Martin Rütter, der Mann, der den Deutschen das „Hündisch“ beigebracht hat, gilt als Inbegriff von Souveränität, Humor und psychologischem Feingefühl. Seit Jahrzehnten füllt er Hallen, schreibt Bestseller und moderiert erfolgreiche TV-Formate. Doch während er Millionen von Menschen erklärte, wie sie die Beziehung zu ihren Vierbeinern retten können, geriet sein eigenes Privatleben unbemerkt aus den Fugen. Mit 55 Jahren bricht der „Hundeprofi“ nun sein Schweigen und spricht über eine Phase seines Lebens, die von tiefer Traurigkeit, Erschöpfung und dem schmerzhaften Scheitern seiner Ehe geprägt war.
Der schleichende Zerfall einer perfekten Welt Die Geschichte von Martin Rütter ist die eines Mannes, der intensiv liebt und sich stark bindet, was ihn jedoch auch extrem verletzlich macht. Über Jahre hinweg lebte er in dem festen Glauben, den Spagat zwischen einer beispiellosen Karriere und einem stabilen Familienleben meistern zu können. Doch der Erfolg forderte einen Preis, den er lange Zeit unterschätzte. Die ständige Präsenz in den Medien, endlose Tourneen und die Verantwortung für sein wachsendes Unternehmen ließen die Zeit für das Wesentliche schrumpfen: die Ehe mit seiner Frau Bianca.
Bianca Rütter, die jahrelang an seiner Seite stand, beschrieb die Situation später sehr offen. Es war kein plötzlicher Knall, der die Ehe beendete, sondern eine schleichende Entfremdung. Während Martin Rütter auf den Bühnen des Landes bejubelt wurde, wuchs zu Hause die emotionale Distanz. Bianca erlebte einen Ehemann, der zwar körperlich anwesend, aber mental oft völlig erschöpft und leer war. „Er hat versucht, immer stark zu bleiben, selbst als er längst an seine Grenzen gestoßen war“, erinnert sie sich.
Die Krise: Wenn der Boden unter den Füßen nachgibt Der absolute Tiefpunkt kam im Jahr 2013 mit der endgültigen Trennung. Für Martin Rütter brach eine Welt zusammen. Es war nicht nur das Ende einer Partnerschaft, sondern die schmerzhafte Erkenntnis, als Mensch versagt zu haben. Er, der Profi für Beziehungen, musste sich eingestehen, dass er seine eigene wichtigste Bindung nicht retten konnte. Diese Phase war geprägt von Selbstvorwürfen und einer inneren Leere, die selbst der größte Applaus nicht füllen konnte.
In seltenen, ehrlichen Momenten gibt Rütter heute zu, dass er damals unter chronischer Erschöpfung und tiefen Schlafstörungen litt. Die Angst vor dem Scheitern begleitete ihn jede Nacht. Er fühlte sich orientierungslos und hatte den Anschluss an sich selbst verloren. Diese Traurigkeit war nicht laut oder dramatisch, sondern schwer und erdrückend – gerade weil er sie lange Zeit vor der Öffentlichkeit verbarg, um das Bild des starken Machers aufrechtzuerhalten.
Gesundheit als Warnsignal: Der Körper streikt Mit dem Alter kamen auch die körperlichen Signale, die er nicht mehr ignorieren konnte. Stressbedingte Beschwerden wie chronische Rücken- und Nackenschmerzen wurden zu ständigen Begleitern. Sein Körper forderte die Ruhe ein, die seine Seele schon lange brauchte. Martin Rütter musste lernen, dass wahre Stärke nicht im Durchhalten um jeden Preis liegt, sondern im rechtzeitigen Innehalten. Heute, mit 55 Jahren, betrachtet er seine Gesundheit als ein fragiles Gut, das er aktiv schützt. Er hat sein Arbeitspensum reduziert und setzt Prioritäten neu – weg vom reinen Erfolg, hin zu innerer Ruhe.

Ein neues Verständnis von Liebe und Reichtum Auch materiell hat Rütter ausgesorgt; sein Vermögen wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Doch die Krisen der Vergangenheit haben seinen Blick auf Wohlstand verändert. Geld bedeutet für ihn heute vor allem Unabhängigkeit und Sicherheit für seine Kinder, nicht aber persönlichen Glanz. Sein Haus in Nordrhein-Westfalen ist ein schlichter Rückzugsort, weit weg von den Kameras.
Das wichtigste Ergebnis seines langen Weges ist jedoch seine neue Sicht auf die Liebe. Nach der schmerzhaften Scheidung und den Jahren der Einsamkeit hat Martin Rütter ein reiferes Verständnis von Partnerschaft entwickelt. Er glaubt nicht mehr an romantische Ideale, sondern an die tägliche, ehrliche Arbeit an einer Beziehung. Er hat gelernt, Gefühle auszusprechen, statt sie hinter Arbeit zu verstecken. Sein Schweigen zu brechen war für ihn der erste Schritt in ein neues Leben, das zwar weniger perfekt, aber dafür umso wahrhaftiger ist. Martin Rütter ist heute mehr als nur der Hundeprofi – er ist ein Mann, der durch Schmerz zu einer neuen Form von Stärke und Zufriedenheit gefunden hat.
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