Es sollte der strahlende Neuanfang für die größte Silvesterparty im deutschen Fernsehen werden. Nach Jahrzehnten am Brandenburger Tor in Berlin zog der ZDF-Klassiker „Willkommen 2026“ erstmals in die Hamburger HafenCity. Eine schwimmende Bühne auf der Elbe, das weltmännische Flair der Hansestadt und das bewährte Moderatoren-Duo Andrea Kiewel (60) und Johannes B. Kerner (61) sollten für Quoten-Gold sorgen. Doch was sich in der Silvesternacht abspielte, glich eher einer norddeutschen Tragikomödie als einer glamourösen Gala. Von bizarren Versprechern über peinliche Technik-Pannen bis hin zu einer enttäuschenden Zuschauerkulisse – der Start ins Jahr 2026 wird vielen wohl aus den falschen Gründen in Erinnerung bleiben.

Wenn aus Stunden Jahre werden: Kiwis Kampf mit der Zeit

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz des Live-Fernsehens: Fehler passieren. Doch was Andrea Kiewel in dieser Nacht ablieferte, bot dem Internet eine Steilvorlage, die dankbar angenommen wurde. Die Sendung lief bereits gut 100 Minuten, die Stimmung war – zumindest auf der Bühne – ausgelassen. Es war exakt 22:00 Uhr, als Kiewel zum Mikrofon griff, um die verbleibende Wartezeit bis zum Jahreswechsel zu moderieren.

Mit dem Brustton der Überzeugung verkündete die 60-Jährige: „Es ist 22 Uhr.“ Soweit, so korrekt. Doch dann folgte der Satz, der sich in Windeseile auf der Plattform X (ehemals Twitter) verbreitete: „Noch zwei Jahre lang 2025!“

Ein kurzer Moment der Stille, ein irritierter Blick von der Seite, aber der Satz war raus. Andrea Kiewel hatte in der Hitze des Gefechts Stunden mit Jahren verwechselt. Ein klassischer Freud’scher Versprecher? Oder war die Moderatorin gedanklich schon viel weiter? Die Zuschauer vor den Bildschirmen trauten ihren Ohren kaum. Statt sich auf die letzten zwei Stunden des Jahres zu freuen, verlängerte Kiwi das Jahr 2025 mal eben um eine halbe Ewigkeit.

Natürlich blieb dieser Fauxpas nicht unbemerkt. Unter dem Hashtag #Willkommen2026 explodierten die Kommentare. „Und täglich grüßt das Murmeltier“, schrieb ein User süffisant. Ein anderer kommentierte bissig: „Achtung, im Hamburger Hafen befindet sich eine verwirrte Frau auf einem schwimmenden Dock.“ Die Häme war grenzenlos, aber sie war erst der Anfang. Denn wer dachte, dass Kiewel nach diesem Patzer wieder in die Spur finden würde, hatte die Rechnung ohne die Uhrzeit nach Mitternacht gemacht.

Der zweite Streich: Das Jahr ist jünger als gedacht

Das Feuerwerk war verpufft, das neue Jahr 2026 begrüßt, und die Show ging weiter. Um 00:35 Uhr meldete sich Kiewel erneut zu Wort, um die Stimmung einzuordnen. Doch auch hier schien ihr innerer Zeitmesser einen Defekt zu haben. „Das neue Jahr ist gerade mal 20 Minuten alt“, rief sie ins Publikum – dabei war es bereits 35 Minuten nach Mitternacht.

Wieder lagen Zeit und Raum für die Moderatorin in einer anderen Dimension. Für die kritischen Gebührenzahler war das gefundene Fressen. „Nur 18,36 Euro pro Monat“, spottete ein Kommentator in Anspielung auf den Rundfunkbeitrag und stellte die Qualität der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung infrage. Es sind diese kleinen Momente, die zeigen, wie dünn das Eis ist, auf dem sich Moderatoren bei solch riesigen Live-Events bewegen. Jeder Satz wird auf die Goldwaage gelegt, und wenn sich die Fehler häufen, kippt die Stimmung von „charmant verpeilt“ zu „unprofessionell“.

Technik-Desaster: Wenn die Musik einfach nicht spielen will

Doch es wäre unfair, das „Pannen-Feuerwerk“ allein auf Andrea Kiewels Schultern zu laden. Auch die Technik-Crew des ZDF schien an diesem Abend vom Pech verfolgt – oder vom berüchtigten Hamburger Schmuddelwetter sabotiert.

Der wohl unangenehmste Moment des Abends traf Schlagersängerin Kerstin Ott. Johannes B. Kerner kündigte sie euphorisch mit ihrem Mega-Hit „Die immer lacht“ an. Die Kamera schwenkte auf Ott, die bereitstand, um loszulegen. Doch was aus den Boxen dröhnte, war ein völlig anderes Lied. Verwirrung auf der Bühne, Ratlosigkeit im Gesicht der Sängerin. Das Playback streikte, die Regie schien überfordert.

Kerner, Profi durch und durch, musste improvisieren. Minutenlang wurde die Zeit überbrückt, bis die Technik endlich mitspielte. Für eine Produktion dieser Größenordnung, die Monate der Vorbereitung in Anspruch nimmt, ist ein solcher Fehler der „Worst Case“. Später am Abend traf es dann auch noch DJ Felix Jaehn, dessen Auftritt sich verzögerte. Hier sprang Andrea Kiewel in die Bresche und schob die Schuld auf das Wetter. „Wir haben Probleme wegen des Wetters“, erklärte sie. Tatsächlich nieselte es in Hamburg bei ungemütlichen Temperaturen, was für empfindliche Veranstaltungstechnik unter freiem Himmel natürlich Gift ist. Dennoch: Für den Zuschauer zu Hause wirkte die Aneinanderreihung von Pannen wie eine schlecht geprobte Generalprobe.

Geisterstimmung in der HafenCity: Wo waren die Zuschauer?

Neben den verbalen und technischen Aussetzern sorgte vor allem ein optischer Eindruck für Diskussionen: Die Leere. Das ZDF hatte die Show als das Mega-Event in der HafenCity angepriesen. Doch immer, wenn die Kameras ins Publikum schwenkten, sahen die Zuschauer zu Hause große Lücken.

Von den erwarteten 12.000 Besuchern waren laut Berichten nur knapp 9.000 gekommen. Das schlechte Wetter und die Tatsache, dass es das erste Mal an diesem neuen Standort stattfand, mögen eine Rolle gespielt haben. Doch im Fernsehen wirkte es teilweise trostlos. „ZDF-Silvestershow heute mit Corona-Abstandsgebot?“, fragte ein User sarkastisch auf X. Ein anderer bemerkte trocken: „Die Anzahl der anwesenden Zuschauer kann man gefühlt an einer Hand abzählen.“

Für die Veranstalter und das ZDF ist das ein bitteres Fazit. Der Umzug von Berlin nach Hamburg war ein Wagnis. Berlin hatte die Finanzierung gestoppt, Hamburg sprang ein und wollte sich als „Tor zur Welt“ präsentieren. Doch Bilder von halbleeren Rängen und Zuschauern in Regenponchos, die eher frierend als feiernd aussahen, sind nicht die Werbung, die man sich erhofft hatte.

Ein Abend zum Vergessen – oder Kult?

Was bleibt also von „Willkommen 2026“? Es war ein Abend, an dem Murphy’s Law regierte: Alles, was schiefgehen konnte, ging schief. Andrea Kiewel, die im „ZDF-Fernsehgarten“ oft für ihre unkonventionelle Art gefeiert wird, wirkte an diesem Abend fahrig und unkonzentriert. Die Chemie mit Johannes B. Kerner stimmt zwar grundsätzlich, konnte aber die strukturellen Probleme der Show nicht überdecken.

Für Andrea Kiewel wird dieser Abend als einer der holprigsten ihrer Karriere in die Geschichte eingehen. Die „Zwei Jahre 2025“-Ansage hat jetzt schon Meme-Potenzial und wird uns sicher noch in diversen Jahresrückblicken begegnen.

Man muss jedoch auch eine Lanze für die Macher brechen: Live-TV ist ein Hochseilakt ohne Netz. Dass bei einer mehrstündigen Open-Air-Show bei Hamburger Nieselregen nicht alles glattläuft, ist menschlich. Doch die Häufung der Pannen – vom Moderatorin-Blackout bis zum Technik-Ausfall – hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Für das nächste Jahr, wenn es dann wirklich heißt „Willkommen 2027“, gibt es viel zu tun. Die Technik muss wetterfest gemacht werden, das Publikum muss besser mobilisiert werden – und Andrea Kiewel sollte vielleicht vorher noch einmal einen genauen Blick auf die Uhr werfen. Oder sich zumindest merken, in welchem Jahr wir uns befinden.

Bis dahin bleibt uns nur der Humor. Denn wie sagte schon ein weiser Internet-Nutzer in dieser Nacht: Wenn wir wirklich noch „zwei Jahre lang 2025“ hätten, könnten wir diesen Abend einfach noch einmal üben. In diesem Sinne: Frohes Neues Jahr 2026 – auch wenn es für manche gefühlt noch in weiter Ferne lag!