektive. Als sich die Niederlage des Dritten Reiches abzeichnete, gerieten auch die sogenannten Sonderhäftlinge in Gefahr, zwischen Fronten und Racheaktionen zerrieben zu werden. Am 30. April 1945, in den letzten Tagen des Regimes änderte sich Haldas Lage erneut.
Auf einem Transport nach Südtherol wurden er und andere prominente Gefangene von vorrückenden amerikanischen Truppen befreit. Damit endete seine Haft. Doch mit der Freiheit begann ein neuer Abschnitt, in dem Halder sich einer Welt stellen musste, die von einem Krieg gezeichnet war, den er selbst mitgeplant hatte. Seine Erlebnisse im Krieg und in der Gefangenschaft sollten sein Handeln in der Nachkriegszeit prägen und den Weg zu seiner umstrittenen Rolle als Deuter dieses Krieges bereiten.
Nach seiner Befreiung geriet Halder zunächst erneut in die Hände der Sieger. Amerikanische Truppen nahmen ihn fest und stellten Tulin ihn in ein Internierungslager, wo er wie viele andere höhere Offiziere auf ein mögliches Verfahren wartete. Anders als zahlreiche Spitzen des Regimes musste er sich jedoch nicht vor dem internationalen Militärtribunal in Nürnberg verantworten.
Stattdessen wurde sein Fall an ein deutsches Gericht übergeben, das ihn wegen Unterstützung des NS-Rimes anklagen sollte.Vorgericht bestritt Halder über die Verbrechen des Regimes im Detail informiert gewesen zu sein. Er stellte sich als rein militärischen Fachmann da, der an politischen Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sei.
Schließlich wurde er von diesen Vorwürfen freigesprochen. Doch während des Verfahrens erhielten die Ankläger Zugang zu seinem persönlichen Tagebuch. Dort fanden sich Hinweise auf seine Mitwirkung an der Ausarbeitung des Barbarossa Erlasses und des Kommissarbefehls, also genau jener Richtlinien, die den Vernichtungskrieg im Osten mit ermöglicht hatten.
Diese neuen Belege führten dazu, dass sein Fall erneut aufgerollt werden sollte. Doch inzwischen hatte Halder längst eine neue Rolle gefunden. Er arbeitete bereits für die Historical Division der US Army. Inmitten des beginnenden kalten Krieges waren die amerikanischen Streitkräfte sehr daran interessiert, dass Wissen erfahrener deutscher Offiziere über die rote Armee und den Krieg im Osten zu nutzen.
Haldas Mitarbeit galt als wertvoll und so lehnten die US-Behörden eine erneute Verhandlung ab. Das Verfahren gegen ihn wurde fallen gelassen. Nicht weil die Vorwürfe widerlegt waren, sondern weil er als Berater politisch und militärisch nützlich erschien. Als leitender Berater der Historical Division der US Army erhielt Halder eine Machtposition, die kaum jemand außerhalb Deutschlands wahrnahm, die aber enormen Einfluss auf das Bild des Krieges hatte.
Unter seiner Aufsicht entstanden rundert Studien und Darstellungen verfaßt von etwa ehemaligen deutschen Offizieren. Hallder setzte klare Regeln: “Alles, was das Ansehen der Wehrmacht beschädigen konnte, sollte möglichst ausgeblendet oder entschärft werden.” Er stellte einen Kreis vertrauter Exoffiziere zusammen, viele mit NS Vergangenheit, die Manuskripte prüften und überarbeiteten.
So entstand Schritt für Schritt eine geschönte Version des Ostkrieges. In dieser Erzählung kämpfte die Wehrmacht einen vermeilt, vermeintlich sauberen Krieg, während die SS und andere Organe des Regimes für die Verbrechen verantwortlich gemacht wurden. Alder rückte das Bild der anständigen Frontsoldaten in den Vordergrund und trennte sie scharf von den politischen Tätern, obwohl der Vernichtungskrieg im Osten ohne die Beteiligung der Wehrmacht nicht möglich gewesen wäre.
Sein Einfluss blieb nicht auf interne Berichte beschränkt. Halder wirkte an dem sogenannten Generalsmemorandum, mit das für die Nürnberger Prozesse erstellt wurde und die deutschen Streitkräfte als im Kern unpolitisch und weitgehend unschuldig darstellte. In Studien über den Angriff auf die Sowjetunion wurden Hinweise auf den Kommissarbefehl und andere verbrecherische Anweisungen abgeschwächt oder ganz gestrichen.
Ende der 50er Jahre endete sein Tätigkeit für die Historical Division. erhielt Halder die Meritorious Civilian Service Award der US Army. Eine Auszeichnung, die ihn zu einem der wenigen Deutschen machte, die sowohl von Hitler als auch von einem amerikanischen Präsidenten geehrt wurden. Hallders Deutung des Krieges blieb nicht in den Archiven der US-Amy eingeschlossen.
Seine geschönten Darstellungen prägten Fachliteratur, militärische Ausbildungstexte, populäre Sachbücher und sogar Schulbücher bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Bild von der sauberen Wehrmacht, die angeblich ehrenhaft gekämpft habe, während allein SS und Parteiorgane für die Verbrechen standen, wurde zu einem einem weit verbreiteten Narrativ.
und Halder war einer seiner zentralen Architekten. Erst spätere Generation von Historikern begannen systematisch seine Aussagen mit den originalen Kriegsdokumenten und Tagebüchern zu vergleichen. Dabei traten deutliche Widersprüche zutage. Halders nachträgliche Behauptungen. Er habe den Angriff auf die Sowjetunion abgelehnt oder zumindest kritisch gesehen.
nicht zu seinen eigenen Einträgen aus den Jahren 1991 und 1942, in denen er den Feldzug optimistisch begleitete und die Umsetzung der verbrecherischen Befehle nicht in Frage stellte. Seine Rolle bei der Ausarbeitung des Kommissarbefehls und des Barbarossa Erlasses ließ sich nicht länger wegdiskutieren.
Franz Hallder wurde damit zu einem Symbol für ein größeres Problem die Kluft zwischen dem, was während des Krieges geschah und dem, was nach dem Krieg darüber erzählt wurde. Ein Leben zeigt, wie sehr Erinnerung formbar ist und wie verführerisch es für Täter oder Mitverantwortliche sein kann, ihre eigene Geschichte zu glätten.
Bis heute bleibt Halder eine umstrittene Figur. Für die einen ist er eine wichtige Quelle militärhistorischer Detailkenntnis für die anderen ein Mann, der entscheidend dazu beigetragen hat, die Verbrechen der Wehrmacht zu verschleiern. Seine Biographie erinnert daran, wie wichtig eine kritische quellennahe Geschichtsschreibung ist, wenn man der Vergangenheit wirklich ins Auge sehen will. M.
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